Test: JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle

Wem der Start des aktuellen Spielejahres nicht aufregend genug war, darf sich jetzt über das wahrscheinlich abgedrehteste Beat ‚em Up der letzten Dekade freuen. Nach Naruto und One Piece schnappen sich die Entwickler von CyberConnect2 mit JoJo’s Bizarre Adventure eine weitere Anime-Lizenz und lassen es erneut Tritte und Fausthiebe regnen. Ob ausgerechnet eine japanische Serie aus den 80ern uns unwissende Westler begeistern kann? Wir haben uns mit den mehr als bizarren Muskelbergen aus JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle geprügelt und verraten euch, ob sich zwischen dem 80er-Jahre-Flair und den merkwürdigen Frisuren eine echte Genren-Perle verbirgt.

Eine Fehde mit Tradition

Test: JoJo’s Bizarre Adventure – All Star BattleJoJo‘ Bizarre Adventure ist kein ungeschriebenes Blatt im fernen Japan. Dort existiert die Marke nämlich bereits seit Ende der 80er in Manga- und Anime-Form. Vom Autor und Zeichner Hirohiko Araki erschaffen, erfreut sich die Serie auch heute noch großer Beliebtheit. Neben Serien wie One Piece, Naruto und Dragon Ball zählt JoJo’s Bizarre Adventure zu den Best-Sellern. Ein Anime-Reboot der ersten drei Staffeln wurde gleich einmal dazu genutzt, die Franchise-Maschinerie ordentlich in Bewegung zu setzen. Letztes Jahr feierte man den Start der neuen Zeichentrickserie mit reichlich Merchandise. So durften sich Fans über die Blu-ray zum Anime, originalgetreue Spielfiguren und selbstverständlich das abgedrehte Prügelspiel von CyberConnect2 freuen.

Das Erfolgsrezept ist recht simpel. Man nehme einen Helden und einen Fiesling und lässt beide aufeinander los. Das klassische Gut-Gegen-Böse-Konzept geht dank unterhaltsamer Kämpfe und der richtigen Prise Dramatik auf. Und damit die Geschichte auch noch über Jahrzehnte hinweg erzählt werden kann, lässt man die Nachkömmlinge der beiden Streithähne die Fehde ihrer Großväter weiterführen. Im Mittelpunkt dieser Geschichten steht die Famillie Joestar. Der Name JoJo dient hier als Kürzel und leitet sich aus den Vor- und Nachnamen der jeweiligen Hauptprotagonisten ab. Eine schier nie endenwollende Geschichte, die mit ihren vielen Charakteren die perfekte Grundlage für ein Beat ‚em Up bietet: JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle.

Test: JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle

ORA ORA ORA ORA ORA!!!

Doch lasst euch von der ansehnlichen Pracht des Spiels nicht täuschen: In JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle geht es ohne viel Schnick-Schnack zur Sache. Große Kettenkombinationen sucht man vergebens, stattdessen sind es einzelne Spezial-Angriffe, die euch den Sieg sichern. Diese zehren von der sogenannten HH-Anzeige, die sich füllt, solange ihr euren Gegner mit regulären Attacken eindeckt. Habt ihr genug Energie vorrätig lässt sich sogar ein ganz besonders effektiver Angriff ausführen, der nicht nur massig Schaden verursacht, sondern auch auffällig dramatisch präsentiert wird – typisch CyberConnect2 eben.

Ansonsten spielt sich JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle wie ein simpler Button-Masher. Ihr braucht keinen Doktortitel in Street Fighter oder BlazBlue, um euch in diesem Prügler behaupten zu können. Die ausführbaren Combos sind abzählbar und gehen sofort ins Blut über. Anfänger haben den Bogen schnell raus und müssen nicht schon vor ihrem ersten Match über fiese Fingerverrenkungen klagen. Wem die Kämpfe doch mal zu frustrierend sind, kann mit Gold im Story-Modus Effekte kaufen. Die liefern euch vorrübergehend diverse Vorteile wie eine höhere Angriffs- oder Verteidigungskraft.

Test: JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle

Achtung, Vampir-Rennpferde!

