Vorschau: Rage 2

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Rage 2: Was kann der Endzeitshooter? Bildquelle: Bethesda

Der Name idSoftware steht seit Jahrzehnten für überzeichnete Ego-Shooter, die nichts auf Gottes grüner Erde für bare Münze nehmen – ganz besonders nicht sich selbst. Egal ob Wolfenstein 3DDOOM oder der Überraschungshit Rage aus dem Jahr 2011: Steht auf der Verpackung id, muss brachiale Gewalt eben mit. Daran hat sich auch beim Nachfolger nicht viel geändert, der in knapp fünf Monaten über die heimischen Bildschirme flimmert. Ebenfalls mit an Bord sind die Open-World-Experten der Avalanche Studios, die gemeinsam mit id an Rage 2 gearbeitet haben. Wir haben einen Plausch mit den Entwicklern gehalten und den knallbunten Open-World-Shooter für einige Stunden anspielen können. Ob das Konzept auch nach 8 Jahren Pause aufgeht, erfahrt ihr in unserer Vorschau.

Machtkampf im Ödland

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An der Seite der Bürgermeisterin – Bildquelle: Bethesda

Nach dem schockierenden Ende des Vorgängers, gönnt sich der von Meteoriten durchlöcherte Planet Erde eine rund 30-jährige Verschnaufpause. Rage 2 setzt nach dieser Zeit an und erzählt die Geschichte eines Überlebenden, den aufmerksame Spieler des ersten Teils zumindest vom Namen her erkennen dürften. WALKER ist das Kind zweier ARC-Bewohner, die den Sprung in die neue Welt nicht geschafft haben. Bevor ihr euch in das gottverlassene Ödland stürzt, habt ihr die Wahl, ob euer Charakter männlich oder weiblich sein soll. Ohne großes Vorgeplänkel springt ihr also direkt in die vom schwedischen Entwickler liebevoll beschriebene Post-Postapokalypse.

Allerdings spielt die bärbeißige Heldenfigur für den Fortgang der Ereignisse ohnehin kaum eine Rolle. Stattdessen rückt Rage 2 drei Charaktere in den Vordergrund, die bereits im Vorgänger für Aufsehen gesorgt haben: John Marshall, Dr. Antonin Kvasir und Loosum Hagar. Im Laufe des Spiels trefft ihr immer wieder auf diese schillernden Persönlichkeiten und erlebt einen waschechten Machtkampf um das Schicksal der Ödnis. Für die Bürgermeisterin von Wellspring, den Rebellenführer sowie den wahnsinnigen Doktor erledigt ihr so manchen Auftrag und steigt Stück für Stück in der Gunst der drei Figuren. Der eigentliche Feind ist und bleibt allerdings General Cross, der sich schon im ersten Teil zum Superschurken aufgeschwungen hatte – Soweit die Story, welche allerdings recht schnell in Vergessenheit gerät.

Saftiges Endzeitgeballer

id Software legt Hand an – Bildquelle: Bethesda

Denn auch in Rage 2 geht es nicht darum, sich langatmige Geschichten anzuhören. Saftiges Endzeitgeballer steht im Vordergrund. Und das spielt sich besser als je zuvor. In guter alter id-Manier schießen wir uns in der First-Person durch die Weltgeschichte und haben dabei so gar keine Zeit für Deckung, Taktik und dergleichen. „All in“ heißt die Devise, wenn wir mit Pistole, Schrotflinte, Maschinengewehr oder Hyper Cannon zwischen unzähligen Gegnern herumtänzeln. Damit wir dabei nicht sofort das Zeitliche segnen, verfügt Walker nicht nur über einen hilfreichen Doppelsprung, sondern darf alle drei Sekunden auch noch einen kurzen Dash vollführen, mit dem er blitzschnell ausweicht oder sich traumwandlerisch durch die vertikalen Level bewegt. Dementsprechend hektisch, aber ungeheuer befriedigend fühlen sich die Kämpfe in Rage 2 an – Besonders dann, wenn ihr einem Boss gegenübersteht, der euch jede Menge Mobilität abverlangt.

