Close to the Sun im Test: Ist es den Schrecken wert?

Close to the Sun ist nun endlich erschienen

Close to the Sun: Am 02. Mai erschienen

Ein Horrorspiel dessen Kulisse im 19. Jahrhundert spielt, mit hoch futuristischen Komponenten – Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich, wie man das bitte umsetzen soll. Dasselbe haben wir uns auch gefragt. Aber das neue Game Close to the Sun soll angeblich genau das mit sich bringen und dabei dieses Zusammenspiel auch noch wirklich gruselig inszenieren. Nikola Tesla, der populäre Physiker der uns anhand der gleichnamigen, ebenfalls berühmten, Firma heute noch bekannt ist, soll in diesem Game eine große Rolle spielen. Seine Träume vom nachhaltigen Strom ziehen in diesem Fall jedoch eher Albträume nach sich. Ob uns das Spiel mit der total wirren Story überzeugen kann, haben wir in unserem Test zusammengefasst.

Willkommen auf der Helios

In der Helios sind viele Selbstdarstellungen von Tesla

In der Helios sind viele Selbstdarstellungen von Tesla

Close to the Sun spielt in einer alternativen Realität und schreibt die Weltgeschichte kurzerhand um. Ende des 19. Jahrhunderts lässt Nikola Tesla, reichster Mann der Welt zu dem Zeitpunkt, ein Schiff von gigantischem Ausmaß bauen. Die sogenannte Helios, finanziert von Tesla und seiner Firma Wardencliff.  Eingeladen ist der Wohlstand, wie auch viele einflussreiche Physiker und Erfinder. Was auf diesem Schiff passiert, soll die Welt verändern. Es soll eine der bedeutendsten Erfindungen des Zeitalters werden: kostenloser und unbegrenzter Strom, der weltweit und konstant verfügbar sein soll. Herauszufinden, wie das umsetzbar ist, schafft Tesla nicht allein. Mit Hilfe der klügsten Menschen jener Zeit, versucht er einen Weg zu finden.

Die rechte Hand von Tesla spielt hier jedoch eine eher unbekannte kluge Dame. Ada Archer – junge Erfinderin, die von der Idee schwärmt, die Welt zu verändern. Sie scheint im Mittelpunkt des ganzen Theaters zu stehen, doch der Schein trügt. Denn dann kommt ihr ins Spiel. Ihr seid die Schwester von Ada: Rose Archer. Als Journalistin habt ihr nicht viel Ahnung von dem, was eure Schwester treibt. Ihr wisst nur, dass sie ein Genie ist. In einem mysteriösen Brief fordert euch Ada auf, an Bord der Helios zu kommen. Doch damit fängt die Irrfahrt für euch erst richtig an. Dem Willen eurer Schwester nachgegangen, macht ihr euch auf den Weg. Bereits am Abfahrtsbereich angekommen, merkt ihr, dass irgendetwas faul ist. In dem riesigen Schiff sollen Massen von Menschen untergekommen sein und doch erwartet euch keine einzige Seele am Steg.

Ihr habt den Weg nicht umsonst auf euch genommen, deswegen bahnt ihr euch den Weg ins Schiff völlig selbstständig. Dort angekommen, verschließen sich sofort alle Türen und ihr merkt schnell, so leicht kommt ihr hier nicht wieder weg. Es ist sicher, ihr werdet die Helios nicht verlassen können und ohne eure Schwester zu finden, auch nicht wollen. Es gilt, herauszufinden, was auf diesem Schlachtfeld passiert ist und was eure Schwester damit zu tun hat. Es entpuppt sich als einer der größten physikalischen Fehler in der Geschichte der Menschheit. Und die Folgen sind gravierend, wie ihr später noch zu spüren bekommt.

Gruselig oder eher absurd?

Leider können wir euch aus Jugendschutz-Gründen das Bild nicht in normaler Auflösung zeigen. Wir können es aber kurz umschreiben: Ekelhaft, brutal und radikal.

Leider können wir euch aus Jugendschutz-Gründen das Bild nicht in normaler Auflösung zeigen. Wir können es aber kurz umschreiben: ekelhaft, brutal und erschütternd.

