Team Sonic Racing in der Vorschau – Auch ohne Transformation aufs Podium?

Frisch von der Gamescom: Team Sonic Racing-Bild5

Team Sonic Racing: Unsere Vorschau zum Fun-Racer

Dass der wohl schnellste Igel der Welt nicht nur auf eigenen Beinen zu Höchstleistungen aufläuft, hat SEGA bereits in der Vergangenheit bewiesen. Ende Mai dürfen Sonic und Co. ein weiteres Mal die Rennstrecke unsicher machen und treten in Team Sonic Racing zum großen Wettstreit an. Auf die irrwitzigen Transformationen des letzten Teils verzichtet Entwickler Sumo Digital dabei zwar vollkommen, stellt dafür aber ein anderes Feature ganz oben aufs Treppchen: Das eigene Team. Wir konnten dem Fun-Racer rund einen Monat vor Release gründlich unter die Haube schauen und verraten, ob Sonic einen fliegenden Start hinlegt oder nicht vom Fleck kommt.

Teamplay statt Transformation

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Transformationen ade! Es wird wieder bodenständig.

Seit Jahren dreht Mario Kart einsam seine Runden im Olymp der quietschbunten Fun-Racer und hält das Monopol für schnell-schnittigen Spaß auf vier Rädern. Bisher hat es nur eine Reihe geschafft, dem Dauerbrenner von Nintendo wirklich Paroli zu bieten: Die Sonic-Racing-Series. Zuletzt sorgte Sonic & All-Stars Racing Transformed 2012 für Aufsehen, denn es brachte zum zweiten Mal die Riege der SEGA MVPs zusammen und überraschte gleichzeitig mit seiner innovativen Transformations-Mechanik. Per Knopfdruck verwandelten sich Rennwagen in Boote und sogar Flugzeuge. Umso überraschender also, dass Team Sonic Racing sich von den beiden großen Features des Vorgängers verabschiedet und stattdessen seine ganz eigene Strecke einschlägt.

Mit an Bord sind dieses Mal nämlich ausschließlich Charaktere aus dem Sonic-Universum. Von Tails über Dr. Eggman bis hin zu Big the Cat: 15 beliebte Charaktere warten mit eigenen Stärken, Schwächen und Eigenheiten darauf, von euch über knallbunte Strecken gejagt zu werden. Sonic-Fans kommen also voll auf ihre Kosten, während SEGA-Anhänger leider zurückstecken müssen. Dafür präsentiert sich das Fahrerfeld so ausgewogen wie selten zuvor. In drei verschiedenen Klassen rollen je fünf ikonische Raser an die Startlinie. Während “Speed”-Charaktere wie Sonic über mächtig Geschwindigkeit verfügen, punkten Vertreter der “Technique”-Klasse damit, ungehindert über Grasflächen oder Kies brettern zu dürfen. Im Gegenzug durchbrechen die Mitglieder der “Power”-Fraktion sperrige Hindernisse wie Steinbrocken als wären es KitKats.

Eintauschen statt Einigeln!

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Ungewolltes Item? Per Knopfdruck tauscht ihr mit eurem Team.

Daraus ergeben sich eine ganze Menge Kombinationsmöglichkeiten, mit denen ihr euer Team zum Sieg führt. Denn genau darum dreht sich alles im neuen Fun-Racer von SEGA: Teamplay. Anders als beim Genre-König geht es also nicht nur darum, allen anderen davonzufahren, sondern den eigenen Mitstreitern zur Seite zu stehen – sei es mit kurzen Boosts oder kleinen Geschenken. Ob ihr am Ende ganz oben steht, hängt in Team Sonic Racing nämlich von den Leistungen der gesamten Mannschaft ab. Erst am Ende des Rennens entscheidet sich, wer den Sieg davonträgt, denn dann werden alle erfahrenen Punkte zusammengerechnet und das Gewinner-Team gekürt. Dass Sumo Digital es mit dem Zusammenhalt wirklich Ernst meint, lässt sich bereits nach wenigen Minuten mit dem Spiel spüren. Schließlich gibt es eine ganze Reihe an Features, die ausgeprägtes Teamplay belohnen. Folgt ihr bspw. der Ideallinie eurer Kollegen, gibt euch das Spiel einen fetten Boost, sobald ihr den Windschatten verlasst. Oder aber ihr schiebt eure Buddies an, wenn sie wild durch die Gegend trudeln, was in einem Schub für euch beide resultiert.

Der wohl größte Unterschied zu herkömmlichen Fun-Racern besteht jedoch im Handling der Items. 14 unterschiedliche Wisps aus den Sonic-Spielen sammelt ihr überall auf den Strecken und setzt sie gegen eure Gegner ein – soweit so Mario Kart. In Team Sonic Racing allerdings könnt ihr ungewollte Items an Teammates schicken, die sie vielleicht eher gebrauchen können. Ihr seid auf dem ersten Platz und das Spiel drückt euch schon wieder eine nutzlose Rakete rein? Kein Problem, denn per Knopfdruck bietet ihr einem anderen Mitspieler das Item an, der es sofort danach nutzen kann. Gleichsam fordert ihr kleine Geschenke von euren Mitspielern. Das dynamische Hin- und Herschieben der Power-ups funktioniert nicht nur hervorragend, sondern bietet auch spielerische Vorteile, denn mit jedem Tausch werden die Items stärker und ihr verdient mehr Kraft für euren ultimativen Boost. Einmal gezündet, schickt euch dieser in einen Rausch aus Farben und Formen, der länger anhält, je mehr Teammitglieder ihn gleichzeitig aktivieren.

