Vorschau: Dragon Quest XI: Streiter des Schicksals – Zuckersüß ins Gamerherz

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Der namenlose Held sucht sein Schicksal

Es gibt Videospiele, die ecken an, polarisieren und spalten die Massen. Und es gibt Dragon Quest. Kaum eine Reihe schafft es mit so traumwandlerischer Sicherheit den Geschmack der Gamer zu treffen wie das JRPG-Urgestein von Square Enix. Seit gut einem Jahr steht der mittlerweile elfte Teil der Hauptserie schon in der japanischen Auslage und erreicht im September endlich auch den westlichen Markt. Wir haben uns schon jetzt zwei Stunden in der quietschbunten Welt umsehen können und verraten euch, warum man Dragon Quest XI: Streiter des Schicksals einfach lieben muss.

In die Wüste geschickt

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In Gallopolis warten skurrile Charaktere

Am Anfang der Geschehnisse in Dragon Quest XI steht wie so oft ein namenloser Held, der – typisch für die Reihe – seinen Platz in der Welt noch nicht recht gefunden hat. Als der rebellische Teenager jedoch eines Tages erfährt, dass er die Inkarnation eines legendären Helden ist, der in der Vergangenheit nicht nur das Heimatdorf des Jungen, sondern die ganze ihm bekannte Welt gerettet hat, steht für ihn eins fest: Er muss seinem Schicksal folgen. Wie abzusehen, erhebt sich im idyllischen Lotozetasia just in dem Moment ein mysteriöses Übel, um den großen Weltenbaum und damit den ganzen Kontinent ins Verderben zu stürzen. Klingt nach einer Aufgabe für Lord Namenlos und sein aufgekratztes Gefolge.

In rund zwei Stunden mit dem Spiel konnten wir einen kurzen Einblick in die Vorgeschichte unseres Helden werfen, der seine beste Freundin Emma im idyllischen Heimatdorf zurücklässt, um in die nächstgrößere Stadt Heliodor aufzubrechen. Dort läuft jedoch bei Weitem nicht alles nach Plan und so findet sich der vermeintliche Auserwählte schneller im Kerker wieder als er seine Fönfrisur richten kann. Keine Überraschung: Die Stippvisite im Knast hält nicht allzu lange an. Der zweite Teil unserer Anspielsession katapultiert unseren Helden wiederum zehn Spielstunden in die Zukunft und führt uns in das Wüstenkönigreich Gallopolis, wo wir auf prunkvolle Paläste, exzentrische Prinzen und getürkte Pferderennen stoßen.

Dragon Ball meets Dragon Quest

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Akira Toriyama zeichnet Charaktere zu schön, um wahr zu sein

In typischer Manier für JRPGs spielt die Inszenierung dabei auf dem allerhöchsten Niveau. Die Dialoge sind mit cleveren Wortwitzen gespickt, die jeden Germanisten vor Neid erblassen lassen – und das gilt sogar für die deutsche Lokalisation. Doch nicht nur das eloquente Hin und Her zwischen den liebenswürdigen Charakteren weiß zu überzeugen. Auch optisch macht Dragon Quest XI eine ganze Menge her. Allem voran steht das überragende Charakterdesign.

Nicht ohne Grund werden beim Anblick der Figuren Erinnerungen an Kinderserien der 90er wach, denn Square Enix hat erneut Manga-Großmeister und Zeichner für Dragon Ball Akira Toriyama engagiert, um die jugendlichen Helden mit Leben zu erfüllen. Der qualitativ hochwertige Cell-Shading-Look macht aus jedem Charakter ein kleines Kunstwerk und sorgt dafür, dass Dragon Quest XI in puncto Optik von Sekunde eins bei uns einen großen Stein im Brett hat. Die offene Spielwelt wirkt derzeit leider noch etwas leer, aber sobald wir in eine der Städte kamen, sprühte uns umtriebiges Leben entgegen.

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Dragon Quest XI: Optik bleibt minimalistisch aber charmant

Ein weiteres Highlight liegt im Verbund zwischen Figuren und Inszenierung. Während in anderen Vertretern des Genre gern statische Bildkompositionen gewählt werden, um Zeile für Zeile eine verquere Geschichte voranzupeitschen, geht Dragon Quest XI auf Konfrontationskurs. In Zwischensequenzen stehen sich die Charaktere nicht nur starr gegenüber, sondern werden mithilfe von schnellen Schnitten und kreativen Einstellungen so in Szene gesetzt wie sie es verdienen. Wenn sich der Sohn des Sultan in die Brust wirft, begleitet von einem Zoom auf seine prahlerische Haltung, weht ein Hauch von Tarantino durch das Spiel.

