Vorschau: State of Decay 2

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Pünktlich zum Release am 22. Mai haben wir uns in die Ödnis gewagt, um schlurfenden Untoten mit der groben Kelle die Fäulnis aus dem Leib zu prügeln, eine Festung zu errichten, die Zombies jeglicher Art standhält und der drohenden Apokalypse den Kampf anzusagen. Der Brexit wirft seine Schatten voraus und so konnten wir mitten im bröckelnden London einen ersten Blick auf die Zukunft der britischen Inseln werfen: Ein wahrer Zustand des Verfalls. Oder haben wir das Event in der Metropole nur etwas zu ernst genommen und die Grenzen zwischen der Realität und dem lang erwarteten State of Decay 2 sind verschwommen? In unserer Vorschau verraten wir euch, was das Survival-RPG so alles kann und warum Fans des Vorgängers zugreifen sollten.

Mehr Arbeit, mehr Fläche, mehr Spieler

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Vor knapp fünf Jahren wirbelte State of Decay auf der Xbox 360 alles durcheinander, was wir bisher so über Spiele mit dem Thema Zombie-Apokalypse wussten. Standen zuvor hemmungslose Baller- und Schnetzelorgien im Fokus der Entwickler, überraschte der Neuling aus dem Hause Undead Labs, indem er die Betroffenen und ihren Kampf ums Überleben kurzerhand in den Vordergrund rückte. Während bis dato der Zombie selbst die größte Bedrohung darstellte, schaffte es der Titel im Fahrwasser von The Walking Dead, die soziale Apokalypse und ihre Folgen als tödliches Übel darzustellen.

Teil Zwei knüpft genau dort an, wo der Vorgänger aufgehört hat und erzählt die Geschichte einer Kolonie, die in einer lebensfeindlichen Welt gemeinsam um ihr Überleben kämpft. Dabei bleibt auch State of Decay 2 recht sparsam mit seinen Horror-Elementen und setzt stattdessen auf cleveres Ressourcenmanagement, eine deutlich größere Spielwelt und kooperatives Chaos im Multiplayer – Neue Elemente, die ein wirkliches spaßiges Spiel versprechen. In puncto Einstieg steht euch jedoch eine wahre Fortsetzung ins Haus. Denn der Weg zu einem echten Survival-Genie bleibt nicht nur ein langer, sondern auch ein beschwerlicher.

Builders gonna build!

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State of Decay 2 hat im Vergleich zum Debüt an Komplexität sogar noch zugelegt und bombardiert euch in den ersten Spielstunden mit etlichen Neuerungen, die euch einiges an Hirnschmalz abverlangen. Da wäre zunächst die Art und Weise wie ihr eine Basis errichtet, um euch vor Zombies zu schützen, die mit der tückischen „Blood Plague“ infiziert sind. Das Ganze funktioniert inzwischen über ein eigenes Menü, in dem ihr modulare Gebäude frei Schnauze in den Plan der Siedlung einfügen könnt – sofern euch genügend Bauplatz und Arbeitskraft zur Verfügung steht.

Um zu entscheiden, welches Gebäude eure Kolonie aktuell bitter nötig hat, werft ihr einen kurzen Blick auf das neu gestaltete Ressourcensystem. Diese simple Anzeige lässt auf einen Blick erkennen, wie viel Nahrung eure Siedler verbrauchen, ob ausreichend Medizin eingelagert ist und wann es Zeit ist, neue Betten zu bauen. Warum ihr zunächst eine funktionierende Kommune aufbauen solltet, bevor ihr loszieht, um Zombies den schleimigen Schädel einzuschlagen, wird recht schnell deutlich, wenn die Bewohner der Siedlung euch mitteilen, dass sie unzufrieden sind. Dann kämpfen sie nicht nur deutlich schlechter, sondern produzieren auch weniger Ressourcen.

Natürlich hatten wir noch nicht genug Zeit, um jede Feinheit des Basis-Management-Systems zu ergründen. Das Potenzial für durchdachtes Taktieren bieten die komplexen Module allemal. Immer wieder müsst ihr einschätzen, ob ihr aktuell lieber zusätzliche Nahrung in Form eines Gemüsegartens hinzufügen wollt oder doch lieber mehr Munition herstellen möchtet. Die Qual der Wahl liegt bei euch. Fakt ist: Ihr werdet jede Ressource brauchen, die ihr kriegen könnt.

