Vorschau: Assassin’s Creed Odyssey

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Assassin’s Creed Odyssey: Was erwartet uns im antiken Griechenland?

Die spinnen, die Griechen! Bereits ein Jahr nach dem letzten Assassin’s Creed erwartet uns im kommenden Monat der nächste Teil der Open-World-Saga. Säulen statt Pyramiden, Medusa statt Mumie, Athen statt Alexandria: Die Reise führt uns tief ins Antike Griechenland zur Zeit des peloponnesischen Krieges. Bis in die Ägäis haben wir es leider nicht geschafft, dafür aber ins Herz von Paris, um für euch die ersten acht Stunden von Assassin’s Creed Odyssey anzuspielen.

Doppelt (Held) hält besser

Während wir es in unserer Gamescom-Demo vornehmlich mit alten Bekannten aus der griechischen Mythologie zu tun bekamen und nur wenig Informationen zur Hauptgeschichte einholen konnten, hatten wir nun erstmals die Möglichkeit, tiefer in Alltag und Vergangenheit der Hauptfiguren Alexios und Kassandra einzutauchen. Ähnlich wie bei Jacob und Evie Frye in Assassin’s Creed: Syndicate haben wir es mit einem Geschwisterpaar zu tun, müssen uns vor der Odyssee allerdings für einen der beiden Charaktere entscheiden. Was folgt ist ein emotionales Familiendrama, das wir euch hier natürlich nicht spoilern wollen.

Unabhängig davon, wie die Wahl ausfällt: Wir verkörpern immer den älteren Zwilling, während der jüngere via geschicktem Storykniff aus der Erzählung verschwindet. Einfluss auf den Verlauf der Handlung nimmt diese Entscheidung wohl nicht, denn zumindest in den ersten Stunden verlaufen ihre Handlungsstränge nach dem exakt gleichen Schema. Anders als beispielsweise bei Dishonored 2 dürfen wir auch spielerisch keine Unterschiede erwarten. Beide verfügen über die gleichen Skills, Abweichungen sind rein optischer Natur. Letztlich liegt die Wahl also bei den Spielern: Eloquentes Raubein oder taffe Kriegerbraut?

 

Sparta im Blut

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Opa Leonidas I.

Im Rahmen des Prologs bringen wir in Erfahrung, dass es sich bei den beiden um die Nachfahren des weltbekannten Leonidas I. handelt. Erinnerungen an Zack Snyder’s 300 werden in uns wach, als wir dem legendären Spartaner an den Thermopylen über die Schulter schauen wie er etliche Perser im blutigen Speerballett über die nächste Klippe befördert – Das Beste: Im nächsten Moment dürfen wir sogar selbst Hand anlegen und bekommen einen kleinen Vorgeschmack auf die spielerischen Elemente, welche einige Stunden später auf uns warten. Ein blutiger Krieg wirft seine Schatten voraus  und setzt die Marschroute für ein Assassin’s Creed so martialisch wie nie zuvor.

Zurück im Körper von Kassandra und 50 Jahre nach dem schicksalhaften Ereignis haben wir jedoch ganz andere Sorgen als das Schicksal der Spartaner. Unsere Heimatinsel Kephallonia leidet unter der grausamen Unterdrückung eines griechischen Söldners, besser bekannt als Cyclops. Der aufbrausenden Selbstversorgerin mit spartanischem Blut in den Adern stößt sowas natürlich sauer auf und sie macht sich gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund und Lebensretter Markos auf den Weg, um der einäugigen Ungerechtigkeit auf den Grund zu gehen. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass die weitaus größere Bedrohung abseits der kleinen Insel lauert. Eine Reise durch mehr als 30 separate Gebiete Griechenlands beginnt.

Auf einen Schwatz

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Dialoge: Neue Kernkompetenz der Reihe?

