Lohnt sich Kino: Lost River – Filmkritik

Lohnt sich Kino: Lost River – FilmkritikEs ist eine dunkle Dystopie. Ein Endzeitszenario. Der Zerfall einer einst blühenden Stadt. Das Zerplatzen hochtrabender Träume. Ein verworrenes Märchen. Das Unglück in Bildern. Und leider auch ein unglückliches Filmdebut von Ryan Gosling. Verloren ist nicht nur die Stadt mitsamt ihrer letzten Bewohner. Obgleich unglaublichen Potentials, kommt leider auch Lost River in seiner Gesamtheit als Kunstwerk sehr verloren daher. Gosling hatte übertriebene Ambitionen, eine große Vision, leider nicht genug Erfahrung und wahrscheinlich niemanden, der nein zu ihm sagen wollte.

Der verlorene Fluss

Lost River ist ein Märchen über die Zerstörung des amerikanischen Traums. Geboten wird uns eine Stadt am Rande des totalen Zusammenbruchs. Die meisten Menschen sind bereits gegangen. Niemand kommt zurück. Wir verfolgen die Geschichte von Mutter Billy (Christina Hendricks), die versucht in dieser verlassenen Welt, den Kredit für ihr Haus abzubezahlen und sich auf makabere Weise prostituiert. Sie verkauft ihren Körper nicht für lustvollen Sex sondern Gewalt. In das skurrile Untergrund-Milieu wird sie von Eva Mendes, dem Star der kolossalen Einrichtung, eingeführt. Auf der Bühne wird ihr applaudiert, bevor sie mehrmals mit einer Reihe von Messerstichen abgestochen wird. Blut gibt es reichlich, aber das ist natürlich alles nur für die Show inszeniert. Billy steht auf der Bühne und schneidet sich ihr eignes Gesicht weg. Die Männer sind begeistert. Im Keller befindet sich eine andere Form von Brutalität. Vergewaltigungs-Kapseln, in denen die Frauen stehen, eingeschlossen, mit vorgetäuschter Sicherheit, während der Mann sie außerhalb der Kapsel malträtieren.

Billy ist Mutter eines Kleinkindes, das de facto nur bruchstückweise zu sehen ist. Wichtiger ist ihr Sohn namens Bones (Iain De Castecker), der sich typisch für sein Teenager-Alter in die Nachbarin Rat (Saoirse Ronan) verliebt, die ihren Namen trägt, weil sie eine zahme Ratte ihren besten Freund nennt. Unten im Keller haust ihre Großmutter (Barbara Steele), die nur noch katatonisch im Sessel sitzt und auf den Fernseher starrt. Mit dem Charakter Bully (Matt Smith) kommt ein Bösewicht ins Spiel, der die Gunst der Stunde nutze und die verlassene Stadt zu seinem Eigentum deklarierte. Er und Bones gehen ganz klar nicht konform. Etwas, das ebenfalls nicht konform geht, ist das Mysterium, in das die dunkle Fabel eingebunden ist. Ein Fluch. Bones findet eine Straße, die ins Wasser führt. Aus dem Wasser schauen Laternen heraus. Die Überreste einer gefluteten Stadt. Lost River wird nicht geflutet. Dafür steht es in Flammen. Bones muss den Fluch besiegen, damit es zu einem flammenden Happy End kommt.Lohnt sich Kino Lost River – Filmkritik (1)

Das ging grandios daneben

Wir werden erschlagen mit düsteren Bildern, einer Geschichte, die nicht richtig erzählt wird, Charakteren, von denen wir uns wünschen, dass sie namenlos wären, denn kein Name wäre besser als die, die sie tragen. Der Soundtrack ist genial, aber genauso übertrieben wie die uns erschlagenden Bilder und die ungezählte Geschichte.

Ryan Gosling wirft mit wahnsinnig viel Potential um sich, schafft es aber leider nicht, das Ganze zu einem abgerundeten Werk zusammenzuführen. Alle guten Ansätze gehen in der Masse leider verloren. Das ist traurig, weil der Film eines aber trotz all der Kritik und Fehler dennoch ist: Er ist ambitioniert und schön anzusehen. Zwischendurch sind wir begeistert und schockiert, mitgenommen und fasziniert. Das ist der Punkt, auf den ich hinaus möchte. Du weißt nicht, ob du den Film gut oder schlecht finden sollst, weil er von beidem massig hat. Dieser Film ist etwas für einen Abend, an dem wir auf der Couch das unerwartete Abenteuer suchen. Fürs Kino lohnt es sich leider nicht.Lohnt sich Kino Lost River – Filmkritik (2)

Für alle Ryan Gosling und Dystopie Fans würde ich das Ganze auf jeden Fall empfehlen. Aber nur daheim und wenn ihr tatsächlich versteht, auf was ihr euch da gerade einlasst. Sonst könnte es nämlich passieren, dass ihr passend zum Titel auch verloren geht.

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