Vorschau: Secret of Mana

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Fragt man eingefleischte Konsolenspieler nach dem besten Rollenspiel aller Zeiten, werden zwangsläufig Titel wie The Witcher 3: Wild Hunt, Gothic 2 oder Fallout 3 in die Runde geworfen. Was in diesem Jahrhundert für magische Momente sorgt, hat jedoch in den guten alten 90ern seine Wurzeln. Secret of Mana war damals der heiße Scheiß auf dem RPG-Markt und prägte mit innovativen Ideen und der liebevoll naiven Geschichte eine ganze Generation von Spielern. 2018 bekommt der SNES-Klassiker von Square Enix endlich das lang erwartete Remake spendiert. Wir haben die aufgehübschte Neuauflage angespielt und dem mysteriösen Manaschwert unsere längst fällige Aufwertung gemacht.

Alles auf Anfang

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Springen wir zurück in das Jahrzehnt von Baggy Pants und Eurodance, entdecken wir in Secret of Mana eine Geschichte, die so Rollenspiel-typisch ist wie Michael Jackson talentiert. Das in Japan unter dem Titel Seiken Densetsu 2 veröffentlichte Spiel ließ euch in die Rolle des neugierigen Randi schlüpfen. Als er eines schicksalhaften Tages mit seinen Freunden im Wald herumstromert, plumpst der fesch frisierte Jüngling plötzlich von einem Baumstamm in ein Flussbett. Doch statt sich dort unten sämtliche Knochen zu brechen, stößt der wagemutige Naseweis auf ein sagenumwobenes Manaschwert.

Ohne groß nachzudenken, befreit er die fremde Klinge von ihrem magischen Siegel und lässt somit eine ganze Horde dunkler Kreaturen auf die Welt los. Keiner Schuld bewusst, lässt sich der freche Bengel davon aber natürlich nicht die Laune verderben und so kehrt er mitsamt der legendären Waffe in sein Heimatdorf zurück. Erst als ihn der Dorfälteste auf seinen kleinen, die Welt ins Chaos stürzenden Fauxpas hinweist und Randi kurzerhand aus dem Dorf wirft, wird dem Jungen bewusst, was er angerichtet hat. Hilfe muss her und so macht er sich mit den unfreiwilligen Weggefährtinnen Prim und Popoi auf die Reise, das Gleichgewicht der Kräfte wieder herzustellen.

So schnell die Geschichte von Secret of Mana erzählt ist, so wenig hat Square Enix an der Handlung verändert. Alle Figuren, Schauplätze und Storywendungen aus dem Original werden euch auch im Remake begegnen. Wer also seine Kindheitserinnerungen an die liebevoll gestaltete Geschichte rund um den Helden wider Willen auffrischen will, bekommt im Februar 2018 die Chance dazu. Doch auch Neulinge werden dazu eingeladen, sich den Klassiker in aufpolierter Form zu gönnen. Schließlich finden die größten Veränderungen des Spiels stattdessen in den Bereichen Grafik, Performance und Usability statt.

Ungewohnte Farbpracht

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Der Begriff Remake steht im aktuellen Videospiel-Kosmos synonym für grafischen Feinschliff und moderne Aufbesserung alter Technik. Natürlich gilt das auch für Secret of Mana. Square Enix hat sich entschieden, den klassischen 16-Bit-Look aus den 90ern mit Zwischensequenzen im knallbunten 3D-Polygonlook zu ergänzen. Hat man sich in den vergangenen Jahren an matte und realistische Optik in großen Titeln wie Call of Duty oder Fallout gewöhnt, wirkt die Optik im Remake des SNES-Klassikers geradezu blendend farbenfroh. Hier stechen die Wurzeln der 16-Bit Ära deutlich hervor. Dieser Stil wusste schon damals zu gefallen und ist auch heutzutage eine echte Bereicherung und Alleinstellungsmerkmal.

