Lohnt sich Kino: Disney’s Aladdin (2019) – Filmkritik

Zwischen dem Zeichentrickfilm und der Realverfilmung liegen 17 Jahre

„Das kann nur ein Traum sein.“ – „Meister, ich glaub du begreifst nicht, mit wem du’s hier zu tun hast. Also mach dir’s bequem, damit dieses „Wem“ etwas Licht in die Sache bringt.“ Dieses Zitat ist eines von vielen, das die Herzen von Fans der Aladdin-Verfilmung hochschnellen lässt. Der Zeichentrickfilm von 1992 hat zwei Oscars abräumen können; die Realverfilmung von Aladdin, welche am 23.05.2019 in die deutschen Kinos einzieht, tritt wahrlich in große Fußstapfen. Kann die amerikanische Adaption die Erwartungen erfüllen oder fehlt eine gewisse… Magie?

Nah am Original

Der titelgebende Held der Realverfilmung wächst arm und elternlos auf, sodass er mit trickbetrügerischer Fasson seinen Lebensunterhalt sichern muss. Trotz kriminellem Werdegang wird dem Zuschauer schnell bewusst, dass Aladdin (Mena Massoud) ein ehrbarer und herzensguter Zeitgenosse ist. Auf einem seiner diebischen Streifzüge lernt er Prinzessin Jasmine (Naomi Scott) kennen, die sich verkleidet und unter falschem Namen unters Volk mischt, um von deren Klagen zu erfahren. Unter widrigen Umständen wird Aladdin in den Palast-Kerker verfrachtet und unter falschem Vorwand von Großwesir Dschafar (Marwan Kenzari) befreit. Dieser verlangt als Gegenleistung die Bergung einer Öllampe aus einer nicht gerade vertrauenserweckenden Höhle. Da Aladdin die Motive des machtversessenen Antagonisten erkennt, behält er die Lampe für sich und lernt den mächtigen Dschinni (Will Smith) kennen. Die Grundgedanken des Films drehen sich wie schon im Original um Liebe, Freiheit, Macht und Verantwortung. Und auch sonst bleibt das Fantasy-Musical in Sachen Musik, Stimmung und Charakterzeichnung nah an der ursprünglichen Inszenierung. Schauen wir uns das mal genauer an.

Die Anlehnung ans Original ist unverkennbar

Soundtrack: Ein Traum wird wahr?

Bereits die Erstverfilmung legte ganz nach Disney-Manier viel Wert auf die musikalische Untermalung des Märchens aus 1001 Nacht. Allein das Lesen der Songtitel „Arabian Nights“, „Friend Like Me“ und „A Whole New World“ bringt die Lieder in Gänze in unsere Köpfe; eingehendem Rhythmus und melodisch-melancholischem Unterton sei Dank. Aus diesem Grund freuen wir uns insbesondere darüber, dass nicht wenige altbekannte Lieder (natürlich etwas modernisiert) ihren Weg auf die gegenwärtige Leinwand fanden.

Will Smith macht eine gute Figur als Dschinni

Verantwortlich für den Soundtrack ist zum einen Alan Menken, der schon 1992 für die musikalische Tiefe sorgte und zum anderen der Komponist Benj Pasek, der La La Land mitgestaltete. Menken und Pasek, beiderseits oscarprämiert, vollführen den Drahtseilakt zwischen Originaltreue und Eigeninterpretation mit Bravur. Zudem liefert auch Will Smith, der bereits in früheren Auftritten (Prinz von Bel Air) sein Rap-Talent bewies, ordentlich ab. Bei der Umsetzung des berühmten Songs „Friend Like Me“ kommen wir aber nicht umhin, an den Original-Synchronsprecher Robin Williams zu denken, der damals eine sagenhafte Interpretation ablieferte. Will Smith muss sich mit seiner Performance aber auch nicht verstecken.

