Vorschau: Anno 1800

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Anno 1800 in der ausführlichen Vorschau – Bildquelle: Ubisoft

Volldampf in der Zeitkapsel – Mit Anno 1800 steht uns bereits im April eines der größten Aufbauspiele des Jahres ins Haus. Entwickler Blue Byte verabschiedet sich vorerst vom Zukunftsszenario und führt uns im neuen Teil zurück in die Vergangenheit. Die industrielle Revolution ruft und verspricht rauchende Schornsteine, gefährliche Expeditionen und führt uns zu neuen Ufern. In einer umfassenden Demo der Aufbausimulation konnten wir bereits vor Release das erste Kapitel der Kampagne anspielen und im Endlosspiel bis zur dritten Bevölkerungsstufe voranschreiten. Hier sind unsere Eindrucke zum wohl schmutzigsten Anno aller Zeiten.

Die Geschichte von zwei Brüdern

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Anno 1800: Alles beginnt mit einem Trauerfall – Bildquelle: Ubisoft

Den Auftakt der Geschichte in Anno 1800 bildet eine tragische Familienfehde. Ihr seid der namenlose Mr. Goode, ältester Sohn eines angesehenen europäischen Aristokraten. Während er die neue Welt auf der Suche nach Abenteuern durchstreift, erreicht ihn ein verzweifelter Brief seiner Schwester Hannah. Sie schreibt, dass euer Vater in der Heimat wegen Hochverrates angeklagt, seiner Titel und Ländereien enteignet und zum Tode verurteilt wurde. Gemeinsam mit seinem indigenen Weggefährten und Berater Aarhant macht er sich so schnell es geht auf den Rückweg. Als er Monate später in der alten Welt ankommt, ist es für das Familienoberhaupt jedoch bereits zu spät. Während seiner Beerdigung trifft er seit Jahren erstmals wieder auf seinen Onkel Edvard, der sich in der Zwischenzeit das übrige Vermögen seines toten Bruders unter den Nagel gerissen hat.

Unter dessen spottenden Kommentaren gibt er sich zunächst dem Schwermut hin. Nur seine ehrgeizige Schwester kann ihn zurück auf den rechten Pfad bringen. Sie schlägt vor, sich mit den letzten verbliebenen Anhängern des Vaters auf eine verlassene Insel zurückzuziehen, um das Imperium von Goode & Söhne gemeinsam wieder aufzubauen. Als Edvard von ihrem Plan erfährt setzt er alles daran, um die beiden davon abzuhalten, wieder Fuß in der Industrie zu fassen. Ein fieberhafter Wettstreit zwischen euch und eurem Onkel entbrennt, der eine uralte Fehde neu entflammt. Rauchende Städte werden aus dem Boden gestampft,

Vergangenheit ist Zukunft

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Anno steht für Liebe zum Detail – Bildquelle: Ubisoft

In unserer umfassenden Demo-Version hatten wir bereits Zugriff auf das erste Kapitel von Anno 1800, das unter dem Titel „A Tale of Two Brothers“ läuft. Innerhalb der Kampagne erzählt die Wirtschaftsimulation seine Geschichte auf dreierlei Art. Natürlich gibt es auch im neuen Ableger wieder einige Zwischensequenzen, die euch das Leben zur Zeit der industriellen Revolution näherbringen und die wichtigsten Charaktere etablieren. Einen Großteil der Story vermittelt das Spiel jedoch über kurze Einblendungen der Figuren, die euch persönlich über die Geschehnisse aufklären. Immer wieder melden sich also Hannah, Edvard und Co. bei euch, weil sie mit euren Ergebnissen auf der Insel zufrieden sind oder neue Erkenntnisse rund um den Tod des Vaters ans Licht befördert haben. Die dritte Form der Narrative sind schlichte Texteinblendungen, mit denen ein neues Kapitel eingeleitet wird oder ein Handlungsstrang seinen Abschluss findet.

Optisch stellt das Ganze dabei keinen Quantensprung zum Vorgänger 2055 dar, macht mit seinen vielen liebevollen Details wie z.B hängenden Rauchschwaden allerdings eine ganze Menge her. Wir konnten Anno 1800 bislang leider nur in der englischen Fassung spielen, deren Vertonung sich absolut on point präsentiert, sind uns jedoch sicher, dass Blue Byte Mainz auch die deutsche Sprachausgabe zum Release auf Hochglanz polieren wird. Die Welt des neuen Teils zeigt sich jedoch alles andere als klinisch sauber. Bereits in der frühen Phase des Spiels steigen Rauchschwaden von den Hütten der Farmer auf, spätestens aber mit den ersten Fabriken bröckelt die Öko-Fassade der Vorgänger. Damit bietet Anno 1800 eine lang ersehnte Abwechslung zum porentief reinen Zukunftsszenario und kehrt zu den Wurzeln der Reihe zurück: In die düstere Vergangenheit.

