Vorschau: A Plague Tale: Innocence

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Das Mittelalter ist zurück! Nachdem in den vergangenen Jahren Action-Adventures im Sci-Fi-Setting auf dem Vormarsch waren und auch die guten alten Vampire, Piraten und Co. nicht zu kurz kamen, sind die Dark Ages aktuell wieder voll im Trend. So düster wie in A Plague Tale: Innocence haben wir die Epoche allerdings selten gesehen. Wir sind für euch ins moderne Paris gereist, ganz ohne Pest, und haben in einer 1-stündigen Demo erfahren wie stimmungsvoll und hoffnungslos das Spiel tatsächlich ist.

Überleben in einer unwirklichen Realität

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Asobo ist ein Name, den man gemeinhin mit Plattformern zu Pixar-Klassikern wie Toy Story oder Wall-E in Verbindung bringt. Auch das ein oder andere Rennspiel wie etwa The Crew findet sich im Portfolio des französischen Studios. A Plague Tale markiert also den Beginn einer neuen Zeitrechnung für die Entwickler – Die Ära der Action-Adventures. Soviel vorab: Das emotionale Abenteuer, welches sich zu großen Teilen im mittelalterlichen Paris abspielen wird, könnte einer der großen Titel des kommenden Jahres werden.

A Plague Tale: Innocence erzählt eine Geschichte von Bruder und Schwester. Die Waisenkinder Amicia und Hugo irren durch ein von Inquisition und Pest gezeichnetes Paris. Auf den Straßen patrouillieren seelenlose Soldaten und greifen jeden auf, den sie in die Finger bekommen können, um im religiösen Folterwahn an Informationen zu gelangen. Das eigentliche Problem sind jedoch die schier endlosen Horden von Ratten, die alles verzehren, was sich bewegt und die Stadt somit Stück für Stück in Chaos und Verderbnis stürzen.

Um zu bestehen, müssen sich die Geschwister mit anderen Waisen zusammentun und gemeinsam einen Weg finden, die lauernden Inquisitoren hinter sich zu lassen. Auf ihrer Reise schleichen sie sich an qualmenden Schlachtfeldern vorbei, durchforsten verlassene Siedlungen nach Vorräten und erwehren sich im Schatten der omnipräsenten Rattenplage. Als wäre das nicht genug, zieht sich die Pest wie ein Leichentuch über das Land und macht auch vor den Amicia und ihrem kleinen Bruder nicht Halt. Für die verlorenen Kinder zählt nur eins: Zu Überleben.

Kindliche Unschuld als Leitmotiv

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A Plague Tale: Innocence hat ein großes Alleinstellungsmerkmal, das sich bereits im Namen findet: Die Unschuld. In der neuen Gameplay-Demo, die wir uns angeschaut haben, standen vor allem Charaktere, Atmosphäre und das Feeling im Vordergrund, mit dem wir im Spiel konfrontiert werden. Unschuldig ist dabei besonders Hugo, der seiner großen Schwester zu keiner Zeit von der Seite weicht und noch nicht recht verstehen will, in welcher Gefahr sich die beiden befinden.

So gut es geht versucht Amicia, ihren Bruder vor den Schrecken der Inquisition fernzuhalten und schirmt ihn deshalb verzweifelt von Szenen der Folter und der allgegenwärtigen Rattenplage ab. Seine Unschuld soll bewahrt werden, auch wenn sie dafür ihre eigene opfern muss. In der Third-Person-Perspektive schauen wir Amicia dabei über die Schulter.

Dieses einzigartige Konzept schlägt sich auch im Gameplay nieder. Um einige der Rätsel im Spiel zu lösen, benötigt es zwei Personen und so erklärt sie dem kleinen Bruder in strengem Ton, was er zu tun hat und wo er dabei auf keinen Fall hinschauen sollte. Diese Interaktion als Gameplay-Element erinnerte uns sofort an das phantastische Brothers: A Tale of Two Sons. Kämpfe werdet ihr in A Plague Tale: Innocence vergeblich suchen. Stattdessen nimmt das Action-Adventure die düstere Zeit, in der es spielt, zum Anlass für Rätsel im Bereich von Licht und Schatten. Und das funktioniert auf innovative Art und Weise.