Die Neuen in der Kolonie

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Ressourcen beschränken sich im zweiten Teil jedoch nicht nur auf Nahrung, Medizin oder Munition. Auch menschliche Mitstreiter sind unerlässlich für den Erfolg eurer Kolonie. Um diese anzuheuern, müsst ihr euch dann doch aus dem sicheren Basislager wagen, denn kleine Enklaven mit fremden Überlebenden findet ihr nur in der gefährlichen Wildnis. Ob euch die kernigen Männer und Frauen wohlgesonnen sind, müsst ihr allerdings auf die harte Tour herausfinden. Mit etwas Glück findet ihr unter ihnen wertvolle Verbündete, die ihr als Arbeitskräfte verpflichtet oder mit auf die nächste Expedition nehmt.

Doch Vorsicht: In State of Decay 2 ist jeder Charakter dem alles verschlingenden Permadeath unterworfen. Innerhalb des Basislagers und an speziellen Aussenposten könnt ihr zwar jederzeit den von euch gespielten Charakter wechseln, segnet einer davon allerdings das Zeitliche, hat eure Kolonie einen Mitstreiter weniger. Natürlich spiegelt sich das auch in der Moral der Truppe wider. Eure einzige Hoffnung: Neue Figuren aufspüren, die euch im ewig währenden Kampf mit den untoten Hirnfressern helfen.

Die Zahl der verschiedenen Charaktere ist im zweiten Teil um einiges mehr von den RPG-Elementen abhängig als noch in Teil eins. Jeder Held ist prozedural generiert und somit erwarten euch in jedem neuen Durchlauf gänzlich andere Schwierigkeiten, Hindernisse, aber auch Vorteile. Mit der Messer-schwingenden Danielle hatten wir in unserer Session beispielsweise keinerlei Probleme, die langsamen Standard-Zombies zu bezwingen und ihre Empfindlichkeit gegenüber Schmerz kannte auch kaum Grenzen. Dafür hatte die toughe Braut aufgrund von Asthma arge Probleme mit ihrer Ausdauer, sodass wir gezwungen waren, auf langen Expeditionen immer wieder Pausen einzulegen.

Storytelling reanimiert

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Diese Vielschichtigkeit der Figuren verspricht dynamisches Storytelling, das man sich für ein RPG nur wünschen kann. Wer sich in die Geschichte, Stärken und Schwächen der Charaktere hineinversetzt, wird sicher eine Menge Zeit in ihre Versorgung investieren und eine emotionale Bindung zu ihnen aufbauen. Stehen dem ewigen Glück also nur noch die lästigen Zombies im Weg. Von ihnen gibt es eine ganze Reihe. Während euch bei Tag hauptsächliche träge Zombies im Stil von George A. Romero über den Weg laufen, können euch die fetten, widerstandsfähigen Juggernauts oder mit der Blood Plague infizierte Screamer, die alles im Umkreis aufscheuchen, binnen Sekunden das Licht ausknipsen.

Wer überleben und eine der vielen neuen Aufgaben erledigen will, die auf der Karte warten, nutzt die Schleichmechanik, um wichtige Ziele lautlos auszuschalten oder sorgt mit Rohrbomben, C4 oder einer gut gezielten Rakete für heilloses Chaos unter den Hirnfressern. Zu diesen Aufgaben gehören auch die neuen Blood Plague Hearts, eine Art finsterer Altar, aus dem infizierte Zombies ihre Kraft schöpfen.

Sobald ihr eins dieser schwer zu zerstörenden Herzen angeht, werden sämtliche Untote im Umkreis auf euch aufmerksam und kommen aus allen Himmelsrichtungen angerannt, um euch das Hirn aus dem Schädel zu schlabbern. Da hilft nur eins: Ein guter Fluchtplan und viele Medikamente. Je länger ihr nämlich in der Nähe der Herzen verweilt, desto höher steigt eure Infektion. Ist der Balken voll, werdet ihr extrem langsam, humpelt, röchelt und seid ohne entsprechende Heilung so gut wie tot.

