Vorschau: Just Cause 4

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Just Cause: Das Chaos in Videospielform ist zurück – Bildquelle: Square Enix

Anschnallen bitte, Rico Rodriguez ist wieder im Anflug – Mit Just Cause 4 bekommt im Dezember eine Reihe Nachwuchs, die wie kaum eine andere für kuriose Sandbox-Action steht. Wie üblich lautet das Motto „Schneller, höher, brachialer“, wenn der Gringo mit der kurzen Lunte abhebt, um via Greifhaken und Raketenwerfer für Chaos in exotischen Gefilden zu sorgen. Einen Monat vor Release konnten wir Teil Vier bereits für einige Stunden anspielen und sind überrascht, wie viel Neues doch hinter dem üblichen Bombast-Feuerwerk steckt.

Der Da Vinci der Gewalt

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Rico Rodriguez: Auf den Spuren seines Vaters – Bildquelle: Square Enix

Wer Just Cause spielt, erwartet schon seit dem ersten Teil keine Geschichte, die tiefer geht als der Sargnagel von Ricos Opfern. Stattdessen dürft ihr euch wieder auf hemmungslos bekloppte Dialoge freuen, die nur so vor Action-Klischees sprühen. Natürlich sind sich die Entwickler dessen bewusst und spielen auch im vierten Teil wieder mit den Erwartungen der Spieler, indem sie eine ganze Wagenladung kurioser Charakter auf den guten Rico loslassen und im Rahmen eines Weltuntergangs-Szenarios zu selbstironischen Spielgefährten machen. Unter anderem mit dabei: Eine exzentrische Regisseurin, für die Rico den perfekten Stuntman mimt. Dieses Mal geht die Reise nach Südamerika – genauer gesagt ins malerische Solís, wo der Adrenalinjunkie mehr über seine Vergangenheit herauszufinden versucht.

Dort angekommen, trifft er erstmals auf Gabriella Morales, das Oberhaupt einer bis an die Zähne gerüsteten Privatarmee: Der Schwarzen Hand. Rico erfährt, dass sein verschollener Vater zuletzt in Solís gesehen worden ist und setzt alles daran, die Verbindungen zwischen seinem Erzeuger und der zwielichtigen Elitetruppe aufzudecken. Dabei stößt er immer wieder auf unnatürliche Wetterphänomene, die sich über den gesamten Kontinent ziehen und vom Gipfel eines verschneiten Berges herzurühren scheinen. Keine Überraschung: Dort liegt die Hauptbasis einer Geheimorganisation, die soeben das Projekt Illapa auf den Weg gebracht hat. Was es damit auf sich hat und ob Rico am Ende bei all den Explosionen überhaupt etwas von der Story mitbekommt, erfahrt ihr im kommenden Monat.

Nie netter: Das Wetter

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Mit Vollgas ins Auge des Sturms – Bildquelle: Square Enix

Mit einer neuen Spielwelt kommen neue Herausforderungen. Im Fall von Just Cause 4 sind das vor allem die taufrischen Wettereffekte, die eurem Wingsuit und Fallschirm das Leben schwer machen. Jedes der vier großen Biome in Solís verfügt über seine ganz eigenen extremen Wettereffekte, die nicht nur Einfluss auf den optischen Gesamteindruck von JC4 nehmen, sondern auch mit spielerischen Feinheiten gekoppelt sind. Im Regenwald sorgen tropische Stürme dafür, dass Rico bis auf die Knochen nass wird und zuckenden Blitzen ausweichen muss, während das alpine Biom eure Flugeinlagen gerne mal auf Eis legt, weil ein Blizzard durch das Gebiet fegt. Die Wüstenregion hingegen hat mit verheerenden Sandstürmen zu kämpfen, die euren Fallschirm quasi nutzlos machen, aber auch die Sicht eurer Gegner einschränken. Im Grasland schließlich tobt ein alles verschlingender Tornado, dem ihr im Wingsuit besser nicht zu Nahe kommen solltet, wenn ihr nicht schwindelfrei seid.

In Kombination mit der enormen Weitsicht, die Just Cause 4 bei entsprechender Hardware bietet, entsteht eine offene Spielwelt, die ihr einmal mehr zu eurem Spielplatz der Gewalt machen könnt. Dabei sind die extremen Bedingungen mehr als nur Kulisse, denn im Rahmen der Geschichte schickt euch das Spiel immer wieder auf die Reise, um Missionen zu erledigen, die mit den kuriosen Wetterphänomenen zu tun haben.

In einem gepanzerten Wagen sollten wir beispielsweise dem Tornado folgen, um mit dessen Hilfe einen Militärflughafen der schwarzen Hand lahmzulegen. Glücklicherweise war unser Vehikel zu schwer, um in den furiosen Strudel zu geraten, sodass wir gemütlich dabei zuschauen konnten, wie der Tornado alles aufsaugte und in einer Zerstörungsorgie wieder ausspuckte, das auf seinem Weg lag – Im Grunde übernimmt das Wetter also unseren Job und zerlegt die Welt auf beeindruckende Art und Weise in ihre Einzelteile. Die Wettereffekte bringen – Vorsicht! – frischen Wind ins Spiel und machen auch visuell eine ganze Menge her.

