Vorschau: Metro Exodus

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Metro Exodus Vorschau: Was taugt der neue Metro Shooter?

Der dritte und schätzungsweise letzte Teil der Metro Reihe, Exodus, steht am 15. Februar ins Haus. In einer finalen Hands-On Session durften wir uns nach den Gamescom- und E3-Abschnitten an der Wolga und im Tal, mit Artjom in das kaspische Becken stürzen. Metro Exodus verspricht die bisher emotionalste Geschichte der Trilogie und lässt uns dabei erstmals in einer fast offenen Spielwelt das postapokalyptische Russland erkunden.

Metro Exodus: Hoffnung ist das höchste Gut

Nachdem Artjom mit den Überresten des Spartaner Ordens die stickigen Tunnel der Metro hinter sich gelassen hat, machen sich die Gefährten auf die beschwerliche Reise nach Osten. Im weit, weit entfernten Vladivostok vermuten sie einen paradiesischen Ort, der ihnen ein neues Leben zu schenken vermag. Außerhalb Moskaus liegen ganze Landstriche, deren Bewohner sich inzwischen anderen Regeln unterwerfen müssen, als noch zu Zeiten der Zivilisation.

Die abscheulichsten Mutationen und atmosphärischen Anomalien machen große Teile des gigantischen Landes unbewohnbar. Und selbst dort, wo sich einige versprengte Überlebende niedergelassen haben, leben die Menschen von Stunde zu Stunde.

Tatsächlich hat die tödliche Strahlung hie und da ihren grausamen Griff gelockert, sodass unser Held Artjom das erste mal seit Jahren frische Luft atmen kann.

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Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games

Warum die tapferen Überlebenden ausgerechnet jetzt vom Leben außerhalb Moskaus erfahren, ist bisweilen unklar. Sicher ist nur, dass sie in den Besitz einer funktionierenden Dampflock kommen.

An Bord der sogenannten Aurora verlassen wir den eisigen Winter Moskaus gen Osten und machen uns auf eine Reise, die ein ganzes Jahr andauern wird.

Die Geschichte wurde zusammen mit dem Autor der Metro Reihe Dimitri Glukowski entwickelt, basiert jedoch nur lose auf der Buchvorlage Metro 2035.

Grausam schöner Exodus

Auf der Reise nach Osten durchfahren wir mit der Aurora, die nun als Hub der Spielwelt funktioniert, unterschiedliche Biome und Jahreszeiten. Angefangen im eisigen Winter Moskaus, brechen wir zum ersten Tauwetter an der Wolga auf. Weiter durch die ariden Klimate am ursprünglichen kaspischen Meer geht es, laut Entwickler, in circa 20 Spielstunden nach Vladivostok und darüber hinaus.

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Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games

Erstmals erleben wir mit Artjom und Anna die grausame Faszination der Metro Welt in ihrer ganzen Pracht. Die semi-offenen Areale, die wir mit der Aurora erreichen, bieten uns viel Raum zum Erkunden. Das environmental storytelling gelingt 4A Games dabei hervorragend.

Hinter jeder Ecke entdecken wir verlassene Lager oder Fragmente der alten Welt, die inzwischen von den unmöglichsten Geschöpfen bewohnt werden. Dabei sehen besonders die detailreichen Landstriche in Metro Exodus erschlagend schön aus.

Die einst lebendige Welt wirkt traurig und verlassen, jedoch zu keinem Zeitpunkt leer. Der schiere Detailgrad der Spielwelt ist überwältigend. Jede Ruine erzählt ihre eigene Geschichte, jede Szenerie ist ihre eigene schaurig-schöne Postkarte.

Liebe zum Detail

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So schön kann das Ende der Welt sein. Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games

Die Licht- und Wettereffekte tragen ihr Übriges zur stimmigen Atmosphäre bei. Auch Raytracing soll es in der finalen Version des Titels geben. Leider war die Technologie an unserem Anspieltermin noch nicht ausgereift. Metro Exodus sieht aber auch ohne RTX Karte im Rechner fantastisch aus und besticht mit Liebe zum Detail, die sich über Flora und Fauna bis zu den Waffen und Ausrüstungen erstreckt.

Besonders gefallen hat uns der lebendige Eindruck der Welt. So kann es passieren, dass wir mit dem Ruderboot anlegen, nur um bei der Rückkehr festzustellen, dass sich Raben auf der Reling niedergelassen haben.

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Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games

Untermalt wird die trostlose und verschwendete Schönheit der Welt, von einem ähnlich detaillierten Sounddesign. Fast nie erklingen brachiale Soundtracks, größtenteils ist Metro Exodus subtil, ja fast still. Die Spielwelt erzählt ihre Geschichte selbst. Ganz besonders dann, wenn wir plötzlich in einem Sandsturm gefangen sind, oder mit krachenden Blitzen eine Anomalie neben uns aufbricht.

Wir wollen euch allerdings nicht verschweigen, dass die Testversion in 4K und WQHD noch unter gewaltigen Tearing-Problemen litt.

