Lohnt sich Kino: Tomb Raider

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Mehr als 20 Jahre hat die gute Lara Croft nun schon auf dem Buckel. Bereits zwei Mal in ihrer bewegten Geschichte verirrte sich die athletische Schatzjägerin vom Videospielkosmos auf die Kinoleinwand – jeweils mit durchwachsenen Ergebnissen. Nachdem Angelina Jolie der Heldin unserer Kindheit nur bedingt Leben einhauchen konnte, soll es nun die Oscar-prämierte Schauspielerin Alicia Vikaner richten. Doch neben der Protagonistin bekommt auch das Franchise selbst eine Generalüberholung spendiert. Wir sind der Schwedin auf eine abgelegende japanische Insel gefolgt und haben für euch herausgefunden, ob das Reboot von Tomb Raider eine Kultstätte verdient oder für immer unter Felsen begraben werden sollte.

Alicia Vikander: Lara Croft mit Ecken und Kanten

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Die junge Lara Croft (Alicia Vikander) muss sich durchboxen. Nicht nur metaphorisch, weil sie das enorme Erbe ihres Vaters ausschlägt und dessen Tod vor sieben Jahren nicht akzeptieren will, sondern auch buchstäblich. Im Boxring setzt sie sich mehr schlecht als recht gegen ihre Konkurrentinnen zur Wehr und auch auf der Straße bekommt sie als Fahrradkurier ihr Fett weg. Kurzum: Die neue Lara weiß recht wenig mit ihrem Leben anzufangen. Erst ein temporeiches Rennen durch die verwinkelten Straßen Londons lässt die junge Erwachsene erkennen: Nur sie kann das rätselhafte Verschwinden ihres Vaters Richard (Dominic West) aufklären.

In seinem Testament stößt die wissbegierige Lara auf eine japanische Puzzlebox, in der sie erste Hinweise zum Verbleib ihres Vaters findet. Auf ihrer Spurensuche lernt sie den erfahrenen Seemann Lu Ren (Daniel Wu) kennen, mit dessen Hilfe sie auf eine mystische Insel vor der Küste Japans gelangt. Bevor sie jedoch den Titel Tomb Raider tragen darf, muss sie sich dort zahlreichen Herausforderungen stellen, die sie an ihre physischen wie psychischen Grenzen bringen. Kann sie dem machthungrigen Mathias Vogel (Walton Goggins) zuvorkommen und alle Geheimnisse rund um die Insel und ihren verschollenen Vater lüften?

Tomb Raider im Kino: Gekommen um zu bleiben

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Die Antwort auf diese Frage fällt so kurz wie wenig überraschend aus: Natürlich kann sie. Schließlich stellt das Reboot erst den Auftakt für eine ganze Reihe möglicher Fortsetzungen dar, die uns bei entsprechendem Erfolg von Tomb Raider in den kommenden Jahren erwarten dürften. In Zeiten des Franchising ist es verwunderlich, dass Lara Croft nicht schon längst ihre ganz persönliche Kinosaga spendiert bekommen hat. Dass der Neuling an den Kinokassen ordentlich einschlagen wird, ist für uns schon jetzt sicher, denn alles an diesem Film schreit förmlich „Ich bin ein Blockbuster, hab Spaß mit mir!“

Das liegt nicht nur an der bezaubernden Hauptdarstellerin Alicia Vikander, die ihre Rolle deutlich emanzipierter und verletzlicher verkörpert als ihre knallhart unnahbare Vorgängerin Angelina Jolie, sondern vor allem an der Inszenierung von Tomb Raider. Regisseur Roar Uthaug greift nämlich mit einer Hand tief in die Nostalgie-Kiste, während er mit der anderen alles an modernem Bild-Bombast hervorkramt, was Hollywood so zu bieten hat. Wer vom Norweger also eine neue Perspektive auf Lara Croft und ihre Abenteuer erwartet, ist auf dem sprichwörtlichen Holzweg. Stattdessen bekommt ihr ein kurzweiliges Abenteuer, mit dem ihr über 118 Minuten garantiert eine gute Zeit habt, das allerdings verpufft, sobald ihr euch aus dem Kinosessel schält.

Ganz nah dran am Bombast

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Überzeugen kann Tomb Raider dabei ganz besonders mit der Technik. Sei es während der Intro-Sequenz, in der wir Lara beim schweißtreibenden Boxmatch über die Schulter schauen oder beim finalen Showdown in den Tiefen eines uralten Grabmals: Die Kamera ist so nah dran an der zähen Grabräuberin/Archäologin wie es nur geht und liefert beeindruckende, wenn auch wenig aussagekräftige Bilder. Im Zusammenspiel mit der schauspielerischen Leistung von Alicia Vikander, die bis zum Abspann gefühlt tausend schmerzhafte Tode stirbt und doch immer wieder aufsteht, bleibt am Ende nur ein Fazit: Der Film sieht in jeglicher Hinsicht richtig geil aus!