Mit der First-Person Perspektive haben die Macher auf jeden Fall alles richtig gemacht. Als Horror-Adventure gibt die Perspektive auf jeden Fall den richtigen Kick und sorgt für gelungene Jump-Scares. Im Großen und Ganzen geht es darum, Rätsel zu lösen, welche euch durchs Schiff führen. Das große Ziel: Bahnt euch einen Weg zu eurer Schwester. Die kleinen Aufgaben bis zu diesem Ziel sehen immer relativ ähnlich aus: Schalter finden, Schalter umlegen und von Raum zu Raum flüchten. Was euch zwar durch die Übung immer schneller voran kommen lässt, jedoch gleichzeitig etwas langweilt. Ein bisschen Abwechslung in den Aufgaben wäre also wünschenswert. Das macht sich auch im Schwierigkeitsgrad bemerkbar.

Im Laufe von Close to the Sun ist definitiv mehr logisches Denken angesagt, was euch dann auch ein Erfolgserlebnis bietet. Im Grunde habt ihr es aber mit einer schier endlosen Anzahl von Trial and Error-Passagen zu tun, denn beim Weglaufen gibt euch das Spiel kaum Anhaltspunkte, wie der richtige Fluchtweg denn nun aussieht. Ihr müsst also zwangsweise sehr oft ins Gras beißen und dürft euch anschließend die immer gleiche Sterbe-Animation anschauen.

Noch dazu muss man sagen, dass Jump-Scares und Geräusch-Kulisse leider das einzig wirklich Gruselige an dem Spiel sind. Die Story wirft zwar Fragen auf, kratz über acht Stunden Spielzeit aber nur an der Oberfläche. Der Ansatz schien interessant und hat auch neugierig gemacht, in der Umsetzung hätten wir uns allerdings etwas mehr Tiefgründigkeit gewünscht. Also falls ihr auf eine Story hofft, die schon beim Erzählen die Haare zu Berge stehen lässt, ist dieses Spiel nicht unbedingt das Richtige für euch. Deswegen können wir euch nur ans Herz legen, das Spiel im Dunkeln mit Kopfhörern zu spielen. Da fällt die eher wenig bedachte Story kaum auf. Und der Grusel-Effekt ist dann definitiv gegeben.

 

Fantasievolle Räumlichkeiten

Vor solchen Stromleitungen sollte man sich im Spiel in acht nehmen

Vor solchen Stromleitungen sollte man sich im Spiel in Acht nehmen

Verwüstete OP-Zimmer, Tierversuchslabore und mit Leichen übersäte Hotel-Zimmer: Die Räumlichkeiten sind wirklich sehr aufwendig gestaltet. In Grundzügen erinnert die Helios an das düstere Teslapunk-Setting der Bioshock-Reihe. Überall blitzen die verqueren Erfindungen von Tesla hervor, während ihr durch den schaurigen Innenleben des Schiffes hetzt. Anders ist es bei den Menschen und Monstern, die euch in Close to the Sun erwarten. Da wurde sich eher weniger Mühe gegeben, denn euren Verfolgern fehlt es schlicht an Persönlichkeit.  Da allerdings die Rätsel im Fokus stehen, stört das auch nicht weiter. Die Gesichter der paar Leichen, über die man das ein oder andere mal stolpert, müssen nicht unbedingt realistischer aussehen. Allerdings hätten wir uns bei den Animationen mehr Liebe zum Detail gewünscht. Vor den schlecht aufgelösten Gesichtern der Monster kann man sich einfach nicht fürchten.

Trotz der schaurig-schönen Räumlichkeiten verbringt man in den 10 Kapiteln viel Zeit in ähnlich aussehenden Ortschaften. Man ist pro Kapitel zwar immer in anderen Teiles des Schiffs unterwegs, aber während eines Kapitels hält man sich doch verhältnismäßig relativ lange in den selben Räumen auf. Noch dazu, sehen sich viele davon so ähnlich, dass ihr beim Lösen der Quests schnell die Orientierung verliert – und das trotz der linearen Levelstruktur. Das kann euch mal die Nerven rauben. Soll vielleicht zum Horror-Effekt dazu gehören, ist aber eher weniger gelungen.

