Lohnt sich Kino? Alita: Battle Angel – Die beste Manga Adaption aller Zeiten? (Filmkritik)

Battle Angel Alita Review

Alita: Battle Angel die beste Manga Umsetzung bisher?

Zwanzig Jahre hat es von James Camerons erstem Drehbuchversuch bis zum fertigen Alita Film gedauert. Nachdem das anfängliche Skript über mehrere Jahre brach lag, fand es durch eine glückliche Fügung seinen Weg in die Hände eines Fans. Aber ist dabei auch eine gelungene Adaption rumgekommen? Wir waren schwertschwingend und Cyborg-Karate-Kicks verteilend in erster Reihe mit dabei und berichten von unserem Eindruck. 

Was lange währt, wird endlich Alita?

Robert Rodriguez, bekennender Liebhaber des Ursprungsmanga von Yukito Kishiro, war es, der seinen Freund James Cameron schließlich privat nach dem Verbleib des Skripts fragte. Da Cameron seinerzeit (2014) aber schon mitten in den Vorbereitungen für Avatar 2 steckte, nahm er Rodriguez vorerst den Traum vom Alita Film. Schon seit Ende der 1990er hatten Fans des Manga auf die von Cameron angekündigte Umsetzung gewartet. Ursprünglich sollte Guillermo del Toro Regie führen. Sein persönliches Interesse an dem Material veranlasste Rodriguez letztlich, die unfertigen 60 Seiten Skript mitzunehmen und selbst zu überarbeiten. Nur einen Sommer später war aus dem, wie Rodriguez selbst beteuert, bereits fantastischen Skript, ein fast finales Drehbuch geworden.

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Bildquelle/ 20th Century Fox

1991 erschien der Manga Alita, beziehungsweise Gunnm im Original, und war zu gleichen Teilen ein Kind seiner Zeit, wie seiner Zeit voraus. In einer erwachsenen Heldenreise zeichnete Yukito Kishiro, vor dem Panorama dystopischen Cyberpunks, die Geschichte einer ungewöhnlichen Protagonistin.

Im Laufe der neun initialen Bände des Manga schwingt sich die fragil anmutende Cyborg Dame Alita, zu einer unvergleichlich starken und überaus nahbaren Heldin auf. Das vermeintliche Fliegengewicht begeisterte damals, gerade durch den emotionalen Tiefgang der Geschichte und den stellenweise außergewöhnlich reifen Umgang mit politischen und philosophischen Themen. Klar also, dass nicht alle Manga Fans bei der ersten Ankündigung von Cameron frohlockten.

Alita eine unmögliche Umsetzung?

Der emotionalen Wucht der Geschichte des tödlichen Cyborgmädchens auch auf der großen Leinwand gerecht zu werden, schien ein Ding der Unmöglichkeit. Die Dramaturgie und Charakterarbeit von 28 Bänden in einen Film zu pressen, erinnerte schmerzhaft an die Umsetzung von Stephen King’s Der Dunkle Turm und das Casting von Ed Skrein ließ vorrangig auf klassisch trashige Actionfilm-Stereotypen schließen.

Folgt Alita also dem Schicksal so vieler Anime und Manga Live-Action-Adaptionen oder tritt Robert Rodriguez in die bescheiden großen Fußstapfen von Sanders Ghost in the Shell – ja, kann er sie vielleicht sogar übertreffen?

Wegwerfgesellschaft

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Bildquelle/ 20th Century Fox

Alita spielt vorwiegend in den staubigen Straßen von Iron City, einem hoffnungslos überfüllten Hafen für alle Heimat- und Ziellosen. Die Bewohner der Eisenstadt leben, im ewigen Schatten der vermutlich letzten existierenden Sky City, Zalem.

Als Fabrikarbeiter und Landwirte produzieren die Bodenbewohner allerlei Güter, die mit Hilfe einer gigantischen Rohrpost nach oben gejagt werden. Im Austausch feuern die Menschen erster Klasse munter alle unliebsam oder unbrauchbar gewordenen Dinge durch einen großen Trichter in der Stadtmitte nach unten.