Auch wenn der generelle Grafikstil immer noch charmant daherkommt, hat sich der Zahn der Zeit gerade an der Spielwelt gütlich getan. Aufgrund von Speichermangel musste damals vor allem an den Texturen gespart werden. Heutzutage erwartet man von Rollenspielen allerdings deutlich mehr Vielfalt als Secret of Mana anbietet. Umgebungstexturen gleichen sich bis auf den letzten Pixel und werden großzügig in Reihen über die Levelgebiete verteilt, sodass schnell ein altbackener Gesamteindruck entsteht. Auch die Qualität der Texturen lässt gelegentlich zu wünschen übrig. Bodenelemente wurden zeitweise mit gnadenlos flach wirkenden Strukturen aufgebügelt. Hier kann Secret of Mana leider nicht ganz mit den voluminösen Texturen eines Metroid: Samus Returns mithalten.

Mithalten kann der Retro-Titel allerdings in Sachen Bildrate. Der Zeit geschuldet, waren beim Original auf dem SNES natürlich keine butterweichen 60 Bilder pro Sekunde mit im Gesamtpaket. Nicht selten ruckelte das Spiel und sorgte für gelegentliche Frustmomente. Hier kommt die Frischzellenkur Remake gerade richtig. Die aus vielen Einzelstrukturen bestehenden Level machen 60 FPS in jeder Situation möglich. Dabei ist es egal, ob ihr im belebten Pandoria umherwuselt oder einen Endgegner bezwingt, der euch mit satten Flächeneffekten eindeckt.

Text macht die Musik – Musik sorgt für Kontext

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Einer der größten Kritikpunkte am Original aus 1993 war die unfertige und teilweise zum Schreien komische Lokalisation. Die anstehende Veröffentlichung in den USA und Europa setzte den damaligen Übersetzer so sehr unter Druck, dass am Ende viele Textzeilen enorm gekürzt werden mussten, um sie in die damalig winzigen Textboxen zu zwängen. Auch dem begrenzten Speichervolumen des SNES fiel die deutsche Lokalisation zum Opfer und es entstand eine ganze Menge alberner Dialoge zum Fremdschämen.

Hier hat Square Enix reagiert und die Texte komplett neu aufgesetzt. Schon in den ersten Minuten fällt der Unterschied zum Original deutlich ins Auge und Ohr. Für einige mag dies ein Grund zum Feiern sein, andere werden der markanten Lokalisation hinterhertrauern. Uns gefallen die neuen Texte vor allem deshalb so gut, weil sie den Dialogen deutlich mehr Gewicht verleihen. Ins fertige Spiel werden es die englische, deutsche, französische und spanische Lokalisation schaffen, während ihr bei der Sprachausgabe zwischen Englisch und Japanisch wählen dürft.

Für emotionalen Tiefgang und Nostalgie sorgt darüber hinaus der herausragende Soundtrack. Für diesen heimste der Komponist Hiroki Kikuta damals zurecht einige Lorbeeren ein, denn die beschwingten Melodien machen auch den tausendsten Besuch in der spieleigenen Taverne zu einem magischen Moment für eure Ohren. Auch im Remake kamen wieder die Samples des Originals zum Einsatz, die euch das gesamte Spiel über begleiten, wenn ihr es denn wollt.

Wer es etwas moderner mag, greift stattdessen auf die überarbeiteten Samples des Komponisten zurück, die dem Spiel mit ihren vollen und klaren Klängen ein gänzlich anderes Feeling verpassen. Auch wenn die Melodien grundsätzlich gleich bleiben, habt ihr im Spielmenü jederzeit die Wahl, ob ihr euch lieber den ursprünglichen Soundtrack zu Gemüte führt oder doch auf die Remake-Fassung zurückgreift. Hier zeigt Square Enix viel Gespür für die Wünsche der Fans.