Monster mit Knuddelfaktor

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Monster: Eigentlich will man sie lieber knuddeln, als töten

Spielerisch erwartet euch allseits beliebte JRPG-Kost. In rundenbasierten Kämpfen tretet ihr gegen zum Erbrechen putzige Monster an, die sich meist als Crossover verschiedenster Tiere, Fabelwesen und Gegenstände entpuppen. Nie vergessen werden wir unseren ersten Kampf gegen das sagenumwobene Bunicorn, eine entartete, aber unglaublich knuffige Kreuzung aus Häschen und Einhorn. Auch die Mischung aus Strandkrabbe und Rick and Morty in Form des sogenannten Crabber Dabber Doo stellt eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Wie schon bei den Charakteren ist auch das Monsterdesign einer der vielen Gründe, warum der Stil von Dragon Quest XI sämtliche Geschmäcker unter einen Hut bringt.

Als auserwählter Held müsst ihr jedoch nicht allein gegen die Monsterplage antreten. Nachdem ihr euch zunächst solo auf die Socken macht, trefft ihr bereits nach wenigen Minuten den ersten Nebencharakter, der sich euch anschließt. In Kämpfen habt ihr nun die Wahl, ob ihr nur den namenlosen Helden aktiv steuert oder sämtliche Mitglieder der Truppe. Dragon Quest XI lässt euch hier einige Freiheiten, denn jeder Begleiter lässt sich individuell anpassen. Soll die aufbrausende Magierin Veronica lieber ihr Mana sparen oder dem Gegner volle Möhre ihre todbringenden Zauber um die Ohren hauen – Ihr habt die Wahl. Mögt ihr es gemütlich? Dann könnt ihr die Kämpfe auch komplett automatisieren und dabei zusehen wie eure Truppe einen hüpfenden Kaktus nach dem nächsten vom Erdboden fegt. Bis zu vier Charaktere finden gleichzeitig Platz in eurer Party.

Neu: Dragon Quest auf dem PC

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Dragon Quest: Erstmals auch auf dem PC

Wirklich anspruchsvoll präsentierten sich die Kämpfe in unserer Demo-Version nicht. Selbst der abschließende Bosskampf – übrigens ein echtes Highlight in Sachen Monsterdesign – forderte von uns nur ein müdes Lächeln. Ähnliche Kritik hagelte es bereits bei den Vorgängern. Doch Square Enix hat vorgesorgt und bringt für Dragon Quest XI einen neuen Schwierigkeitsgrad, der die rundenbasierten Geplänkel deutlich knackiger machen soll. Leider war es uns nicht möglich, diesen bereits anzutesten. Es bleibt also abzuwarten, wie anspruchsvoll das Spiel letztlich ausfällt. Auch das Questdesign wirft bei uns noch ein paar Fragen auf. Abseits einer Mission, in der wir beim prestigeträchtigen Pferderennen unter dem Titel Sandnational antreten, wirken die Aufgaben bis dato doch recht eindimensional.

Überraschend kam die Ankündigung, dass Dragon Quest XI das erste Spiel der Reihe wird, welches nicht nur auf die PlayStation kommt, sondern auch eine Portierung auf dem PC erhält. Damit tritt es in die Fußstapfen von Hits aus dem japanischen Raum wie etwa Ni No Kuni II oder dem letztjährigen Überraschungserfolg NieR: Automata, die zunächst nur auf den Konsolen erscheinen sollten, aber trotzdem eine Umsetzung auf dem Rechenknecht erhalten haben.

Dragon Quest XI verzaubert euch ab dem 04. September auf PS4 und PC. Eine Version für die Switch ist angekündigt, erscheint aber wohl erst 2019.

Vielversprechend

Christian Böttcher

Dragon Quest XI verspricht ein locker leichtes JRPG zu werden, in das man sich verlieben muss - ob man will oder nicht. Akira Toriyama, ein Virtuose am Zeichenstift, hat mal wieder ganze Arbeit geleistet und Charaktere sowie Monster geschaffen, die so schön und so knuffig sind, dass man es kaum glauben kann. Doch nicht nur die Optik überzeugt auf ganzer Linie. Die Inszenierung ist selbst für ein JRPG ungewöhnlich liebevoll und ausdrucksstark und zeigt, wie schnell der Abgrund zwischen Film und Spiel doch schrumpfen kann. Beim rundenbasierten Kampfsystem orientiert sich Square Enix an alten Werten und setzt auf spielerische Freiheiten. Die Reihe bleibt stilsicher, denn auch mit Dragon Quest XI können Liebhaber von JRPGs und zuckersüßen Charakteren absolut nichts falsch machen.
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