Vorschau: Machiavillain

Vorschau: Machiavillain7Das wird ’ne Monsterparty, Ayayayay! Was Die Ärzte vor einer gefühlten Ewigkeit feierten, wird in Machiavillain blutverschmiert komische Realität. Das Monster- und Spukhaus-Management-Spiel vom Indie-Entwickler Wildfactor macht euch nicht nur zum Meister von sabbernden, aber dennoch kultivierten Horror-Gestalten. Es fordert auch, dass ihr ein Anwesen zusammenbastelt, in dem selbst die mutigsten Monsterjäger dem Wahnsinn verfallen. Ob der irrwitzige Strategie-Mix aus RimWorld, Dungeon Keeper und Don’t Starve auch irre witzig ist, haben wir in einem düsteren Keller mitten in der Pariser Innenstadt für euch herausfinden können.

Mit Kickstart zum Bösewicht

Vor gut zwei Jahren rückte das Projekt Machiavillain zum ersten Mal ins Licht der Öffentlichkeit, als die Entwickler über Kickstarter dazu aufriefen, eine Management-Simulation der gruseligen Art aus dem Boden zu stampfen. Gesagt, getan – Binnen 30 Tagen brachten die Unterstützer einen Betrag von 24.082 € auf und die Entwicklung des Spiels stand in den Startlöchern.

Inzwischen befindet sich das Spiel in der sechsten Alphaphase und nähert sich mit großen Schritten der Vollendung. Im Gespräch mit den Entwicklern konnten wir zwar kein genaues Veröffentlichungsdatum erfahren, den Andeutungen zu einer Veröffentlichung in der Jahresmitte wollen wir aber gerne glauben. Konsolenspieler müssen wir leider schon jetzt enttäuschen. Machiavillain erscheint ausschließlich für den PC über Steam.

Vorschau: Machiavillain8Die Prämisse des Spiels fällt dabei so einfach wie diabolisch aus. Ihr seid ein teuflisches Genie, das jedem Horrorfilm-Bösewicht Konkurrenz machen könnte. Und genau das ist auch euer Ziel. Mithilfe einer Horde eigentümlicher Monster, die allesamt an Figuren aus Grusel-Klassikern erinnern, schwingt ihr euch zum größten Fiesling aller Zeiten auf und verdient somit Stück für Stück den Respekt einer ominösen Verbrecherorganisation, der League of Machiavellian Villains. Mit dem hirnlosen Abschlachten unschuldiger Bürger ist es allerdings nicht getan. Wie in jedem guten Horrorfilm müssen sich auch eure monströsen Angestellten an ein paar Regeln zum Umgang mit ihren Opfern halten.

#1: Alle Opfer müssen sterben!

#2: Du darfst Opfer nur töten, wenn sie allein sind…

#3: …es sei denn, sie haben Sex. Dann immer feste drauf mit der Axt!

#4: Du darfst Opfer nur in der Nacht töten. Am Tage musst du sie munter pfeifend ziehen lassen.

#5: Die Jungfrau stirbt immer zuletzt!

#6: Töte nicht den Hund…niemals!

Welches Monster wartet hinter Tor 3?

Vorschau: Machiavillain3Mit diesen fünf einfachen Richtlinien an der Hand begebt ihr euch nun auf eine prozedural generierte Karte, die genügend Platz bietet für die Gruselvilla euer Träume. Zusätzliche Spielmodi abseits des Endlosspiels sind bisher nicht bekannt. Bevor ihr euch jedoch daran macht, neugierige Abenteurer auf euren Grund und Boden zu locken und auf möglichst brutale Art und Weise zu massakrieren, steht zunächst die Jagd auf Ressourcen im Vordergrund. Ohne Holz, Stein, Gold und Co. platzt der Traum vom kuscheligen Eigenheim nämlich schneller als menschliche Köpfe in David Cronenbergs Scanners. Sofort schickt ihr also eure handverlesenen Monster los, um Bäume kurz und klein zu hacken und den Grundstein für die Villa Kunterbunt des Grauens zu legen.

