Lohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Lesezeit: 5 min

Lohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers20

13 Nominierungen für die diesjährigen Oscars und das nicht nur in technischen Kategorien – Genre-König Guillermo del Toro beweist mit The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers ein weiteres Mal, dass seine modernen Märchen bei Kritikern hoch im Kurs stehen. Auch wir haben den atmosphärischen Tauchgang gewagt und uns von einer Liebesgeschichte der etwas anderen Art mitreißen lassen.

Ein „Del Toro“ wie aus dem Lehrbuch

Lohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers12

Bei kaum einem anderen zeitgenössischen Regisseur sind ureigene Vision und filmisches Konzept so klar zu erkennen wie bei Guillermo del Toro. Die Themen mögen sich von Film zu Film verändern, die Motive, Stimmungen und moralischen Grundfragen bleiben jedoch stets die gleichen. Immer geht es in den Filmen des Mexikaners um das Eigentümliche, Andersartige, schier Unfassbare.

Hellboy – die goldene Armee entführte uns seinerzeit in eine mythologische Schweinwelt, voll und ganz im Fantasy-Setting verwurzelt, während Pans Labyrinth sich mit kindlichen Ängsten in einem unwirtlichen Franco-Regime beschäftigte und damit eher auf dramatischer Ebene punktete. Motive von Selbstfindung, Eskapismus und Widerstand gegen die stumme Masse ziehen sich durch sein Werk.

Auch The Shape of Water ist ein typischer Film von del Toro und so drängen erneut universelle Themen wie Liebe, Einsamkeit und Unterdrückung ins grelle Licht der Scheinwerfer. Geblendet wird davon niemand, denn die vom Film geübte Kritik bettet der Regisseur in eine leicht verdauliche Romanze, die auch vor Speziesgrenzen keinen Halt macht.

Ein kraftvoller Ausbruch

Lohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers7

Am Beginn dieser Romanze steht der kalte Krieg in seiner vollen Blüte. Die stumme Elisa Esposito (Sally Hawkins) arbeitet als Putzfrau in einer streng geheimen CIA-Forschungseinrichtung und verbringt ihre Freizeit damit, gemeinsam mit ihrem schwulen Nachbarn Giles (Richard Jenkins) in Filmen der 50er Jahre zu schwelgen, zu alten Ballettaufführungen zu tanzen und sich an dessen unpopulären Werbegrafiken zu erfreuen. Trotzdem führt sie ein Leben als Einzelgängerin und füllt die Leere in ihrem Leben mit monotoner Masturbation und hartgekochten Eiern.

Eines Tages jedoch beobachtet die neugierige Elisa während der Arbeit wie ein eigenartiger Tank in die unterirdische Einrichtung verlegt wird. Schnell schlüpft sie in das Labor und trifft zum ersten Mal auf die fremde Kreatur im Wasser (Doug Jones), eine entartete Mischung aus Mann und Fisch. Sofort fühlt sie sich dem einsamen Wesen verbunden und beschließt, ihren Seelenverwandten aus den Fängen des sadistischen CIA-Offiziers Richard Strickland (Michael Shannon) zu befreien.

Natürlich hat das übernatürliche Wesen nicht nur auf die einsame Putzfrau eine magische Anziehungskraft. Der Meermann ist gleichsam Forschungsobjekt wie potenzielle Waffe und auch die Russen in Form des Spions Dr. Robert Hoffstetler (Michael Stuhlbarg) haben ein Interesse am Monster aus der Tiefe. Unweigerlich gerät Elisa zwischen die Fronten. Sie bittet deshalb ihre langjährige Freundin Zelda (Octavia Spencer) um Hilfe. Können sie das Wesen gemeinsam retten?

Eine stumme Liebe

Lohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers19

Im Grunde erzählt Shape of Water eine gewöhnliche Lovestory wie wir sie vom Hollywood-Kino schon seit Jahrzehnten kennen. Nur, wenn die Liebenden sämtliche Hindernisse überwinden, sich langsam näherkommen und ihre eigenen Unzulänglichkeiten hinter sich lassen, kann eine solche Romanze funktionieren.

Guillermo del Toro inszeniert den Film allerdings ganz und gar nicht so wie wir es von ähnlichen Produktionen gewohnt sind. Stattdessen legt er eine surreale Poesie an den Tag, die ihresgleichen sucht. Selbst die kleinste Geste wird zu einem lebensbejahenden Zeichen der Freude, auch wenn die Protagonistin über die Laufzeit von 123 Minuten kein einziges Wort von sich gibt. Möglich ist das alles nur, weil Sally Hawkins die neugierige und doch tief verletzliche Elisa mit Bravour auf die Leinwand bringt.

