Vorschau: Days Gone

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Days Gone: Unser Ersteindruck zum Spiel

Biker-Romantik in einer Welt voller Zombies – Days Gone entführt uns Ende April in das von Infizierten überrannte Oregon und möchte dem Open-World-Genre einen Kickstart verpassen. Bereits einen Monat vor Release konnten wir das PlayStation-Exclusive knappe drei Stunden anspielen. In unserer Vorschau verraten wir, was das Spiel neben schnittigen Lederjacken, Gang-Tattoos und Gehirn-schmatzenden Horden noch so zu bieten hat.

Biker-Romantik in Ore-gone!

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Nach der Hochzeit ist vor der Epidemie

Als Days Gone vor zwei Jahren erstmal der Öffentlichkeit präsentiert wurde, machten sich bei vielen Spielern sofort drei große Assoziationen breit: Zombies, Motorräder und harte Kerle. Dass hinter dem PS4-Exclusive der amerikanischen SIE Bend Studios jedoch deutlich mehr steckt, zeigte sich bereits nach wenigen Minuten mit dem Spiel. Unerwartet: Die Story setzt bereits vor dem Ausbruch einer tödlichen Epidemie an, die das idyllische Oregon für immer verändern soll. Im Zentrum der Ereignisse steht Deacon St. John, Ex-Gangmitglied, passionierter Biker und Witwer in Spe. Als die Infektion in den USA aufkeimt und sich Chaos ausbreitet, gerät seine Frau Sarah nämlich zwischen die Fronten und wird lebensgefährlich verletzt.

Das Letzte, was Deacon von der Liebe seines Lebens mitbekommt, ist der Blick auf einen Regierungshelikopter, der sie ins nächstgelegene Krankenhaus fliegt. Er und sein loyaler Kumpel Boozer bleiben zurück und müssen sich fortan allein durch die Postapokalypse kämpfen. Das volle Ausmaß der Zerstörung wird uns jedoch erst bewusst, als wir zwei Jahre nach diesem Prolog in die eigentliche Handlung von Days Gone einsteigen. Die Zivilisation steht am Abgrund und überall in der Region haben sich marodierende Banden niedergelassen. Damit jedoch nicht genug, denn die größte Bedrohung geht natürlich von den Infizierten selbst aus. All diesen Gefahren muss sich der gute Deacon stellen – nicht nur, um zu überleben, sondern gleichzeitig den Ursprüngen der Seuche auf den Grund zu gehen.

Tiefgang statt B-Movie-Charme

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Eine Welt, die sich ernst nimmt

Überraschen konnte uns dabei vor allem der erzählerische Tiefgang, mit dem Days Gone an den Start geht. Biker, Tattoos und eine offene Spielwelt scheinen auf den ersten Blick eher Material für astreinen AAA-Trash. Der zweite Blick offenbart jedoch, dass in der Brust des knallharten Deacon nicht nur ein Herz aus Gold schlägt, sondern der Biker obendrein auch noch recht smarte Entscheidungen trifft. Lediglich sein hitziges Temperament steht ihm das ein oder andere Mal im Weg. Bedeutet im Klartext, dass euch eine emotionale Story erwartet, die durchaus das Potenzial bietet, sich mit anderen Exklusivtiteln wie The Last of Us zu messen. Days Gone nimmt sich und seine Welt ernst, verzichtet größtenteils auf B-Movie-Klischees und tut wirklich gut daran.

Stattdessen rücken gut geschriebene Dialoge in den Vordergrund, die in der englischen Fassung mit ansprechender Vertonung einhergehen. Auch wenn die deutsche Synchronisation in unserer Version noch nicht verfügbar war, sind wir angesichts der erzählerischen Qualitäten positiv gestimmt. Letztlich handelt es sich aber immer noch um ein klassisches Open-World-Spiel. Kompromisse in Sachen Storytelling und Inszenierung gehören zum Gesamtpaket von Days Gone also ebenfalls dazu. Die Biker-Romantik funktioniert allerdings schon jetzt hervorragend, denn Deacon St. John stellt sich als Charakter mit Graustufen heraus, für den die Zombie-Apokalypse auch eine Art Selbstfindungstrip bedeutet.

