Test: Kinect Sports Rivals

Den meisten von uns wäre es wohl lieber, wenn Entwickler Rare sich wieder Spielen wie Banjo Kazooie und Co. widmen würde, doch müssen wir uns wohl damit abfinden, dass solche Zeiten nach Microsofts Übernahme des Studios vorbei sind. Stattdessen wartet mit Kinect Sports Rivals das erste Spiel auf uns, dass so wirklich zeigen soll wozu die Xbox One inklusive Kinect in der Lage ist. Als bewegungsfauler Gamer wollte ich nun also herausfinden was Kinect Sports Rivals eigentlich ist: Ein spaßiges Spiel mit Bewegung für Zwischendurch, oder ein vollwertiger Ersatz für euer tägliches Workout. Meinen Trainingsplan habe ich hier für euch nieder geschrieben.

Ruhe vor dem Sturm

Test: Kinect Sports RivalsVorab muss ich die neue Version von Kinect dafür loben, dass sie durch einen höheren Blickwinkel auch das Zocken in etwas kleineren Zimmern ermöglicht. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger Kinect Sports musste ich also nicht erst meinen Tisch beiseite schieben um loslegen zu können. Apropo loslegen: Bevor ihr euch sportlich betätigen dürft geht es daran, euren Charakter zu erstellen. Die Zeiten von nervigen Menüs bei denen man sich nicht zwischen Frisur A und B entscheiden kann sind jedoch vorbei und die Arbeit wird euch direkt von Kinect selbst abgenommen. Körper und Gesicht werden nach Anweisungen einer freundlichen Computerstimme gescannt und kurze Zeit später präsentiert man euch euer digitales Abbild. In meinem Falle war ich wirklich überrascht wie nah das Ergebnis mir selbst kam. Das hätte ich selbst nicht so schnell und vor allem so gut auf manuelle Art und Weise hinbekommen. Wir halten also fest: Kinect 2.0 funktioniert in diesem Punkt bereits hervorragend.

Allgemein kann sich Kinect Sports Rivals von seiner technischen Seite durchaus sehen lassen. Die bunte Optik weiß zu gefallen und die vielen Partikeleffekte, inklusive des schönen Wassers, zaubern durchweg ein ansprechendes Bild auf euren Fernseher. Vielleicht kein Meilenstein, aber dennoch ist die Insel auf der ihr die sechs unterschiedlichen Sportarten ausleben dürft ein hübscher Haufen Polygone. Abstriche muss ich jedoch ganz klar beim Sound machen. Die Musikauswahl mag mit bekannten Stücken aus den Charts noch ganz nett sein, aber die deutsche Synchronisation der euch unterweisenden Trainer tut schon fast weh. Nicht nur, dass euch ein flacher One-Liner nach dem Nächsten um die Ohren geballert wird, auch die Lautstärke dieser Dialoge schwankt von extrem leise bis viel zu laut.

Test: Kinect Sports Rivals

Action mit dem Jet Ski

Auch wenn Rare mit dem guten alten Wave Race auf dem Nintendo 64 damals nichts zu tun gehabt hat, so musste ich doch an diesen alten Klassiker denken als ich da nun so stand und Anweisungen bekam wie ich meinen Jet Ski zu kontrollieren habe. Eventuell liegt es sogar an diesen kleinen Parallelen, dass meine Motivation für diese Sportart auch besonders hoch gewesen ist. Und sie ist es noch immer. Mit ausgestreckten Armen greift ihr nach dem virtuellen Lenker und könnt durch das Bilden einer Faust mit der rechten Hand beschleunigen. Dazu ein bisschen in die Kurven legen und auf den Rampen euren Körper nach vorne oder hinten neigen, schon seid ihr ein wahrer Meister der Wellen. Mittlerweile ist Wake Racing sogar zu einer meiner Lieblings-Sportarten geworden.

Zusätzlich könnt ihr in dieser, aber auch jeder der anderen Sportarten durch ein Anheben und Aufstampfen des rechten Fußes eines von diversen Power-Ups aktivieren. So könnt ihr über die Zeit zum Beispiel einen kleinen Turbo-Boost aufladen um euren Kontrahenten davon zu ziehen. Da ihr euch in Kinect Sports Rivals für ein Power-Up entscheiden müsst kommen auf diese Art viele verschiedene Spielstile zusammen. Wer das für einen selbst geeignete Power-Up gefunden hat wird in Wake Racing schnell an Fans kommen. Für gute Leistungen gibt es neben XP für die einzelnen Sportarten nämlich auch Fans mit denen ihr im Shop neue Outfits sowie Upgrade für die Power-Ups freischalten könnt. Eine nette Idee, wobei die Auswahl an solchen noch größer hätte ausfallen können.

Test: Kinect Sports Rivals

Nach dem Wasser kommt der Himmel

Unten im Wasser war es natürlich ganz schön nass. Wie kann man also besser trocknen als bei einer fröhlichen Kletterpartie in den Bergen? Wer schon Mal in einer Kletterhalle oder Ähnlichem war, der wir das Prinzip schnell verstehen: Ihr hangelt euch mit euren Händen von Griff zu Griff bis ganz an die Spitze nach oben. Dabei ist es wichtig die Arme zu strecken, feste zuzupacken und sich dann hoch zu ziehen. Natürlich solltet ihr darauf achten, immer eine Hand fest am Griff zu haben um nicht wieder nach unten zu fallen. Komplizierter wird das Ganze noch durch eure Kontrahenten die euch am Fuß packen und nach unten ziehen können wenn ihr zu langsam sein solltet. Hektisch wird diese Disziplin jedoch sobald mehrere Person vor der Konsole nach den Steinen greifen wollen.

