Lohnt sich Kino: Deadpool 2

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Das Superhelden-Jahr 2018 ist in vollem Gange und hat uns mit Black Panther und Avengers: Infinity War gerade zwei absolute Perlen des Genres geliefert. Das Pulver für die kommenden Monate hat Marvel jedoch noch lange nicht verschossen. Nach epochaler Weltenvernichtung und einem Handschuh voller Steinchen ist es nun wieder Zeit für die unflätige One-Man-Show in schwarz-rotem Spandex. Deadpool 2 startet am 17. Mai in die deutschen Kinos und hat geladene Knarren, ein tödliches Mundwerk und einen ganzen Haufen entbehrlicher Sidekicks mit im Gepäck. Was wir davon halten, lest ihr hier.

Deadpool 2: Ausbildung bei den X-Men

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Wade Wilson (Ryan Reynolds) ist der glücklichste Mann, den man sich vorstellen kann. Gerade hat ihm seine Freundin Vanessa (Morena Baccarin) offenbart, dass ein kleiner Deadpool in ihrem Bauch heranwächst und den entstellten Superhelden wider Willen schon bald zum Vater eines Kindes machen wird. Während die beiden noch um den Namen des Babies streiten, läuft die Situation plötzlich aus dem Ruder.

Deadpool ist erneut gezwungen, sein ziviles Leben aufzugeben, um die Verantwortlichen zur Strecke zu bringen. Doch dieses Mal geht es nicht um Selbstjustiz – zumindest nicht immer. Stattdessen legt es die verbale Dreckschleuder darauf an, mit seinen Kräften Gutes zu tun. Er wendet sich an Colossus (Stefan Kapicic), sein alter Weggefährte und einer der X-Men, um gemeinsam mit alten Freunden und neuen Sidekicks für Gerechtigkeit einzustehen. Schnell stellt sich allerdings heraus: Mit guten Taten hat es Deadpool nicht so.

Als er jedoch auf den jugendlichen, außer Kontrolle geratenen Mutanten Russel (Julian Dennison) trifft, erkennt der Superheld in Ausbildung sofort: Wenn er den Jungen retten kann, steckt vielleicht doch ein halbwegs guter Mensch unter seiner missgestalteten Haut. Problem dabei: Deadpool ist nicht der einzige, der ein Interesse am Schicksal des Waisen hegt. Auch Cable (Josh Brolin), ein Supersoldat aus der Zukunft, ist auf der Suche nach Russel. Kann Wade seinen neuen Schützling vor dem lodernden Zorn des bis an die Zähne bewaffneten Cable bewahren?

Ein Team voller Humorgranaten

Lohnt sich Kino: Deadpool 2-Bild2Zwei Dinge, an denen die letzten Ableger des MCU immer wieder zu knabbern hatten, meistert Deadpool 2 wie schon sein Vorgänger mit Bravour. Zum einen schafft es der Film über seine Laufzeit von 119 Minuten, durchgehend für schallende Lacher zu sorgen. Denn auch der zweite Teil hat es wieder eiskalt auf sämtliche Superhelden der Film- und Comicgeschichte abgesehen und nimmt diese locker flockig mit fantastisch geschriebenen Punchlines vom rot-schwarzen Rächer auf die Hörner.

Da wäre natürlich Hugh Jackman als Wolverine, der in seinem letzten Streifen genau das geschafft hat, was Deadpool ums Verrecken nicht hinbekommt, nämlich wirklich zu verrecken. Oder aber Ryan Reynolds selbst, dessen Karriere-Entscheidungen immer wieder Anlass für pointierte Sticheleien geben – Stichwort: Green Lantern. Deadpool 2 ist genau so derb, direkt und clever in seinen Anspielungen und Cameos wie sein Vorgänger und treibt euch immer wieder die Tränen in die Augen vor Lachen. Natürlich durchbricht der Streifen die vierte Wand wieder schamlos

Nicht zuletzt deshalb, weil Wade Wilson urkomische Unterstützung in Form der X-Force castet. Mit dem cholerischen Bedlam (Terry Crews), seinem Hausbarkeeper Weasel (T.J. Miller), Peter (Rob Delaney) oder der „glücklichen“ Domino (Zazie Beetz) hat Deadpool ein starkes Team entbehrlicher Sidekicks dabei, die gerne einspringen, wenn dem Schlitzer mit der flinken Zunge gerade keine rotzfrechen Sprüche einfallen. Ganz besonders Domino spielt sich mit ihrer Heldenfähigkeit, dem Glück, in den Vordergrund. Kreativer Einsatz von kreativen Skills: Deadpool 2 liefert!

