Vorschau: Hitman 2

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Hitman 2: Agent 47 meuchelt wieder

Nach einem kurzen Abstecher in Episodenform kehrt der wohl beliebteste Berufskiller zurück in heimische Gefilde. Agent 47 macht sich auf die Suche nach seinem nächsten Opfer und hat Hitman 2 als Buy-it-Play-it-Vollpreistitel im Aktenkoffer mit dabei. Für uns Grund genug, den Meuchler vom dänischen Entwickler IO Interactive rund einen Monat vor Release einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir folgten dem glatzköpfigen Assassinen also auf seiner Mission in den kolumbianischen Dschungel, um herauszufinden, was der neue Ableger so alles kann.

Aus alt mach neu mach alt

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Das Aus für Episoden

Man könnte meinen, mit dem Wechsel des Publishers von Square Enix hin zu Warner Bros. Games ginge ein groß angelegter Imagewechsel des schweigsamen Agenten einher – Weit gefehlt! Stattdessen kehrt Hitman 2 dem Vorgänger den Rücken und erscheint nun nicht mehr Episode für Episode, sondern kann bereits zur Veröffentlichung komplett genossen werden. Wir sind freudig überrascht, denn bei Hitman halten wir es wie mit guten Serien: Wir verschlingen sie lieber im Ganzen als wochenlang auf die nächste Folge warten zu müssen. Im Zuge dessen haben die Entwickler bereits angekündigt, dass die Geschichte, in die sich 47 dieses Mal verstrickt, deutlich zugänglicher und weniger verschachtelt sein soll. In rund drei Stunden mit dem Spiel konnten wir uns davon allerdings nicht selbst überzeugen und erwarten deshalb gespannt den Release.

Was wir hingegen schon jetzt wissen: In Sachen Gameplay ist Hitman 2 dem Vorgänger deutlich näher als erwartet. Typisch für das Franchise schleusen wir den auffällig unauffälligen Kahlkopf gekonnt in feindliche Basen, beschaffen Informationen und nutzen diese anschließend, um das zu tun, was wir am besten können: Erdrosseln, Erschießen, Vergiften, Überfahren, Erschlagen. Ertränken oder in den Tod schubsen – Die Liste scheint endlos. Deutlich größere Sandbox-Level geben uns dieses Mal die Möglichkeit, mit noch mehr Freiheit und Kreativität zu Werke zu gehen, um unsere Ziele zu erreichen.

Wie in der Vergangenheit haben wir es dabei nicht mit einer offenen Spielwelt zu tun, sondern schleichen uns durch voneinander getrennte Missionen, welche uns über den ganzen Globus führen. Sechs dieser Einsätze sollen zu Release verfügbar sein, in puncto Umfang können wir uns also nicht beschweren. Im Rahmen der Gamescom konnten wir bereits die erste Mission anspielen, ein blutiges Rennevent an der malerischen Riviera von Miami. Dieses Mal erwartete uns im kolumbianischen Dschungel jedoch ein ganz anderes Bild.

 Geschichten aus dem Dschungel

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Auf Kartell-Jagd im Drogensumpf

Agent 47 ist einem gut vernetzten Drogenkartell auf der Spur, das sich im verschlafenen Dschungeldorf Santa Fortuna niedergelassen hat. Drei Mitglieder der kriminellen Organisation stehen auf unserer Liste, darunter der zugekokste Boss des Kartells, eine verschlagene „PR-Expertin“ und natürlich darf auch der größenwahnsinnige Chemiker in diesem Best-Of der Narco-Verbrecher nicht fehlen. Es geht also wesentlich düsterer zu als noch in Miami, denn die Bevölkerung schlägt Gewinn und leidet gleichermaßen unter der Profitgier des Kartells. Bevor Agent 47 seine Mordserie jedoch starten kann, gilt es wie üblich, das richtige Werkzeug auszurüsten und sich einen Überblick über spezielle Herausforderungen der Mission zu machen. Natürlich erwartet uns am Ende jedes Levels eine abschließende Bewertung, die davon abhängt, wie souverän wir die Widrigkeiten des Dschungels gemeistert haben.

