Vorschau: Wolfenstein – The New Order

Manche Spiele haben es aufgrund ihrer Thematik nicht leicht in Deutschland. Besonders die Wolfenstein-Serie kann davon ein Liedchen trällern. Auch der neueste Teil Wolfenstein – The New Order befasst sich abermals aus Ich-Perspektive des Protagonisten B.J. Blastkowicz mit dem Kampf gegen das dritte Reich. Nachdem das Spiel im letzten Jahr noch einmal verschoben wurde, hatten wir nun die Chance, die ersten 3 Stunden der Kampagne selbst zu erleben. Soviel können wir an dieser Stelle schon verraten, die lange Wartezeit auf Wolfenstein – The New Order soll sich für euch lohnen.

D-Day am Strand von Polen

Was wäre wenn? Diese Frage hat sich auch Entwickler Machine Games gestellt, die sich der Spielmarke aus dem Hause ID Software angenommen haben, um ihr nochmals frischen Wind einzuhauchen. Schaffen wollen sie dieses Kunststück über den erzählerischen Weg. Ein mutiger Schritt, gerade für so ein “Killerspiel”. Entgegen der normalen und historisch korrekten darstellung, gewinnt das Nazi-Regime den zweiten Weltkrieg und übernimmt die Weltherrschaft. Aber wie kann das sein, immerhin haben die Alliierten doch B.J. Blastkowicz auf ihrer Seite?

Vorschau: Wolfenstein – The New Order

Um zu erklären wie es dazu gekommen ist, finden wir uns mit Blastkowicz im Jahr 1946 wieder. Festgeschnallt im Sitz eines Kampfflugzeuges, welches sich im Anflug auf die Ostküste Polens befindet. In dem vom Regime besetzen Land, befindet sich die Festung von General  Totenkopf, dem Herrn über die Kriegsmaschinerie der Nazis. Sollte es uns gelingen ihn zu besiegen, könnte dies den Krieg zu Gunsten der Alliierten entscheiden.

Schon in den ersten Minuten müssen wir die Gurte abschnallen, den Flugzeugmechaniker mimen und sofort darauf am Flugabwehrgeschütz Platz nehmen – ein heißer Ritt. Es kommt zum Unvermeidlichen und wir legen eine 1a Bruchlandung vor der Küste hin. Durch die Trümmerteile schwimmend werfen wir einen ersten Blick aufs Festland, an dem unsere Kameraden von Panzerhunden und MG-Stellungen weiter oben in Schach gehalten werden. Hier zeigen sich schon zwei Stärken von Wolfenstein – The New Order: Die packende Atmosphäre und das gut durchdachte Setting. Immer wieder ertappte ich mich dabei,  wie mein Unterbewusstsein das Bildschirmgeschehen mit Spielen oder Filmen in Verbindung brachte. Gerade in der beschriebenden Küstenszene schrie mein Nebenhirn unweigerlich “Saving Private Blastkowicz” und zog mich damit weiter in seinen Bann.

Vorschau: Wolfenstein - The New Order

Return to Castle Totenkopf

Nach Grabenkämpfen und Einnahme der Feindstellungen gelangt unser Käfig voller Helden schlussendlich zur Festung von General Totenkopf, welche ihr stilecht übers Fenster entert. Was Call of Duty kann, kann Wolfenstein – The New Order nämlich schon lange. In der Festung angekommen hörte ich schon wieder meine innere Stimme die rief:  Return to Castle Wolfenstein. Hier geriet die Situation endgültig außer Kontrolle und wir fallen in die Fänge des Feindes. Zwar gelingt uns irgendwie die Flucht, dies aber nur schwer verletzt.

Die Verletzungen unseres Helden Blastkowicz wiegen so schwer, dass wir in eine Art Wachkoma fallen. Ein polnischer Arzt findet uns und steckt uns kurzerhand in seine Familienklinik. 16 Jahre lang werden wir von seiner Tochter und Arzthelferin Anja gehegt und gepflegt. Wachrütteln kann uns nur die Ermordung unserer Retterfamilie, Tochter Anja wird kurzerhand entführt.

Wolfenstein - The New Order vorschau

Futter für Technik-Nazis

Nun heißt genug gesessen, hoch aus dem Rollstuhl und den Tag retten. Mit leichten Startschwierigkeiten gelingt uns dieses Unterfangen – Töten vergisst man schließlich nicht so einfach. Währenddessen dämmert uns langsam, dass die Welt nicht mehr die ist, die wir einst kannten. Das offenbart uns auch Anja: Die Nazis haben den Krieg gewonnen, der Widerstand wurde gefangen genommen und die Welt steht unter Herrschaft des Regimes. Gedanken die unserem Haupthelden Blastkowicz so ganz und gar nicht schmecken wollen. So machen wir uns auf nach Berlin, wo der Widerstand festgehalten wird. Ab dieser Stelle ändert offenbart sich auch das eigentliche Setting mit seinem siebziger und achtziger jahre Flair gepaart jeder Menge futuristischem Schwermetall.