Anders als noch im Vorgänger verfügt nun jede Waffe über einen sekundären Feuermodus, der mal mehr, mal weniger praktisch daherkommt. Statt dem obligatorischen 3-Kugel-Burst der Pistole feuert diese nun einen einzigen, sehr präzisen Schuss ab, während die Schrottflinte auf Knopfdruck keine todbringende Ladung mehr verschießt, sondern ein laues Lüftchen – nützlich, um Gegner auf Distanz zu halten. Wenn sich Avalanche da mal nicht was bei ihrem Wetter-Shooter Just Cause 4 abgeschaut hat. Schade nur, dass das Trefferfeedback nicht so wuchtig ausfällt wie etwa bei DOOM. Die meisten Waffen lassen vielmehr den Eindruck aufkommen als würden sie mit Platzpatronen feuern, auch wenn die Trefferzonen der Gegner durchaus gelungen sind. Bis zum Release im Mai darf hier gern noch am Bumms gewerkelt werden. Da Waffen allein aber niemanden glücklich machen, stürzt sich unser Held zusätzlich dazu mit einigen Spezialfähigkeiten ins Getümmel, die mit ihrer recht kurzen Abklingzeit für abwechslungsreiche Shooter-Kost sorgen.

Im Overdrive mit Kräften werfen

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Mit Kräften gegen die Mutantenbrut – Bildquelle: Bethesda

Wie eine Granate schleudern wir den Vortex auf die heranstürmenden Mutanten, welche anschließend in die Luft gewirbelt und in einer Explosion vaporisiert werden. Besonders in Kombination mit Explosivfässern und Co. entsteht aus dem Wirbel ein tödliches und vor allem spaßiges Mordwerkzeug. Slam hingegen verleiht uns noch mehr Mobilität, denn auf Knopfdruck erheben wir uns in die Luft, um dann in einer Schockwelle auf den Boden zu krachen und alles im Umkreis in Schutt und Asche zu legen. Kommen uns die Mutanten dann doch einmal zu nah, stoßen wir sie mit einem gut getimten Shatter zurück und verursachen dabei auch noch eine ganze Menge Schaden. Darüber hinaus feiert auch der praktische Wingstick seine Rückkehr, mit dem ihr alles aufschlitzt, was so kreucht und fleucht. Diesen könnt ihr außerdem verbessern, um etwa beim Aufprall zu explodieren. Darüber hinaus verbessert ihr euren Charakter mit allerlei RPG-Elementen wie einem Skilltree und einem angedeuteten Crafting-System, das wir allerdings noch nicht ausprobieren konnten.

Damit jedoch nicht genug, denn im Ernstfall helfen auch ausgeklügelte Gadgets nicht weiter. Dann ist Zeit für Overdrive. Erledigt ihr viele Gegner in Folge, sammelt ihr sogenannte Nanoenergie, die ihr am unteren linken Bildschirmrand einsehen könnt. Habt ihr die Leiste gefüllt, könnt ihr jederzeit in den Overdrive-Modus gehen, in dem nicht nur eure Waffen und Fertigkeiten deutlich mehr  Schaden anrichten, sondern ihr auch eine gute Portion Heilung erhaltet und mit besseren Energiedrops belohnt werdet. Rage 2 scheint bis dato extrem gut ausbalanciert, sodass ihr nur mit Waffengewalt nicht allzu weit kommt. Stattdessen ist es enorm wichtig, eure Kräfte, Ausrüstung und Mobilität möglichst effizient zu nutzen, um gerade auf dem hohen Schwierigkeitsgrad bestehen zu können. Hier kommt der Overdrive-Modus wie gelegen, denn eine Art „Oh-Shit-Button“ zu haben, ist für einen schnellen Shooter wie Rage 2 unabdinglich.

Apokalypse im Neonlicht

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Postapokalypse in Neonfarben – Bildquelle: Bethesda

Anders als beim Vorgänger finden die explosiven Kämpfe im zweiten Teil nicht im spielerischen Schlauch statt, sondern in einer offenen Spielwelt. Diese konnten wir nun erstmals ausführlich erkunden und herausfinden, wie gut uns das postapokalyptische Ödland bei Laune halten kann. Optisch haben wir es jedoch mehr mit einer knallbunten Spielwiese als einem düsteren Zukunftsszenario zu tun. Auch wenn ein Großteil der Karte aus staubigen Wüsten besteht, kommt der zweite Teil nun deutlich farbenfroher daher als der erste Teil. Das liegt vor allem an der knallig überdrehten Farbpalette, die einmal über der kompletten Spielwelt ausgekippt wurde. Vor allem die großen Städte wie Wellspring leuchten in grellen Farben und strotzen nur so vor schillernden Lichteffekten, die dem Spiel seinen einzigartigen Look verpassen. Leider stößt die Avalanche-eigene Apex Engine gelegentlich an ihre Grenzen, denn aus der Nähe betrachtet fallen gelegentlich unscharfe Texturen ins Auge.

