Dark Devotion im Test – Mehr Roguelite als Dark Souls

 

Dark-Devotion-Kampf

Dark Devotion: Das knackige 2D-Pixelabenteuer im Test

Dark Devotion ist ein Dungeoncrawler mit Einflüssen von Dark Souls, Roguelites und fernen Anleihen bei Metroidvania. Oder kurzgesagt: Tod in Pixeln! Der düstere Genre-Mix stammt vom kleinen französischen Studio Hibernian Workshop und wurde von gerade einmal drei Personen entwickelt. Ob dabei trotzdem ein Indie-Hit mit eigenen Akzenten herausgekommen ist oder sich das Spiel am Ende als liebloser 2D-Abklatsch der From Software-Formel herausstellt, haben wir im Test für euch herausgefunden.

Im Dunkeln gelassen

Dark-Devotion-Intro

In der Krypta wird’s kryptisch

Bereits nach wenigen Sekunden in der Welt von Dark Devotion wird klar: In Sachen kryptischer Erzählweise kann der kleine Titel dem großen Vorbild durchaus das Wasser reichen. Ihr schlüpft in die Rolle einer jungen Templerin, die sich am Eingang einer uralten Krypta wiederfindet. Wie viele vor ihr strebt die verpixelte Heldin danach, den entweihten Tempel vom Schrecken zu reinigen, der ihn befallen hat – kein leichtes Unterfangen wie sich schnell herausstellen soll. Schließlich haben sich in den Tiefen der Anlage nicht nur wortkarge Priester, Söldner und andere menschliche Wracks eingenistet, sondern auch eine schier unendliche Zahl an Monstern. Um ihre Pflichten den Göttern gegenüber zu erfüllen, betritt sie dennoch den Dungeon und tappt in eine grausame Falle, aus der es kein Entkommen gibt.

Welche Motivation sie und die anderen verlorenen Templer verfolgen, lässt Dark Devotion dabei weitestgehend offen. Fast alle Figuren im Tempel geben nur zusammenhangloses Gebrabbel von sich oder beschränken sich auf höhnisches Lachen – ganz wie in Dark Souls eben. Stattdessen setzen die Entwickler auch hier auf Environmental Storytelling. Auf den vier Ebenen des Dungeons findet ihr allerlei verschollene Texte, die einen Hauch von Licht ins nebulöse Dunkel der Geschichte bringen. Außerdem lässt auch die Levelarchitektur darauf schließen, was in den Tiefen des befallenen Tempels noch auf die Heldin wartet. In seltenen Fällen stoßt ihr sogar auf Überlebende, die euch den Weg zeigen oder noch einen letzten, hilfreichen Tipp flüstern, bevor sie ihren letzten Atemzug tun.

Weiter, weiter ins Verderben

Dark-Devotion-Fallen

Fallen, Monster und die eigenen Fehler halten euch auf

Die rudimentäre Geschichte stellt aber ohnehin nur einen winzigen Teil des Spiels dar. Stattdessen dreht sich alles um Gameplay-Mechaniken, die Dark Devotion aus allerhand bekannten Titeln zusammengeklaubt hat. In erster Linie habt ihr es mit einem Roguelite zu tun. Bedeutet: In bedrückender Finsternis kämpft ihr euch durch ein verworrenes Labyrinth aus Räumen (nicht zufallsgeneriert), bis ihr irgendwann unweigerlich dem Tod in die Augen blickt. Sterbt ihr – und das werdet ihr garantiert – dann startet ihr jedoch nicht von einem Checkpoint oder Leuchtfeuer, sondern findet euch ganz am Anfang des Spiels wieder, in einer Art Sicherheitsraum, dem Filthblood Shelter. Hier findet ihr alle wichtigen Charaktere, die dafür sorgen, dass der letzte Ausflug in den Tempel nicht völlig umsonst war.

Für jeden getöteten Gegner erhaltet ihr nämlich Erfahrungspunkte, die ihr in permanente Spielvorteile investieren könnt. Diese erhöhen z.B eure Ausdauer-Regeneration, verbessern eure Crit-Chance oder geben euch schlicht mehr Schaden. Der Clou: Die Effekte halten über den Tod hinaus an, sodass ihr selbst dann Fortschritte macht, wenn ihr am laufenden Meter ins Gras beißt. Außerdem hat hier ein Schmied Zuflucht gefunden, bei dem ihr euch nach jedem vermasselten Run ausrüsten könnt. Neue Waffen, abseits von Schwert und Schild, schaltet ihr allerdings erst frei, wenn ihr sie in den Tiefen des Tempels findet oder einem Bossgegner aus den untoten Händen reißt. Habt ihr das Rezept dafür aber erst einmal erlangt, könnt ihr die neu gewonnene Waffe für jeden zukünftigen Versuch nutzen. Auch wenn dieses System nichts Neues im Roguelite-Sektor ist, funktioniert es hervorragend, weil uns das Spiel viele Freiheiten gibt, ohne uns den einen, perfekten Build aufzuzwingen.