Damit dieses Rating nicht allzu schlecht ausfällt und dieses Mal auch Hitman-Novizen voll auf ihre Kosten kommen, haben sich die Entwickler ein pfiffiges System überlegt, das ein wenig Ordnung in die schier unendliche Anzahl an möglichen Vorgehensweisen bringen soll. Hinter dem etwas unglücklich gewählten Titel „Story-Missionen“ verstecken sich kleinere Geschichten im Rahmen jeder (Vorsicht!) Mission, die euch das Leben in Hitman 2 nicht nur erleichtern, sondern auch dem allgemeinen Storytelling zu Gute kommen. Sie funktionieren ähnlich wie Quests in Rollenspielen und nehmen euch somit an die Hand, wenn ihr nicht genau wisst, wie ihr einen Auftrag angehen sollt. Natürlich könnt ihr auch auf diese Hilfestellungen verzichten und euch euren eigenen Weg durch die verschachtelten Level suchen. Für alle, die des Öfteren vor dem Game Over Screen sitzen oder denen die Einstiegshürde zum Franchise bisher zu hoch war, stellt dieses Feature allerdings eine echte Offenbarung dar.

Konsequenz in allen Dingen

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Nur eine der vielen Herangehensweisen

Um die besagte PR-Expertin zu eliminieren, wählten wir beispielsweise die Story-Mission „Heiliger Boden“ aus, die uns schnurstracks ins Lager eines Hippie-Schamanen führt. Dort angekommen, belauschen wir ein paar zugedröhnte Teenager und erfahren, dass unsere Zielperson den Schamanen angefordert hat, um eine Baustelle des Kartells einer spirituellen Reinigung zu unterziehen. Selbstverständlich wittern wir unsere Chance, kippen dem albernen Medizinmann kurzerhand ein Brechmittel in seine Suppe und warten im nahegelegenen Klohäuschen auf unsere Chance. Wenige Minuten später steht ein gut gelaunter Schamane mit Barcode am Hinterkopf auf der Matte und führt die Säuberung durch – sehr zur Zufriedenheit der nichtsahnenden Chefin. Verkleidungen sind auch in Hitman 2 essentieller Bestandteil der Spielerfahrung und bieten vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden jede Menge Spieltiefe, denn nicht mit jeder Klamotte sind wir überall ein gern gesehener Gast. Die strunzdummen Bauarbeiter merken jedoch nichts und wir können unseren diabolischen Plan weiter fortführen.

Wir erkunden also die Baustelle und überlegen fieberhaft, welcher Weg denn nun der beste ist, unser Ziel auszuschalten. Währenddessen geht die KI ihren festen Tagesabläufen nach und die PR-Expertin verlässt kurzfristig die Sicherheit ihrer Leibgarde. Antizipation ist jetzt gefragt, denn der perfekte Zeitpunkt zum Zuschlagen kommt meist nur einmal und erfordert gutes Timing. Das gilt übrigens auch für die Story-Missionen. Hätten wir als verkleideter Schamane zu viel Zeit verstreichen lassen, bevor wir das Ritual beginnen, schlägt diese Vorgehensweise fehl und kann im Laufe der Mission nicht mehr genutzt werden. Diese Konsequenz im Gameplay ist eine der größten Stärken der Serie und auch in Hitman 2 müssen wir uns immer einen Plan B zurechtlegen, bevor wir handeln. Die Art wie wir mit Flora, Fauna, den NPCs und unseren Zielen interagieren, ist relevant für den Erfolg einer jeden Mission – ein spielerischer Charakterzug, den man heutzutage kaum noch findet.

Oldschool oder ausgebrannt?

