Vorschau: Dakar 18

Dakar 18: Rallye ohne Kompromisse

Die Rallye Dakar ist wahrlich ein Rennspektakel, das seinesgleichen sucht. Während Normalos wohl nur durch die zahlreichen und immer wieder zu beklagenden Todesopfer von der extremen Veranstaltung zu hören bekommen, läuft bei echten Motorheads das Benzin in den Adern nur bei Erwähnung des Namens, der fast schon mystifizierten Veranstaltung, heiß. Da wirkt es beinahe überraschend oder gar lächerlich, dass von einer Portierung des Events auf heimische Konsolen bisher abgesehen wurde.

Wie gesagt, die Betonung liegt auf bisher: Die in Portugal ansässigen Big Moon Studios haben es sich nämlich jetzt zur Berufung gemacht, die legendäre Rallye Dakar in Bits und Bytes zu adaptieren. Um auch uns an ihrem Fortschritt daran teilhaben zu lassen, hat der Entwickler, welcher im Vorfeld an Titeln wie WRC 5 oder Moto GP 13 arbeitete, uns ins sonnige Porto einfliegen lassen. Wie sich Dakar 18 also bei seiner ersten Spielsession geschlagen hat, lest ihr in unserer Vorschau.

Wo war ich noch gleich?

Gleich auf den ersten Metern in Dakar 18 wird klar: Hier läuft so einiges anders. Anders als in anderen Rallyespielen wie Collin McRae kommt es in Dakar 18 gar nicht mal so sehr darauf an, schnelle Zeiten auf Kursen zu fahren, sondern vorrangig erst einmal den richtigen Weg zu finden. Hindernis Nr.1 ist die Navigation und die hat es wirklich in sich. Da auch innerhalb der echten Rallye Dakar Karten während der Fahrt gänzlich verboten sind und zur sofortigen Disqualifikation führen, verzichtet man in Dakar 18 gänzlich auf diese.

Um sich in den wirklich gigantisch großen Open World Gebieten zurecht zu finden, bleibt uns nichts anderes übrig, als sich gänzlich auf die Anweisungen unseres Co-Piloten und dem dazugehörigen Roadbook zu verlassen. Das klingt auf den ersten Blick aber leichter, als es tatsächlich ist. Denn außer Anweisungen, nach wie vielen Kilometern in welchem Gradwinkel zu wenden ist, wird nicht allzu viel in diesen Roadbooks verzeichnet.

In Dakar 18 bekommt ihr eine angepasste Version der echten Rallye Roadbooks an die Hand

Wie direkt darf’s sein?

Seid ihr auf dem Motorrad unterwegs, fällt sogar der Co-Pilot weg und ihr müsst die Wegbeschreibung stets aktiv mitlesen und bekommt sie nicht einmal vorgelesen. Ein ganz schön anspruchsvolles Spielprinzip, in das man sich erst einmal gehörig reinfuchsen muss, dann aber eine schöne Herausforderung und eine wirkliche Innovation im ansonsten recht angestaubten Genre erlebt. Wer es nicht ganz so ausufernd mag, kann sich allerdings auch der Schande hingeben und den Navigationsassistenten anstellen. So möchte Dakar 18 allerdings nicht gespielt werden.

Für mich als absoluten Simulationsverweigerer und eigentlichem Vertreter der Sparte Mario Kart, fühlte sich das Fahrgefühl in Dakar 18 übrigens wie eine angenehme Mischung aus Arcade und Simulation an, wobei der letztere Teil schon eher überwiegt. Erwartet also nicht die nerdigste Simulation, die ihr euch vorstellen könnt, aber auch keinen schnell in die Hand zu nehmenden Fun-Racer.

Sind wir schon da?

Dakar 18 heißt übrigens nicht, wie man eigentlich erwarten könnte, Dakar 19, da Entwickler Big Moon eine originalgetreue Umsetzung der letzten Rallye Dakar anstrebt und die Roadbooks der nächsten Rallye nur kurz vor Start der nächsten Etappe herausgegeben werden. Um das Rallye-Erlebnis wirklich authentisch zu gestalten, ist es natürlich möglich, auch alle 14 Etappen der letztjährigen Rallye Dakar in chronologischer Reihenfolge zu fahren. Dafür sollte man aber gehörig Sitzfleisch mitbringen oder sich dieses vorbereitend anfuttern: Die einzelnen Etappen schwanken in ihrer Spielzeit von 45 Minuten bis zu ganzen zwei Stunden.

Das ist nicht nur geistig, sondern auch körperlich fordernd – Ein Aspekt, den wir gar nicht genug unterstreichen können. Nach 60 Minuten Dauerrennen kriechen nicht nur die Reifen eures Wagens, sondern auch ihr auf dem Zahnfleisch. Das hört sich zunächst vielleicht abschreckend an, aber glaubt uns, wenn wir sagen, das ist mit Abstand das beste Feature von Dakar 18. Nach 90 Minuten, kaputten Bremsen, einem platten Reifen und mit klitschnassen Griffeln die Ziellinie zu durchqueren, ist ein Gefühl der Erleichterung, das schon lange kein Videospiel mehr bei uns hervorgerufen hat.

Innerhalb der heiligen Hallen der Big Moon Studios

Wie weit ist der Weg zum Ziel?

Für solch einen gewagten Ansatz möchte man den Big Moon Studios wirklich zujubeln, auch wenn sonst nicht all der Chrom in Dakar 18 auf Hochglanz poliert ist. Die Präsentation ist auf jeden Fall noch ausbaufähig, im Multiplayer lässt sich eine angefangene Online-Session mit euren Freunden noch nicht speichern und grafisch sieht Dakar 18 zwar gut aus, kann aber noch nicht mit den ganz großen Kids ein paar Klassen über ihm mitfahren.

Macht aber nichts, all das sind Makel, die sich mit genug Blut und Spucke noch in Zukunft aus der Welt schaffen lassen. Das, was wir bisher von Dakar 18 sehen durften, sah wirklich vielversprechend aus und stellt frischen Wind in Aussicht, vielleicht sogar einen Sturm im Rallye-Genre. Bis wir uns aber auch daheim davon überzeugen können, heißt es, sich noch ein wenig in Geduld zu üben, denn Dakar 18 wird erst am 11. September für PlayStation 4, Xbox One und PC erscheinen.

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