 

Mitgefühl garantiert

Kaum noch überlebende auf der Helios

Kaum noch Überlebende auf der Helios, jedenfalls kaum Menschen

Dort und auch sonst macht sich das Spiel in einem Punkt auch an der Steuerung negativ bemerkbar. Ob Controller oder Maus, es wird euch manchmal sehr schwer gemacht, auf die Symbole zu klicken, mit denen ihr Sachen betätigt. Diese Mechanik gehört zu jedem Rätsel, weswegen wir uns da eine etwas bessere Steuerung gewünscht hätten. Denn es kommt oft darauf an, wie ihr mit eurer Figur vor den Symbolen steht. Sie können euch zwar bereits angezeigt werden, doch sind manchmal erst anklickbar, wenn sie sich genau mittig auf dem Bildschirm befinden. Das ist manchmal echt nervig und scheint auch nicht wirklich sinnvoll. Ansonsten ist die Steuerung gut nachvollziehbar und auch leicht zu betätigen, denn mehr als drei Tasten braucht ihr für das Adventure nicht.

Auch wenn die Story von Close to the Sun nicht ganz plausibel scheint, wecken die kurzen Filmausschnitte und die Synchronisation trotzdem Mitgefühl. Als Rose könnt ihr euch dank der guten Umsetzung ihrer Emotionen wirklich in sie hineinversetzen. Ob sie schreiend weg läuft oder mit ihrer Schwester per Funk lacht, auf der emotionalen Ebene funktioniert Close to the Sun, was auch dem Horror letztlich zugute kommt. Auch bei den restlichen Charakteren kann man sich nicht beschweren, auch wenn leider aktuell noch keine deutsche Vertonung verfügbar ist.

Problemlos ans Ziel

So kann ein Schriftzug eines Ladevorganges aussehen

So kann ein Schriftzug eines Ladevorganges aussehen

Positiv überrascht hat uns auch die Präsentation des Spiels. Es gab keine Ruckler oder Abbrüche, sodass der Spielfluss – anders als Rose – nie gefährdet war. Ladevorgänge gab es nur zwischen den Kapiteln und die konnte man auf jeden Fall verkraften. Close to the Sun , deswegen haben wir auch nichts anderes erwartet. Über nachladende oder verschwommene Texturen hatten wir auch nicht zu meckern. Alles in einem, gab es in der Hinsicht keine negativen Punkte.

Im Dunkeln tappen

Dunkle Räumlichkeiten sind hier üblich

Dunkle Räumlichkeiten sind hier üblich

Im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist ein Horror-Game, natürlich wäre ein dunkles Setting angebracht. Aber dieses Spiel zwingt euch den Horror förmlich auf, denn viele Teile der Helios sind derart dunkel, dass bei Tageslicht kaum etwas auf dem Bildschirm zu erkennen ist. Wir empfehlen es euch wirklich nachts oder in einem dunklem Raum zu spielen, nicht nur wegen des Feelings. Sondern auch, um Schleichwege und sonstiges zu erkennen. Im Grunde kein Problem, allerdings gibt euch Close to the Sun auf der Flucht so wenig Spielraum, dass ihr keine Zeit habt, euch lange umzuschauen.

packende Synchronisation
fantasievolle Räumlichkeiten
gelungene Jump-Scares
Scharfe Texturen
gute Geräusch-Kulisse
Flache Story
eintönige Aufgaben
teilweise sinnlose Steuerung
undetaillierte Gesichter und Animationen
unnötig dunkle Umgebung

Annabella Domgjoni

Unser Fazit lautet: Falls ihr nach einem richtigen Kick sucht, ist Close to the Sun mit Kopfhörern und abgedunkeltem Zimmer genau das Richtige für euch. Jump-Scares und Herzklopfen sind definitiv garantiert. Wer nach einer tiefgründigen Story mit aufwendigen Rätseln sucht, wird hier eher enttäuscht. Die alternative Realität verbunden mit Tesla, geht eher unter. Trotzdem lohnt es sich, es vielleicht einmal für sich selbst herauszufinden, falls ihr noch nicht sicher seid, ob euch diese Art von Spiel gefällt.
Orbis im Test - Die Göttersimulation Im Test: Legendary Forests - Bewährtes Konzept im neuen Look
Comments