Lohnt sich Kino: Killer’s Bodyguard

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Eine Buddy-Komödie mit jeder Menge Action und ganz ohne Buddies – das verspricht der neue Film von Patrick Hughes. Mit Samuel L. Jackson und Ryan Reynolds hat sich der Regisseur deshalb zwei absolute Action-Profis mit an Bord geholt und brennt in Killer’s Bodyguard ein Feuerwerk an Verfolgungsjagden, Schusswechseln und markigen Sprüchen ab, das sich gewaschen hat. Was der Film abseits von Explosionen und One-Linern noch so unter der Haube hat, haben wir vorab für euch herausgefunden.

Roadtrip der etwas anderen Art

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Die Geschichte von Killer’s Bodyguard ist schnell erzählt. Der weißrussische Diktator Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) steht aufgrund seiner Verbrechern gegen die Menschlichkeit vor Gericht. Sein Prozess soll im niederländischen Den Haag stattfinden, doch der einzige Kronzeuge, welcher noch nicht den Machenschaften des seelenlosen Despoten zum Opfer gefallen ist, sitzt in einem britischen Gefängnis: Der titelgebende Auftragskiller Darius Kingcaid (Samuel L. Jackson) Zunächst wird Interpol mit der Überführung betraut. Als beim Transport des Profi-Assassinen jedoch so einiges schief läuft, tritt der ehemalige Top-Bodyguard Michael Bryce (Ryan Reynolds) auf den Plan und will den Schwerverbrecher auf eigene Faust in den Zeugenstand schleppen. Ein wilder Trip durch Europa beginnt, bei dem Killer und Bodyguard ihre Differenzen beiseite legen müssen, um zu überleben.

Ein ungleiches Paar

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Die absurde Paarung verspricht nicht nur jede Menge Konflikte, sondern auch völlig überzogene Action-Sequenzen mit abgedrehtem Humor. Während der selbsternannte Personenschützer mit 1A-Wertung nämlich gern nach Vorschrift und nach dem Motto „Langweilig ist immer am besten“ vorgeht, löst der vergnügte Attentäter seine Probleme lieber mit einem großen Knall, seinen Fäusten oder einem lockeren Mundwerk. Die Spannung zwischen den Charakteren ist in jeder Szene förmlich zu schmecken, wenn sie die Vorgehensweise des jeweils anderen in herrlich expliziten und witzigen Dialogen auseinanderpflücken. Soviel können wir vorab verraten: Was immer Samuel L. Jackson tut, er tut es mit einem gepflegten „Motherfucker“ auf den Lippen.

Abseits ihres gemeinsamen Ziels verbindet die beiden schrägen Vögel vor allem eins: Die Liebe. Kingcaid hat sich auf einen Deal mit Interpol eingelassen und sagt nur deshalb gegen den osteuropäischen Diktator aus, um seine Frau Sonia (Salma Hayek) aus dem Gefängnis zu holen. Er kämpft sich sogar durch das belebte Amsterdam, um seiner Herzensdame, mit einem ebenso losen Mundwerk ausgestattet, Blumen zu bringen. Bryce hingegen ist so pflichtbewusst und versteift auf seine Karriere, dass er zu keiner Beziehung mit einer Frau fähig ist und selbst seine große Liebe, die gescheiterte Interpol-Agentin Amelia Rouseel (Elodie Yung), verstoßen hat. Zu den gegenseitigen Sticheleien gesellt sich im Verlaufe des Films also auch immer eine Prise verklärter Romantik.

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Das flotte Hin und Her zwischen den beiden Top-Stars macht dabei aus einem Actionfilm im 0815-Schema eine wirklich unterhaltsame Buddy-Komödie. Besonders Ryan Reynolds, den man ja eher als vetrottelten Witzbold kennt, macht seine Sache als etwas weniger vetrottelter Spießer enorm gut und überlässt seinem Partner die großen One-Liner. Samuel L. Jackson hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als lockerer Hitman und hat vom Regisseur jegliche Freiheiten bekommen, um einen Charakter zum Leben zu erwecken, den wir alle lieben werden. Im nächsten Moment zeigen sich beide allerdings schon wieder als absolute Routiniers und sorgen auch bei Action-Fans für gute Laune.

Action-Feuerwerk ohne Fundament

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Auf dem Weg nach Den Haag sind  ständigen Angriffen von Dukhovichs Schergen ausgeliefert, sei es mitten im städtischen Manchester oder aber im wortwörtlich tiefsten Kuhkaff. Doch auch Interpol hat ein Wörtchen mitzureden und versucht den verloren gegangenen Killer und seinen Bodyguard wieder einzufangen. Diese actionreiche Dreiecksbeziehung findet ihren Höhepunkt in einer Verfolgungsjagd durch die Grachten und Gassen Amsterdams. An Schauplätzen, Gefährten und Waffen fährt Patrick Hughes hier wirklich alles auf, was das Hollywood-Arsenal zu bieten hat und bringt ein wahres Feuerwerk auf die Leinwand. Leider hat er dabei vergessen, den Schauwerten auch das nötige Fundament zu verschaffen. Die Action von Killer’s Bodyguard sieht bombastisch aus, doch es fehlt ihr an Wucht und Spannung.

Nur in wenigen Szenen schafft es der Film, die Action auch beim Zuschauer wirken zu lassen. Selten hat man das Gefühl, den Schlag selbst zu spüren, selbst vor einer Explosion zu stehen oder selbst vom Hausdach zu springen. Das liegt vor allem am durchschnittlichen Sounddesign, bei dem durchaus noch eine Schippe hätte draufgelegt werden können. Zwischendurch wird die Action mit Rock-Klassikern oder Elektro-Sounds aufgelockert, doch die Kampfsequenzen hätten gern lauter und wuchtiger ausfallen dürfen.

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Darüber hinaus fehlt es den Action-Sequenzen ein wenig an emotionaler Fallhöhe. Bryce und Kingcaid sind nämlich so gut in ihrem Job, dass die blassen osteuropäischen Handlanger des charismatischen Despoten nurmehr wie Pappfiguren wirken, die den blutigen Weg der beiden kreuzen. Ähnlich chancenlos sind auch die Interpol-Agenten. Lediglich der Obermotz höchstpersönlich wagt es, dem Killer und seinem Bodyguard ein wenig mehr ihrer Fähigkeiten abzuverlangen. Diesen kleinen Makel wollen wir einem Film allerdings nicht anlasten, der sich ohnehin zu keiner Sekunde selbst ernst nimmt und stattdessen seichte Action in den Vordergrund rückt. Diese Action ist wenig innovativ, aber unglaublich spaßig mit anzusehen.

Fazit

Killer’s Bodyguard ist der perfekte Film für einen Männerabend mit Bierchen und Chips. Die seichte Buddy-Komödie trumpft dabei mit witzigen Dialogen und One-Linern auf, die ihr noch Wochen später zitieren könnt und liefert euch solide Action mit zwei vergnügt aufspielenden Top-Stars. Sucht ihr hingegen ein anspruchsvolles Kinoerlebnis mit einer durchdachten Geschichte und Charakteren, seid ihr bei Patrick Hughes neuestem Streich leider an der falschen Adresse. Wer zwei Stunden lang abschalten und genießen will, wird mit dem Streifen jedoch eine Menge Spaß haben – wir hatten es jedenfalls.

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