Umfang statt Unfall

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Beim Umfang schon jetzt in Front.

Grundsätzlich und vor allem im Zusammenspiel mit anderen realen Piloten macht das alles schon gehörig Spaß. Auch deshalb, weil wir in Sachen Umfang bislang nichts zu meckern haben. 21 Strecken, davon 12 brandneue Rundkurse sowie 9 Fan-Favorites aus alten Teilen laden zu ausgedehnten Mulitplayer-Rennen ein. Bis zu 12 Raser, also vier Dreierteams, sind in den zahlreichen Online-Modi gleichzeitig möglich. Hinzu kommt ein Vier-Spieler-Splitscreen, bei dem wir uns allerdings noch die Frage stellen, was der vierte Spieler tut, während die drei anderen im Team um den Sieg kämpfen. Aber auch Solisten kommen in Team Sonic Racing nicht zu kurz, denn zu Einzelrennen und Zeitfahren gesellt sich erstmals der Abenteuer-Modus. Hier gilt es, eine Abfolge von Rennen, Grand Prix und spaßigen Geschicklichkeitseinlagen zu absolvieren, um sich von einer Welt in die nächste zu fahren.

Das Ganze soll als eine Art Einführung in die Grundmechaniken des Spiels fungieren, lässt sich aber ebenso zu dritt spielen und stellte sich dank cleverer Spielmechaniken als enorm vielfältig heraus. Während wir im einen Spielmodus gekonnt um Stangen driften müssen, um möglichst viele Punkte zu ergattern, ging es im nächsten darum, vor uns fahrende Mini-Roboter aus der Bahn zu rammen, um einen schwindenden Timer am Leben zu halten. Unser Favorit: Eine Geschicklichkeitsprobe, die von uns verlangt, beweglichen Zielen auf der Strecke auszuweichen und gleichzeitig mehr oder weniger breite Torstangen zu passieren. Einziger Wermutstropfen: In den Teamrennen des Abenteuer-Modus (sofern ihr allein zockt) stellt uns das Spiel zwei KI-Buddies an die Seite, die sämtliche neuen Features leider konsequent ignorierten. Hier stieß das Teamplay dann doch an seine Grenzen.

Spielspaß statt Stillstand

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Team Sonic Racing: Ein kreatives Mosaik der Fun-Racer

Stellt ihr euch gut an, hagelt es anschließend Belohnungen in Form von Münzen. Diese verwandelt ihr wiederum im Shop in kosmetische Belohnungen. Auch wenn wir das innovative Transformations-System des Vorgängers schmerzlich vermisst haben: Die umfassenden Customization-Optionen in Team Sonic Racing machen einen ganz guten Job, euch mit einzigartigen Teilen zu versorgen, sodass ihr euch eure ganz eigene Karre zusammenbasteln könnt. Viel Einfluss auf das Gameplay nehmen die stolzen 135 verschiedenen Autoteile nicht, denn die Stellschrauben, welche euch das Spiel an die Hand gibt, fallen recht kurz aus. Hier ein kleiner Vorteile im Bereich der Beschleunigung, da ein Nachteil beim Handling. Für jede Strecke bzw. jeden Renntypus finden sich die entsprechenden Teile, erwartet allerdings keine umfassenden Tuning-Möglichkeiten. Schließlich steht in Team Sonic Racing nicht die Performance im Menü an erster Stelle, sondern der Skill auf der Piste.

Glücklicherweise lässt sich der problemlos auf den Asphalt bringen, denn Technik und Präsentation von Team Sonic Racing spielen mit. Auch wenn unsere Version auf der PS4 nicht vor winzigen Einbrüchen der Bildrate gefeit war, spielten sich die Rennen -sowohl on- als auch offline – butterweich. Lediglich kleinere Verbindungsabbrüche, von denen wir aber nicht sagen können, ob sie mit dem aktuellen Build oder anderen Faktoren in Zusammenhang standen, ließen minimale Fragezeichen im Raum stehen. Optisch muss sich SEGAs Fun-Racer jedoch vor niemandem verstecken. Die Layouts und Themen der 21 Strecken überzeugten mit viel Kreativität, knallbunten Farben und blieben dabei trotzdem jederzeit übersichtlich. Sie sind zwar nicht mehr so vertrackt wie noch beim Vorgänger, bieten dafür aber endlos viel Fanservice für alle Sonic-Nerds und lassen eine Menge Raum für die großartigen Teamplay-Mechaniken des neuen Sonic-Racers.

Team Sonic Racing erscheint am 21. Mai 2019 für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und digital auf dem PC

Vielversprechend

Christian Böttcher

Auch ohne prominente Gäste aus dem SEGAVERSUM rollt Team Sonic Racing mit stolzgeschwellter Brust an die Startline. Und das völlig zurecht. Der Fun-Racer macht seinem Titel alle Ehre, indem er den Fokus vom strahlenden Ersten hin zu einer geballten Teamleistung verschiebt. Das funktioniert bis dato hervorragend, denn die neuen Gameplay-Mechaniken harmonieren erstklassig mit dem innovativen Konzept und lassen gerade im Zusammenspiel mit anderen Freizeitrasern richtig gute Laune aufkommen. Das Fahrgefühl macht einen Monat vor Release einen starken Eindruck, was nicht nur ausgedehnte Multiplayer-Rennen, sondern auch kreative Spielmodi für Einzelspieler ermöglicht. Wer also nach einem ernstzunehmenden Konkurrenten für Genre-Primus Mario Kart gesucht hat, findet in Team Sonic Racing möglicherweise den besten Arcade Racer des Jahres.
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