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Feuergefechte: Die letzte Instanz

Aber all diese Konsequenz und Treue zur Reihe hat auch eine hässliche Seite – und das sowohl metaphorisch als auch buchstäblich. Über kleine spielerische Schwächen können nämlich auch die endlosen Möglichkeiten, welche uns die Spielwelt bietet, nicht hinwegtäuschen. Dabei ist es völlig egal, ob wir Wachen geräuschlos ausschalten, eine Klimaanlage mit dem Brecheisen zerschießen, um Zielpersonen hervorzulocken oder uns im wilden Faustkampf duellieren, nachdem wir aufgeflogen sind: Alles läuft über einen simplen Knopfdruck und gelegentliche Quick-Time-Events. Auch aufgrund der Tatsache, dass sich diese Eingaben manchmal überlagern und es recht schnell zu ungewollten Kills kommt, obwohl wir eigentlich nur mit den Beteiligten reden wollten, kommt die grundlegende Gameplay-Mechanik zwar gewohnt solide, aber bei Weitem nicht mehr zeitgemäß daher.

Ähnliches gilt auch für die Bewegung innerhalb der Missionen. Mit der überarbeiteten Vegetation, in der ihr nun verschwinden könnt, und einer angekündigten Spiegelmechanik schaffen es zwar zwei Features ins Spiel, mit denen Stealth-Passagen etwas aufgepeppt werden, in Deckung zu gehen fällt aber weiterhin recht schwer und das Feedback, ob euch Gegner entdeckt haben oder zufällig wie von der Tarantel gestochen durch die Gegend hetzen, lässt noch etwas zu wünschen übrig. Auch die völlig überzogene Höhenangst macht Agent 47 noch immer einen Strich durch die Rechnung, sodass es nicht möglich ist, selbst von winzigen Vorsprüngen zu springen oder bei Bedarf den Ausweg über einen Balkon zu wählen. Oldschool-Felling in allen Ehren, aber Hitman 2 darf in diesen Punkten gern etwas moderner werden.

Hitman 2: Besser ungesehen

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Sorgenkind: Präsentation

Kommen wir abschließend zum ewigen Sorgenkind des Franchise: Der Präsentation. Kaum ein Stealth-Blockbuster schafft es, Menschenmengen so authentisch darzustellen und für spielerische Zwecke zu nutzen wie Hitman es seit Jahren tut. Besonders im Rahmen der Miami-Mission hat auch Hitman 2 dies wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Auch die Level selbst scheinen nun deutlich weniger glattgebügelt und unpersönlich. Stattdessen strotzen sie vor kleinen Details, die dazu einladen, sich beim Morden etwas mehr Zeit zu lassen und den wohlverdienten Killer-Urlaub gleich mit einzuschieben. Aber: Die hauseigene Glacier Engine ist in puncto grafischer Qualität schlicht und ergreifend nicht ansatzweise mit aktuellen Top-Titeln zu vergleichen. Leider merkt man Hitman 2 diesen altbackenen Look in jeder Pore an, sodass der Sprung zum Vorgänger letztlich wesentlich kleiner ausfällt als vielleicht gewünscht war.

Hitman 2 erscheint am 13. November 2018 für PlayStation 4, Xbox One und PC

Vielversprechend

Christian Böttcher

Nach der Abkehr vom Episodenformat können Fans von Agent 47 nun endlich wieder am Stück meucheln und infiltrieren, was das Zeug hält. Dabei schafft es das Franchise erstmals, auch Hitman-Novizen mit ins Boot zu holen, denn die neuen Story-Missionen machen den Meuchler zugänglich wie nie zuvor. Veteranen hingegen toben sich gewohnt frei und kreativ auf deutlich größeren Stealth-Sandboxes aus und erfreuen sich an schier endlosen Vorgehensweisen. Hitman 2 hat sich Konsequenz und Treue zur Reihe auf die Fahne geschrieben, was allerdings nicht nur eine Menge Spaß beim Interagieren mit der Umgebung und den NPCs bedeutet, sondern auch mit einer Schattenseite daherkommt. Präsentation und Steuerung sind schlicht nicht mehr zeitgemäß, was bei uns einen bitteren Nachgeschmack hinterließ. Wenn Handlung und Umfang zu Release stimmen, sollte Genrefans jedoch eine solide Fortsetzung ins Haus stehen.
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