Lohnt sich Kino: The Nice Guys

Lohnt sich Kino: The Nice Guys

Wenn ein Möchtegern-Ermittler und ein Mann fürs Grobe den Auftrag annehmen, ein verschwundenes Mädchen zu finden, dabei halb L.A. auf den Kopf stellen und auch noch in eine Milliarden-Dollar-Verschwörung geraten, dann kann es sich bei den besagten Personen nur um Holland March und Jackson Healy drehen – die beiden Protagonisten in Shane Blacks neuster Actionkomödie The Nice Guys. Ob sich der Buddytrip mit Ryan Gosling und Russel Crowe lohnt, verraten wir euch jetzt.

It’s Crime Time

Während die Kriminalität im Los Angeles der 70er-Jahre durch und durch aufblüht, hält sich der halbseidene Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) mit kleinen Fällen über Wasser. Einer davon befasst sich mit der Suche nach einem verschwundenen Mädchen namens Amelia. Als dann eines Tages der brüske Schläger Jackson Healy bei ihm auftaucht und ihm die Message übermittelt, er solle aufhören nach der Vermissten zu suchen, lässt er von dem Auftrag ab. Doch wie es der Zufall will, führt das Schicksal die zwei Unruhestifter erneut zusammen, als die Oberste Richterin Judith Kuttner (Kim Basinger) die beiden Ermittler in den lukrativen Auftrag, ihre Tochter zu finden, involviert. Aus unterschiedlichen Beweggründen machen sich die beiden auf die Suche und geraten dabei immer mehr in den Sumpf des Verbrechens. Wer steckt hinter der Entführung des Mädchens und welchen Nutzen hat diese? All diesen Fragen gilt es nun für das knautschige Chaoten-Duo nachzugehen.

Lohnt sich Kino: The Nice Guys

Gut kombiniert, Black!

The Nice Guys ordnet sich in das klassische Buddy-Cop-Genre ein, in dem die beiden Partner idealtypisch unterschiedlicher kaum sein könnten. Shane Black gelingt es nach Kiss Kiss Bang Bang nun erneut, eine clevere Geschichte zu erzählen, bei der es zwei Handlungsstränge – genauer gesagt zwei Fälle – gibt, die auf den ersten Eindruck nicht viel miteinander zu tun haben. Der Zuschauer jedoch weiß, dass sie irgendwie zusammengeführt werden. Und genau dieses „irgendwie“ hat der Autor und Regisseur so geschickt erzählt, dass man nichts weiter machen kann außer den verkuppelten Handlungsablauf zu loben.

Aber nicht nur auf der erzählerischen Ebene dürfen ein paar lobenswerte Worte verloren werden, denn auch optisch und akustisch kann der Streifen einiges hermachen. Stilistisch erinnert The Nice Guys an L.A. Confidental oder ältere Werke des Film noirs – mit Ausnahme, dass durch leuchtende Farben wie Orange und Lila das goldene Zeitalter des Pornos ausgeleuchtet wird. Die Schauplätze wirken ordentlich in Szene gesetzt, die Kostüme zeitgemäß und wenn nicht gerade March zu einem kitschigen Pop-Hit der 70er summt, untermalt die jazzige Musik die überwiegend ruhige, aber außerordentlich dichte Atmosphäre der Stadt.

Lohnt sich Kino: The Nice Guys

Diese Atmosphäre wird nahezu pausenlos von den beiden Protagonisten aufgelockert. Wer hätte gedacht, dass Gosling und Crowe Action und Comedy so gut miteinander verbinden können? Denn während March eher der memmenhafte Lausbub mit großer Klappe und wenig Vernunft ist, der außerdem noch ein ernsthaftes Alkoholproblem hat, verkörpert Crowe als Healy einen durchtriebenen und vor allem zynischen Charakter, der zweifelnd nach seinem Nutzen in den Welt sucht. Schauspielerisch eine Topleistung der beiden Hollywood-Größen, die sich mit messerscharfen Wortgefechten regelrecht an die Gurgel gehen. Aber auch die zahlreichen Nebendarsteller brillieren in ihren Rollen, wie etwa die 15-jährige Angourie Rice. Sie spielt die Tochter von March und kann als ihrem Alter entsprechend ziemlich erwachsen denkender Teenie überzeugen – vor allem weil sie teilweise einen besseren Job als Privatermittler macht als die beiden Herrschaften.

 

Eine wahre Gagparade

Noch nie waren die 70er komischer, denn die Gags der beiden Hauptdarsteller tragen Zündungsgarantie. Egal, ob ein unangebrachter Wortwitz von March über den einstigen Führer des Naziregimes, schwarzer Humor oder guter alter Slapstick à la Naked Gun. Hier haben die Autoren ihre kreativen Gehirnzellen zum Vorschein gebracht und wirklich innovative Comedy auf die Leinwand gezaubert, die immer bestens getimet ist. Dabei sind es meist Goslings abstruse Gesichtsausdrücke, die einem im Vorfeld mit einem dicken Grinsen auf den Lippen schon auf den nächsten Lacher vorbereiten.

Mit kurioser Action und progressivem Witz hat Shane Black ein Genre auflodern lassen, das wie ausgestorben wirkte. Kaum eine Besetzung hätte The Nice Guys so charmant wirken lassen und ohne zu viel zu verraten: Die Story ist auch nicht übel. Auf die Frage, ob sich der Kinobesuch lohnt können wir nur mit einem lachhaften JAAHAHAHA! antworten. Wir wünschen uns in Zukunft bitte mehr solcher skurriler Perlen. Da bleibt zum Abschluss nur noch zu sagen: Gute Arbeit Mr. Black & Co. beziehungsweise Nice, Guys!

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