Das Spiel mit Licht und Schatten

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Auf der Flucht vor der Inquisition gelangen Amicia, Hugo und ein weiterer Waisenjunge an die Ausläufer eines verlassenen Schlachtfeldes. Schnell wird ihnen klar, dass der einige Weg zu entkommen sie mitten durch die rauchenden Belagerungsmaschinen, von Krähen zerfetzten Leichenberge und überlebenden Soldaten führt. Um nicht von Ratten übermannt zu werden, hält sich das Grüppchen im Licht, denn genau das fürchten die struppigen Krankheitsüberträger. Das haben auch die Soldaten erkannt und tragen deshalb Laternen, Fackeln und andere Strahlungsquellen mit sich. Um an ihnen vorbeizukommen, nutzt die pfiffige Amicia ihre Schleuder, mit der sie Gegner in die tödliche Dunkelheit lockt oder ihnen die Laternen ganz einfach aus der Hand schießt.

Licht, Schatten und Ratten sind also mehr als nur Kulisse in einer verpesteten Umgebung. Sie dienen als Ressourcen und tödliche Gefahr gleichermaßen. Es liegt an euch, in Person von Amicia zu entscheiden wie ihr diese Ressourcen nutzt, um zu überleben. In der Demo stießen wir bereits auf einige interessante Mechaniken, die sich aus dem gut durchdachten Spiel mit dem Licht ergeben. Denn nicht nur Amicia ist gewieft. Auch die Inquisitoren bemerken, dass sie es mit einer echten Gegnerin zu tun bekommen und leiten Schutzmaßnahmen ein. Diese erstrecken sich von gut geschützten Lagerfeuern bis hin zu eisenverstärkten Laternen. Kurzum: Das Spielprinzip birgt eine Menge Potenzial für etliche Stunden Spaß.

Ein perfekt abgestimmtes Kunstwerk

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Weniger spaßig, dafür aber hochemotional und atmosphärisch geht es in puncto Inszenierung zu. Die wenigen Zwischensequenzen, die wir bisher bestaunen konnten, wirken allesamt wie aus einem Guss und setzen das düstere Spielgeschehen mit unglaublicher Intensität in Szene. Als Hugo, der das Geschehen aufgrund seines jungen Alters noch nicht so scharf überblickt wie seine Schwester, sich auf die verspielte Jagd nach einem Schmetterling macht, dabei durch einen blutigen Bach watet und die drohenden Ratten in seiner Nähe völlig ignoriert, hatten wir einen richtigen Kloß im Hals. Wenn die Macher diese Intensität über das ganze Spiel aufrecht erhalten können, gehören wir zu den ersten, die A Plague Tale: Innocence auf ihre Top-Listen setzen.

Auch grafisch verspricht Asobo ein Spiel auf Top-Niveau. Charaktermodelle, Animationen und Mimik sind traumhaft mit anzusehen und der leicht verspielte Grafikstil kontrastiert wunderbar die düsteren Schauplätze. Das absolute Highlight sind, wie sollte es anders sein, allerdings die Lichtstimmungen. Nicht nur spielerisch bilden aufflammende Laternen einen Hort der Ruhe und Sicherheit, auch optisch sind sie eine Wucht. Hier sind Gamedesign und Visuals perfekt aufeinander abgestimmt. Das gilt auch für die Rattenplage. Die Masse an Viechern bewegt sich täuschend echt und man hat immer das Gefühl, von 100 widerlichen Ratten überwältigt zu werden, anstelle von nur einer sich windenden Textur.

Für den letzten Kick sorgt schließlich der Soundtrack. Lähmende Still, gefolgt von kreischendem Lärm bringt euch um den Verstand – und von überall hört ihr die ekelhaft fiependen Ratten.

A Plague Tale: Innocence erscheint für PS4, Xbox One und PC. Ein Veröffentlichungsdatum ist noch nicht bekannt.
Bombastisch

Christian

Was würden wir dafür geben, A Plague Tale: Innocence schon jetzt spielen zu können. Die emotionale Geschichte von Bruder und Schwester hat uns mit dem düsteren Kontrast zwischen kindlicher Freude und widerlicher Rattenpest sofort in ihren Bann gezogen. Dabei sieht das Spiel nicht nur fantastisch aus, sondern rechtfertigt seine einzigartigen Lichtstimmungen mit spielerischer Innovation. Licht und Schatten als Ressourcen, mit denen ihr das Spiel bestreitet, bergen enormes Potenzial und fordern eurem Hirn einiges ab. Ihr steht auf atmosphärische Action-Adventures mit einer Geschichte, die an eure Nieren geht? Dann behaltet A Plague Tale: Innocence im Auge!
Angespielt: The Council Vorschau: Greedfall