Ähnlich wie in RimWorld oder Prison Architect habt ihr vor jeder neuen Runde die Wahl, welche Handlanger ihr für den Aufstieg zum Ruhm engagiert. Während Molly, die mollige Mumie, sich möglicherweise besser für den Einsatz mit der Spitzhacke eignet, gehört Skelett Sven vielleicht zu den Vorreitern im Bereich Monster-PR und schreibt die besten Briefe, um Opfer anzulocken. Die Werte der Figuren werden zufällig verteilt und ihr solltet euch gut überlegen, wen ihr für eure Monster-AG einstellt. Hier habt ihr es mit einer waschechten Simulation zu tun, denn neben dem Bau der Villa müsst ihr gleichzeitig die Bedürfnisse der Bewohner im Auge behalten. Auch Ungeheuer müssen schließlich schlafen, essen und sehnen sich nach Unterhaltung.

RimWorld im erfrischenden Setting

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Im Vergleich zu den Genre-Pionieren haben die Macher bei der Steuerung deutlich abgespeckt. Könnt ihr in RimWorld jederzeit zwischen aktiver Kontrolle der Figuren und ihrem passivem Tagesablauf wechseln, bietet Machiavillain nur begrenzte Möglichkeiten dazu. Zwar verteilt ihr genauso verschiedene Aufgaben, die je nach Ausprägung der Fertigkeit mal schneller, mal langsamer erledigt werden, ein Prioritätensystem bleibt das Spiel uns aber leider schuldig. Besonders im späteren Spielverlauf, wenn es von essenzieller Bedeutung ist, nicht von den neugierigen Eindringlingen entdeckt zu werden, bekommt die Steuerung einzelner Monster enormen Stellenwert. Diese kleineren Mängel tun dem Spielspaß kaum einen Abbruch, fallen aber ins Gewicht, wenn man bedenkt, dass etliche Stunden in diese Art von Spiel fließen können.

Das größte Alleinstellungsmerkmal von Machiavillain ist ohne Zweifel das einzigartige Setting, in dem ihr eure stattliche Gruselvilla erbaut. Natürlich dreht sich primär alles darum, eure Monster am Leben zu erhalten und in den Rängen der Liga aufzusteigen. Für die Sadisten unter euch hat der famos schwarzhumorige Titel jedoch noch viel mehr zu bieten. Vampire, Zombies und Werwölfe können zwar selbstständig kämpfen, aber was wärt ihr für ein teuflisches Genie, wenn ihr das Leben der liebenswerten Ungeheuer aufs Spiel setzen würdet? Stattdessen liefert euch das Spiel ein schier endloses Arsenal an Möbeln und Fallen, mit denen ihr die Opfer zunächst anlockt und anschließend durch den Fleischwolf eurer Villa dreht. Von sich drehenden Wänden bis hin zur eisernen Jungfrau ist alles mit dabei, was sich der Folterknecht von morgen nur wünschen kann.

Werbeagentur Frankenstein lädt zur Monsterparty

Vorschau: Machiavillain6Bisher waren die sogenannten Deathzones im Genre lediglich Mittel zum Zweck, um sich angreifender Horden zu erwehren, doch in Machiavillain werden sie zum zentralen Spielelement gemacht. Es bereitet diebische Freude, den ahnungslosen Horrortouristen dabei zuzusehen wie sie sich voller Hoffnung durch das von euch entworfene Labyrinth des Grauens kämpfen und ihrem sicheren Tod entgegenhetzen. Allerdings verlangt das Spiel euch auch dementsprechend tüftlerisches Geschick ab, denn verbaut ihr euch nur bei einem der Räume, die stark an Dungeon Keeper erinnern, habt ihr die verschreckten Besucher schneller in eurem Schlafzimmer sitzen als ihr „Klaatu Varada Nikto“ sagen könnt. Mit etwas Pech ist unter ihnen ein erfahrener Monsterjäger, der euch prompt die Hölle heiß macht. Es braucht nicht viel mehr und ihr seid einen eurer Gefährten los.