Sie kommen in Horden

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Infizierte: Besonders in der Gruppe tödlich

Der Weg zu einem besseren Menschen ist jedoch gepflastert mit Leichen. Und damit meinen wir nicht nur die Infizierten, sondern auch das menschliche Gesocks, mit dem sich Deacon und Boozer herumschlagen müssen. Die Zombies, auch wenn das Spiel diesen Begriff ganz bewusst vermeidet, kommen in allerlei Formen daher, sind allerdings selten allein unterwegs. Stattdessen streunen ganze Horden der blutrünstigen Freaker durch die Gegend, die jederzeit eine Bedrohung für Leib und Leben darstellen. Wie ein Organismus stürmen sie im Kollektiv auf euch zu und lassen zeitweise sogar den Eindruck aufkommen, dass ihr euch in einem Horrorspiel befindet. Der klassische Untote in Days Gone ist schnell, aufmerksam und tödlich. Aber auch Krabbler und Kreischer sind nicht zu unterschätzen.

Erstere springen euch gern aus dem Hinterhalt an, während Zweitere ihre Artgenossen in der Umgebung alarmieren. Es gilt also: Vorsicht walten lassen und bloß keine unüberlegten Schritte. Das fällt jedoch schwerer als gedacht, denn der idyllische Küstenstaat Oregon ist regelrecht überschwemmt von ihnen. Damit jedoch nicht genug, denn außerdem trifft Deacon auf die sogenannten Rippers, religiöse Fanatiker, welche die Freaker als göttliche Wesen verehren. Mit Schweißbrenner und Baseballschläger verbreiten sie ihren verqueren Glauben und schrecken dabei auch vor Folter nicht zurück. Hinzu kommen außerdem Plünderer, die auf der Suche nach wertvollen Ressourcen zu handgeklöppelten Waffen greifen und die klauenbewährte Tierwelt von Oregon. Im Grunde will euch also alles an die Lederjacke, was so kreucht und fleucht.

Auf dem Bike zu Hause

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Deacon und sein treuer Begleiter

Glücklicherweise hat Deacon St. John einen Begleiter an seiner Seite, der ihn in Sicherheit bringt, sollte es in der offenen Spielwelt doch einmal brenzlig werden. Die Rede ist natürlich von seinem Motorrad. Im Echtzeit-Setting von Days Gone heißt es „Pferdestärken statt starke Pferde“, denn das Bike fungiert gleichsam als Element der Story wie auch als essentieller Teil vom Gameplay. Auch wenn ihr die vielfältigen Gebiete von Oregon auch per Schnellreise durchqueren könnt, verbringt ihr die meiste Zeit wohl auf dem Feuerstuhl. Allerdings will das praktische Gefährt regelmäßig gewartet werden. Reparaturen könnt ihr mit den entsprechenden Ersatzteilen sofort erledigen, Benzin zum Auftanken findet ihr überall in der Spielwelt – allerdings nicht ohne dafür zu kämpfen.

Außerdem lässt sich die Maschine mit nützlichen Upgrades versehen, die nicht nur schick aussehen, sondern auch dem Spielfortschritt ungemein zugute kommen. Steuert sich das Bike im Prolog noch etwas behäbig, schnurrt es einige Stunden und Verbesserungen später bereits wie ein Kätzchen. Da ihr die Mühle nicht – wie in anderen Spielen – jederzeit per Knopfdruck herbeizaubert, entwickelt ihr bereits nach kurzer Zeit eine Beziehung zum Motorrad, was die gelungene Biker-Romantik nochmals verstärkt. Dazu gehören auch packende Kämpfe in voller Fahrt. Sprünge, Abkürzungen und kurze Drifts liefern schließlich den nötigen Coolness-Faktor und machen das Bike zu einem tollen Feature, das wie die Faust aufs Auge zu Setting und Geschichte von Days Gone passt.

Sparsam überlebt

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Die Shotgun: Hilfreich aber arm an Munition

Davonfahren ist jedoch nicht immer die beste Lösung, um mit der lästigen Zombieplage fertig zu werden. Manchmal ist der Kampf schlicht unvermeidlich. Zu diesem Zweck verfügt Deacon über ein großes Waffenarsenal, bestehend aus Nahkampf-, Fernkampf und Wurfwaffen. In der Regel stellen sich euch jedoch mehr Gegner in den Weg als ihr Kugeln habt, was cleveres Ressourcenmanagement zu einem wichtigen Teil von Days Gone macht. Im Zweifel greift ihr besser zu Nahkampfwaffen, die überall in der Welt verstreut sind, allerdings auch recht schnell zerbrechen. Gegnerhorden deckt ihr mit gut gezielten Molotov-Cocktails ein oder schießt euch mit Sturmgewehr im Anschlag den Weg frei – solange die Munition reicht. Über ein praktisches Waffenrad greift ihr in Sekundenschnelle auf alle wichtigen Items zurück. Days Gone ist zu großen Teilen als auch ein Survival-Spiel.