Seitdem der als „The Fall“ bekannte große Krieg, vor über 300 Jahren die allermeisten Sky Cities aus dem Himmel holte, ist jedweder menschlicher Austausch zwischen den Städten stark limitiert. Effektiv ist Iron City demnach zu einem bewohnter Schrottplatz degradiert.

Ein Herz für Schrott

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Bildquelle/ 20th Century Fox

Ein gutmütiger Kybernetik Wissenschaftler und Arzt, stolpert auf einem Streifzug durch eben jene bewohnte Schrottwüste über den mehr als ramponierten Torso einer ehemaligen Cyborg Superwaffe. Seiner Neugier und einem Impuls folgend baut der von Christoph Waltz gespielte Dyson Ido die junge Frau wieder zusammen. Den fast gänzlich zerrissenen Körper ersetzt er durch die Spezialanfertigungen, die einst seiner verstorbenen Tochter ihr Gehvermögen zurückgeben sollten.

Als Alita am nächsten Morgen ohne Erinnerungen im Haus des Docs erwacht, beginnt sie voll Staunen ein neues Leben. Mit Idos Hilfe entdeckt sie ihre Sinne und die ihr unbekannte Welt um sie herum neu. Doch ihre Erinnerungen sind nicht vollkommen verschüttet und so dauert es nicht lange, bis die zunächst unschuldige junge Teenagerin mit ihrer Vergangenheit in Kontakt tritt. Alita beginnt eine Reise des emotionalen Erwachsenwerdens, auf der sie Stück für Stück die Erinnerungselemente an ihre Kriegervergangenheit zusammenpuzzelt.

Obgleich Ido mehr über Alitas mysteriöse Vergangenheit weiß als er zunetzt durchblicken lässt, unterstützt er das Mädchen auf ihrem Weg. Schnell entspannt sich ein überzeugendes und natürlich wirkendes Verhältnis zwischen dem gutmütigen Ido und der Eponymen Alita. Gerade dank des gewohnt fantastischen Spiels von Waltz und der erfrischend, frech-naiven Art von Rosa Salazar wirkt keine emotionale Szene forciert, keine Vater-Teenager-Auseinandersetzung deplatziert.

Selbst ist die Cyborg

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Bildquelle/ 20th Century Fox

Getrieben von dem Wunsch, mehr über ihre Vergangenheit zu lernen, taucht Alita immer weiter in die dunklen Untiefen der korrupten Iron City ein. Trotz ihrer anfänglichen Unschuld und des kindlichen Staunens, geht auch an ihr die harsche Realität auf den Straßen der Schrottmetropole nicht vorbei. Empfänglich für die humanitären Grundwerte des Gutmenschen Ido, beginnt Alita sich gegen die Ungerechtigkeiten um sie herum zur Wehr zu setzen.

Sie bittet Ido sogar, sie auf seine nächtlichen Streifzüge durch die Straßen der Stadt mitzunehmen. Als Teil der lokalen Bounty Hunters erledigt Ido besonders übles Gesindel im Namen des ubiquitären Arbeitgebers der Fabrik. Anstatt einer echten Exekutive, unterstützt und monetisiert diese die örtliche Selbstjustiz. Willkürlich werden Kopfgelder verhängt, die wiederum von den sogenannten Warriors eingetrieben werden.

An die Rollschuh, fertig, los!

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Bildquelle/ 20th Century Fox

Um die Bewohner bei Laune zu halten, ruft der Handlanger der Fabrik Vector (Mahershala Ali) den örtlichen Volkssport Motorball ins Leben. Eine höllische Mischung aus Rollerderby und Gladiatorkampf, bei der die halb- bzw. vollmechanischen Wettstreiter eine halsbrecherische Rennbahn entlangkacheln. Erlaubt ist alles, was den hypnotisiert-drogenabhängigen Spektakelfans auch noch das allerletzte bisschen Endorphine aus den Drüsen kitzelt. Für den Gewinner der lokalen Championships winkt angeblich ein Ticket nach Zalem.