Ein zeitloses Plädoyer

Lohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers4

So sehr es in seinem phantasmagorischen Drama um Sehnsucht und die Angst vor der Einsamkeit geht, so sehr ist der Film auch ein Plädoyer für die zwischenmenschliche und gelegentlich auch -monsterliche Kommunikation. Um sich zu verstehen bedarf es keiner gemeinsamen Sprache, keiner Vokabeln, keiner optischen Gemeinsamkeiten.

Stattdessen lernt Elisa ihr ganz persönliches Ungeheuer mithilfe von Musik, Film oder gar Lebensmitteln kennen. Aus dem anfänglich scheuen Zurückzucken, der Angst vor dem Unbekannten, entsteht schnell ein gemeinsames Verständnis. Dieses kindliche Herantasten macht Shape of Water zu einem zeitlosen, deshalb aber nicht weniger aktuellen Film.

Ein aktuelles StatementLohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers8

Denn das eigentliche Monster des Film lauert nicht im grünlich schimmernden Wasserbecken. Mithilfe des großartigen Michael Shannon zeichnet Del Toro stattdessen einen Bösewicht, der alles in sich vereint, was in der Welt so schief läuft. Symptomatisch dafür steht die Tatsache, dass seine Figur sich kategorisch weigert, sich nach dem Pinkeln die Hände zu waschen.

Er verkörpert ein Weltbild, in dem der eigene Vorteil zur obersten Maxime erklärt wird – ein Weltbild, in dem Aussenseiter keinen Platz haben. Damit steht er nicht nur dem Wassermann kritisch gegenüber, sondern auch Frauen, Schwarzen, Schwulen oder gar Einzelgängern. Das moralische Statement, welches der Film hier setzt, überschattet dabei aber nie die Handlung, sondern wird immer in den Dienst der Geschehnisse gestellt.

Ein technisches Kunststück

Lohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers10

Dass die inhaltsschwere Liebesgeschichte mit moralischer Färbung auch filmisch hervorragend funktioniert, verdankt Shape of Water zum einen seinen technischen Finessen, für die Guillermo del Toro bereits die ersten Vorschusslorbeeren eingeheimst hat. Wenn sich Mensch und Wasserwesen inmitten eines komplett gefluteten Badezimmers innig lieben, umgeben von einem grünlich-blauen Schimmer, lässt sich nur von einem Meisterwerk der Bildkomposition sprechen.

Wie die beiden zentralen Figuren schwebt auch die Kamera im Raum, fängt im Zoom selbst kleinste Gesten auf, nur um anschließend wieder den weiten Blick durch ein wässriges Bullauge zu eröffnen und den Bildausschnitt auf den Kopf zu stellen. Auch das vermeintliche Monster ist tricktechnisch wie aus einem Guss. Gleichzeitig furchterregend wie faszinierend bleibt es jederzeit ein ungeklärtes Mysterium.

Ein charmanter Tauchgang

Lohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers14

Zum anderen spielen auch Musik, Ausstattung und Kostüm eine enorme Rolle für den einzigartigen Charme des Films. Wundervoll verspielte Kostüme der 50er Jahre werden mit eintönigen Uniformen der CIA-Mitarbeiter kontrastiert, die enge Mise en Scène in Elisas Wohnung über dem Kino – ein wenig erinnert das Set-Design an Filme von Wes Anderson – mit den weiten Arealen der sterilen Labors.

Eine weitere Parallele zu Wes Anderson finden wir auch beim Soundtrack. Dieser stammt von Alexandre Desplat und verströmt ein ähnlich verqueres und sphärisches Feeling wie etwa bei Moonrise Kingdom. Das Gefühl, unter der Oberfläche zu schwimmen , verkörpern seine Songs in jedem Fall perfekt und verleihen den Geschehnissen erst ihr schwebend melodisches Auf und Ab.

Fazit

Lohnt sich Kino: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers15

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers erzählt eine Geschichte über Einsamkeit, das Anders-Sein und eine Liebe so stark, dass sie auch vor Speziesgrenzen nicht Halt macht. Guillermo del Toro hat einen Film geschaffen, in dem nicht nur zeitlose Themen wie Sexismus oder Rassismus Platz finden, sondern auch umwerfend inszenierte Bilder und ein Soundtrack, der euch den 2-stündigen Tauchgang gehörig versüßt. Schwermütig ist der Streifen dabei nur selten. Vielmehr erwartet euch ein lebensbejahendes „Hail to the Freaks“ mit einer Menge Charme im Gepäck.

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers flutet ab dem 15. Februar 2018 die deutschen Kinos
Test: Mutabo Test: MSI Aegis Ti3 mit Coffee Lake Prozessor und MSI Gaming Storage