Überleben: Vier gewinnt

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Hilfe kommt in State of Decay 2 vor allem in Form eurer Teamkollegen. Denn die wohl größte Neuerung zum Vorgänger ist der kooperative Multiplayer, der es euch erlaubt, per Crossplay in das Spiel eines Freundes zu springen. Bis zu vier Spieler tummeln sich gleichzeitig in einer Kolonie und können gemeinsam Missionen erledigen, (Im zweiten Teil wird es möglich sein, dank sogenannter Legacy-Aufgaben das Spiel sogar zu gewinnen) an der Kommune des Hosts zu arbeiten oder schlicht zusammen rumzublödeln. Einen Schwierigkeitsgrad abhängig von der Spielanzahl wird es zwar nicht geben, dafür aber eine natürliche Art wie das Spiel bei zusätzlichen Spielern anspruchsvoller wird: Mehr Mitspieler machen mehr Lärm und ziehen somit mehr Zombies an.

Das bis dato recht flache Missionsdesign, die schieren Massen an willenlosen Zombies und nicht zuletzt die unglaublich Arcade-lastige Physik der vielen Fahrzeuge scheinen für den Singleplayer aktuell eher ein Störfaktor zu sein, entfalten im Koop allerdings einen trashigen Reiz, der uns durchaus positiv überraschte. Schade ist allerdings, dass spielerische Fortschritte ausschließlich der Person angerechnet werden, in deren Kolonie die Mitspieler gesprungen sind. Da eure Charaktere aber auch im Multiplayer draufgehen können, erübrigen sich hirnlose Alleingänge. Im Vordergrund steht immer das clevere Spiel miteinander und mit den eigenen Ressourcen.

Technischer Aufschwung

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Bleibt nicht zuletzt das leidige Thema Performance. Gehört schwächelnde Technik beim ersten Teil noch zu den größten Kritikpunkten am ansonsten durchdachten und guten Spiel, haben sich die Entwickler beim Nachfolger sichtlich Mühe gegeben, gravitale Schnitzer zurückzuschrauben. Hie und da kam es auch bei unserer Session zu störenden Bugs und Glitches, das grundlegende Spielsystem scheint knapp einen Monat vor Release aber kaum in Gefahr.

Auch der neue Freigeben-Button, den die Entwickler extra eingebaut haben, zeugt davon, dass die Kritik am ersten Teil zu Herzen genommen wurde. Dieser ermöglicht es euch, falls ihr doch einmal an Objekten festhängt, euren Charakter per Knopfdruck zu befreien und an eine sichere Stelle zurückzusetzen – ein guter Ansatz wie wir finden. Auch das visuelle Upgrade auf die Unreal 4 Engine, welche die CryEngine endlich ablöst, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Dank dieser wirkt State of Decay 2 technisch deutlich moderner als es das Debüt seinerzeit war. Wenn wir bis zum Release noch einigen Bugs und Glitches lebevoll sagen können, dann dürfte die Fortsetzung vor allem für Freunde des ersten Teil einige Upgrades parat halten.

State of Decay 2 erscheint am 22. Mai 2018 für Xbox One sowie PC und kostet euch rund 30€.

Passabel

Christian Böttcher

State of Decay 2 ist eine Fortsetzung, die diesen Titel wahrlich verdient hat. Alles, was den Vorgänger zu einem taktisch anspruchsvollen, smarten und atmosphärischen Erfolg gemacht hat, greift der zweite Teil auf und erweitert es um vielversprechende Elemente wie eine größere Spielwelt, durchdachtes Ressourcenmanagement mit Simulations-Charakter und einen kurzweiligen Multiplayer im Koop. Diese Neuerungen greifen hervorragend ins etablierte Gameplay und das technische Upgrade auf die Unreal 4 Engine ist ein unumstößlicher Pluspunkt, das Rad neu erfindet der Nachfolger damit allerdings nicht. Wer mit dem ersten Teil warm geworden ist, wird auch hier eine Menge Spaß haben. Zombie-Fans kommen voll auf ihre Kosten, alle anderen warten besser die ersten Tage nach dem Release ab.
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