Ab durch die Mauer im Test: Das Brettspiel mit den magischen Magneten

Ab durch die Mauer: Geisterhaftes Kinderspiel mit witzigen Ideen

Brettspiele mit haptischen Elementen oder einem witzigen Gimmick sind für junge Spieler oft besonders interessant. „Ab durch die Mauer“ vom Zoch Verlag weiß mit beidem aufzutrumpfen. Das lockt sogar erfahrene Brettspiel-Nerds aus der Reserve und geben dem kindlich anmutenden Spiel eine Chance. Auf den ersten Blick erinnert es ein wenig an den Klassiker „Das verrückte Labyrinth“. Als Geister düst ihr durch die verwinkelten Gänge einer Burg. Dabei sammelt ihr in den Nischen verschiedene Verkleidungsstücke auf. Im Schloss wird Karneval gefeiert und die Geister sind mittendrin.

Schon der Spielaufbau von „Durch die Mauer“ ist speziell. Das Spielbrett ist quadratisch, besteht aus 7×7 Feldern und lässt sich auf einer unterliegenden Gemäuer-Platte rotieren. Hinzu kommen noch drei Bodenschieber, drei lange Leisten, die in das Gemäuer geschoben werden. In die vier Ecken werden dann noch die Geister platziert. Außerhalb des Spielfelds befinden sich nur noch vier Stapel mit Verkleidungsstücken. Dann könnt ihr direkt loslegen. Das Spiel ist innerhalb von zwei Minuten startbereit.

Kleines Gespenster-Memory

Auf dem Spielplan sind überall verschiedenste Kleidungsstücke verstreut. Eure Aufgabe besteht darin, eine Verkleidung für jedes Körperteil zu sammeln. Der schnellste Geist gewinnt das Spiel. Landet euer Geist auf einem Feld mit einem Verkleidungsstück, dürft euch einen der vier ausliegenden Stapel nehmen und nachsehen, ob es den auf eurem Feld abgebildeten Gegenstand enthält. Falls ja, dann habt ihr schon euren ersten Teil der Verkleidung ergattert. „Durch die Mauer“ enthält dadurch eine zusätzliche Memory-Mechanik. Wer sich gut die schon gesichteten Karten eines Stapels merken kann, ist klar im Vorteil.

Die eigentliche Herausforderung besteht allerdings im Erreichen der anvisierten Felder auf dem Spielfeld. Die meisten Felder im Labyrinth sind nicht so einfach zu erreichen. Immer wieder steht euer Geist vor einer Mauer. Das begehrte Verkleidungsstück ist so zwar oft nur einen Schritt entfernt, ist aber dennoch unerreichbar. Zum Glück seid ihr aber Geister und beherrscht dadurch ein paar magische Tricks.

Magie mit Magneten

In eurem Zug dürft ihr bis zu drei Aktionen durchführen. Die einfachste Aktion besteht im Versetzen der Geisterfigur. Ihr nehmt euren Geist und schiebt ihn einfach auf das nächste freie Feld. Solange euch keine Mauer den Weg versperrt, seid ihr in den Bewegungen frei. Eine blockierende Wand wird im Spiel allerdings ziemlich häufig auftauchen. Ihr müsst also zu anderen Mitteln greifen.

Irrwitzige Spielfiguren und ein rotierendes Spielbrett.

Jetzt kommen die drei Bodenschieber zum Einsatz. Als Aktion dürft ihr einen Bodenschieber im Gemäuer um eine Position in eine beliebige Richtung verschieben. Die Bodenschieber wandern so unter dem Spielfeld umher. Einige Teile des Schiebers tragen metallische Anteile in sich. Am Boden der Geister befinden sich hingegen Magnete. Sie spielen mit den metallischen Bereichen des Bodenschiebers zusammen. Bewegt ihr einen Bodenschieber, lässt sich damit möglicherweise auch ein Geist bewegen. Auf diese Art und Weise kann der Geist ganz geschmeidig durch die Mauern hindurchgleiten.