Ein schmutziges Geschäft

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Qualm soweit das Auge reicht – Bildquelle: Ubisoft

Abseits des industriellen Settings hat sich am grundlegenden Spielprinzip der Reihe nicht allzu viel geändert. Neu sind die Faktoren Umweltverschmutzung und Attraktivität, welche maßgeblichen Einfluss auf das Wachstum eurer Siedlung nehmen. Kaum jemand will seine Kinder schließlich neben einer Schweinefarm aufwachsen sehen. Wie üblich müsst ihr die Balance zwischen Arbeitskraft, Zufriedenheit und Expansion halten, um ein unbekanntes Eiland in eine goldene Zukunft zu führen – dieses Mal allerdings mit dem Zusatz, dass ihr darauf achten müsst, wo genau ihr einschlägige Gebäude wie Fabriken oder Schlachthöfe platziert. Das ist für die Reihe nichts Neues, harmoniert allerdings sehr gut mit der Epoche, in der Anno 1800 spielt.

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Die Medien in der Tasche – Bildquelle: Ubisoft

Falls euer Image doch einmal in den Dreck gezogen wird, habt ihr nun allerdings die Möglichkeit, das Volk mittels medialer Beeinflussung wieder auf Kurs zu bringen. Einmal im Monat tritt beispielsweise ein Verleger an euch heran, den ihr für verdiente Einflusspunkte bestechen könnt. Das Ergebnis: Seine monatlich veröffentlichte Zeitung schweigt über eure schmutzigen Straßen oder lobt die Grünanlagen im Stadtzentrum über den Klee. Darüber hinaus gibt euch jede Ausgabe Feedback darüber, was es auf der Insel zu verbessern gibt und was gut läuft. Doch Vorsicht: Sinkt eure Beliebtheit auf ein Minimum, müsst ihr erstmalig mit Streiks rechnen. Welchen Einfluss diese auf eure Insel nehmen, konnten wir allerdings noch nicht herausfinden. Generell baut Anno 1800 also deutlich mehr auf Interaktion – und das nicht nur mit der anspruchsvollen Landbevölkerung, sondern auch fremden NPCs.

Gemeinsame Sache

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Mit guten Beziehungen zum Sieg – Bildquelle: Ubisoft

Zu diesem Zweck verfügt ihr nun über ein dediziertes Diplomatie-Menü, in dem sämtliche von euch entdeckte Nicht-Spieler-Charakter verzeichnet sind. Ganz im Stil von Sid Meier’s Civilization schmiedet ihr hier Allianzen mit anderen Figuren, erklärt ihnen den Krieg oder tauscht lediglich ein paar Komplimente aus. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Ruf, den ihr bei der jeweiligen Person genießt. Jeder NPC verfügt über sein ganz eigenes Set von Charaktereigenschaften, sodass ihr zunächst herausfinden müsst, ob es sich lohnt, eurem Gegenüber zu schmeicheln oder doch lieber forsch in die Offensive zu gehen.

Steht ihr hoch im Kurs, schicken euch die Kontrahenten gelegentlich Geschenke oder fragen euch höflich um Erlaubnis, bevor sie eine Insel in eurer Nähe besiedeln. Steigern könnt ihr euren Ruf, indem ihr die richtigen Dialogoptionen wählt oder kleine Nebenaufgaben für sie erledigt. Diese führen euch meist über die komplette Karte und schaffen so das extra Bisschen Motivation, auch nach der dritten besiedelten Insel die Karte weiter aufzudecken.

Auf großer Fahrt

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Zu neuen Ufern – Bildquelle: Ubisoft

Im Lauf der Kampagne, die ihr übrigens auf drei Schwierigkeitsstufen bestreiten könnt, aber auch während dem Endlossspiel kommt ihr irgendwann an den Punkt, dass eure Bevölkerung sich mit Schnaps und Wollkleidung nicht mehr zufrieden gibt. Dem Volk verlangt es nach Pelzmänteln, exotischen Tieren und anderen Luxusgütern. Sobald eure Arbeiter also zu Handwerkern (Stufe 3) aufgestiegen sind, wird es Zeit, die Welt zu bereisen, um derlei Ressourcen zu finden. Anders als noch in den Vorgängern findet ihr diese allerdings nicht in heimischen Gefilden. Eine Expedition muss her, die euch neue Kolonien beschert.