In rund acht Stunden Spielzeit, in denen wir uns mächtig Zeit für Nebenmissionen und Erkundungsmissionen lassen konnten, ist uns dabei vor allem eins klar geworden: Assassin’s Creed Odyssey ist monumental riesig. Nicht in dem Sinne, dass uns an jedem noch so unwichtigen Fleckchen Erde ein zufällig generierter Zeitfresser erwartet, vielmehr strotzt die Spielwelt nur so vor bedeutungsvollen Nebenmissionen und detailverliebten Kleinigkeiten, die der Reihe schon in Origins sichtlich gut getan haben.

Allen voran steht natürlich der schleichende Genre-Wechsel, vom klassischen Action-Adventure hin zu einem vollwertigen Rollenspiel. Auch in Odyssey ist dieser Prozess noch nicht gänzlich abgeschlossen, aber die Spielwelt, ihre Konflikte und nicht zuletzt ihre Bewohner wirken im Neuling deutlich lebendiger, fleischlicher und damit authentischer. Ein Grund dafür: Das überarbeitete Dialogsystem, das den Gesprächen deutlich mehr moralische Wucht verleiht.

Ohne dabei allzu vorhersehbar zu sein, schafft es Odyssey, Entscheidungen im Dialog zu wichtigen Ankern der Geschichte zu machen. Das mag für den ein oder anderen frustrierend sein, weil am Ende nicht die gewünschte Reaktion der Figuren dabei herauskommt, aber vor allem sorgt dieses System für überraschende und gelegentlich sogar rührende Momente, die wir bei einigen Ablegern der Reihe schmerzlich vermisst haben. Einziger Wermutstropfen: Die Mimik der Figuren, gespickt mit halbgaren Animationen, ist zu diesem Zeitpunkt leider nicht viel mehr als ein Schlag ins Gesicht.

Die Inseln

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Eine lange Reise steht uns bevor

An der Präsentation von Odyssey haben wir ansonsten jedoch nicht eine Drachme auszusetzen. Im Vergleich zu Origins halten sich die optischen Neuerungen natürlich in Grenzen, aber an die cineastische und sehr persönliche Aufmachung des Wüstenepos knüpft Odyssey mit saftigem Grün gekonnt an. Trotz Current-Gen-Motor und abgesehen von einigen kleineren Schwächen im Bereich der Texturen sieht das Antike Griechenland einfach fabelhaft aus. Eine gern genommene Abwechslung zum ewigen Sandsturm sind die grünen Hügel der vielen Inseln allemal. Außerdem lädt die Spielwelt nun noch mehr zum eigenständigen Erkunden ein, denn ihr habt vor jedem Spieldurchlauf die Wahl, ob ihr eure Odyssee im Exploration Mode oder doch lieber im Guided Mode bestreitet. Davon hängt letztlich ab, ob euch Questmarker und Hinweise direkt auf der Karte angezeigt werden oder ihr zunächst im entsprechenden Gebiet nachforschen müsst.

Dass Assassin’s Creed Odyssey allerdings noch weit mehr zu bieten hat als ein Familiendrama in Epenform, konnten wir herausfinden, nachdem wir das erste Mal unsere kleine Heimatinsel verlassen haben. Das winzige Eiland ist schließlich nur ein Bruchteil dessen, was uns im finalen Spiel erwarten wird – und das obwohl wir dort bereits mehr als vier Stunden verbrachten. Als einführendes Level ist dieser Abschnitt doch recht lang gehalten, im Vergleich zur rund 60% größeren Welt (so Ubisoft), dürften die ersten Minuten im antiken Griechenland aber recht schnell vergessen sein. Weiter geht die Reise danach ins vom Krieg zerrüttete Mageris, das einen enormen Kontrast zum idyllischen Kephallonia bildet. Hier herrscht das Gesetz des Stärkeren und das bekommen wir nicht nur in Form von deutlich mehr gegnerischen Soldaten zu spüren, sondern auch in den spielerischen Neuerungen.