Das kaspische Becken

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Die Turmbewohnerin ist hier so einsam wie sicher. Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games

Die Befürchtungen, dass sich Metro Exodus bei all dem Glanz nicht mehr wie ein Metro Titel anfühlt, sind dabei nicht unberechtigt. Gerade der neue Wüstenabschnitt fühlt sich fast antithetisch zur gewohnten Metro Atmosphäre an.

An dem Ort des einst prachtvollen kaspischen Meers, klafft jetzt eine karge Sandwüste. Nur vereinzelt erinnern die traurigen Tümpel an fruchtbare Zeiten. Wir sind mit der Aurora stecken geblieben und müssen absteigen, um Wasser für die Kühlung des Zuges zu suchen. Dieses, oder ähnliche Szenarien, stellen die zentrale Spielmechanik in Metro Exodus dar.

Haben wir uns einmal entschieden, mit dem Zug weiter zu fahren, gibt es kein Zurück mehr. Wir sind dann immer solange unterwegs, bis uns eine hochgezogene Zugbrücke (Wolga), oder Ressourcenknappheit (kaspisches Becken) am Weiterfahren hindern.

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Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games

Sitzen wir erstmal fest, müssen wir uns schleunigsten mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen. Als ausgezeichnete Scharfschützin hilft unsere Gattin dabei, oder wir greifen einfach selbst zum Fernglas.

Neben der offensichtlichen Aufgabe, den Zug wieder zum Rollen zu bringen, versuchen wir in bester Survival-Manier am Leben zu bleiben. Dafür klauben wir auch den wertlosesten Plunder zusammen, um Waffen und Ausrüstung zu verbessern. Ganz ähnlich wie in Fallout New Vegas sammeln wir Chemikalien und Material, mit dem wir unsere Waffen modifizieren und reinigen können.

Die Patronenökonomie Moskaus, hat in den Weiten Russlands keine Gewalt. Es gilt einzig und allein das Gesetz des Stärkeren.

Ein Mann und sein Rucksack

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Hermine wäre neidisch, was in die Tasche so alles reinpasst. Deep Silver/ 4A Games.

Metro Exodus nimmt den Überlebenskampf verhältnismäßig ernst für einen Story-getriebenen First Person Shooter. Geratet ihr in einen Sandsturm oder fallt ins Wasser, verdrecken eure Waffen, was zu Fehlfunktionen führen kann. Mit den gefunden Chemikalien könnt ihr eure Waffen an Werkbänken wieder gründlich reinigen. Das Crafting funktioniert allerdings nicht nur stationär. Weniger komplexe Dinge kann Artjom auch unterwegs zusammenbasteln.

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Crafting an der Werkbank. Deep Silver/ 4A Games.

So öffnet ihr einfach schnell euren Rucksack, um gefundene Zielvorrichtungen an eure Waffen zu schrauben, oder Medikits herzustellen. Im MacGyver-Modus seid ihr natürlich angreifbar, weshalb es ratsam ist, sich vorher zu vergewissern, dass weder die umliegende Flora noch Fauna euch versucht zu essen.

Überleben will gelernt sein

Metro-üblich sind Medikits und Munition rar gesät. Schon auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad gehen euch, bei unüberlegtem Vorgehen, in kürzester Zeit die Kugeln aus. Geht ihr hingegen besonnen vor und erledigt einige Gegner per Kopfschuss, oder aus dem Hinterhalt, fahrt ihr deutlich effizienter.

In jedem Fall werden euch aber die Kugeln ausgehen. Dann bleibt euch häufig nur eure pneumatische Waffe. Bekannt aus dem Vorgänger, müsst ihr hier den Luftdruck selbst aufrecht erhalten, könnt die Munition aber deutlich kostengünstiger herstellen.

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Das Monster im Klo. Deep Silver/ 4A Games

Die Survival Elemente passen zu Metro, wie der Mutant in die Postapokalypse. Allerdings funktionieren die nur solange hervorragend, wie sie nicht mit anderen Designentscheidungen kollidieren. So wurde bei Metro Exodus viel Wert auf ein realistisches Spielgefühl gelegt, dass sich, klassich für die Reihe, behäbig und wuchtig anfühlt.

Jede Bewegung will überlegt sein, da alles in der Metro Welt Zeit oder Ressourcen kostet. Waffen wollen repariert werden, Munition gebastelt, Gasmaskenfilter gewechselt und Karabiner erst mühsam an Seilen angebracht werden, bevor ihr euch an ihnen nach unten schwingt. Nichts fühlt sich hier so schnell und flippig an, wie in den großen Action-Titeln – und das ist auch gut so.

Behutsam brachial

In dem Abschnitt, den wir spielen durften, war Metro Exodus immer dann ein erstklassiger Titel, wenn es die alten Tugenden der Reihe ausspielte und sinnvoll erweiterte. Beispielsweise sorgen die fantastischen Sandstürme für eine klaustrophobische und dunkle Atmosphäre in einem sonst sonnigen und offenen Areal.

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Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games

Auch die Passagen, in denen ihr in Höhlen, verlassene Gebäude oder Bunker abtaucht, sind hervorragend inszeniert und präsentieren die perfekte Mischung aus gescripteten Passagen und lebendiger Spielwelt.