Expeditionen sind das große neue Feature von Anno 1800 und dienen euch dazu, fremde Kulturen und Inseln ausfindig zu machen, um dort ungewöhnliche Ressourcen, Tiere und Artefakte zu beschaffen. Bevor ihr allerdings zu neuen Ufern aufbrechen könnt, müsst ihr zunächst eine Crew anheuern und Ausrüstung sowie Proviant zusammenstelle. Jede Expedition kommt jedoch mit ihren eigenen, zufallsgenerierten Herausforderungen und Belohnungen daher, die ihr vor der Reise in einer praktischen Übersicht einsehen könnt. Abhängig davon ladet ihr Baumaterialien, Medizin und andere nützliche Dinge auf euer Schiff – doch Vorsicht, der Platz ist begrenzt!

Gänzlich vorbereitet seid ihr allerdings nie, denn während der Expedition stellt euch das Spiel immer wieder vor Situationen, in denen ihr das Schicksal eurer Crew in der Hand habt. Entscheidet ihr weise, kann das Schiff seine Reise unbehelligt fortführen, trefft ihr allerdings die falsche Wahl, leidet darunter die Moral an Bord. Sinkt diese auf Null, sinkt auch das Schiff. Nach rund drei bis vier dieser Situationen, die das übliche Bauen und Wirtschaften immer wieder auflockern, erreicht das Schiff sein Ziel und ihr erhaltet Belohnungen in Form von Gold, Einfluss, Tieren oder Ressourcen. Mit etwas Glück schaltet ihr auch eine neue Region frei, die ihr nun kolonialisieren könnt.

Imperialismus will geplant sein

Fremde Kostbarkeiten ausgestellt – Bildquelle: Ubisoft

Habt ihr in der neuen Welt eine Siedlung gegründet, wachsen Heimathafen und Kolonie parallel. Ihr bespielt also nicht wie sonst nur eine Karte, sondern müsst gleich mehrere Regionen im Auge behalten. Über die neue Weltkarte wechselt ihr in Sekundenschnelle zwischen alter und neuer Welt hin und her, Wartezeiten müsst ihr nicht befürchten. Dort entdeckte Tiere und Artefakte könnt ihr nach eurer Rückkehr außerdem im Museum bzw. Zoo ausstellen, um dem gelangweilten Volk eine nette Abwechslung zu bieten. Wie viele Kolonien euer Imperium gleichzeitig besitzen kann, ist noch unklar. Die Expeditionen und alles, was damit zusammenhängt, stellen jedoch eine gelungene Ergänzung zum Aufbau-Alltag dar und sorgen mit ihren zufallsbasierten Elementen dafür, dass ihr euch der Spielwelt im neuen Teil noch mehr verbunden fühlt.

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Planungshorizont dank Blaupausen – Bildquelle: Ubisoft

Damit ihr bei all den neuen Verpflichtungen, die euch Anno 1800 auferlegt, nicht vor lauter Stress zusammenbrecht, kommt im neuen Teil ein hilfreiches Tool zum Einsatz: Der Blaupausen-Modus. Dieser erlaubt es euch, Gebäude, Straßen und Co. bereits auf der Karte zu platzieren, ohne sie allerdings wirklich zu bauen. Stattdessen erschafft ihr einen Platzhalter, den ihr anschließend per Knopfdrück zu einem vollwertigen Gebäude aufwertet oder kostenlos abreißt. Blaupausen sorgen dafür, dass ihr die Struktur eurer Städte endlich langfristig planen könnt und sind auch dann praktisch, wenn ihr gerade nicht die nötigen Ressourcen parat habt, aber schon genau wisst, wo ein Gebäude stehen soll. Schade allerdings, dass ihr im Blaupausen-Modus nicht sämtliche Gebäude zur Verfügung habt, sondern nur die der Bevölkerungsstufe, die ihr bereits freigespielt habt.

Anno 1800 erscheint am 16. April 2019 für den PC
Vielversprechend

Christian Böttcher

Anno 1800 scheint genau die Aufbausimulation zu werden, von der Fans immer geträumt haben. Ubisoft verabschiedet sich vom Zukunftsszenario der Vorgänger und führt uns mit Volldampf in die industrielle Revolution. Zwischen qualmender Wirtschaft und aufstrebender Luxusgesellschaft stecken etliche neue Features, die das Konzept sinnvoll ergänzen. Expeditionen mit zufallsgenerierten Situationen schaffen spielerische Abwechslung, während wir unser Imperium im Blaupausen-Modus endlich auch langfristig planen können. Dabei kommt auch die Interaktion mit der Spielwelt nicht zu kurz, denn der Neuling fordert diplomatisches Geschick, sobald ihr auf eure Kontrahenten trefft und stellt euch gleichzeitig vor die Herausforderung, parallel neben der Heimatinsel auch eure Kolonien der neuen Welt in eine goldene Zukunft zu führen - Das zweifellos schmutzigste Anno aller Zeiten mit dem Potential, zum besten Teil der Reihe aufzusteigen.
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