Zwischen Skill und Zufall

Dark-Devotion-Skilltree

Seichter Fortschritt statt Permadeath

Von einhändigen Äxten über kolossale Kolben bis hin zu magischen Kunststückchen: Dark Devotion hat eine Vielzahl an todbringenden Waffen im Arsenal, alle mit unterschiedlichen Einsatzgebieten, Movesets, Stärken und Schwächen. Doch was ist die beste Waffe ohne einen fähigen Krieger, der sie schwingt? Um nicht nur eurer Ausrüstung, sondern vor allem euch einiges abzuverlangen, bedient sich das 2D-Abenteuer beim großen Vorbild von From Software. Jeder Gegner stellt eine Bedrohung dar und bestraft unüberlegtes Button-Mashing gnadenlos, denn die obligatorische Ausdauer-Leiste findet auch hier Anwendung. Schlagen, Blocken, Parieren und Rollen: Alles kostet euch einen Teil eurer Ausdauer, die sich erst im Laufe der Zeit wieder auffüllt. Außerdem müsst ihr auf eine ganze Reihe verschiedener Buffs und Debuffs Acht geben, die ihr im Laufe jedes Runs ansammelt.

Auch wenn viele davon direkt mit eurer Ausrüstung zusammenhängen, gibt es immer wieder Momente im Spiel, in denen es plötzlich Stärkungs- bzw. Schwächungszauber hagelt, die scheinbar keiner spielerischen Logik folgen. Verständlich, dass wir bestraft werden, wenn wir zum dritten Mal in Folge eine Klippe herunterspringen, ohne abzurollen oder mehr Ausdauer-Regeneration bekommen, nachdem wir einige Räume in Folge gesäubert haben, ohne Schaden zu nehmen. Allerdings belegte uns das Spiel immer wieder mit zufälligen Zaubern, die uns das Leben ungefragt schwerer bzw. leichter machten. In dieser Hinsicht erinnert Dark Devotion schon fast an das grenzenlos unfaire Darkest Dungeon. Wenig durchdacht zeigt sich auch das Inventar-Management. Um neue Rezepte beim Schmied freizuschalten, müssen wir ein neues Item zunächst anlegen, auch wenn wir bereits wissen, dass wir es in diesem Run garantiert nicht nutzen. Leider gibt uns das Spiel keinerlei Feedback darüber, welche Gegenstände neue Rezepte auslösen und welche nicht.

Flucht nach vorn

Dark-Devotion-Karte

Viele Pfade, doch nur eine Richtung

Davon abgesehen greifen die meisten Gameplay-Mechaniken, wenn auch nicht besonders innovativ, gut ineinander. Wirklich neu und im Vergleich zur undurchsichtigen Souls-Reihe extrem hilfreich: Spielt ihr mit Maus und Tastatur, könnt ihr jederzeit all eure Buffs, Debuffs, Statistiken und Waffen einsehen. Doch auch an Controller-Nutzer (Was wir euch übrigens wärmstens empfehlen) haben die Entwickler gedacht, denn mit einem simplen Knopfdruck habt ihr auch hier Zugriff auf alle wichtigen Informationen und das Ganze ohne überflüssige Menüs und Overlays. Das ist auch bitter notwendig, denn in der Regel habt ihr bereits genug damit zu tun, euch in den Katakomben des Tempels zurechtzufinden, denn Dark Devotion ist in puncto Leveldesign ein Roguelite wie es im Buche steht. Von der Zuflucht aus führt zunächst ein Weg tiefer in den Tempel. Bereits im nächsten Raum verzweigt sich der Pfad jedoch und ihr müsst euch entscheiden, in welche Richtung es weitergehen soll.

Die Übersichtskarte ist dabei ein hilfreiches Tool, stößt jedoch recht schnell an ihre Grenzen. Vor allem deshalb, weil jeder Raum in Dark Devotion in einer Einbahnstraße endet. Sobald ihr einen neuen Abschnitt betretet, schließen sich hinter euch die Türen und ihr könnt nur in eine Richtung voranschreiten: Vorwärts! Grundsätzlich eine prima Idee, denn so belohnt euch das Spiel dafür, dass ihr jeden Raum bis in die letzte Ecke nach hilfreichen Items durchforstet. Wenn ihr allerdings einen ganz bestimmten Weg finden müsst, um noch unerforschte Räume aufzuspüren, kann ein falscher Schritt schnell dazu führen, dass ihr gezwungen seid, euch dem nächsten Gegner in die Klinge zu werfen, damit ihr zurück zum Anfang kommt. Glücklicherweise gibt es auf der Karte verstreute Checkpoints, zu denen ihr euch vom Zufluchtsort aus teleportieren  könnt, jedoch könnt ihr immer nur zu demjenigen reisen, an dem ihr als letztes gebetet habt.

