Im Test: Legendary Forests – Bewährtes Konzept im neuen Look

Legendary Forests-Spielbrett

Legendary Forests: Neuer Anstrich für ein bewährtes Spielkonzept

Trotz der voranschreitenden Globalisierung sind die kulturellen Unterschiede zwischen Fernost und der westlichen Welt immer noch erheblich. Dies schlägt sich sogar bei uns weltoffenen Videospielern manchmal nieder. Bestimmte Spiele werden für die jeweiligen Märkte modifiziert, Videospiel-Collections gleichen Namens beinhalten plötzlich ganz andere Titel. Manchmal taucht dieses Phänomen auch in der Brettspiel-Welt auf. So geschehen bei Iellos Legendary Forests. In Japan erschien das Spiel bereits 2017 unter den Namen 8bit MockUp. Mechanisch identisch, wird das Spiel nun mit frischer Optik und neuem Thema hierzulande vermarktet.

Die Göttersimulation 8bit MockUp, in der ihr ganze Landschaften kreieren müsst, ist einer beschaulichen Waldfläche gewichen. Rein optisch hat der Wechsel dem Spiel gutgetan. Selbst die treuesten 8bit-Veteranen dürften beim Anblick des japanischen Vorbilds keine Freudensprünge vollziehen. Da ist der harmonische Waldboden von Legendary Forests dann doch der erheblich angenehmere Anblick.

Farbenspiel des Waldes

Rein mechanisch ist Legendary Forests seinen Wurzeln allerdings treu geblieben. Das Grundkonzept des Originalautors Toshiki Sato wurde nicht angetastet. Jeder Spieler erhält das gleiche Set aus 25 Plättchen. Aus diesen Teilen erstellt ihr im Spielverlauf euren individuellen Waldboden und pflanzt darauf eure siegpunktbringenden Bäume.

Auf den einzelnen Plättchen finden sich diverse Gegebenheiten des Waldes wieder. Drei verschiedene Flächen lassen sich später in Siegpunkte verwandeln. Ahornblätter, Kirschblüten und goldene Ginkgoblätter. Inmitten des Blättermeers tauchen auch hin und wieder einige Grasflächen auf. Sie sind nicht dazu bestimmt, Bäume darauf zu pflanzen. Dafür sind einzig die drei Blätter-Regionen vorgesehen.

Baumeister des Waldes

Alle Plättchen sind nummeriert. Jeder Spieler beginnt seinen Wald mit dem ersten Plättchen. Ein Spieler wird dazu bestimmt, seine Plättchen verdeckt zu mischen und fünf zufällig auszusortieren. Anschließend zieht er jede Runde ein Plättchen, dreht es auf die offene Seite und teilt den Mitspielern die Nummer des Plättchens mit. Alle Spieler verbauen anschließend stets das gleiche Plättchen.

Besonders viele Legeregeln müsst ihr nicht beachten. Das neue Plättchen muss bündig an ein schon liegendes Plättchen platziert werden. Außerdem müsst ihr dafür sorgen, dass Übergänge stimmig gestaltet werden. Ein Seitenende mit einem Ahornblatt kann folglich auch nur wieder an ein Ahornblatt angelegt werden. Ganz einfach! Ansonsten seid ihr beim Legen eines Plättchens ganz frei in euren Entscheidungen, ihr dürft es nach Belieben drehen.

Runen des Waldes

An den vier Seiten jedes Plättchens befinden sich jeweils halbe Runensteine. Steckt ihr zwei Plättchen zusammen, ergibt sich daraus entsprechende eine ganze Rune. Nur die Felder mit den Grasflächen wurden runenfrei gestaltet. Auf diese Weise sammelt ihr im Spielverlauf zahlreiche vollständige Runen, die euch potenziell Siegpunkte bringen können.