Am großen Rad drehen

Als eine weitere Aktion steht euch das Versetzen eines Bodenschiebers zur Verfügung. Im Gemäuer stecken drei Schieber, im Gemäuer befinden sich indes gleich fünf Einsteckplätze. Solange sich in der Reihe des Schiebers kein Geist befindet, dürft ihr in ganz aus dem Gemäuer entfernen und an anderer Stelle neu einbauen. Hier muss ebenso wieder beachtet werden, dass sich in der neuen Reihe des Schiebers kein Geist befindet.

Wer zuerst seine Verkleidung fertigstellt, gewinnt.

Für mächtig Wirbel sorgt ihr mit der vierten auch schon letzten möglichen Aktion. Mit ihr dürft ihr den gesamten Spielplan um 90 Grad in eine beliebige Richtung drehen. Einige Geister gehen jetzt mit dem Spielbrett auf Reise, andere bleiben dank des Magneten an Ort und Stelle verwurzelt. Häufig steht ihr jetzt vor einer ganz neuen Ausgangssituation. Es kann sogar vorkommen, dass zwei Geister miteinander kollidieren. Dies führt zu weiteren Veränderungen der Spielsituation. Das Bewegen der gesamtem Spielplatte sorgt auf jeden Fall für einen schönen Aha-Effekt und bringt die Beteiligten ins Staunen.

Karnevalistisches Wettrennen

Letztlich ist „Ab durch die Mauer“ ein Wettrennen. Es gewinnt der Geist, der zuerst seine Verkleidung komplettiert hat. Gerade gegen Spielende wird diese Aufgabe aber immer schwerer. Wenn euch nur noch die Kopfbedeckung fehlt, gibt es nur noch vier Felder auf dem gesamten Spielfeld, die euch den Stapel mit den Verkleidungsstücken durchsuchen lassen. Es reicht natürlich nicht, einfach nur irgendein buntes Feld anzusteuern. Ihr müsst eure Wege durch das Labyrinth schon ein wenig koordinieren.

Ab durch die Mauer: Auch für Erwachsene nicht zu unterschätzen.

„Durch die Mauer“ ist für zwei bis vier Spieler ab sieben Jahren ausgelegt. Für eine Partie braucht ihr in der Regel nur etwa zwanzig Minuten. Das Spiel ist über den Zoch Verlag erschienen und kostet etwa 35€.

verblüffende Magie mit Magneten
auch für "große Kinder" geeignet
schnell erklärt, aufgebaut und gespielt
gute Mischung aus Chaos und Planbarkeit
mit kleinem Memory-Anteil
großer Aha-Effekt bleibt irgendwann aus

Sebastian Hamers

Mit Kinderspielen ist es ja immer so eine Sache. Die Kleinen sind von einem Spiel begeistert und spielen es mit wachsender Begeisterung auch problemlos fünfmal nacheinander. Als erwachsener und möglicherweise sogar noch anspruchsvollen Spieler kann das zu einer echten Geduldsprobe werden. „Ab durch die Mauer“ schafft den Spagat zwischen kindgerechter Zugänglichkeit und ausreichend Abwechslung für den Erwachsenen. Durch die magnetischen Tricks ist auf dem Spielfeld immer was los. Im Labyrinth herrscht praktisch ständig Chaos. Da euch aber pro Zug immer drei Aktionen zur Verfügung stehen, kommt letztlich aber doch zumindest eine gewisse Planbarkeit ins Spiel. Mit geschickten Aktionen lässt sich vielleicht ein gewünschter Zustand wiederherstellen, der euch doch noch zum Ziel führt. Die Einbindung der Magnete funktioniert sehr gut und wenn beim Drehen des Spielfelds plötzlich die Geister durch die Gänge schweben, hat das schon etwas Magisches. Bei den ersten Malen gucken alle Spieler noch verblüfft, doch schon bald wird damit begonnen, diese Aktion auch taktisch einzusetzen. Während sich der Verblüffungseffekt natürlich irgendwann abnutzt, die Spielmechanik weiß auch längerfristig zu unterhalten. „Ab durch die Mauer“ ist ein pfiffiges Kinderspiel mit gut funktionierenden Gimmicks, das auch „große Kinder“ wie den Rezensenten selbst gerne zu einer Partie an den Tisch bringen.
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