In diese Kerbe schlagen auch Spezialeffekte, Schauplätze und Bildkompositionen. Einführende Motive aus dem Großstadtdschungel von East London werden im Verlauf des Films immer wieder aufgegriffen und in den tatsächlichen Dschungel auf der bedrohlichen Insel verfrachtet. So entwickelt sich die zunächst etwas verloren wirkende Heldin in einer neuen, unerforschten Umgebung Stück für Stück zu der Lara Croft, die wir alle aus den Videospielen kennen – Hart, entschlossen, einfach badass. Für die nötige Atmosphäre sorgt auch der wuchtige Score, den der Film euch in seinen packend inszenierten Abenteuer- und Actionszenen mit der groben Kelle um die Ohren pfeffert.

Nostalgie pur – Doch alles nur geklaut?

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Wie könnte es anders sein – auch der Nostalgie-Faktor kommt im Reboot nicht zu kurz. Roar Uthaug (Ein Name, der für den Film nicht passender hätte sein können) orientiert sich in seiner Inszenierung allerdings nicht an den Originalspielen aus den späten 90ern. Stattdessen basiert ein Großteil der Geschichte auf der spielerischen Neuauflage von Square Enix aus dem Jahr 2013. Das ist wohl auch der Hauptgrund, warum man sich dazu entschieden hat, Lara zunächst deutlich verletzlicher und menschlicher zu charakterisieren – ein Schritt, der wie beim Videospiel unbedingt notwendig war. Die Vaterfigur aus Rise of the Tomb Raider zu beleuchten hätte sich der Film allerdings getrost schenken können, denn statt Nostalgie bringt sie nichts als lächerliches Pathos in die Handlung.

Die Nostalgie, mit der im Film gespielt wird, entspringt jedoch weniger aus der spielerischen Vorlage als man vielleicht meinen mag. Natürlich muss Lara einige Tomb Raider-typische Herausforderungen wie etwa mordsgefährliche Kletter- und Sprungpassagen meistern, um ihrem Ziel näher zu kommen – Eine Szene, in der sie gegen die reißende Strömung eines Flusses ankämpt, stammt sogar in Gänze aus dem besagten Spiel. Dennoch erinnern die Themen und Charaktere eher an Indiana Jones als an Tomb Raider selbst.

Schade ist nur, dass dabei immer der Eindruck mitschwingt als hätte man die Geschehnisse im Film schon vorher irgendwo gesehen. Würde Uthaug typische Abenteuerklischees mit einem Augenzwinkern aufgreifen und modern umsetzen, hätten wir damit kein Problem. Allerdings müssen sich der Regisseur und die Drehbuchautoren Geneva Robertson-Dworet und Alastair Siddons den Vorwurf gefallen lassen, hier dreist beim Genrekönig geklaut zu haben. An die Qualität und Innovation, mit der Jäger des verlorenen Schatzes seinerzeit die Massen begeisterte, kommt Tomb Raider also nicht in den kühnsten Träumen heran. Lediglich der kurze Auftritt von Nick Frost als verschrobener Pfandleiher dürfte allen Nerds ein nostalgisches Grinsen ins Gesicht zaubern.

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Fazit

Nimmt man die schwachen Adaptionen mit Angelina Jolie als Maßstab für die Qualität des Reboots rund um Alicia Vikander, dann ist Tomb Raider eine wirklich gelungene Videospiel-Verfilmung. Euch erwartet ein Blockbuster, mit dem ihr zwei rasante und richtig gute Stunden verbringen könnt – Action, Abenteuer und Auferstehung: Hier stimmt soweit alles. Trotzdem bleibt nach dem Kinobesuch nicht allzu viel von der anfänglichen Euphorie übrig, denn abseits von bombastischen Kamerafahrten und Frau Vikander, die den Film im Alleingang trägt, liefert Regisseur Roar Uthaug kaum etwas Neues. Fans von Lara Croft und kurzweiligen Abenteuerstreifen kommen auf der Suche nach verlorenen Schätzen voll auf ihre Kosten. Eine filmische Offenbarung bricht allerdings nicht durch die steinernen Tore.

Tomb Raider läuft ab dem 15. März in den deutschen Kinos

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