Die sandigste Sandbox

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Der Greifhaken: Viel besser als jedes Schießeisen – Bildquelle: Square Enix

So groß und vielseitig die Spielwelt in Just Cause 4 sein wird, ein Feature hat es geschafft, uns noch mehr zu überraschen: Der neue Greifhaken. Wie üblich zieht ihr euch damit an alles heran, was nicht niet- und nagelfest und verbindet Objekte miteinander, um sie anschließend auf spektakuläre Art und Weise in die Luft zu jagen. Im neuen Teil ist das jedoch noch längst nicht alles. Die Entwickler haben den Greifhaken kurzerhand zum Multifunktionstool umgebaut, das ihr ganz und gar eurem Spielstil anpassen könnt. Drei Module stehen zur Verfügung, die alle mit unterschiedlichen Funktionen zusammenhängen.

Bringt ihr den Luftheber an einem Objekt oder einer Person an, steigt davon ein kleiner Ballon auf, der sich langsam aufbläst und das Objekt aufsteigen lässt. Mit dem Zugmotor hingegen könnt ihr dafür sorgen, dass sich zwei verbundene Gegenstände zusammenziehen, während die Schubrakete als kleiner Booster fungiert, mit dem ihr ein Objekt in eine bestimmte Richtung bewegt. Was sich zunächst recht theoretisch anhört, stellt sich recht schnell als spaßiges Tool zum Herumexperimentieren heraus. Jedes der drei Module könnt ihr nämlich auf verschiedenste Arten einstellen, sodass der Luftheber beispielsweise auf einer bestimmten Höhe schweben bleibt oder ihr die Schubrakete mit einmaligem Druck auf eine der Digipad-Tasten manuelle auslösen könnt.

Mit dem Greifhaken könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen und absolut irrsinnige Dinge anstellen. Das Coolste, was wir bisher zu Gesicht bekommen haben, war ein schwebender Panzer, mit dem der Entwickler kurzerhand eine ganze Basis der schwarzen Hand in Schutt und Asche gelegt hat – wohlgemerkt von der Luft aus und lediglich mit ein paar Modifikationen des Greifhakens. Das Feature verspricht enorm viel Spaß und belohnt eine kreative Herangehensweise wie in kaum einem Spiel zuvor. Mit der richtigen Idee lassen sich verrückte Dinge anstellen, was Just Cause 4 wohl zur sandigsten aller Sandboxes macht.

Kein Geld für Lootboxen

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Sportwagen in der Lootbox – und das völlig kostenlos – Bildquelle: Square Enix

In Just Cause wird es Lootboxen geben – Schockierend oder? Nicht wirklich, denn eigentlich geht es dabei viel mehr um ein weiteres neues Feature, das den Weg nach Solís findet: Supply Drops. Mit wenigen Handgriffen ruft sich Rico alles herbei, was man im Zerstörungswahn gerade so gebrauchen kann: Sportwagen to go, gut verpackter Panzer oder Granatwerfer in einer Posterrolle: Just Cause gibt euch ein ganzes Arsenal verschiedener Waffen, Fahrzeuge und Objekte an die Hand, um damit von A nach B zu kommen oder einfach nur damit rumzuspielen.

Auch hier stellen die Avalanche Studios die spielerische Freiheit und Kreativität in den Vordergrund, was dem Spiel wirklich gut bekommen dürfte. Bevor ihr euch allerdings den ganzen Fuhrpark in einem großen Container anliefern lassen könnt, müsst ihr die Gegenstände natürlich freispielen. Glücklicherweise könnt ihr im Menü direkt einsehen, was ihr tun müsst, um einen heißbegehrten Gegenstand in eure Sammlung aufzunehmen, was geradezu nach Langzeitmotivation schreit.

Falls euch in Just Cause 4 dann doch einmal die Ideen ausgehen sollten, greift doch zur Abwechslung mal zur Waffe und erledigt die schwarze Hand ganz klassisch: Mit Blei im Schädel. Auch in dieser Hinsicht erwarten euch Neuerungen, denn jeder Ballermann verfügt nun über einen zweiten Feuermodus. Maschinengewehr mit angeschraubtem Granatwerfer oder doch lieber Sniper mit eingebautem Raketenwerfer? Alles kein Problem für die Jungs und Mädels vom schwedischen Entwickler. Wer es ganz extrem mag, kann aber auch schlechtes Wetter und Feuerkraft kombinieren und probiert sich am Luftdruckgewehr, einem überdimensionalen Laubbläser, mit dem ihr nicht nur Gegner aus dem Weg räumt, sondern auch Rico in luftige Höhen befördern könnt – Gute Idee, spaßige Umsetzung, der Sandkasten kann kommen.

Just Cause 4 erscheint am 04. Dezember für PC, PlayStation 4 und Xbox One.

Vielversprechend

Christian Böttcher

Just Cause 4 verspricht erfrischenden Wind für das Franchise - Nicht nur, weil Tornados, Sandstürme und Co. ihren Weg ins Spiel finden, sondern vor allem deshalb, weil die Entwickler nun voll und ganz auf die experimentelle Action-Sandbox setzen. Der bis ins letzte Detail einstellbare Greifhaken tut sein Übriges und könnte den ewig gleichen Blockbuster-Kitsch rund um Rico Rodriguez zumindest spielerisch in neue Höhen katapultieren. Der vierte Teil spielt technisch und optisch auf hohem Niveau mit und garantiert ein paar spaßige Stunden, bei denen eurer kreativen Freiheit so gut wie keine Grenzen gesetzt sind. Wenn schließlich das Progression-System mit Supply Drops und vielen Nebentätigkeiten stimmt, könnte der Da Vinci der Gewalt im Dezember auch langfristig eine furiose Rückkehr feiern.
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