Damit ihr nicht stundenlang nur mit dem Default-Setup von drei Monstern agieren müsst, könnt ihr die Dortbewohner neben ihrem Leben auch um ihre Brieftaschen erleichtern. Mithilfe der unfreiwilligen Finanzspritze besorgt ihr euch bei fahrenden Händlern zusätzliche Nahrung, exotische Waren oder sogar neue Rekruten. Aber auch zum Anlocken frischer Opfer ist die zusätzliche Kohle enorm wichtig. Die nächste Werbekampagne im Stil von „Tante Ingeborg hat dir eine sündhaft teure Halskette vermacht. Du musst sie nur in ihrer auffällig unauffälligen Villa am Ende der Neibolt Street abholen“ will schließlich bezahlt werden. Unerwartete Besuche lockern das Management-System des Spiels immer wieder auf und verlangen von euch schnelles Agieren und durchdachtes Micro-Management.

Indie-Look mit Wiedererkennungswert

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Der erste wie letzte Blick gilt bei Indie-Perlen wie Machiavillain natürlich der Präsentation. Hier sind wir restlos überzeugt. Das vemeintlich düstere Horror-Setting entschärft das Spiel recht schnell mit seinem bunten Comic-Look und leichten Cell-Shading-Elemenenten. Selbst wenn sich die herrlich überzeichneten Monster in willenloser Blutgier auf ihr wandelndes Abendessen stürzen, bleibt euch nichts anderes übrig, als verliebt zu grinsen. Der etwas grobe, aber dennoch verspielte Look erinnert im ersten Moment stark an Don’t Starve. Liebevolle Details und Animationen treibt Machiavillain auf die Spitze und verströmt dabei schaurig schönen Tim Burton Flair. Hinzu kommen überall verstreute Flavor-Texte, die euch immer ein Schmunzeln entlocken. Sei es die Jobbeschreibung im Hauptquartier der League of Machiavellian Villains oder einer der vielen verschiedenen Charakterbögen.

Auch in Sachen Sounddesign muss sich Machiavillain nicht verstecken. Gerade für Management-Simulationen sollte ein Soundtrack gewählt werden, der auch nach Stunden nicht nervt oder eintönig  wirkt. Allzu viele Variationen liefert das Spiel hier nicht, die wenigen Stücke, welche permanent im Hintergrund durchlaufen, werten allerdings nicht nur das Gruselsetting auf, sondern haben regelrechten Ohrwurmcharakter. So liebevoll wie sie aussehen klingen die 20 verschiedenen, zum Release verfügbaren, Monster darüber hinaus auch. Kultige Soundeffekte aus den 80ern, immer mit einem Zwinkern eingefügt, machen einfach Spaß und ließen uns in nostalgischer Stimmung zurück.

Machiavillain erscheint im zweiten Quartal 2018 exklusiv für den PC.

Vielversprechend

Christian Böttcher

Machiavillain scheint nicht nur eine liebevolle Hommage an Horrorfilm-Klassiker und deren Klischees zu werden, sondern ein vollwertiger und gut ausbalancierter Mix aus Management-Simulation und Tower Defense. Wirklich viel Neues müsst ihr dabei nicht erwarten. Der Titel schafft es aber dennoch, euch bei der Stange zu halten, indem erprobte Gameplay-Elemente zu einem spaßigen Ganzen zusammengefügt werden. Wer auf RimWorld, Prison Architect und Co. abfährt und schon immer sein ganz eigenes Spukhaus errichten wollte, bekommt bei Machiavillain das perfekte Spiel für lange, verregnete Sonntage.
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