Vorschau: Die Siedler – Königreiche von Anteria

Die Siedler gehen in die nächste Runde. In Die Siedler – Königreiche von Anteria ändert sich einiges an dem beliebten Spielprinzip. Aber nicht alle neuen Features werden ein Grund zur Freude sein – so bleibt Ubisoft leider auch diesmal seinen fragwürdigen DRM-Praktiken treu. Dafür wartet der achte Teil von Die Siedler mit vielen neuen Ideen auf, die bisher nie ein Siedler-Spiel zuvor gesehen hat.

Preview Die Siedler 8 - Kingdoms of Anteria 5

So kennen wir Die Siedler: Häuschen, Straßen, Produktionsanlagen.

Am Anfang wirkt Die Siedler -Königreiche von Anteria im Prinzip wie immer. Knubbelige Siedler errichten knubbelige Häuser, fangen an Holz zu fällen und wir bauen unsere ersten Ressourcen- und Produktionsketten und fangen an uns heimisch zu fühlen. Bis dahin ist das neue Die Siedler eigentlich wie immer, doch dann findet man sich plötzlich in der ersten Mission wieder. Und die spielt sich in etwa so, wie ein Dungeon Crawler in Warcraft 3-Umgebung.

Im Laufe der Story des Spiels gesellen sich immer weitere Helden zur bunten Truppe hinzu und man zieht aus, um Abenteuer in der Welt von Anteria zu erleben. Tech-Tree und Hauptquestreihe sind dabei miteinander munter verwoben und so sammelt man Ansehen, mit welchem man neue Technologien und Baugebiete freischaltet.

Bunter Genre Mix?

Damit geht Die Siedler – Königreiche von Anteria ganz neue Wege und kombiniert die beliebte und komplexe Aufbaustrategie mit Echtzeitstrategie, Dungeon Crawler und Browsergame. Das ist eine recht ungewöhnliche Mischung, aber sie bietet viele neue Optionen – allerdings auch neue Probleme. Der Technologiebaum ist unheimlich umfangreich und teilt sich auf die drei Kapitel der Spielerkampagne auf. Der Fortschritt wird dabei mit Ruhm erkauft, welchen man durch das Erledigen von Quests und optimierte Produktionsreihen erhält.

Für die Kampagne wurde aber auch das errichten neuer Siedlungen geopfert. Man baut das ganze Spiel über seine eigene Stadt auf, Gebiet für Gebiet. Damit entfällt zwar der Punkt, dass man jede Mission wieder neu von fast Null starten muss und immer dieselben Produktionsabläufe hochzieht, aber es bleibt eben auch bei ein und derselben eigenen Stadt. Diese baut man Stück für Stück weiter auf und aus und darf sein Werk dann immerhin auch in der Panorama-Ansicht bewundern. Zudem wird Die Siedler – Königreiche von Anteria dadurch sehr linear in seinem Aufbau. Statt immer wieder neu anzufangen, wartet man nun eben eine Weile, bis die Knubbelsiedler endlich genug Ressourcen herangeschafft haben.

Preview Die Siedler 8 - Kingdoms of Anteria 1

Ein kleiner Blick auf den noch viel größeren Tech-Tree. So schaltet Ihr Stück für Stück neue Regionen und Gebäude frei.

Herzstück von Die Siedler – Königreiche von Anteria sind allerdings die neuen Missionen. Dort dürfen wir mit einem, zwei oder vielen Pixelhelden durch Karten stapfen, die an Echtzeitstrategiespiele erinnern. Jede Heldenklasse verfügt über unterschiedliche Fähigkeiten, um den meist in Gruppen auftretenden Gegnern einzuheizen. Dazu kommen dann auch noch Bosskämpfe, in denen wir in bester Dungen Crawler-Manier die unterschiedlichen Fähigkeiten unserer Helden richtig einsetzen müssen. Jeder Held verfügt über maximal drei Fähigkeitem, die man in einem Mini-Talentbaum gegen Ressourcen freischalten kann.

Aber nicht nur Storymissionen erwarten den Spieler in Die Siedler – Königreiche von Anteria. Manchmal muss man – vielleicht zum Zeitvertreib, bis die Produktion von XY endlich fertig ist – auch ein Quest erfüllen, um seine Helden auf eine neue Stufe zu bringen. Und dann heißt es grinden. In den immer gleichen Echtzeitmissionen, bis der hauseigene Pixelritter endlich den geforderten Level hat.

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Auf ins Getümmel! Die Siedler: Königreiche von Anteria will das Ü-Ei unter den Spielen werden. Und dafür braucht man auch Bosskämpfe.

Damit die Helden nicht allein auf Reisen sind, darf man auch wie in den vorigen Siedler-Spielen Einheiten produzieren. Diese kommen dann zusammen mit anderen Goodies wie explodierenden Fässern und Bandagen auf den „Karren“ und unterstützen die Helden im Kampf. Wer nun an Massenschlachten denkt, der irrt jedoch. Die Pappsoldaten werden ausgerüstet wie Items. Und jeder Held kann maximal einen gleichzeitig dabeihaben.