Wer nach so viel Anstrengung eine Pause braucht wird sich freuen, dass ihr für die nächste Übung in Kinect Sports Rivals nur eine Hand braucht. Die Rede ist vom Ziel-Schießen wo in alter Manier eure Hand eure Waffe ist. Daumen nach oben, Zeigefinger nach vorne und Feuer frei! Nur wer genau, aber auch schnell alle Ziele trifft, kann die meisten Punkte gegen seinen Gegner im spannenden 1 on 1 nach Hause holen. Dabei könnt ihr sowohl eurem Gegner einige seiner Ziele wegschnappen als auch eine Kanone aktivieren deren Schüssen der andere Spieler dann genau wie in Matrix ausweichen muss. Definitiv ein spaßiges Spiel und ich könnte mir sogar ein Call of Duty sehr gut mit dieser Steuerung vorstellen.

Test: Kinect Sports Rivals

54, 74, 90, 2014

Keine Sorge, hier singen nicht die Sportfreunde Stiller, aber um Fußball geht es trotzdem. Diese Sportart war schon im Vorgänger enthalten und an der Funktionsweise hat sich in Kinect Sports Rivals deswegen auch nicht viel verändert. Nach wie vor kommt der gesamte Körper von Kopf bis Fuß zum Einsatz um den Ball erst vors Tor zu passen und dann mit einem gezielten Schuss am Torwart vorbei ins Tor zu hämmern. Während die Abwehr-Steuerung als Torwart perfekt funktioniert, gingen bei mir als Stürmer doch viele Schüsse daneben. Vielleicht liegt es am fehlenden Ballgefühl meinerseits oder an der noch nicht ganz perfekten Erkennung meiner Bewegungsabläufe. So oder so, Fußball bleibt für mich auf Grund der Tatsache, dass ich die Spieler nach wie vor nicht frei bewegen kann auch bei Kinect Sports Rivals eher langweilig.

Test: Kinect Sports Rivals

Statt eines Balls nun also eine Kugel mit 3 Löchern geschnappt und auf 10 arme, wehrlose Pins geworfen. Wir sind beim Bowling angekommen und viel dazu sagen muss man eigentlich nicht. Für Bowling auf der Wii war ich damals schon immer gerne zu haben und auch wenn mir der Controller in der Hand anfänglich gefehlt hat, waren nach kurzer Zeit schon keine Pins mehr vor mir sicher. Kinect erkennt in diesem Falle sehr präzise wo ich die Kugel hinhaben möchte und sogar Spin kann man ihr ganz einfach mitgeben. Verdient der Modus den ich bisher am längsten gespielt habe und eine klare Empfehlung für Spiele-Abende mit den Freunden.

Den letzten Kandidaten dürften Besitzer einer Wii ebenfalls kennen: Tennis. Auch hier ist intuitiv schnell klar, dass ihr eure Hand als Schläger einsetzen müsst um den Ball übers Netz zu hauen. Im besten Falle natürlich so, dass euer Gegner ihn nicht mehr erreichen kann. Spannende Ballwechsel sind in Kinect Sports Rivals garantiert und die Bewegungen werden in den meisten Fällen auch präzise erkannt. Auch wenn es sich dennoch besser anfühlen würde wie in der Wii Version zumindest einen Controller in der Hand zu halten um ein gewissen Gefühl für den „Schläger“ entwickeln zu können.

Test: Kinect Sports Rivals

Sportliche Leistung

Sowohl Kinect Sports Rivals, als auch die antreibende Hardware Kinect schlagen sich in ihrer zweiten Runde um Längen besser als ihre Vorgänger. Mit vier Personen wird es vor dem Bildschirm zwar noch immer chaotisch in einigen Sportarten, doch gerade zu zweit oder zu dritt funktioniert technisch alles reibungslos. Einzig beim Umfang muss ich im Nachhinein meckern, da es auch gerne mehr als 6 Sportarten hätten sein dürfen. Zwar gibt es Meisterschaften und auch drei Teams denen ihr euch anschließen dürft, aber insgesamt fällt der Umfang des Spiels eher mager aus. Zudem fehlt es an Motivation lange genug zu Spielen um die teuren Outfits und andere Gegenstände freizuschalten. Highlight an Kinect Sports Rivals dürfte da am ehesten noch der Online Multiplayer sein, falls euch die recht schwache KI unterfordern sollte.

  • Charaktererstellung per Körperscan
  • Hübscher, bunter Look
  • Spaßige Wake Racing Sportart
  • Genaue Erkennung der Bewegungen
  • Geringer Umfang
  • Nervige deutsche Sprachausgabe
  • Fußball schlecht umgesetzt

Yannick D.

Kinect Sports Rivals ist eine gelungen Fortsetzung und zeigt zum ersten Mal, wozu Kinect 2.0 in der Lage ist. Vom anfänglichen Körperscan bis hin zur Erkennung der einzelnen Bewegungsabläufe funktioniert alles reibungslos. Schade ist nur, dass der Umfang eher gering ausfällt und die Sprachausgabe so nervig daher kommt. Euer Fitness-Programm ersetzt das Spiel zwar nicht, aber gerade das Klettern wird nach gewisser Zeit doch im positiven Sinne anstrengend.
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