Dark-Devotion-Endboss

Jeder gelegte Boss ein Lämpchen

All diese kleinen Makel ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass Dark Devotion trotz 2D-Pixel-Look atmosphärisch und spielerisch einiges zu bieten hat. Jeder Fight gegen die vielfältigen Gegnertypen des Tempels ließ bei uns das Adrenalin hochkochen und die Bosskämpfe, von denen ihr in rund 30 Stunden Spielzeit einige zu Gesicht bekommt, strotzen nur so vor kreativen Ideen und einzigartigen Mechaniken. Gern hätten die Bosse noch knackiger sein können und über ein NG+ hätten wir uns auch gefreut. Nichtsdestotrotz setzt das Pariser Studio die richtigen Akzente. Hinzu kommt die vielschichtige Spielwelt, welche zwar immer in bedrückende Dunkelheit getaucht ist, aber etliche versteckte Passagen, geheime Gegenstände und sammelbare Kleinigkeiten parat hält.

Besonders praktisch hierbei: Die Faith-Mechanik. Mit jedem getöteten Gegner sammelt unsere Heldin Glaubenspunkte, die sie nutzen kann, um vor Altären zu beten, die überall im Dungeon zu finden sind. Einige öffnen verschlossene Gänge, andere regenerieren Gesundheit, wieder andere belegen euch mit einem göttlichen Segen. Auch wenn damit ein weiteres Zufallselement ins Spiel kommt, überwiegt dabei das Plus für den Spielspaß, denn das Management von Flüchen, nutzbaren Items im Inventar wie etwa Bomben oder Tränken und das clevere Ausnutzen von Buffs verleiht dem Spiel noch eine weitere Ebene, die jeden neuen Run zu einem einzigartigen Erlebnis macht.

Düster aber durchgestylt

Dark-Devotion-Mysterious-Entity

Dark Devotion: Nicht immer düster

Optisch erwartet euch ein Indie-Titel der pixeligen Art. Alexandre Magnat, der Mann hinter dem Look von Dark Devotion entschied sich für eine recht simple, aber trotzdem enorm effektive Optik der Krytpa. Denn der Name des Spiels spricht nicht immer für sich. Im Inneren der vier großen Gebiete durchstreifen wir nämlich nicht nur finstere Verliese und blutige Sümpfe, sondern treffen zwischenzeitlich auch auf eine hell erleuchtete Kathedrale inmitten all der Dunkelheit. Einer der Bosskämpfe findet sogar in einer lichtdurchfluteten Halle statt, die mehr an eine transzendentale Erfahrung als einen klassischen Fantasy-Schinken erinnert.

In Kombination mit der verhüllten Story entsteht so ein durchgestyltes Abenteuers, das auf dem PC auch technisch keinerlei Grund zum Meckern gibt. Für eine etwaige Fortsetzung würden wir uns nur wünschen, dass Licht und Schatten noch mehr als Bindeglied zwischen Gameplay und Geschichte genutzt würden, denn die trostlose Atmosphäre des Tempels bietet noch weit mehr Potenzial, sich der Dunkelheit vollends hinzugeben.

Bewährter Mix aus Roguelite, Action-Adventure und Metroidvania
Gelungene, trostlose Atmosphäre
Vielfältiges Gegner- und Bossdesign
Kryptische Story mit Aha-Faktor
Viele Freiheiten bei Waffen und Perks
Zeitlos schicker Pixel-Look
Kaum innovative Spielmechaniken
Viele Zufallselemente
Einbahnstraßen-Levelarchitektur

Christian Böttcher

Dark Devotion erfindet das Rad nicht neu, bedient sich aber auf sinnvolle Art und Weise bei bewährten Spielmechaniken, um einen gelungenen Genre-Mix aus Roguelite, Action-Adventure und Metroidvania zusammenzuklöppeln. Gepaart mit der wunderbar trostlosen Atmosphäre innerhalb vielschichtiger Dungeons und einer kryptischen Geschichte, die zum Großteil über die Welt selbst erzählt wird, entsteht aus dem 3-Mann-Projekt ein grundsolides und belohnendes Spiel für alle, die nicht genug von fordernden Indie-Ablegern mit Dark Souls als Inspirationsquelle kriegen können. Zum Meisterwerk fehlt es an spielerischen Innovationen, für spaßige und ein klein wenig frustrierende Stunden ist es jedoch genau das Richtige.
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