Wer nicht bei dem wahnsinnigen Volkssport auseinander gerissen wird, leidet an Drogenabhängigkeit oder wird von den lokalen Straßengangs für kostbare Ersatzteile zerpflückt. Das grausame Chaos auf den Straßen der Iron City wird vom Kleinganoven, bis hin zum organisierten Verbrechen durch Vector und Dyson Idos Ex-Frau Chiren (Jennifer Conelly), von einem finsteren Puppenspieler in Zalem orchestriert.

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Dem aufgeblasenen Grewishka macht Alita das Leben schwer./ 20th Century Fox

Alitas Auftakt ist mehr als furios. In einem mitreißenden Strudel aus unverbrauchten Designs und meisterlich platzierten Hinweisen, erschafft Rodriguez eine faszinierende Welt und den Aufbau für einen nerven kitzelnden Plot. Peter Jacksons Stamm-Designer Weta Digital zeichnen sich für die digitale Animation des Films verantwortlich und machen gerade den ersten Akt zu einem visuellen Spektakel. Vorwiegend in warmen, vibrierenden Farben gefilmt und in atemberaubend, knackigem 3D umgesetzt, entfachen Alitas erste Szenen ein sensorisches Feuerwerk, das noch durch den restlichen Film nachhallt.

Unzählige der insgesamt 1500 CGI-Shots sind fantastisch gelungen, von den unmöglich detaillierten Wide-angle-Aufnahmen Iron Citys, über Alitas erste Auseinandersetzung mit dem monströsen Cyborg Grewishka (Jackie Earle Haley). Die Voltron Variante von Popeye mit seinen geschwollenen Metall-Armen, wird derart schön von Alita auseinandergehackt, dass wir alle Nachfragen zu ihrer speziellen Kampftechnik der „Panzer Kunst“ sofort wieder vergessen haben.

Schau mir in die Augen! Alitas CGI Augen

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Bildquelle/ 20th Century Fox

Die wohl größte Herausforderung des Animation Departments stellten hingegen Alitas Augen dar. Mit über 13.000 einzeln animierten Effekten in jedem Exemplar, bilden die Augen des Cyborg Mädchens nicht nur das Fenster zu ihrer Seele, sondern eines der ambitioniertesten Animationsprojekte aller Zeiten.

Als Gefahr galt es hier den sogenannten „Uncanny-valley“-Effekt zu vermeiden. Erstmals von japanischen Robotic Wissenschaftlern genutzt, beschreibt der Begriff den ungewollt bizarren Punkt, an dem ein artifizieller Mensch zu sehr nach der echten Vorlage aussieht.

Zwar wurden Alitas große Augen selbst in der Manga Vorlage thematisiert, die von Kopf bis Fuß Motion gecapturete Rosa Salazar kann aber eben auch nur so viel tun, um ihre CGI-veränderte Performance organisch, in den sonst überwiegend menschlichen Cast einzupassen. Nichtsdestotrotz geht die ungewöhnliche Designentscheidung in den meisten Fällen recht gut auf und passt zu einem eigenwilligen und ungewöhnlichen Action-Streifen. Zwar gibt es die eine oder andere Szene, in der Alita aussieht als hätte man sie direkt aus dem Set eines Pixar Films mitgenommen, dafür brilliert die Animation in anderen Szenen mit noch nie dagewesenem Realismus.

Romeo vom  Schrottplatz

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Bildquelle/ 20th Century Fox

Doch so unvergleichlich, charmant und vielversprechend sich Alitas erster Akt präsentiert, so konfus und wirr wird die Geschichte im zweiten Teil des Films weitererzählt. Die unzähligen Plotstränge und Ambitionen, die Rodriguez und Cameron unbedingt in dem Film unterbringen wollten, überfrachten die 122 Minuten Laufzeit hoffnungslos. Der fantastische Wirbel, der uns in der ersten Hälfte noch wie der Gesang einer Sirene hat debil grinsend in den Film abtauchen lassen, nimmt in der zweiten Hälfte nur noch an Fahrt auf, ohne dabei aber Rücksicht auf seine Charaktere und die Zuschauer zu nehmen.