Eure Arbeit als Waldarchitekt wird allerdings erst durch das Setzen eines Baumes entlohnt. Einige der Plättchen lösen eine Baum-Aktion aus, wenn sie ausgelegt werden. Reihum dürft ihr euch nun einen Baum aus der Tischmitte nehmen und diesen in eurem Wald verpflanzen. Die Bäume tauchen in den drei Farben der Blätter aus. Ihr dürft die Bäume auch nur auf die farblich passenden Flächen stellen. Da die Zahl der Bäume limitiert ist, solltet ihr euch gut überlegen, welchen Baum ihr auswählt.

Punkte des Waldes

Gewertet wird erst am Spielende. Zu diesem Zeitpunkt liegen genau 20 Plättchen vor jedem Spieler. Punkte werden nun für die gepflanzten Bäume ausgeschüttet. Jetzt zahlt es sich aus, den Baum in einer möglichst großen Region aus einer durchgehenden Fläche einer Blattart gesetzt zu haben. Für jede vollständige Rune erhaltet ihr jetzt einen Siegpunkt. Brillante Waldarchitekten gelingt vielleicht sogar das Kunststück, eine Region abzuschließen und so die Punktzahl zu pro Rune zu verdoppeln.

Wenn ihr etwa eine Fläche mit Ahornblättern vollständig mit Blättern anderer Art oder auch Grasflächen umschlossen habt, dann gilt die Region als abgeschlossen. Für solche Bereiche erhaltet ihr nun gleich zwei Punkte pro Rune. Es kann sich also durchaus lohnen, auf den Abschluss einer Fläche zu spekulieren. Doch dazu gehört natürlich auch etwas Glück, da ihr euch nie sicher sein könnt, welche Waldflächen noch gezogen werden. Selbst wenn ihr gut mit dem Spiel vertraut seid, so gibt es immer noch die fünf Waldplättchen, die vor dem Spiel aussortiert werden.

Eine Partie Legendary Forests dauert nur etwa zwanzig Minuten. Die Spieldauer erhöht sich auch nicht sonderlich, wenn ihr in der Maximalbesetzung mit fünf Spielern loslegt. Da die Aktionen der Spieler gleichzeitig durchgeführt werden, überschreitet ihr auch mit mehreren Spielern die angegebene Spieldauer kaum. Legendary Forests findet ihr ab sofort im Handel. Preislich pendelt sich das Spiel zwischen 20€ und 25€ ein.

optisch ansprechend
entspanntes Spielgefühl
keine Wartezeit auf den eigenen Spielzug
für bis zu 5 Spieler geeignet
eher geringe Interaktion

Sebastian Hamers

Einmal mehr beweist der französische Brettspiel-Verlag Iello ein gutes Händchen für Design und Stil. Aus dem optisch wenig ansprechenden 8bit MockUp ist ein richtig schickes Brettspiel geworden. Unter der Haube wurde das Spiel nicht verändert. Das Wald-Thema passt zum Spiel allerdings viel besser als zur ursprünglichen Pixel-Göttersimulation. Legendary Forests ist ein sehr entspannendes Spiel. Jeder Spieler puzzelt sich in aller Ruhe seinen eigenen Wald zusammen und freut sich über die wachsenden Flächen in seinen schönen Farben. Besonders konfliktreich ist das Spiel nicht. Gleiches lässt sich aber natürlich auch über die Interaktion sagen. In die Abläufe der anderen Spieler könnt ihr kaum eingreifen. Ihr könnt ihnen höchstens den letzten passenden Baum vor der Nase wegschnappen, doch ansonsten spielt jeder doch ein wenig für sich selbst. Der reduzierte Grad an Interaktion kommt dafür wiederum dem entspannten Spielgefühl ziemlich entgegen. Gleiches gilt für das synchrone Ausführen der Aktionen. Wartezeiten auf den eigenen Zug gibt es in Legendary Forests nicht. So wird das Spiel immer am Leben gehalten und es entsteht ein angenehmer Flow. Legendary Forests ist ein kurzweiliges Spiel, das mehr Wert legt auf eine entspannte Spielweise legt und den kompetitiven Gedanken etwas hintenanstellt.
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