Vorschau: EVE Valkyrie

eve valkyrie thumbnailVirtuelle Realität soll das große neue Ding in der Videospielindustrie werden, eine ganz neue Dimension des Gamings, in dem der Spieler so nah es aktuell nur geht in das Spielgeschehen versetzt wird und zugleich eine Plattform darstellt, die derartig viele Möglichkeiten für gänzlich neue Arten von Produkten bietet, wie man es seit der Einführung von Nintendos Wii im Jahr 2006 nicht mehr gesehen hat. Allerdings werden aktuell auch diverse Aspekte an dieser Technologie kritisiert, wozu ein stattlicher Preis von rund 400 Euro für die Hardware selbst, eine noch eher durchwachsene grafische Präsentation und unter anderem auch die gefürchtete Motion Sickness gehören. Wir wurden diese Woche vom isländischen Entwicklerstudio CCP Games ins Herz der Londoner Innenstadt eingeladen, wo uns deren neuestes und allererstes VR-Game vorgestellt wurde: EVE Valkyie. Wie unser erster Eindruck von dem Weltraum-Shooter ausgefallen ist, verraten wir im Folgenden.

Rasante Dogfights im EVE Universum

Fans von Ablegern des EVE Franchises, zu denen auch das bekannte EVE Online gehört, dürfen sich auf EVE Valkyrie freuen, denn dieses wird auch im Universum des Franchises angesiedelt sein und viele bekannte Gesichter und auch einiges an Lore mit sich bringen, die Fans mit Sicherheit wiedererkennen werden. Im Gegensatz zu EVE Online werden Spieler jedoch nicht mit Tausenden anderer menschlicher Piloten durch den Weltraum düsen, denn EVE Valkyrie ist ein nahezu reiner Teamshooter, in dem zwei Geschwader aus jeweils fünf Piloten aufeinander treffen.

Im Rahmen des Anspieltermins wurden uns zwei der unterschiedlichen Mehrspieler-Modi präsentiert, wobei allerdings noch weitere, bislang unangekündigte Modi folgen sollen. Neben einem klassischen Team Death Match Modus, galt es im zweiten Modus durch absetzbare Drohnen Punkte einzunehmen und zu halten. Die Drohnen sorgten hier für die Eroberung, konnten aber auch vom gegnerischen Team zerstört werden. Vom Spielprinzip her bekommen es Spieler in Eve Valkyrie entsprechend mit gewohnter, aber auch bewährter Kost zu tun.Vorschau EVE Valkyrie (1)

Du bist der Pilot!

Natürlich war es mit EVE Valkyrie nie das Ziel ein gänzlich neues Genre oder Spielprinzip zu erschaffen, denn hier treffen bekannte Spielmuster auf eine neue Dimension des Gaming: Die virtuelle Realität. Der definitiv markanteste Moment von EVE Valkyrie ist ohne Zweifel die erste Minute nach dem Aufsetzen der Oculus Rift Brille. Die Realität wird völlig ausgeblendet und dem Spieler wird eindrucksvoll vorgetäuscht, sich selbst im Spiel zu befinden.

Anstelle auf einem Monitor die Kamera zu bewegen, reicht hier ein einfaches Drehen des Kopfes aus, um sich die Welt um uns herum näher zu betrachten und selbst ein Blick unter unseren Sitz im Cockpit zu werfen. Mindestens ebenso beeindruckend wie der Eindruck, sich im Spiel zu befinden, war die Reaktion der Körperhaltung des Alter-Egos im Cockpit. Neigten wir uns in der Realität nach vorne oder zu den Seiten, um beispielsweise das Innere unseres Kampfjägers näher zu inspizieren, so neigte sich der Körper im Spiel ebenso mit.

Neben einigen kleinen Einzelspielermissionen, in denen wir unter anderen mit der Steuerung vertraut gemacht wurden, galt es in mehreren Mehrspieler-Runden unser Können unter Beweis zu stellen. Eine Einzelspieler-Kampagne wird es in EVE Valkyrie übrigens nicht geben. Aus insgesamt drei unterschiedlichen Schiffsklassen galt es hier zunächst zu wählen, bevor  wir uns ins Schlachtgetümmel werfen konnten. Neben dem Fighter, einer Allround-Kampfmaschine, stand uns noch ein dick gepanzertes Ungetüm von Schiff, welches zwar recht langsam ist, dafür aber auch ordentlich einstecken kann, sowie eine Support Einheit zur Auswahl. Letzteres Schiff ist aus unserer Sicht die interessanteste Einheit, da diese in der Lage ist, sowohl gegnerische Schilde zu entladen, als auch die von Verbündeten wieder aufzufüllen. Richtig und in einem gut organisierten Team eingesetzt, bietet sich hier einiges an taktischem Potential.Vorschau EVE Valkyrie (4)

Abseits der Gefechte

Auch wenn der Schwerpunkt von EVE Valkyrie klar auf dem Mehrspieler-Modus liegt, so bietet der Titel auch einige kleinere Besonderheiten, die gerade zum Start der VR-Technologie mehr als sinnvoll sind. Hierzu gehört beispielsweise der sogenannte Scout-Modus. In diesem wird der Spieler sich nicht um die Zerstörung von feindlichen Einheiten kümmern müssen, sondern kann in aller Ruhe bestimmte Regionen erforschen und durch die Nutzung der VR-Brille eine kleine Besichtigungstour durchführen.