Der brillante Christopher Waltz und die feinfühlig inszenierte Beziehung zu Alita, wandern kurzerhand aufs Abstellgleis. Nur um Platz für die, von Stereotypen triefende, Beziehung zwischen Alita und dem Schrotthändler Hugo (Keean Johnson) zu machen. Die Romanze hatte schon in der Mangavorlage ihre Höhen und Tiefen, wirkt hier aber viel zu gehetzt und plump. Dabei hilft es auch nicht, dass Johnsons Hugo so schmalzig overacted daherkommt, dass er die meiste Zeit den Zahnpasta-Charme einer minderjährigen Boyband versprüht.

Wieviel Manga passt in einen Film?

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Bildquelle/ 20th Century Fox

Aber auch wenn das Charisma Vakuum Johnson der Handlung nicht gerade unbeholfen im Weg steht, rumpelt diese mit derartiger Geschwindigkeit voran, dass Neulingen der Reihe die Ohren schlackern. Alitas Erinnerungen an ihre Cyborg-Soldaten-Vergangenheit sind nicht ausreichend erklärt, ihre Motive nach Zalem zu gelangen mehr verschenktes Potential als tiefgreifend-emotional und nachvollziehbar. Auch die folgenden Plotpoints der Manga-Vorlage büßen einiges an ihrem philosophischen Potential und narrativer Finesse ein, da sie zumeist dazu verdammt sind, in Exposition Dumps auf den Schrottplatz geladen zu werden.

So gekonnt wie Rodriguez dem Schrottplatz seinen ganz eigenen lateinamerikanischen Charme aufgedrückt hat und sowohl Alitas Charakter als auch die Beziehung zu Ido fantastisch lokalisiert, so uninspiriert wirkt die Gruppe an Nebencharakteren um Hugo. Überwiegend wirken die wie eine Sammlung an Relikten aus einem Musikvideo Anfang der 80er Jahre. Diese Art von sklavischem Cyberpunk Kanon, war schon dem Ursprungsautor Kishiro Anfang der 90er zu platt und wirkt heute allemal redundant.

Battle Angel Alita läuft ab dem 14. Februar in den deutschen Kinos.

Fazit

Battle Angel Alita ist alles andere als ein runder Film, dessen Größe und Potential sich ständig in unzähligen Nebenhandlungen und überzogenen Ambitionen verfangen. Leider gehen dabei einige der philosophischen und interessanten Fragen des Ausgangsmaterials einfach im Actiontrubel unter. Dafür ist Alita ein außergewöhnlich-bizarrer Aktion Hurrikane, der trotz – oder stellenweise gerade aufgrund seiner Macken, zu keiner Zeit seinen elektrisierenden Sog auf uns verlor. Lange sind wir nicht mehr so bereitwillig und flüssig in eine fremde Welt mitgekommen und haben uns trotz des bekannten Cyberpunk-Settings zum Staunen einladen lassen. In seinen besten Momenten versetzt uns Alita Battle Angel in die kindliche Freude zurück, die wir beim Auspacken eines neuen Spielzeugs verspürt haben. Die vollen 122 Minuten Laufzeit fährt Alita mit durchgedrücktem Gaspedal, die Motorball Rennstrecke seiner herrlich überzogenen Sci-Fi Welt entlang. Zwar leidet der Film gewaltig unter den Ambitionen zweier Fans der Manga-Vorlage (James Cameron & Robert Rodriguez) , schafft es aber auch genau deswegen, vielerorts die Faszination des Original neu zu entfachen. Selten war eine Actionheldin so konsequent und überzeugend wie Salazars Alita, so gut wie nie hat auch ein überfrachter Plot noch so viel Magie entfesselt.

Gerade als wir dachten, das, wir das Blockbuster-Action-Kino aus Iron Mans kalten toten Fingern reißen müssten, bringt uns Rodriguez mit Battle Angel Alita einen unorthodoxen Wirbel eines Films, der zum Abschalten und Anschnallen einlädt. In jedem Fall solltet ihr den Streifen, wenn euch die Thematik zusagt, im Kino und in 3D sehen, denn so knackiges CGI gab es schon lange nicht mehr.

Battle-Angel-Alita-Dropkick-Grewishka-Kampf

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