Lohnt sich Kino: Bauernopfer – Spiel der Könige

Lohnt sich Kino Bauernopfer - Spiel der Könige

Tobey Maguire ist Bobby Fischer, ehemaliger Schachweltmeister.

Der Kalte Krieg tobt auf einem Schachbrett. So zumindest die Prämisse von Bauernopfer – Spiel der Könige (OT: Pawn Sacrifice). In dem knapp zweistündigen Thriller rund um das Spiel der Könige wird uns der Aufstieg des einstigen Schachweltmeisters Bobby Fischer demonstriert und wie der Sport sein Privatleben affiziert hat. Ob sich der Kinobesuch lohnt, verraten wir euch jetzt.

Wir schreiben das Jahr 1951: Als der kleine Bobby Fischer eines Nachts nicht schlafen kann, greift er zum Schachbrett und spielt gegen sich selbst. Seine Leidenschaft für das Schachspielen könnte kaum größer sein. Deshalb dauert es nicht lange und der Junge spielt sich in die professionelle Schiene hoch, wo er gegen Konkurrenten antritt, die doppelt und dreifach so alt sind wie er. Bereits als Dreizehnjähriger erlangt er Bekanntheit in der Öffentlichkeit durch die Partie des Jahrhunderts, die er gegen Spitzenspieler Donald Byrne gewinnen kann. An seine Seite gelangen der patriotische Anwalt Paul, der als sein Manager fungiert und Pater Bill, der die Rolle seines persönlichen Coachs annimmt. Der Weg nach ganz oben ist jedoch mit mentalen Krankheitszuständen gepflastert. Aufgrund des Kalten Krieges wird der Kampf um den Weltmeistertitel für die USA gleichzeitig zu einem politischen Wettkampf, doch ist es viel weniger der Druck der Bobby zu schaffen macht, sondern die permanenten Wahnzustände. Mit der ständigen Angst, von den Russen abgehört zu werden, wächst seine Paranoia und nagt an seiner psychischen Verfassung. Durch seinen größenwahnsinnigen Ehrgeiz angetrieben, strebt Bobby nur noch eins an – den Weltmeistertitel. Diesen gilt es dem Russen Boris Spasski abzunehmen. Ein von zwei Schachspielern ausgetragenes Psychospielchen beginnt, welches zugleich für einen Kampf der Nationen steht.

Lohnt sich Kino Bauernopfer - Spiel der Könige

Liev Schreiber gibt uns hingegen den vornehmen Russen Boris Spasski.

Bauernopfer ist ein klassisches Biopic, das zu einem Thriller hochstilisiert wurde. Dabei konzentriert sich Regisseur Edward Zwick eher weniger auf das Spiel an sich, sondern auf den mentalen Anspruch und auch Verfall der Spieler. So wird die Partie nicht etwa aufgrund von technischen Problemen unterbrochen, sondern aufgrund von Boris Spaski (Liev Schreiber), der seltsame konzentrationsmindernde Schwingungen in seinem Stuhl spürt. Bobby Fischer (Tobey Maguire) hingegen hat buchstäblich mit der Medienlandschaft zu kämpfen. Er schmeißt den Fernseher seines Hotelzimmers nicht etwa aus dem Fenster, weil er dem zeitgemäßen Lebenstrend der Rockstars nachgeht, sondern weil er sich durch den Bildschirm beobachtet fühlt. Genialität hat eben ihren Preis.

Zwar handelt es sich bei Bauernopfer nicht um einen klassischen Feel-Good-Movie, doch wird der Aufstieg von Bobby immer wieder mit popkulturellen Soundtracks der damaligen Zeit untermalt, bei denen man nicht anderes kann als mit dem Schachexperten mitzufiebern. Stilistisch stark kontrastiert werden diese Erfolgsmomente von Bobbys einsamen Nächten in den schlecht beleuchteten Hotelzimmern, in denen er Telefone auseinanderschraubt, sodass ihn nicht einmal der Präsident erreichen kann. Das finstere Bild der Leinwand spiegelt in diesem Moment seinen inneren Zustand wieder.

Lohnt sich Kino Bauernopfer - Spiel der Könige

Das Duell zwischen Fischer und Spasski ging als Match des Jahrhunderts in die Geschichtsbücher ein.

Doch ist der glaubhafte Zerfall der Mentalität nicht nur der Inszenierung Zwicks gutzuschreiben, sondern vielmehr der hervorragenden Darstellung Maguires. Dieser läuft hier mal wieder in Bestform auf und lässt seinen inneren Soziopathen raushängen, der von den Medien im Film nicht zu Unrecht als arrogant beschrieben wird. Liev Schreiber gibt einen ebenso guten Boris Spasski ab, den häufig ähnliche Probleme wie seinen direkten Konkurrenten plagen. Zwar liegt der Fokus der Handlung auf Bobby, doch Boris wird von ähnlichen Problemen wie sein Konkurrent geplagt, sodass beide sowohl Eigenschaften eines Helden als auch eines Anti-Helden besitzen und eine schlichte Einordnung von Gut und Böse hier vergeblich wäre. Michael Stuhlbarg macht ebenfalls einen tollen Job in seiner Nebenrolle als Anwalt Paul Marshall. Dieser stellt sich in den ersten Sekunden sofort als Patriot höchster Ebene dar und wird von Stuhlbarg wunderbar als zwielichtiger Charakter portraitiert, bei dem man sich nie ganz sicher sein kann, ob er denn jetzt wirklich Bobbys Freund ist oder nur einen persönlichen Nutzen für sich selbst rausschlagen möchte.

Wer denkt Schach sei langweilig, der sollte unbedingt in die nächste Vorführung stürmen. Zwar opfert der Film die Spannung der finalen Partie aufgrund des historisch bekannten Ausgangs, doch dafür kann mit der schauspielerischen Leistung, dem Einsatz der Musik und den interpretativen Bildern brilliert werden. Bauernopfer bietet euch Gesprächsstoff – nicht nur über das Thema Schach, sondern auch über die Geisteshaltung des Menschen. Wenn ihr also Diskussionsbedarf verspürt, ist dieser Film genau das richtige für euch. Von uns gibt es also eine klare Empfehlung.

Lohnt sich Kino: The First Avenger – Civil War Test: Ratchet & Clank (2016)
Comments