Geduld ist eine Tugend der 90er

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Kommen wir aber nun zum Herzstück eines jeden Rollenspiels: Den Gameplay-Mechaniken. Bis auf ein paar kleine Änderungen ist Secret Mana natürlich das Spiel geblieben, das vor über 20 Jahren weltweit begeistern konnte. Ihr macht euch mit Schwert, Axt, Peitsche und Co. auf Monsterjagd. Den knuffigen Möchtegern-Ungeheuern geht ihr aber nicht mit hirnlosem Button-Mashing ans Leder, sondern seid auf eure Energieleiste angewiesen.

Nach jedem Angriff, egal ob er daneben geht oder erfolgreich ist, sinkt diese auf 0%. Anschließend solltet ihr darauf warten, dass sich der Balken langsam füllt, denn je voller er ist, desto mehr Schaden richtet der nächste Angriff an. Geduld und Taktik sind also von enormer Bedeutung, wenn ihr die knackigen Kämpfe in Secret of Mana bestehen wollt. Diese Art taktischer Kämpfe war schon in den 90ern revolutionär und fühlt sich auch heute – gerade im Zeitalter von Dark Souls und Co. – noch unfassbar befriedigend an.

Wie für ein klassisches RPG üblich, werden die Kämpfe natürlich nicht gänzlich in Echtzeit ausgetragen, sondern vorher der RNG-Prüfung unterzogen. Bevor die eigenen Schläge leicht verzögert beim monströsen Schleim oder der Gift spuckenden Pflanze ankommen, werden die Schadenswerte errechnet und mit Block- und Ausweichstatus abgeglichen. Dass die Viecher euren durchchoreographierten Attacken gelegentlich entgehen, ist also ebenso Teil des Spiels wie der knuffige Look.

Von essenzieller Bedeutung sind natürlich auch beim Remake die vielen verschiedenen Items und Ausrüstungsgegenstände, welche euch die Monsterhatz erleichtern sollen. Mit ihnen könnt ihr Mitspieler zurück ins Leben rufen, euch in brenzligen Situationen und viel mehr. Neu beim Remake ist jedoch, dass ihr Gegenstände nun auch auf Shortcuts legen könnt. Wir hatten beispielsweise immer einen Bonbon auf L1, der uns so einige Male das Leben gerettet hat.

Bequemlichkeit im Übermaß ist des Remakes größer Schatz

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Seiner Zeit voraus war damals auch das Menüsystem von Secret of Mana. Vorbei die Zeiten, in denen man jeden Zauber mit einem Bildschirm-füllenden Menü quittieren musste: „Radial-genial“ lautete das Mantra der Stunde. Das Kreismenü ließ sich mithilfe weniger Tastenanschläge steuern und sparte sich komplexe Untermenüs. Stattdessen fand man Menüs auf drei Ebenen, zwischen denen man nach Herzenslust wechseln konnte, um neue Waffen anzulegen, Sprachoptionen zu ändern oder Zauber auszuwählen.

Störend war dieses System lediglich im lokalen Multiplayer, denn während ein Mitspieler ewig lang brauchte, um sich durch den Charakter zu klicken, waren die Kumpels gezwungen, zu warten. Das soll sich jetzt ändern. Auch wenn die von uns angespielte Version noch nicht mit dem neuen Feature ausgestattet war, hat Square angekündigt, das Menü so umzugestalten, dass die anderen Spieler munter weiterzocken können, unabhängig davon, ob gerade jemand das Menü bedient.

Neben dem Radialmenü haben es natürlich auch andere Funktionen der Usability in das Remake geschafft. So waren die Gegner, unter anderem der weltbekannte Mantis unter dem Dorfplatz, lediglich in 2D animiert und somit nur in der Lage, nach vorne anzugreifen. Das hat sich inzwischen geändert und Schwanz- und Spaltattacken machen euch das Leben schwert, egal wo ihr gerade steht. Das macht die Kämpfe nicht nur fordernder, sondern auch authentischer.

Das Remake von Secret of Mana erscheint im Februar 2018 für PlayStation 4, PlayStation Vita und PC
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