Stell dir vor, es ist Krieg und jeder geht hin

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Mehr Soldat als Assassine

Völlig überraschend kamen für uns die sogenannten Conquest Battles. Diese bilden die Spitze einer Gameplay-Mechanik, dank der ihr selbst nachdem ihr ein Gebiet komplett abgeschlossen habt, gern zurückkehrt, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen – aber der Reihe nach. Als wir in Megaris eintreffen, begrüßen uns sogleich spartanische – und damit meinen wir nicht schlecht gerüstete – Soldaten, die uns mit der Aufgabe betrauen, für das Militär allerhand Dinge zu erledigen. Über allem steht jedoch der Mord an einem führenden griechischen Offizier. Da dieser allerdings noch viel zu gut bewacht ist, um ihn im Stillen zu erledigen (möglich ist es natürlich trotzdem), töten wir erst einige Soldaten, räuchern Lager aus oder vernichten Versorgungsgüter – alles, um seinen Einfluss im Gebiet zu verringern und die Leibgarde zu dezimieren.

Nachdem er dann doch unseren versteckten Klingen zum Opfer fällt, steht die finale Schlacht um das Schicksal der Region an: Das Conquest Battle. In dieser epischen Massenschlacht kämpfen Spartaner gegen Griechen, bis eine Partei genügend feindliche Soldaten über den Styx geschickt hat. Euch steht es frei, für welche Fraktion ihr kämpft, aber seid euch stets bewusst, dass euer Handeln Konsequenzen für den Verlauf der Geschichte haben könnte. Wie genau diese aussehen, konnten wir bis dato nicht herausfinden. Leider sind wir noch etwas skeptisch, was dieses Feature anbelangt, denn es birgt die Gefahr, zum repetitiven Spielzeitstrecker zu mutieren. Andererseits besteht ebenfalls das Potenzial für jede Menge Langzeitmotivation.

Gesucht: Antiker Gangster

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Kopfgeldjäger machen euch den Hades heiß

Darüber hinaus hat sich das Entwicklerteam eines der kritisch beäugten Features des Vorgängers zur Brust genommen und ordentlich umgekrempelt: Das Kopfgeld-System. War es in Origins nur Beiwerk, gehört es in Odyssey zu den Kernelementen des Spiels und soll für ordentlich Langzeitmotivation sorgen. Stellt euch das Ganze in etwa wie das Nemesis-System aus Mittelerde: Schatten des Krieges vor – nur eben von eurem Verhalten in der Spielwelt abhängig. Lasst ihr hilflose Händler in Frieden ihren Geschäften nachgehen, reitet nicht wie von der Tarantel gestochen in den nächsten griechischen Säulenbau und verhaltet euch in Dialogen stets wie der nette Nachbar, habt ihr nichts zu befürchten. Stehlt ihr jedoch wie die Elstern (was übrigens möglich ist), enthauptet willkürlich Passanten oder verdingt euch als Freizeitpirat, dann ist euch schon bald die antike Polizei auf den Fersen.

Diese kommt in Form von Kopfgeldjägern daher, den wohl härtesten Gegnern im Spiel. Steigt eure Verbrechensleiste über einen bestimmten Punkt, was in der Hauptstory unweigerlich passiert, verfolgen euch bestens gerüstete Krieger, die je nach Stufe über besondere Fähigkeiten verfügen. Ihr könnt den ungemütliche Zeitgenossen natürlich aus dem Weg gehen, indem ihr von Busch zu Busch schleicht, aber auch das fällige Kopfgeld zahlen, einen der Herolde umlegen, der euren Kopf will oder euch den knackigen Burschen im Kampf stellen – keine leichte Aufgabe, da diese gern im Rudel anrücken und euch sogar auf dem Seeweg überraschen. Ein wirklich interessantes System, vor allem deshalb, weil die Kopfgeldjäger mit eurem Level skalieren und in einem System angeordnet sind, das über neun Stufen verfügt. Unsere Vermutung: Am Ende wartet ein ultimativer Sheriff, der unsere Reise (hoffentlich) zu einer Höllenfahrt macht.

