Vorschau: Nintendo Labo

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Unter dem Motto „Bauen, Spielen, Entdecken“ geht Nintendo Labo bald an den Start

Vergangene Woche hat uns Nintendo zu einem exklusiven Event im Hamburger Prototypen-Museum eingeladen, um uns sein neuestes Projekt Nintendo Labo genauer vorzustellen. Der japanische Videospielriese hat nach einer längeren Durststrecke mit der Switch die Herzen der Fans im Sturm zurückerobert. Fantastische Ableger der konsolenexklusiven Marken, eine breite Auswahl an Indie-Titeln und immer mehr große AAA-Spiele auf der Hybrid-Konsole macht sie zu einem wohlverdienten Erfolg. Schon nächsten Monat holt der verspielte Publisher sein nächstes Eisen aus dem Ofen, beziehungsweise die nächste Pappe.

Erst basteln, dann spielen

Bevor ihr wirklich anfangt mit der Software der Nintendo Labo zu spielen, werdet ihr eine gewisse Zeit mit dem eigenen Erstellen der Pappmodelle verbringen. So fanden wir uns also an einem runden Basteltisch mit einer aufgestellten Switch und einer vorgestanzten Pappvorlage wieder. Die Anleitung auf dem Bildschirm führt uns Schritt für Schritt durch den Bau unseres eigenen ferngesteuerten Autos.  Durch die gute Verarbeitung des Materials und die leicht verständliche Erklärung geht das recht flott von der Hand und stellt auch für jüngere Spieler kein Problem dar. Da die Bastelarbeiten gerade bei den größeren Bauten sehr kleinteilig werden kann, sollten Kinder unter ca. acht Jahren jedoch immer mit den Eltern zusammen basteln.

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Vor dem eigentlichen Spielen stand noch ein großer Dekorationswettbewerb an. Zur Auswahl standen jede Menge Möglichkeiten seine Seifenkiste aufzumotzen. Wobei zwischen den vielen kreativen Einfällen der Anwesenden auch fahrbare Dinosaurier, Elefanten und viele andere lustige Gefährte entgegen kamen. Dabei ist es wirklich erstaunlich, wie schnell und unabhängig vom Alter einen das Bastelfieber packt. Egal ob jung oder schon älter, jeder war auf einmal konzentrierter Bastler. Die Einfachheit und Verspieltheit von Nintendo Labo zeigte damit schon beim Aufbauen der Spielgeräte sein Potential.Vorschau_Nintendo_Labo_1

Neben einem fernsteuerbaren Flitzer sind bei den ersten Bausätzen auch noch ein Klavier, eine Minispielsammlung im Tamagotchi-Stil und eine Angel mit an Bord. Außerdem könnt ihr euch mithilfe eines separaten Bastel-Kits selbst in einen Roboter verwandeln. Mit den größeren Basteleien seid ihr auch schonmal gut eine Stunde dabei. Aber auch die aufwendigeren Pappmodelle werden spielerisch leicht zusammengeschustert.

So einfach und doch so genial

Doch wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen analogen Autos aus Pappe und der Digitalität der Switch? Um es in einem Wort zusammenzufassen: Wunderbar! Durch die Einlässe an der Seite eures fahrbaren Untersatzes könnt ihr die Joy-Cons einfach einsetzen. Auf dem Display könnt ihr via Touch die einzelnen Controller zum Vibrieren bringen, wodurch ihr euch fortbewegt. So einfach wie es funktioniert, so viel Spaß macht es auch. Egal ob ihr auf einer Rennstrecke die Bestzeit vorgeben wollt oder euch mit weiteren Kontrahenten gegenseitig versucht, aus einem Sumoring zu schieben.

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Abseits der lustigen Autobasteleien gab es natürlich noch andere Varianten von Nintendo Labo zu sehen. Die vorher schon erwähnte Minispielsammlung im Tamagotchi-Stil funktionierte ebenfalls außerordentlich gut. Das Ganze läuft folgendermaßen ab: Die Konsole selbst steckt in einem kleinen Haus aus Pappe. Dieses Haus hat jeweils eine Aussparung an der rechten, linken und unteren Seite. Für diese Löcher gibt es drei verschiedene Einsätze, bestehend aus einem Knopf und zwei verschiedenen Kurbeln. Habt ihr mindestens zwei davon eingesetzt startet ein Minispiel mit der kleinen Figur auf dem Bildschirm, die ihr dann mit Kurbeln und Knopf steuert. So stellen sich aus etlichen Kombinationen immer andere Minispiele erstellen.

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Ihr wollt lieber mit vollem Körpereinsatz spielen? Kein Problem! Mit dem eigenen Roboter-Kit bastelt ihr euch einen Rucksack zusammen, der euch in die Rolle eines zerstörerischen Metallriesen versetzt. Zusätzlich werden euch Schlaufen an den Füßen befestigt und ihr erhaltet Papp-Controller in die Hand. Diese sind ebenfalls mit dem Rucksack verbunden. Außerdem gibt es noch ein herunter klappbares Visier auf den Kopf. Auf dem Fernseher seht ihr euch selbst als großer Roboter. Fortbewegen könnt ihr euch indem ihr Gehbewegungen mit den Füßen macht. Die Richtung wird durch Neigen des Kopfes geändert und kräftige Hiebe verteilt ihr mit Schlagbewegungen. Durch verändern eurer Körperhaltung könnt ihr den Fortbewegungsmodus wechseln. So seid ihr in geduckter Haltung plötzlich als Auto unterwegs oder fliegt durch Ausstrecken der Arme famos durch die Luft. Die Steuerung des Roboters ist zwar etwas schwammig, aber Kinderherzen wird es so oder so höher schlagen lassen.