Neben dem Scout Modus wurden seitens CCP Games auch noch ein Survival-Modus sowie ein Konvoi Modus angekündigt. In letzterem gilt es eine Schiffsflotte vor einem Angriff gegnerischer Schiffe zu beschützen. Neben den drei bereits erwähnten Klassen stehen dem Spieler zudem ungefähr 26 unterschiedliche Schiffe zur Verfügung, die allesamt vom Spieler individuell angepasst werden können. Durch das Absolvieren von Mehrspielergefechten können Ressourcen und Geld verdient werden, die wiederum zum Erwerb von neuen Waffen aber auch zur optischen Anpassung des Schiffs genutzt werden können. Selbst die Systeme im inneren der Cockpitansicht können individuell angepasst werden, um so das Spielerlebnis zu optimieren.Vorschau EVE Valkyrie (3)

Lieber keine Fassrolle…

Die Gefechte in EVE Valkyrie laufen äußerst rasant ab. Während wir unserer Schiff mit einem Gamepad steuerten und dabei auch durch massive Trümmerteile, Asteroiden und andere Objekte navigierten, spielte auch das Bewegen unseres Kopfes eine wichtige Rolle im Spielverlauf. Nicht nur war es überraschend nützlich, sich durch ein kurzes Umblicken eine Übersicht über die Position von Feindschiffen zu machen, auch boten diverse Waffen die Möglichkeit, einen Gegner durch pures Ansehen anzuvisieren, was beispielsweise für zielsuchende Raketen wichtig ist.

So intensiv das Spielgeschehen auch sein mag, so anstrengend ist dieses allerdings auch. Das vollständige Ausblenden der Realität, das sehr schnell Gameplay und die ungewohnten Bewegungen ohne tatsächlich einen physischen Effekt auf den eigenen Körper zu verspüren sorgten bei uns für zwei Dinge: Eine Reizüberflutung und die berüchtigte Motion-Sickness. Insbesondere letzteres Phänomen ließ sich sogar auf Knopfdruck hervorrufen. Durch die Betätigung der Schultertasten unseres Gamepads war es möglich das Schiff horizontal zu trimmen um die Anflugperspektive nach Wunsch anzupassen; auch bekannt als „Barrel Roll“, oder zu Deutsch „Fassrolle“. Eine solche Bewegung ließ uns allerdings nahezu unverzüglich ein gewisses Unwohlsein erfahren, welches zwar nicht sonderlich schlimm, aber doch sehr merklich ausfiel.

Wesentlich intensiver als die Motion Sickness selbst fiel uns und den Kollegen von anderen Redaktionen die Reizüberflutung auf. Wer bereits lange Videositzungen von 12 Stunden oder mehr am Stück absolviert hat und im Idealfall nebenbei noch Musik oder den TV laufen gelassen hat, der wird dieses Gefühl nachempfinden können, als wäre das eigene Gehirn überlastet. Dieses Phänomen trat auch beim Anspielen von EVE Valkyrie auf und hielt auch für einige Stunden an. Der Unterschied zu herkömmlichen Games lässt sich hier hingegen an der Zeit messen. So waren keine 12-stündige Sitzung notwendig um diesen Zustand zu erzeugen, sondern nur wenigen Spielrunden, die nach ein bis zwei Stunden ihr Ende fanden.Vorschau EVE Valkyrie (2)

Latenzfreie Übertragung von Bewegungen
Eindrucksvolles VR-Spielgefühl
Rasante Weltraumschlachten
Große Auswahl an Schiffsmodellen
Solide entwickelte Level
Gefahr von Motion-Sickness
Langzeitsmotivation aktuell fraglich
Lange Spielsitzungen wegen Reizüberflutung kaum möglich
Vielversprechend

Daniel M.

Mit Eve Valkyrie können sich Spieler und Fans auf einen rasanten Starttitel zu Oculus Rift gefasst machen, welcher auch in einem Bundle mit der VR-Brille im ersten Quartal 2016 auf den Markt kommen soll. Ob sich die virtuelle Realität tatsächlich durchsetzen wird, ist zwar noch nicht gewiss, aber die Jungs vom Studio CCP Games haben mit EVE Valkyrie gezeigt, dass das Potential und die Möglichkeiten gigantisch sind. Besonders die sehr rasanten Dogfight, aber auch die präzise und ohne Verzögerungen funktionierende technische Umsetzung bieten eine einzigartige VR-Erfahrung. Einziger Wermutstropfen sind die körperlichen Auswirkungen in Form von Motion Sickness und Reizüberflutung gewesen, die zumindest im Moment darauf hindeuten könnten, dass die virtuelle Realität besser für weniger Action geladene Titel geeignet ist. Nun heißt es aber erst einmal den Launch abzuwarten, um anschließend packende Weltraumschlachte zu schlagen!
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