An der K.I. der Helden sollte bis zum Release noch ein wenig gefeilt werden. Denn es passiert einmal zu oft, dass der Ritter nach vollführtem Sturmangriff einfach wieder an den Ausgangspunkt zurückstapft. Und die Gegner kamen froh hinterher gerannt – oder schlugen auf den nächstbesten Helden ein, während der Ritter ganz fasziniert eines der Gebäude in seiner Nähe betrachtete. Als er dann besagten nächstbesten Helden (eine Bogenschützin) wiederbeleben sollte (drei Gegner auf einmal waren doch zuviel), entschied er sich mittendrin lieber dafür, auf die Gegner loszustürmen. Und starb dann ebenfalls. Und dank Daueronline ohne Speichern heißt es dann: Alles nochmal von vorn.

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Währenddessen in Anteria…

Die Siedlung bekommt von alldem glücklicherweise nichts mit, die hämmert, schürft und baut glückselig vor sich hin. Im Grunde wird die Stadt mit ihren bunten Häusern und den komplexen Produktionswegen damit eher ein wenig zur Deko, denn der Action-Anteil des Spiels ist völlig in die Missionen ausgelagert. Richtig angegriffen wird die eigene Siedlung nicht mehr. Dafür kann man bis zu 19-gliedrige Produktionsketten aufbauen und so nach und nach eine beeindruckende Siedlung errichten an der man, einer Modelleisenbahnwelt nicht unähnlich, über Tage und Wochen noch herumbasteln kann. Da liegt definitiv eine der Stärken von Die Siedler – Königreiche von Anteria, denn im Interface lässt sich auch die längste Produktionskette komplett im Overlay anzeigen. So entgeht dem Spieler wirklich nichts mehr und jeder Organisationsfreak kann sich völlig austoben.

So ein bisschen ist auch bei den Siedlern selber der Effizienzwahn angekommen. Nix mehr mit Freizeitausgleich. Da das Spiel permanent online ist, arbeiten die armen Kerlchen auch weiter, wenn man selber längst im Bett liegt. Ganz wie in einem Browsergame geht die Ressourcenproduktion immer weiter. Das muss sie auch, denn allein um die Helden Leveln zu können, braucht man schon Stunden an Kohleproduktion. Allerdings: Platziert man das Gebäude ein Feld zu weit weg vom Abbaugebiet, dann ist es dem Spiel für eine optimale Produktionsreihe schon viel zu weit weg. Und ohne optimale Produktionsreihe gibt’s keine Ruhm-Punkte.

Preview Die Siedler 8 - Kingdoms of Anteria 6

Ganz oben links unterhalb des Spielerportraits findet sich die pinke Diamantenanzeige. Diese sorgte schon bei vielen Spielern für  traurige Spekulationen.

Beim Thema DRM gibt sich Ubisoft lernresistent

Onlinezwang, ein hässliches Wort für eine leider ebenso hässliche Praxis bei Publishern. Im Gegensatz zu Firmen wie CD Projekt Red, deren Ziel es ist, dass sich ihre Spieler gut behandelt fühlen, werden auch die zukünftigen Siedler-Spieler weiter von Ubisoft gegängelt werden. Durch den Onlinezwang fallen auch alle Speichermöglichkeiten weg, was leider auch dazu führt, dass Missionen, wenn sie abstürzen, komplett von vorne gemacht werden müssen. Auch das Speichern vor Bosskämpfen fällt weg. Dass die klobig-knuffeligen Siedler dafür auch in Abwesenheit des Herrschers vor dem Bildschirm weiterproduzieren, kann da nur wenig trösten.

Und ein weiterer Punkt, der die Spieler wohl kaum freuen wird: In Die Siedler – Königreiche von Anteria gibt es noch eine weitere Ressource, die Diamanten. Damit lassen sich zusätzliche Slots freischalten oder die Fähigkeitspunkteverteilung der Helden zurücksetzen. Ob das ein unschöner Vorbote auf potentielle Pay-to-Win Elemente a la Siedler Online wird, bleibt abzuwarten. Ein Online-Item-Shop gegen Echtgeld wäre in jedem Fall ein Affront gegen die Spieler.

+ Knubbelige Siedler
+ Interessanter Genremix
+ Komplexes Produktionssystem
+ Komfortables interface
- Nerviger Onlinezwang
- Erinnert zu sehr an ein Browserspiel
- Helden haben recht geringen IQ
- Nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem klassischen Die Siedler
Passabel

Grischa B.

"Onlinezwang essen Seele auf. Das ist leider der erste Gedanke, den man bei Die Siedler - Königreiche von Anteria hat - und der geht auch im weiteren Spielverlauf nicht ganz weg. Aber es macht eine Menge Spaß seine Stadt aufzubauen und Stück für Stück wachsen zu sehen. Endlich hat man auch wieder ein Spiel, das nicht bereits nach 20 Stunden Spielzeit mit einer kurze Endsequenz vorbei ist. Dennoch will der nächste Teil der Siedler-Reihe ein bisschen zu sehr der Hans-Dampf-in-allen-Gassen sein. Dann lieber eine richtige Echtzeit-Kampagne mit mehr Einheiten und schönen Schlachten, als zuviel Browserspiel-Elemente. Wer Die Siedler schon immer mochte, wird die Augenbrauen hochziehen, wer neu hinzukommt wird den Genremix vielleicht aber doch ins Herz schließen.
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