Das Gameplay bietet noch Luft nach oben

Wer sich musikalisch ein bisschen austoben möchte, greift am besten auf das Klavier zurück. Vor euch befindet sich ein Klavier aus Pappe, in dem eine Switch eingelassen ist. So könnt ihr munter drauf losklimpern und dabei per Tastendruck am Klavier selber auch euer neuestes Meisterwerk aufnehmen. Auf dem Deckel des Klaviers befindet sich zwei Einlässe. Zum einen könnt ihr Stecker in ein Loch einsetzen, um den Ton eures Musikinstruments zu ändern. Dann gibt es noch einen schlitzförmigen Einschub, in den ihr Schablonen einlegt, wodurch ein im Hintergrund laufendes Sample in Dauerschleife abgespielt wird. Je nach Form der eingelegten Schablone ändert es sich und ihr müsst euch dabei nicht an von Nintendo vorgegebene Formen halten, sondern könnt euch auch eigene Schablonen ausschneiden.

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Der mitgelieferte Motoradlenker funktioniert ebenfalls recht genau und lässt auch als Raser über einen Ring heizen, was ehrlich gesagt aufgrund der Steuerung zwar ganz witzig war, aber durch das eigens dafür entwickelte Spiel, dann doch recht schnell seinen Reiz verloren hat. Sollte Nintendo sein hauseigenes Mario Kart jedoch so steuern lassen, wäre das eine echte Bereicherung für den pappigen Lenker. Zu guter Letzt befindet sich noch eine selbst bastelbare Angel im Multi-Set, mit der ihr auf großen Fischfang gehen könnt. Ihr könnt selbst kurbeln und müsst die Angel in die richtige Richtung halten, damit der Fisch sich nicht losreißt.  Auch hier kann das eigentliche Gameplay trotz cooler Steuerung nicht wirklich überzeugen.

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Ein Problem für den Erfolg von Labo könnten die anfangs mitgegebenen Spiele sein. Trotz aller Innovation des Bastelns und der Steuerung, ist das Gameplay hinter den Spielen recht dünn. Das könnte Käufer ohne Kinder bei dem Preis von rund 70 Euro abschrecken, wenn Nintendo nicht das eigentliche Potential von Labo klar macht. Nintendo sollte also konsequent sein Angebot an Spielen ausbauen, um auch Leuten, die primär damit spielen möchten einen Kaufanreiz zu bieten. Ob die Preise für die reinen Bastelsets ohne die Software im Rahmen bleiben, ist bis dato auch noch nicht bekannt.

Lasst der Kreativität freien Lauf

Wir waren erstaunt, wie diese so simple Herangehensweise trotzdem so gut funktioniert. Wer sich für die Funktionsweise von Labo von interessiert, kann sich über die Software auf der Switch alle Pappmodelle genauestens erklären lassen. Sogar detaillierte 3D-Modelle liegen den Erklärungen bei. Fast alle Funktionen arbeiten mit der eingebauten Infrarot-Kamera, die dann die jeweiligen Signale durch Hindernisse und Leuchtstreifen erkennt. Damit eröffnen sich unzählige Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung.

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Womit wir auch gleich zum vielversprechendsten Feature von Labo kommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es durchaus fraglich, warum Nintendo alles so offen legt. Doch dann stellte uns ein weiterer netter Mitarbeiter die Toy-Con Werkstatt vor. Hier entfaltet sich das wahre Potential der digitalen Bastelei. In der mitgelieferten Software könnt ihr eure eigenen Abläufe und somit komplett eigene Anwendungsmöglichkeiten programmieren. Funktionieren tut das Ganze über ein einfaches Reaktion-Gegenreaktion-Prinzip bei dem ihr über eine große Auswahl an Möglichkeiten verfügt.

So sind der Kreativität im Erstellen von verschiedenen Funktionen keine Grenzen gesetzt. Wenn das innovative Konzept von Nintendo konsequent weitergeführt und gut angenommen wird, erwartet uns in den nächsten Monaten sicherlich einiges an abgefahrenem Community-Output a la Minecraft, nur eben mit selbst programmierten Pappspielereien. Außerdem bietet sie verspielte Aufmachung auch viele Lerneffekte für begeisterte Kinder und Jugendliche.

Nintendo Labo wird am 27. April 2018 erscheinen. Das Robo-Set wird separat für 79,99 Euro erhältlich sein und die restlichen Vorlagen samt Software im Multi-Set für 69,99 Euro.

Bombastisch

Jareth M.

Chapeau Nintendo! Mit Labo steht beim japanischen Tradtionsunternehmen mal wieder eine richtige Innovation in den Startlöchern. Das Eingeständnis an die Spielerschaft, sie selber komplex programmieren zu lassen ist ein wahrer Schritt nach vorne. Ganz abzusehen von der ökologischen Marke, die Nintendo damit setzt, ihre neuesten Spielzeuge aus recyclebarem Material herzustellen. Nintendo Labo ist auf mehreren Ebenen jetzt schon eine tolle Sache und wird bei konsequenter Umsetzung dem Spielemarkt mächtig einheizen. Es bleibt allerdings noch abzuwarten, ob der Kauf von zusätzlichen Bastelsets ein Hürde für die Basteleien darstellen wird.
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