Die semi-offenen Spielwelt wird sinnvoll durch die Survival Elemente limitiert und gibt euch oft das Gefühl, auf verlorenem Posten zu stehen. Leider ist Metro Exodus bis dato in vielen Momenten zu inkosequent und reist uns so immer wieder aus der tollen Atmosphäre heraus.

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Ein Humanimal kommt sellten allein. Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games

Das Gunplay ist teilweise flotter als in den ersten Teilen und Gegner in der Welt absolut keine Seltenheit. So fühlt ihr euch unter dem Ansturm der neuen Humanimal Gegner manchmal wie ein Actionheld in einem Taucheranzug aus dem 17. Jahrhundert.

Was spielen wir denn jetzt? Ein Actionspiel oder einen Survival-Thriller?

Metro Exodus – Kann ich noch mehr Knöpfe haben?

Die umständliche Steuerung, die es uns erlaubt, auch unsere Gasmaske nach einem Regenguss abzuwischen, oder das Luftgewehr aufzupumpen, will einfach nicht so richtig zu den Aktionpassagen passen. Auch das Survival Element greift hier nur schlecht. Selbst wenn ihr spielt wie Lucky Luke auf Amphetaminen, geht euch auf den kniffligeren Schwierigkeiten schneller der Saft aus, als ihr die Gegner zählen könnt.

Ja, Ressourcenknappheit ist ein Kernfeature der Reihe. Das ist aber nur dann spannend, wenn ihr den Gegnern mit cleverem Haushalten auch Herr werden könnt. Zwar wurde an der Gegner-KI geschraubt, die fällt Metro-klassisch aber immer noch eher dümmlich aus.

So ist Metro Exodus definitiv kein leichtes Spiel, glänzt aber weniger durch smartes Gegnerdesign, als durch rigorose Limitationen. Für Metro Veteranen dürften die Neuerungen somit nur in einigen Fällen aufgehen. Erschwerend kommt hinzu, dass uns der Spielaufbau selbst stellenweise aus der dichten Atmosphäre reißt.

Hallo, ich bin ein Spiel

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Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games.

Metro Exodus brilliert vor allem dann, wenn es uns in bedrückende und unangenehme Situationen wirft. Dichte Atmosphäre und stimmiges Sounddesign untermalen eine detailreiche und  interessante Welt. Auch trostlose Weiten und Stille inszeniert Metro Exodus besser als jedes andere Endzeitspiel bislang.

Immer dann, wenn die inkonsequenten Aktionpassagen und Steuerungselemente mit dem eigentlichen Spielgefühl kollidieren, bröckelt die wunderschöne Fassade allerdings gewaltig. Zu offensichtlich stoppt die Aurora und wird innerhalb von zwei Dialogstreifen zu einem Questhub á la Borderlands oder Fallout.

Immer wieder stoßen wir auf NPC’s, die sich uns etwas zu bereitwillig anschließen, nur um die Geschichte voran zu bringen oder Quests freizuschalten. Hier versucht Metro Exodus teilweise  verkrampft die offenen Areale zu füllen. Da hilft es auch nicht, dass das Spiel noch immer mit den gesichtsgelähmten Charakteranimationen zurechtkommen muss.

Auch die Vertonung (wir haben die englische Version gespielt) ist maximal solide. Die Ausnahme bildet Anna Graves Performance als Artjoms Frau Anna, die absolut fantastisch spricht und ein emotionaler Höhepunkt der Geschichte werden dürfte.

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Bildquelle: Deep Silver/ 4A Games

Glücklicherweise sind der Großteil der Nebenmission passend inszeniert und absolut optional. Am besten gefiel uns Metro Exodus aber, wenn wir die Welt auf eigene Faust erkundeten, oder an der knackigen Handlung festhielten.

Gerade was die betrifft, hat uns der Entwickler folgenschwere Entscheidungen und emotionalen Tiefgang versprochen. Sollte die Geschichte, von der wir bisher wenig wissen, aufgehen, könnte Metro Exodus trotz unentschlossener Schönheitsfehler ein echtes Survival-Shooter-Brett werden.

Vielversprechend

Vincent

Metro Exodus macht auch in der dritten Anspielsession eine gute Figur, scheint aber stellenweise hinter dem eigenen Potential zurück zu bleiben. Kaum ein anderes Endzeitszenario ist so stimmig, so mysteriös und grausam-schön wie die Welt von Metro Exodus. Die fantastische Präsentation und das akribische Sounddesign saugen uns in eine tolle Survival Gameplay Schleife, die nur von der wuseligen Steuerung und den unpassenden Aktioneinlagen unterbrochen wird. In den Metro-typischen Abschnitten ist Exodus schon jetzt ein fantastisches Erlebnis. In einigen Teilen der offenen Welt, fühlten wir uns allerdings von deplatzierten Nebenquests und dem formelhaften Spielaufbau vor den Kopf gestoßen. Gelingt es der Story uns am Ende zu fesseln und den Entwicklern die kleineren Grafikprobleme bis Release zu beheben, könnte hier aber ein ganz großer Shooter in Haus stehen.
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