Vorschau: Strange Brigade

Vorschau: Strange Brigade-Bild5

Strange Brigade: Mit Humor und Jagdflinte gegen die ägyptische Mythologie

Man nehme vier abenteuerlustige Kumpels, statte sie mit acht großkalibrigen Waffen aus und es gibt voll auf die Zwölf. Der zwanglose Koop-Shooter Strange Brigade erscheint Ende des Monats und möchte euch mit Abenteuerflair und britischem Humor in den wohlverdienten Urlaub schicken. Statt staubtrockenem Weltkriegsgeballer erwarten euch Voodoo, Witz und Wahnsinn. Um herauszufinden, was der abgedrehte Mix aus Indiana Jones und Borderlands sonst noch zu bieten hat, sind wir für euch nach Berlin gereist und haben uns ganz besonders in einen Teil des Spiels verliebt.

In die Wüste geschickt – auf die britische Art

Als kleine Abkühlung zum ernsten Shooter-Einheitsbrei schickt euch der neue Titel von den kreativen Köpfen hinter Sniper Elite ausnahmsweise nicht nach Paris, in die Schützengräben von Verdun oder an die Ostfront. Stattdessen steht ein Trip ins Land der Pharaonen auf dem Reiseplan. Als einen von vier Elitesoldaten der etwas anderen Art beordert euch das britische Empire ins Ägypten der 30er Jahre, um euch auf die Jagd nach legendären Schätzen zu machen und einer uralten Bedrohung auf den Grund zu gehen. Seit tausenden von Jahren liegt die dunkle Hexenkönigin Setiki begraben unter Wüstensand. Nun ist die Nekromantin erwacht und mächtig wütend. Wenn das nicht nach einer Aufgabe für die Strange Brigade klingt…

Als Teil besagter Glücksritter seid ihr natürlich weltbekannt und bekommt somit nicht nur euren ganz eigenen Zeppelin spendiert, sondern auch einen Erzähler mit auf den Weg, der jeden eurer Schritte kommentiert – and it’s plenty british, innit? Mit trockenem Wüstensand hat das Ganze allerdings kaum etwas zu tun. Eine große Stärke des Koop-Shooters steckt stattdessen in seiner humorvollen Inszenierung. Nicht nur thematisch stehen bei den Entwicklern packende Abenteuer ganz oben auf der Liste, auch in puncto Stil nimmt sich Strange Brigade nicht allzu ernst. Vielmehr erinnert das Spiel an überzeichnete Abenteuerserien aus dem britischen Nachmittagsfernsehen – Stereotypen, Cliffhanger und naiver Enthusiasmus inklusive.

Lineares Fratzengeballer

Vorschau: Strange Brigade-Bild1

Mit bis zu vier Mitspielern macht ihr auch also auf in eine Welt, die sich wirklich sehen lassen kann. Auch hier ist Strange Brigade überzeichnet, muss sich grafisch, dank hauseigener Asura Engine, aber nicht vor der Konkurrenz verstecken. In kompakten Levelabschnitten, welche in Grundzügen an das gute alte Uncharted erinnern, ballert ihr euch einmal quer durch die ägyptische Mythologie. Ihr trefft auf schlurfende Mumien, bis an die Knochen bewaffnete Skelette und giftige Skorpione in sämtlichen Variationen. Gelegentlich mischt sich unter diese Gegnertypen auch noch der ein oder andere Miniboss und das Festmahl für alle, die schnelle Shooter mit jeder Menge Kanonenfutter lieben, ist angerichtet.

Das Ganze ist recht linear, gelegentlich trefft ihr allerdings auf Weggabelungen, an denen ihr euch entscheiden müsst, ob ihr der Hauptaufgabe folgt oder doch lieber nach neuen Waffen oder sammelbaren Porzellankatzen Ausschau haltet (Warum auch nicht?). Hinzu kommen kleine Rätselpassagen, die sich allerdings darauf beschränken, Symbole in der Nähe zu finden und an einem Tor in der richtigen Reihenfolge mit Kugeln einzudecken. Als Belohnung warten neue Waffen, Fähigkeiten oder Abkürzungen – Glücklicherweise stehen

Vier gegen Vierhundert

Vorschau: Strange Brigade-Bild6

Für Abwechslung sorgen dabei die vier verschiedenen Charaktere, mit denen ihr auf die Jagd nach Wüstenzombies geht. Ihr habt die Wahl aus einem kernigen Soldaten, dem zart besaiteten Bücherwurm, der findigen Ingenieurin und einer magischen Pfadfinderin. Zwar kann jeder dieser Charaktere sämtliche Waffen des Spiels benutzen, die vier Helden unterscheiden sich allerdings trotzdem in zwei Punkten: Ihren Perks und Heldenfähigkeiten. Professor Archimedes De Quincy beispielsweise verfügt über eine ausgezeichnete Auffassungsgabe und entdeckt Fallen, explodierende Fässer oder sogar Schätze deutlich früher als seine Kameraden. Die Perks scheinen auf den ersten Blick gut durchdacht, abwechslungsreich und nützlich – gerade angesichts der Tatsache, dass ihr zu viert immer in der Unterzahl gegen eine schier endlose Masse marodierender Mumien seid.

Außerdem könnt ihr ihn vor jedem Level mit einer seiner vier Fähigkeiten ausstatten, die mal mehr, mal weniger nützlich ausfallen. Praktisch sind vor allem Flächeneffekte, die ganze Gegnerwellen innerhalb weniger Sekunden ausradieren. Deutlich witziger allerdings ist es, übergroße Minotauren mittels Spezialangriff für kurze Zeit in ein Huhn zu verwandeln – vorausgesetzt, ihr habt vorher genug Schaden ausgeteilt und das Amulett für eure einzigartigen Skills aufgefüllt. Zu Release verfügt ihr nur über vier verschiedene Sonderfähigkeiten, die Entwickler haben allerdings bereits umfangreiche Content-Updates und Season-Pass-Inhalte angekündigt, die mehr Wind in die Wüste bringen sollen.