Duelle mit Welle

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Selbst auf hoher See seid ihr vor Kopfgeldjägern nicht gefeit

Höllenfahrten erwarten uns in Assassin’s Creed Odyssey tatsächlich eine ganze Menge. Der Name ist Programm und so finden sich Alexios und Kassandra immer wieder an Bord einer Schaluppe wieder, die sie mitsamt Crew über die schier endlosen Wasserwege der Spielwelt steuern. Gehörten Seeschlachten in Origins noch zu den kleinen Gimmicks für Zwischendurch, entfalten sie im Griechenland-Abenteuer wieder ihr volles Ausmaß – Black Flag lässt grüßen. Allzu viel hat sich an den Duellen zu Wasser nach all diesen Jahren aber nicht getan. Drei Waffen stehen euch zur Verfügung, um feindliche Schiffe auf den Grund des Ägäischen Meeres zu befördern: Speere, Bögen und ein Rammbock am Bug eures Schiffes.

Mit einem simplen Zielsystem legt ihr auf Schiffe an, die entweder an eurer Seite vorbeifahren oder leicht schräg vor euch sind. Leider steht sich die Steuerung hier noch etwas selbst im Weg, denn bevor ihr aus allen Rohren feuern könnt, müsst ihr euch zunächst mit der Kamera zu der Seite begeben, auf die ihr feuern wollt. Ihr müsst also vor jeder Salve genau planen, welcher Gegner auf eurer Liste steht und könnt diese Entscheidung danach nur unter größter Mühe wieder ändern – trotz toller Wasserpartikel: Flüssig sieht anders aus! Bis zum Release ist hier noch Wassertreten angesagt.

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Eine Armada im Rücken

Gleiches gilt auch fürs Entern fremder Schiffe. Wollt ihr mehr Beute abgreifen und gleichzeitig die eigene Schaluppe reparieren, nachdem ihr ein Schiff lahmgelegt habt, dann solltet ihr es zuvor entern. Im Grunde ist das auch kein Problem, wäre da nicht der Andockvorgang. Egal von welchem Winkel aus ihr euch dem feindlichen Schiff nähert, ihr legt immer im selben Tempo und der gleichen Animation an, was in einigen Schmunzlern unsererseits mündete.

Der anschließende Kampf mit der Besatzung ist allerdings immer ein Highlight, denn an Bord warten nicht nur kampfunfähige Landratten, sondern bockschwere Seebären auf euch. Trotzdem machen die Seeschlachten in Odyssey Lust auf mehr, denn anders als noch in Black Flag, habt ihr dieses Mal eine mannigfaltige Auswahl an Upgrades, mit denen ihr euer Schiff Stück für Stück zur Königin der Meere entwickelt. Auch hier bringen die RPG-Elemente eine frische Brise ins Spiel und lassen auf ein feuchtfröhliches Abenteuer hoffen.

Assassin’s Creed Odyssey erscheint am 05. Oktober für PlayStation 4, Xbox One und PC

Bombastisch

Christian Böttcher

Nach rund acht Stunden mit Assassin's Creed Odyssey sind wir felsenfest davon überzeugt, dass der Trip ins Antike Griechenland an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen kann. Ein weiteres Mal erwartet uns eine Geschichte, die nicht nur klischeehaft dem neuen Setting hinterherhinkt, sondern eigene Akzente setzt, persönlich sein möchte. Das funktioniert vor allem deshalb hervorragend, weil die Charaktere noch lebendiger und authentischer geschrieben sind, während das überarbeitete Dialogsystem unsere eigenen Taten mit Leben erfüllt. Odyssey verspricht, endlich das Assassin's Creed aus Fleisch und Blut zu werden, das sich viele Fans gewünscht haben. Nicht nur, weil es während des peloponnesischen Krieges stattfindet, sondern weil es fast alle Elemente in den Dienst guten Storytellings stellt. Oben drauf gibt's einige spielerische Innovationen, die uns sowohl skeptisch als auch neugierig machen. Fest steht jedoch: Rollenspiel und Assassinen gehören spätestens ab dem 05. Oktober zusammen wie Spartaner und Schwerter.
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