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Viel zu sehen dank Apex Engine – Bildquelle: Bethesda

Hält die grelle Optik nicht genug Ablenkungen für euch parat, könnt ihr euch spielerisch in der Welt von Rage 2 austoben. Wie groß die Karte genau ausfällt, wollten uns die Entwickler bis dato noch nicht verraten, allerdings ist das, was wir bisher gesehen haben, vollgestopft mit Nebenaufgaben, points of interest und Zufallsbegegnungen. Diese werden euch jedoch nicht von Anfang an auf der Karte angezeigt. Ihr müsst sie beim Vorbeifahren entdecken oder findet eines von vielen versteckten Dokumenten, das euch ihre Position verrät. Eine Minimap sucht ihr vergeblich, die Navigation läuft ausschließlich über die vollständige Karte oder den Kompass. Zumeist bestehen die Nebenaufgaben darin, eine feindliche Basis auszuräuchern, Dinge in die Luft zu jagen oder einen Punkt zu halten. Als Belohnung winken Credits, die ihr in Waffenupgrades, Consumables und anderen nützlichen Kram stecken könnt.

Grease Witherspoon am Steuer

Wüstenduell à la Mad Max – Bildquelle: Bethesda

Rage 2 gibt euch auf der weitläufigen Karte also einiges zu tun, auch wenn die zahlreichen Aufgaben selten über den Status „ganz nett“ hinauskommen. Stellt sich also die Frage: Ist denn zumindest der Weg zwischen den Aufgaben die Reise wert? Die explosiven Fahrzeugkämpfe gehörten schließlich zu den großen Stärken des Vorgängers und sollen auch in Rage 2 wieder für ordentlich Benzin im Blut sorgen. Das Entwicklerteam hat sich die Wünsche der Fans deutlich zu Herzen genommen und eine Vielzahl verschiedener Vehikel parat, die ihr zur Fortbewegung wie Zerstörung nutzen könnt. Während einer Mission konnten wir bereits ein Rennen bestreiten und blicken mit gemischten Gefühlen vom Siegerpodest herab. Grundsätzlich fahren sich die Karren allesamt recht Arcade-lastig und sorgen so für mächtig gute Laune. Fahrt ihr allerdings abseits der Pisten – bei einem Open-World-Game keine Seltenheit – fühlt sich das aktuell noch so zäh an wie flüssiger Teer. Auf Nachfrage hin versprachen die Entwickler, dass an der Fahrzeugsteuerung noch gearbeitet werde, denn schließlich geht es bei Rage 2 weniger um Realismus als darum, grenzenlosen Spaß zu haben.

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Viel zu tun bis zum Release – Bildquelle: Bethesda

Habt ihr allerdings erst einmal einen Freizeitraser im Visier vor euch, heißt es: Vollgas und Feuer frei. Im Kampf entfalten die Karren ihr volles Potenzial, denn jedes Fahrzeug kommt mit verschiedenen Waffen. Im Rahmen einer Mission durften wir einen schwer gepanzerten Konvoi überfallen, mussten allerdings vorher Schwachstellen des riesigen Gefährts per Front-Maschinengewehr entfernen. Das funktioniert mithilfe einer gelungenen Ziel-Mechanik hervorragend und machte das rasante Duell auf vier Rädern schnell zu einem unserer Highlights. Neben dem Maschinengewehr wartet außerdem ein schneller Buggy mit Minen im Kofferraum auf euch oder sogar ein Gyrocopter, mit dem ihr flugs von einem Punkt der Karte zum nächsten kommt. Außerdem flitzen ständig Mutanten in aufgemotzten Karren an euch vorbei, die ihr – je nach Gusto – zu einem Rennen oder Destruction-Derby herausfordern könnt. Mit ein bisschen mehr Feinschliff am Handling, könnten die Fahrzeug schnell zum großen Pluspunkt von Rage 2 aufsteigen.

Rage 2 erscheint am 14. Mai für PC, PlayStation 4 und Xbox One
Bombastisch

Christian Böttcher

Nachdem der Vorgänger vor acht Jahren aus dem Nichts kam und mit brachialer Action überzeugte, will Rage 2 nun nachlegen und die knallbunte Postapokalypse noch wahnsinniger in Szene setzen. Die Shooter-Mechanik aus der Feder von id Software ist dabei über jeden Zweifel erhaben, denn die schnellen, vertikalen Kämpfe mit Waffen, Kräften und der Umgebung sorgen auch nach Stunden für gute Laune. Gleiches gilt für die Arcade-lastigen Fahrzeugkämpfe, die zwar noch etwas Feinschliff brauchen, aber das Potenzial zum echten Dauerbrenner haben. Aber auch zwischen den rasanten Duellen und effektlastigen Schusswechseln punktet der First-Person-Shooter - mit skurrilen Charakteren und jeder Menge Nebentätigkeiten. Ob die offene Spielwelt auch langfristig am Lenkrad hält und vielfältig genug ausfällt, erfahren wir Mitte Mai.
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