Vorschau: Onrush

Ein wenig unter dem Radar rast gerade Codemasters neues Rennspiel Onrush heran. Erscheinen soll der Titel bereits im Juni diesen Jahres und verspricht einen ganz und gar auf Arcade-Spaß ausgelegten Ansatz. Wir hatten die Chance uns das Spiel für euch genauer anzuschauen und haben uns dafür auf einen kleinen Trip nach London begeben.

Rennspiel oder nicht, das ist hier die Frage!

Rennspiele sind meist eine schlichte Angelegenheit: Fahre möglichst schnell und vor all deinen Mitstreitern von Punkt A nach Punkt B. Simpel, altbewährt und immer wieder spannend. Nur ein Schelm würde es also wagen diese Protoformel aufzuknacken und dann ganz anders wieder zusammenzusetzen. Genau dafür hat Codemasters sich ein paar ebensolcher Schelme angelacht, nämlich Mitarbeiter der ehemaligen Evolution Studios, die sich durch die MotorStorm Reihe und Driveclub einen Namen gemacht haben.

Mit einer eigens für Onrush konzipierten Engine versucht man dem müden Rennspielansatz frischen Wind über die Spoiler zu blasen. In Onrush gewinnt nicht wer als erstes das Ziel erreicht, sondern wer am schnellsten fährt. Hört sich ähnlich an, dem wohnt aber ein ganz entscheidender Unterschied inne: In Onrush gibt es keine Ziellinie.

Der Kern des Spiels ist die von Codemaster etwas überschwänglich getaufte Stampede, die nichts anderes ist, als das Zentrum des Fahrerfeldes. Alle Fahrzeuge bewegen sich durchgängig, ihr müsst also nicht zu Beginn des Rennens oder nach einem Crash erst langsam anfahren, sondern steigt immer in voller Geschwindigkeit in mitten dieser Stampede ein. So soll keine Langeweile aufkommen und ein flüssiger Spielspaß gewährleistet werden. Um das nicht endende Rennen zu gewinnen, heißt es boosten, boosten, boosten. Mit jedem Fußdruck auf das Lachgaspedal steigt eine Leiste an, ist diese vollständig gefüllt, habt ihr, beziehungsweise euer Team gewonnen.

Natürlich könnt ihr nicht durchgehend den Bleifuß mimen ohne ein wenig Arbeit zu verrichten. Durch Crashs, Stunts und andere waghalsige Aktionen füllt ihr eure Boostanzeige auf. Dabei sind die Fahrzeuge in acht verschiedene Klassen eingeteilt, die jeweils durch andere Kniffe besonders schnell Boost sammeln. Von Motorrädern bis zu bulligen Geländewägen ist hier alles vertreten. Neben dem Boost steigt außerdem eure Onrush-Anzeige, ist die erst einmal gefüllt, könnt ihr mit eurem für jede Klasse jeweils anderen Onrush in noch schnellere Geschwindigkeitsdimensionen eintreten und mit besonderen Fähigkeiten, wie etwa einer hinter euch her geworfenen Feuerspur das Leben eurer Widersacher schwerer machen.

Mad Max auf Valium

In den knapp zwei Stunden die wir mit Onrush verbringen konnten, wirkte dieses System etwas ungewohnt auf uns. Den Rennen fehlte auf den ersten Blick eine Art innere Dramaturgie. Normalerweise lässt sich einschätzen wann ein Rennen vorbei ist, nämlich dann wenn die Ziellinie in Sicht ist. Diesem Ziel fiebert man entgegen.

Nach einer gewissen Zeit ist in Onrush ein Rennen schlicht beendet, das jeweilige Team mag schneller gefahren sein, uns fehlte aber ein belohnendes Gefühl, das deutlich macht warum der Sieg denn nun erlangt wurde. Die Rennen sind einfach vorbei und man selbst wird unbefriedigt zurückgelassen, egal ob nun auf dem ersten oder letzten Platz.

Natürlich kann das aber auch schlicht daran liegen, dass wir ins kalte Wasser geworfen wurden und uns erst noch an dieses neue Konzept gewöhnen mussten. Am Ende unser Spielzeit wirkte Onrush nämlich schon viel greifbarer als noch zu Beginn. Sollte dieses ungute Gefühl im fertigen Spiel auch die Überhand gewinnen, wäre das definitiv schade, denn spielerisch fährt sich Onrush wirklich gut. Alle Vehikel spielen sich individuell jeweils ein wenig anders und man ist immer Herr oder Frau der Steuerung, ohne diese zu leicht serviert zu bekommen, so wird man auch ab und an gezwungen Gegenzulenken.

Was dann aber wirklich ärgert, ist dass Onrush, ein Spiel, das sich seine Geschwindigkeitsliebe im eigentlichen Titel verewigt, einfach viel zu langsam ist. Das ständige Boosten hat einfach keine Gewichtigkeit hinter sich, welche es stützen würde. Nicht einmal der Onrush-Modus bringt euch so wirklich zum Schwitzen. Alles im Rahmen und blinzeln ist ausdrücklich erwünscht. 

Neuer Rennspielansatz
Cooler Fuhrpark
Theoretischer Fokus auf Geschwindigkeit
Fehlende innere Dramaturgie eines Rennens
Durchschnittliche Präsentation
Viel zu langsames Geschwindigkeitsgefühl
Vielversprechend

Jonas Dirkes

Onrush hat mir eine Menge Spaß gemacht, mich aber auch mit einer Menge Fragezeichen zurückgelassen. Zum einen gefällt mir der Fahrzeugpark, der neue Ansatz an des Rennspielgenre und der theoretische Fokus auf Geschwindigkeit, zum anderen ist mir die durchschnittliche Präsentation, das fehlende Sättigungsgefühl nach einem Rennen und das viel zu langsame Fahrtempo ein garstiger Dorn im Auge. Sollte Codemasters hier noch nachbessern, könnte uns ein wirklich spannender Renntitel erwarten, der lobenswerterweise einige Sachen anders macht, als die graue Masse an Rennspielen da draußen. Es bleibt also zu hoffen, dass Onrush sich frei fährt und nicht in eben dieser Masse untergeht.
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