Und wem es jetzt noch nicht aufgefallen sein sollte: Wolfenstein – The New Order ist erfreulicherweise und ganz zu unser Überraschung ein waschechter Story-Shooter geworden. Die Geschichte erfindet das Rad auf keinen Fall neu, hat dafür sie eine unglaublich dichte und packende Atmosphäre. So können wir es kaum abwarten nach Berlin einzumarschieren und dem Regime die Hölle heiß zu machen. Erfreulicherweise sucht ihr den shootertypischen Heldenpathos gepaart mit jeder Menge Patriotismus vergebens.  Hieran dürfen sich kommende First-Person-Shooter gern ein Vorbild nehmen.

Wolfenstein - The New Order preview

Perfekt in Szene gesetzt wird das Szenario durch die neueste Version der ID Tech 5 Engine. Diese setzt zwar keine Maßstäbe, jedoch ist die Optik knackig scharf und selbst die PlayStation 4-Variante läuft mit flüssigen 60 Bildern in der Sekunde. Textur-Ladeprobleme wie im Fall von Rage, scheinen mit der neuesten Version der Engine komplett der Vergangenheit anzugehören. Punkten konnte Wolfenstein – The New Order vor allem mit tollen Lichtspielen, welche den Umgebungen und Zwischensequenzen die richtige Stimmung verleihen. All dies ganz ohne Atombomben und verwüstete Landstriche – wer hätte das gedacht?

Was wäre ein Shooter ohne fette Wummen? Nichts! Das dachten sich auch die Jungs von Machine Games und so habt ihr innerhalb der ersten Stunde ziemlich jedes verfügbare Kaliber einmal in den Händen. Egal ob kleine Pistole oder doppeltes Maschinengewehr: Jedes Schießeisen hat eine einschlagende Wirkung bei euren Gegnern. Das gilt besonders wenn eure Knifften mit schwerer Munition ausgestattet sind. So viel Feuerkraft lässt den ein oder anderen Gegner dann schon mal den Kopf verlieren. Besonders Merkmal ist dann wohl das Zweihandfeature, mit dem ihr euch dann wirklich wie Rambo fühlt. Der Grad der Gewaltdarstellung geht auch zu jeder Zeit in Ordnung und zeigt unweigerlich die Folgen des Krieges, ohne Filter oder Glorifizierung. Ein erwachsenes Spiel für erwachsene Spieler. Nebenbei gilt auch für Wolfenstein – The New Order – Krieg ist scheiße, aber der Sound ist geil und so passen Waffensound und Hintergrundmusik jederzeit perfekt zum Geschehen auf dem Bildschirm.

Vorschau: Wolfenstein - The New Order

Sorry für mein schlechtes Polnisch

Neben viel Lob gibt es jedoch auch eine Schattenseite: Die deutsche Lokalisierung. Die Sprachausgabe und so manche Namensschöpfung wollen einfach nicht ins Konzept des Spiels passen. Weitere Störfaktor ist die komplette Gleichschaltung. Einfach jeder redet deutsch, egal ob Pole oder Amerikaner. Zwangsläufig entstehen so stellenweise aberwitzige Dialoge, kleines Beispiel gefällig: Anja fragt im klarsten Deutsch: “Sind Sie Soldat?” Blastkowicz antwortet im schlechtesten gebrochenen Deutsch:” Ja, Soldat, USA,  Sergeant, Blastkowicz. Entschuldigung mein Polnisch ist nicht so gut.” Gerade diese Brüche reißen euch umso deutlicher aus der sonst so gelungenen und dichten Atmosphäre.

Teil 1 2

  • Dichte und packende Atmosphäre
  • Frische Geschichte
  • Druckvoller Sound
  • Fette Waffen
  • Deutsche Lokalisierung
Bombastisch
Kaum ein Spiel hat mich in der letzten Zeit so überrascht wie Wolfenstein - The New Order. Aus der Schwermetall-Ballerorgie ist ein echtes atmosphärisches Brett geworden, welches sich weit ab von Heldentum und Patriotismus bewegt. Die Präsentation ist auf einem hohen Niveau und der Sound lässt die Wände wackeln. Nur die deutsche Lokalisierung will noch nicht so richtig passen. Was passiert in Berlin und was hat B.J. Blastkowicz dem Regime entgegen zu setzen darauf sind wir mehr als gespannt.
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