Lohnt sich Kino: Nerve

NerveWie weit würdest du für einen bestimmten Geldbetrag gehen? Wie stark lässt du dich von den alltäglichen Medien beeinflussen? Wie viel ist dir deine Würde wert? Diese und weitere Fragen stellt uns Nerve, der neuste Film des Regie-Duos Henry Joost und Ariel Schulman. Ob uns der medienkritische Thriller unterhalten und von seiner Message überzeugen konnte, das erfahrt ihr jetzt.

Let´s Play Nerve

Die leicht verschüchterte Vee (Emma Roberts) lebt das normale Leben einer heranwachsenden jungen Frau, bis sie eines Tages von ihrer Freundin Sydney (Emily Meade) auf ein Internetspiel namens Nerve aufmerksam gemacht wird.

Dabei wählt man zunächst seine Rolle aus und muss sich demnach für die Seite der Watcher oder der Player entscheiden. Als Watcher fällt man in die passive Rolle des Zuschauers und muss alle 24 Stunden 20$ bezahlen. Als Spieler hingegen erwarten einen gewisse Aufgaben, die einem nach und nach mehr Geld in die Tasche spülen. Die einzigen 3 Regeln lauten: 1. Filme deine Aktionen, 2. Du darfst nicht scheitern und 3. Erzähle niemandem von Nerve. Die besten Spieler treten dann im Finale gegeneinander an, wobei auf den Gewinner eine saftige Siegesprämie wartet.

So entschließt sich Vee nach vorläufigem Zögern, als Spieler an Nerve teilzunehmen und erhält als erste Aufgabe ins nahe gelegene Diner zu fahren und dort eine fremde Person auf die Lippen zu küssen. Ihr „Opfer“ ist der junge Ian (Dave Franco), der selbst ein Spieler von Nerve ist.

Nach ihrer ersten Aufgabe erhält Vee ihr Preisgeld und die mysteriösen Verantwortlichen hinter Nerve wollen, dass sie zusammen mit Ian in die Stadt fährt, wo die nächste Aufgabe auf die zwei wartet. Es beginnt eine Hetzjagd, bei der eine Aufgabe härter wird als die andere. Stellt sich die Frage, wie weit das Duo bereit ist zu gehen.

Nerve

Kritik klar, Glaubwürdigkeit nein

Hinter Nerves hübsch anzusehenden Bildern von New York bei Nacht verbirgt sich auch eine ernstzunehmende Message. Demnach zeigt uns der Film, wie stark unser Alltagsleben von Smartphones und Co. beeinflusst oder sogar manipuliert werden kann, weshalb man den Film dem aktuellen Trend entsprechend auch Pokémon Go – Der Film nennen könnte. Es werden uns die negativen Folgen dieser medienbezogenen Lebensweise aufgetischt und zwar ohne jegliche Scheu. Wir sehen in etwa, wie diese übertriebene Nutzung an unserer Persönlichkeit nagt und uns beim Verzicht auf diese in den Wahnsinn treiben kann.

Natürlich zeigt der Film dies alles mit seinem The Purge-Touch sehr überspitzt, was für uns ein zweischneidiges Schwert war, denn zum einen versteht auf diese Weise sogar der begriffsstutzigste Zuschauer die Kritik, auf der anderen Seite litt darunter aber auch arg die Glaubwürdigkeit.

Und genau das war unser größtes Problem. Natürlich kann man ein wenig mit dem Realismus-Faktor spielen, aber bei Nerve gab es darüber hinaus auch noch so viele gigantische Logiklücken, dass unsere Toleranzgrenze einfach überschritten war. Denn spätestens wenn Ian blind Motorrad fährt und Vee ihn bei fast 60 mph dirigieren soll, hat sich bei uns das große Kopfschütteln breitgemacht. Wenn dann auch die Polizei nichts tun kann und es den Rest der Bevölkerung nicht interessiert, dass 30 Leute mit Sturmhauben und Handy in der Hand eine Person verfolgen, dann driftet das ganze schon stark ins Lächerliche ab. Mit solchen Momenten ist der Streifen nur so bestückt, doch ersparen wir euch an dieser Stelle aus Gründen des Spoilers weitere Einzelheiten.

Nerve

Nur die Schönen vor die Linse

Der düstere Thriller richtet sich vor allem an ein eher jüngeres, erwachsenes Publikum, vor allem was die Schauspieler angeht. Denn mit der attraktiven Emma Roberts und einem Dave Franco als Womanizer ist hier auch für die oberflächliche Komponente gesorgt. Schauspielerisch war das Abgelieferte solide, aber mehr konnte aus solch einem leichtfertigen Drehbuch auch nicht rausgeholt werden. Hier hätten wir einfach etwas mehr Charaktertiefe sehen wollen.

Machen wir es wie Nerve und verraten euch die eigentliche Message schon vorab. Dieser Film hat eine interessante Idee, ist den Kinobesuch aber nicht wert. Anstelle eines sehenswerten Films bekommt ihr hier eine Aneinanderreihung vielversprechender Ideen, die von Sekunde zu Sekunde absurder werden und selbst eure willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit in die Brüche gehen lässt. Wir wurden letztendlich von dem Film gegen Ende hin nichts weiter als geNERVEt.

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