Vorschau: Until Dawn

Es ist schon eine ganze Weile her, seit mir ein Spiel so richtig fiese Gänsehaut beschert hat. Der Moment, in dem man mit klopfendem Herzen vor dem Bildschirm sitzt und sich gar nicht mehr traut, den Knopf zu drücken; die Angst vor einer nicht umkehrbaren Entscheidung, die getroffen werden muss. Genau so einen Nervenkitzel will Sony mit Until Dawn in uns auslösen und setzt bei dem Titel sowohl auf Altbewährtes als auch auf Neues. Ich durfte mir bereits vorab einen Eindruck von diesem Horror-Survival-Game machen und kann euch sagen: vom Schmunzeln über Kopfschütteln bis hin zu nasser Hose ist in der angespielten Szene alles dabei gewesen. Was mich an Until Dawn reizt und warum man trotz allem über die eingebauten Klischees lachen kann, erfahrt ihr jetzt.until dawn thumbnail

In Sachen Story ein bekanntes Rezept

Die Geschichte von Until Dawn, die euch in einer Anfangsszene erklärt wird, bedient sich einer simplen Vorlage, die funktioniert. Jedes Jahr trifft sich eine Gruppe von Freunden in einer verlassenen Berghütte und genießt die Zeit der Jugend genau so, wie man es sich von einem mittelklassigen Horrorstreifen wünscht. Da werden pubertäre Streiche gespielt und die ersten Beziehungen eingegangen, was nicht immer für jeden Beteiligten unterhaltsam ist. Auch in Until Dawn kommt dieser Umstand zum Tragen und führt dazu, dass eines Tages zwei der Gruppenmitglieder verunglücken. Diesen Todesfällen zum Trotz behalten die übrigen Freunde das jährliche Ritual jedoch bei und legen damit den Grundbaustein für die Story.

Darüber hinaus werdet ihr in einigen Zwischensequenzen Bekanntschaft mit einem vermeintlichen Therapeuten machen, der euch nach und nach einige wichtige Fragen über eure Ängste stellt, wobei er mehr oder weniger professionell wirkt. Wer hier nicht ehrlich zu ihm und zu sich selbst ist, hat früher oder später ein Problem mit diesem Herren. Ein bisschen strange und etwas makaber ist das alles schon, doch darüber lässt sich nach kurzem Schmunzeln hinwegsehen. Die auf den ersten Blick recht schwache Story, kombiniert mit lüsternen Teenagern und amerikanischen Klischees lassen Until Dawn wie das uneheliche Kind von Final Destination und Scream wirken, denn zwischen diversen Streitigkeiten, Spannungen und verflossener oder aufbegehrender Liebe treibt offensichtlich jemand oder etwas Fremdes sein Unwesen auf dem Gelände.

Das mag sich anhören wie negative Kritik und sicher wird diese Mischung nicht jedem Fan da draußen gefallen, denn insbesondere die teils überspitzten Charaktere sind zweifelsfrei Geschmackssache. Mir haben sie, trotz allen Klischees, zugesagt. Im Laufe des Spiels wird jede Figur kurz und knapp vorgestellt, was zumindest die Einordnung erleichtert; allerdings ist es schon recht platt, die einzelnen Charaktere auf vier Stichwörter und einen Schwarm herunter zu brechen. Darüber lässt sich im Spielgeschehen aber gut hinweg sehen, denn so plakativ Michael, Jessica und Co. gestaltet sein mögen und so sehr sie auch einem x-beliebigen Horrorfilm entsprungen scheinen, passen sie nicht nur zum Telltale-ähnlichen Gameplay, sondern auch zum Gesamtkonzept von Until Dawn.Until-Dawn-PS4-Horror-zeigt-sich-im-neuen-gamescom-2014-Trailer-3

Das hier klappt richtig gut

Da ich nur einen Teil des Titels gesehen habe und keine Äußerungen bezüglich der Gesamthandlung treffen kann, werde ich mein Urteil auf zwei Dinge beschränken: was hat mir gefallen und was hat mich gestört?

Until Dawn sieht zuerst einmal ziemlich gut aus. Punkt. Die Grafik ist wirklich sehenswert und auch die Figuren wurden authentisch und mit viel Liebe zum Detail entwickelt. Jeder Charakter hat seine ganz eigene Art zu gehen, zu sprechen, zu gestikulieren und vieles mehr, was ihn oder sie auszeichnet. Das ist einer der Gründe, weshalb es mir beim Testen leicht fiel, über die eher stumpf eingeblendete Charakteristik einer Figur hinweg zu sehen, denn sie macht eben nur einen Teil des Ganzen aus, gibt nur die wichtigsten Informationen vor und dient zur Orientierung – nicht mehr und nicht weniger.