Marvel und die Fallhöhe

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Der zweite Punkt, mit dem Deadpool 2 sich von der hauseigenen Konkurrenz abhebt, ist die emotionale Bindung zum Helden. Im ersten Moment klingt das vielleicht lächerlich, aber wo Avengers: Age of Ultron oder Captain America: Winter Soldier uns mit Situationen und Charakteren zurückließen, die sich seit drei Filmen nicht einen Milimeter verändert haben, schafft Deadpool eine emotionale Fallhöhe, die bitter ersehnte Charakterentwicklung möglich macht.

Der Streifen packt unseren unflätigen Helden an der einzigen Stelle, wo er verwundbar ist: Seinem emotionalen Umfeld. Deadpools Beziehung zu Russel und Vanessa, so locker er sie auch nimmt, hat unser Nerd-Herz mehr gepackt als jeder ungelöste Konflikt zwischen Tony Stark und Steve Roger. Dank Glanzleistungen von Ryan Reynolds und dem jungen Julian Dennison, der am Anfang einer großen Karriere steht, wirkt das Ganze nicht aufgesetzt, sondern auf schräge Art und Weise entwaffnend ehrlich. Vor der eigentlichen Haupthandlung kündigt DP höchstpersönlich an, dass es sich beim Sequel um einen Film rund um das Thema Familie handelt. Der Mann der verbalen Entgleisungen sollte Recht behalten.

Action ohne Konsequenzen

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Letztlich ist und bleibt Deadpool 2 allerdings ein Marvel-Produkt und ein typischer Superhelden-Flick. Es fliegen reichlich Körperteile durch die Gegend, die Kampfszenen sind bis in die letzte Einstellung kreativ und innovativ umgesetzt und selbst das monströs schlechteste CGI-Duell der Filmgeschichte ploppt euch die Augen aus dem Kopf, so humorvoll ist es inszeniert. Schade nur, dass Deadpool 2 vieles, was den Film einzigartig und sehenswert macht, mit ein paar Kleinigkeiten einreißt und nichtig macht.

Da wäre zum Beispiel eine der Post-Credit-Scenes, dank der die vergangenen 120 Minuten innerhalb von 15 Sekunden ad absurdum geführt werden, völlig unkommentiert und ohne größeren Bezug zum MCU im Ganzen. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die schier unendliche Menge an McGuffins, mit denen Regisseur David Leitch zu arbeiten hatte. Ein Beispiel ist hier die Zeitmaschine im Taschenformat, welche der sonst so vorlaute Deadpool nicht mit einer Silbe auch nur zu erwähnen wagt, da sie der Geschichte sogar schadet, anstatt ihr zu dienen. Sie bringt die Handlung kurzfristig in Gang und birgt das Potenzial, sie gleich wieder einstürzen zu lassen. Um Deadpool zu zitieren: „That’s just lazy film making!“

Fazit

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Deadpool 2 ist eine Fortsetzung, die es fast schafft, an die Qualität des Vorgängers heranzukommen. Die Geschichte rund um Familie, Verantwortung, die X-Force und was es heißt, ein Held zu sein, feuert ein Gag-Gewitter ab, das bis in die Zukunft hallt und den hervorragend gecasteten Josh Brolin als Cable an der Stirn trifft. Doch nicht nur er bekommt sein Fett weg. Deadpool feuert wieder in alle Richtungen, sei es mit messerscharfen verbalen Entgleisungen oder entgleisenden Messern. Der Film fährt in 119 Minuten ein wahres Arsenal neuer Helden und Superkräfte auf, um dann blutig auszusortieren und nur diejenigen mit Potenzial in den finalen Showdown zu schicken. Das Ganze ist zum Schießen komisch, packt den unbeschwerten Helden jedoch auch an seiner verletzlichen Stelle. Schade: Im Grunde ist Deadpool 2 wie Deadpool nur mit etwas weniger Deadpool. Ansonsten alles wie immer: England obsiegt, Marvel liefert!

Deadpool 2 startet am 17. Mai in die deutschen Kinos

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