Hochmut kommt vor dem Fallbeil

Vorschau: Strange Brigade-Bild2

Wer auf Hokus Fokus verzichtet und die recht knackigen Kämpfe lieber mit brachialer Waffengewalt lösen möchte, findet in Strange Brigade ein solides Waffenarsenal. Vom Großkaliber bis hin zur flotten Maschinenpistole ist alles mit dabei, was ihr für eine zünftige „Schatzsuche“ braucht. Munition findet ihr an jeder Ecke und die Marschroute legt der Entwickler ganz klar vor: Angriff ist die beste Verteidigung! Mit einer Hechtrolle könnt ihr euch zwar kurzfristig aus der Affäre ziehen, aber das schnelle und präzise Gunplay steht immer im Vordergrund. Für die besonderen Momente sorgen Spezialwaffen, die ihr in gut versteckten Truhen findet. Ganz im Stil von Borderlands verfügen diese über einzigartige Effekte wie etwa einen Eisstrahl, der zwischen den Gegnern hin und herzischt. Ihr Einsatz will allerdings gut überlegt sein, denn ist die Munition einmal aufgebraucht, verschwindet auch die Waffe aus eurem Inventar.

An Crafting-Stationen, die spärlich über die Level verteilt sind, wechselt ihr eure Waffen und Skills, verbessert den ein oder anderen Ballermann oder verschnauft, bevor die Hektik wieder einsetzt. Besonders knifflige Situationen löst ihr darüber hinaus, indem ihr eure Umgebung clever nutzt. Zu den obligatorischen Fässern, die ihr in die Luft jagt, gesellen sich ausgeklügelte Fallen, die euch mit einem gezielten Schuss das Leben retten können. Dazu gehören spektakuläre Fallbeile oder schwingende Messerkreisel. Doch Vorsicht: Ohne das richtige Timing stehen vielleicht eure Kumpels ohne Kopf da. Kaum ein Spiel zuvor hat so viele dieser Umgebungselemente verbaut, die besonders in den zusätzlichen Spielmodi zum Einsatz kommen.

Punktejagd im Massengrab

Vorschau: Strange Brigade-Bild4

In Berlin gab es erstmals die Gelegenheit, zwei dieser neuen Modi für Strange Brigade anzuspielen: Score Attack und den Horde-Modus. Beide Varianten sind bereits zu Release im Spiel enthalten und gelten als kurzfristige Abwechslung zu den neun Kapiteln der Kampagne. In Score Attack stellt ihr euch dem Kampf gegen die Uhr. Es gilt, kurze Abschnitte aus der Hauptgeschichte in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren und dabei die maximale Punktzahl zu erzielen. Punkte gibt es für einen Multiplikator, der in die Höhe schnellt, sobald ihr Gegner erledigt. Um am Ende die Nase vorn zu behalten, solltet ihr also schnell und vor allem präzise sein. Ein missglückter Kopfschuss auf eine Mumie und der Multiplikator schrumpft schneller als eine Banane im ägyptischen Hochsommer. Zusätzliche Punkte erhaltet ihr, wenn ihr Gegnergruppen per Falle ausschaltet, nicht getroffen werdet oder eine Headshot-Serie. Besonders zu viert verspricht Score Attack ein heilloses Durcheinander zu werden.

Auch wenn die Kampagne selbst schon recht viel mit einem klassischen Horde-Modus zu tun hat, haben die Entwickler eine dedizierte Spielvariante eingebaut für alle, die es anspruchsvoll mögen. In Strange Brigade bedeutet das: Wellen von Mumien und Skeletten, die nicht nur immer größer, sondern auch immer gefährlicher werden. Verfügen die knochigen Zeitgenossen zu Beginn nur über ihre Arme als Waffen, kommen im späteren Verlauf Schilde, Schwerter oder sogar Skelette hinzu, ihre Kollegen wiederbeleben. Zu allem Überfluss sind sowohl Geld als auch Munition begrenzt. Es gilt also die Entscheidung zu treffen, ob man mit dem wohlverdienten Zaster lieber frische Waffen kauft oder ganz neue Areale freischaltet, in denen möglicherweise deutlich bessere Ausrüstung wartet – Ein Klassiker der Videospielgeschichte, aber immer gern gesehen.

Strange Brigade erscheint am 28. August für PC, PlayStation 4 und Xbox One

Vielversprechend

Christian Böttcher

Abenteuer mit bis zu vier Spielern im Ägypten der 30er Jahre? Klingt zunächst nach einem Shooter von der Spielepyramide. Blickt man jedoch hinter die Grundidee, mit der Strange Brigade Ende des Monats an den Start geht, dann entdeckt man einen Koop-Shooter, der richtig was kann und vor allem für Fans von Left 4 Dead oder Earthfall interessant sein dürfte. Als Teil einer abgedrehten Elitetruppe tretet ihr gegen die geballte Kraft der ägyptischen Mythologie an. Der schnelle Mix aus präzisem Gunplay und einzigartigen Spezialfähigkeiten spielt sich unkompliziert und birgt dank vielschichtiger Interaktion mit der Umgebung das Potenzial, besonders im Koop richtig schön chaotisch zu werden. Wer dazu noch Spaß an der zum Schmunzeln komischen Aufmachung als naive, britische Abenteuerserie hat, kann jetzt schon den Trip ins Land der Pharaonen buchen.
Frisch von der Gamescom: Sekiro: Shadows Die Twice Vorschau: FIFA 19
Comments