Herzerwärmender Bollywood-Flair

Finden Jasmin und Aladdin in der neuen Adaption zusammen?

In der arabischen Stadt Agrabah dominieren warme und bunte Farben und untermalen auf diese Weise stilecht die märchenhaften und surrealen Elemente der Story. Szenen, die in anderer Form als übertrieben einzustufen wären, passen wunderbar ins Bild. Obwohl beispielsweise die Einkehr Aladdins in den Palast, die von einer pathetischen Parade begleitet wird, unweigerlich an Bollywood-Streifen erinnert, wirken solcherart Szenen keineswegs aufgesetzt oder fehlplatziert.

Der Cast: fantastisch phantastisch

Regisseur Guy Ritchie setzt im Cast auf eine bunte Mischung. Mit Will Smith bringt er einen populären Schauspieler ans Set, der spürbar für seine Darbietung brennt. Ritchie setzt nicht nur musikalisch aufs richtige Pferd, sondern hat mit Will Smith jemanden gefunden, der Dschinnis besondere und markante Charakterzüge authentisch umsetzt. Ebenfalls trifft die Wahl der Prinzessin ins Schwarze: Naomi Scott wirkt unerschrocken und königlich zugleich. Allen voran kaufen wir ihr die Emotionen ab und hoffen, in Zukunft noch mehr von ihr zu sehen. Der Kanadier Mena Massoud sticht mit seiner schauspielerischen Leistung zwar nicht ganz so heraus wie Smith und Scott, bietet aber dennoch eine stabile Performance. Außerdem kommt er rein äußerlich nah an das animierte Vorbild heran.

Aladdin und Dschinni werden nach und nach Freunde

Unser ganz persönlicher und heimlicher Favorit ist aber der Prinz, der mit Prinzessin Jasmine verheiratet werden soll. Schauspieler Billy Magnussen besticht mit seinem Humor, der sich aus seinen humoristischen Textzeilen, einem kuriosen Dialekt und einer skurrilen Tanzdarbietung zusammensetzt. Etwas enttäuscht hat uns die Darstellung des Bösewichts Dschafar. Rein äußerlich scheint Marwan Kenzari auf die Rolle wie zugeschnitten, einen authentischen Bösewicht gibt er dennoch schwerlich ab.

Dschafar macht als Antagonist eine mäßig gute Figur

Erste Kritiker-Stimmen

Summa summarum sprechen sich Kritiker positiv über die Neuverfilmung aus. Dass ein solcher Konsens für Disney-Neuverfilmungen keine Selbstverständlichkeit ist, beweist der erst kürzlich veröffentlichte Klassiker Dumbo. Die Journalisten, die vor allen anderen in den Genuss des Films kommen durften, prämierten das musikalische Abenteuer und konnten allein auf der technischen Seite leichte Defizite erkennen. So lasse das CGI Dschinni mehr schlecht als recht aussehen. Einige Kritiker heben die Leistungen von Naomi Scott und Mena Massoud hervor, wohingegen die Schauspielkünste von Marwan Kenzari – wie bei uns – weniger gut abschnitten. Will Smith fülle hingegen die Rolle des Flaschengeistes voll und ganz aus. Auch der Film an sich kam bei (beinahe) jedem sehr gut an.

Fazit

Die neuste Disney Verfilmung bleibt hinter den hoch gesteckten Erwartungen nicht zurück, übertrifft sie an mancher Stelle gar. Der Soundtrack ist sensationell und versetzt uns in Kindheitserinnerungen, nicht zuletzt wegen der großen Nähe zum Original. Guy Ritchie bewies bei der Wahl des Casts ein gutes Händchen, bis auf wenige Ausnahmen überzeugen die Schauspieler mit ihrer authentischen, ungezwungenen Art. Dieser aufgefrischte Animationsklassiker wird sicherlich die ganze Familie begeistern. Dass die Story nicht allzu komplex ist, fällt dabei nicht wirklich negativ ins Gewicht.

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