Bevor man sich jedoch mit Combos, Spezial-Attacken und anderen Feinheiten auseinandersetzen kann, springt einem direkt die schrille Optik von JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle ins Auge. Am ehesten lässt sich diese nämlich mit dem Cel Shading-Look aus Titeln wie Street Fighter X Tekken oder Killer is Dead vergleichen. Das quietschbunte Erscheinungsbild der Kämpfer kommt dem Prügelspiel aufgrund seiner Anime-Herkunft perfekt zugute. Der Cel Shading-Mantel wirkt wie für JoJo’s Bizarre Adventure gemacht, und weckt ausnahmsweise nicht den Eindruck, als hätten die Entwickler versucht, grafische Unebenheiten zu verbergen.

Ebenfalls schick anzusehen sind die zahlreichen Kampfareale, die in den nächsten Spielstunden euer neues zu Hause sein werden. CyberConnect2 hat sich für die Austragungsorte die wichtigsten Schauplätze des Anime herausgepickt, die bei Serien-Fans die eine oder andere Erinnerung wachrufen dürften. Damit die Kämpfe allerdings nicht zur Sightseeing-Tour werden, haben die Entwickler ein paar Fallen eingebaut, die immer dann aktiviert werden, wenn ein Kämpfer durch einen kraftvollen Schlag zu Boden geht. Das vermeintliche Opfer dient hier allerdings nur als Auslöser. Durch rote Markierungen könnt ihr abschätzen, wo es gefährlich wird. Haltet ihr euch zu lange auf besagter Markierung auf, müsst ihr mit fallenden Kronleuchtern, rasend schnellen Mafia-Limousinen und blutsaugenden Vampir-Rennpferden rechnen. Richtig gelesen. Klingt alles komisch, ist aber wirkungsvoll und kann euch wichtige Lebensenergie kosten.

Test JoJo's Bizarre Adventure  All Star Battle  (3)

Auch nur ein Beat ‚em Up

Letzten Endes bleibt auch JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle nur ein klassisches Beat em Up, das mit altbewährten Mitteln um die Gunst der Zocker kämpft. Auch die sehr gelungene Anime-Optik und die abgedrehten Charaktere können nicht über den schnöden Story-Modus oder den Mangel an frischen Ideen hinwegtrösten. Warum müssen es immer die gleichen, abgekauten Modi sein? Wie wäre es mal mit ein wenig mehr Herausforderung? Hat man erstmal alle Charaktere freigeschaltet, flacht die Motivation wieder ganz schnell ab. Da hilft auch kein exklusiver Arcade-Modus für den Westen.

Richtig gut hat uns jedoch die originalgetreue Darstellung der Kämpfer gefallen. Wenn Charaktere wie Jotaro Kujo oder Jonathan Joestar auf brachiale weise Fäuste auf ihre Gegner niederprasseln lassen, hat das schon etwas Magisches. „Sunlight Yellow Overdrive!“, hallt es durch die Arena kurz bevor Oberfiesling Dio durch die Luft gewirbelt wird und krächzend zu Boden geht. Die geniale japanische Vertonung tut ihr Übriges. JoJo’s Bizarre Adevnture – All Star Battle ist ein netter Zeitvertreib, aber lange kein Muss.

Test: JoJo’s Bizarre Adventure – All Star Battle

  • Geniale japanische Sprachausgabe
  • Toller Cel-Shading-Look
  • Über 32 Charaktere aus der Serie
  • Enttäuschender Story-Modus
  • Zu lange Ladezeiten
  • Motivationskurve flacht schnell ab

Cliff A.

JoJo's Bizarre Adventure - All Star Battle ist ein Augenschmaus. Keine Frage, wer auf Cel-Shading steht, wird sich die Finger nach diesem Spiel lecken. Trotzdem strotzt das bunte Beat 'em Up nicht gerade vor innovativen Ideen, die das Genre umkrempeln. Obwohl meine Motivationskurve nach wenigen Tagen abgeflacht ist, konnte mich JoJo's Bizarre Adventure - All Star Battle zumindest für die TV-Serie begeistern. Wer sich nicht spoilern möchte, sollte die öden Texte im Story-Modus tunlichst ignorieren.
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