Spannender ist es dagegen eigentlich, die einzelnen Charaktere selbst zu spielen und ihre Handlungen und Entscheidungen zu beobachten. Klischee hin oder her, ich habe mich schnell mit einigen der Jugendlichen „anfreunden“ können, während andere eher meine Missgunst geerntet haben. Und wenn dieser Aspekt erst mal funktioniert, steht dem eigentlichen Spielspaß generell eigentlich nichts im Wege. Ich glaube, das ist der wichtigste Baustein für Until Dawn, über den es seine Spieler erreichen muss. Solltet ihr keine Bindung zu den einzelnen Figuren aufbauen können, wird euch der Titel vermutlich im Endeffekt auch nicht richtig begeistern. Gefallen hat mir bei alledem übrigens sehr, dass die Charaktere optisch ihren Schauspielerkollegen entsprechen, sodass ihr früh einige Gesichter erkennen werdet – die sind nämlich verteufelt gut animiert und wirken furchteinflößend echt.Until Dawn Release-Termin samt neuen Trailer veröffentlicht (1)

Im Laufe des Spiels könnt ihr in der Rolle der unterschiedlichen Teenager bestimmte Orte erkunden und manchmal sogenannte Totem finden. Diese kleinen Statuen haben unterschiedliche Funktionen, geben euch in der Regel aber einen Ausblick auf das, was in naher Zukunft passieren könnte. Die Betonung liegt dabei auf „könnte“, denn jede Vision, die euch präsentiert wird, ist veränderbar und kann durch getroffene Entscheidungen beeinflusst werden. Um euch mögliche Spoiler zu ersparen, werde ich an dieser Stelle nicht weiter auf dieses Feature eingehen – ihr werdet spätestens beim Spielen des Titels verstehen, warum.

Darüber hinaus wartet in Until Dawn ein nicht enden wollender Nervenkitzel auf euch. Das betrifft nicht nur die Entscheidungen, die ihr treffen könnt, sondern auch die ständige Angst vor richtig fiesen Schocker-Szenen, die euch manchmal in den unangenehmsten Situationen heimsuchen werden. Da überlegt man sich auf Dauer zweimal, ob man durch ein Fernglas blickt oder in den Keller der Berghütte spaziert; für die schreckhaften unter euch dürfte das ein endloser Spießrutenlauf sein, der nicht selten mit klopfendem Herzen und verkrampften Fingern endet. Womit wir leider auch direkt zu dem kleinen Minuspunkt kommen, den ich zu verteilen habe…Until-Dawn-PS4-Horror-zeigt-sich-im-neuen-gamescom-2014-Trailer

Stress statt Spannung

Ich mag Nervenkitzel und ich mag Horror-Spiele, deswegen hat Until Dawn für mich eigentlich sehr, sehr viel richtig gemacht. In den Stunden, die ich spielen durfte, gab es prinzipiell nur ein größeres Manko und das ist auch sicherlich sehr individuell.

Until Dawn setzt auf Spannung und den Überraschungseffekt – am liebsten durchgehend. Für mich persönlich wurde aus dem Nervenkitzel nach einiger Zeit unglücklicher Weise eher Stress, weil ich ständig auf irgendwelche lauten Geräusche gelauert habe, von denen der Titel leider ziemlich viele bietet. Schockmomente werden ein wenig inflationär im Spielgeschehen verteilt. Während die einen euch richtig fies erwischen, werdet ihr bei anderen nur ein bisschen skeptisch die Augenbrauen verziehen. Das ist schade, denn es nimmt dem Titel ein bisschen den eigentlichen Charme und schmälert seine Möglichkeiten, den Spieler in Angst und Schrecken zu versetzen. Daher handelt es sich bei Until Dawn um kein Spiel, das ich binnen weniger Tage verschlingen, sondern für das ich mir ein bisschen mehr Zeit lassen würde.Until Dawn Release-Termin samt neuen Trailer veröffentlicht (3)

Sehr schöne Grafik
Viele Entscheidungsmöglichkeiten
Sound und Synchronisation können überzeugen
Charaktere sind trotz aller Klischees glaubhaft gestaltet und wecken Emotionen
Kein Titel für mehr als 3-4 Stunden am Stück
Bleibt die Hauptstory so flach?
Vielversprechend

Sandra M.

Aller vorausgegangenen Skepsis zum Trotz: das, was ich von Until Dawn gesehen habe, macht Bock. Es sieht verdammt gut aus, hat fast einwandfrei geschriebene Charaktere und erzeugt eine spannende Atmosphäre, der man sich nur schwer entziehen kann. Sofern der Rest des Titels eine ähnlich gute Figur auf der PS4 macht, dürfte uns ein wirklich netter Horror-Schinken ins Haus stehen, der zweifelsfrei zu unterhalten weiß.
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