Neue Kugeln und bessere Waffen stellt ihr im rudimentären Crafting-System des Spiels her oder füllt eure Ressourcen in einer der wenigen Siedlungen innerhalb der Spielwelt wieder auf. Für jeden Kampf erhaltet ihr außerdem Erfahrungspunkte, die ihr in drei Skilltrees (Nahkampf, Fernkampf, Überleben) für neue Fertigkeiten ausgebt. In Sachen Fortschritt und Charakterentwicklung macht Days Gone bislang einen soliden Eindruck, baut dabei aber auf altbekannte Mechaniken, die wir so schon in zig anderen Open-World-Spielen gesehen haben. Die Shooter-Elemente könnten bis zum Release noch etwas Feinschliff vertragen, denn die meisten Waffen sind derart unpräzise, dass ihr gegen mehrere Gegner schnell in die Bredouille geratet.

Open World mit Déjà-vu

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Oh wie schön ist Oregon!

Möglicherweise liegt darin aber auch genau der Plan der Entwickler, denn die Stealth-Elemente des Spiels sind bislang nicht nur sehr gelungen, sondern auch integraler Bestandteil der Spielerfahrung. Die beste Variante ist es häufig, sich an Freaker oder Ripper heranzuschleichen und sie mit einem gezielten Schnitt durch die Kehle zu erledigen. Hilfreich sind hier Büsche und zahlreiche Deckungen, die eure Position verschleiern. Mit Steinen und anderen Wurfgeschossen lenkt ihr die Zombies außerdem ab und schnetzelt euch so durch die – so die offizielle Aussage der Entwickler – rund 30-stündige Kampagne. Die Wahl, ob ihr dabei heimlich oder doch knarrenschwingend vorgeht, liegt immer bei euch und hängt davon ab, welche Art von Mission ihr gerade verfolgt.

Davon gibt es in Days Gone nämlich eine ganze Menge, sodass ihr wohl deutlich länger die Kiefernwälder, schneebedeckten Berge und staubigen Täler von Oregon unsicher machen dürftet. Zu den Hauptmissionen, die an Charaktere oder Ereignisse geknüpft sind und somit parallel vorangetrieben werden, gesellen sich recht vielseitige Nebentätigkeiten. Kopfgeld eintreiben, Zivilisten retten, Infektionsherde ausrotten oder Jagen: Das Biker-Abenteuer macht in puncto Missionsdesign nicht allzu viel neu, scheint in den Satteltaschen aber ein spaßiges Potpourri an Open-World-Favorites mitzuschleppen. Bleibt die Welt über die volle Laufzeit so abwechslungsreich und die Performance auch zu Release auf den stabilen 30 FPS unserer Demo-Version, kann Days Gone gar nicht schnell genug kommen.

Days Gone erscheint am 26. April exklusiv für die PlayStation 4

Vielversprechend

Christian Böttcher

Nach rund drei Stunden mit Days Gone sind wir positiv überrascht von dem, was das Open-World-Abenteuer anzubieten hat. Statt B-Movie-Charme kann die Geschichte mit Charakteren in Graustufen und gerade genug Tiefgang punkten. Das Setting ist unverbraucht und liefert mit Oregon eine malerische Kulisse, die wir Ende April nur zu gern durchstreifen, wenn wir uns gemeinsam mit Deacon St. John auf unser Motorrad schwingen. Schließlich funktioniert die Kombination aus Biker-Romantik, Survival-Sandbox und klassischem Zombie-Shooter hervorragend, auch wenn die großen Innovationen bislang noch auf sich warten lassen. Streicht euch den abwechslungsreichen Roadtrip quer durch die Zombie-Apokalypse trotzdem rot im Kalender an, denn möglicherweise steht uns hier eine echte Perle ins Haus.
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