Lohnt sich Kino: Visions – Filmkritik

© 2016 Warner Bros. Entertainment

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Wo hört Wahnsinn auf und fängt Übernatürliches an? Der neue Horrofilm Visions testet nicht nur die Grenzen zwischen Realität und Halluzination, sondern geht noch einen Schritt weiter: Mit einem hochprozentigen Cocktail aus blanker Panik, Schuldgefühlen und Zweifeln gelingt dem Cast ein solider Horrorschocker – wenn auch mit Einschränkungen. Statt gefrorenem Blut in den Adern des Zuschauers gibt es in dieser Produktion viel eher eine Mischung aus Thriller und Horror, die nur bedingt funktioniert.

Emotionale Story mit Zweckmäßigkeit

Die Geschichte hinter Visions beginnt mit viel Schwung und setzt auf Dramatik: Eveleigh (Isla Fisher) leidet nach einem Verkehrsunfall nicht nur unter den körperlichen Folgen, sondern hat auch mit jeder Menge Gewissensbissen zu leben: Obwohl sie den Unfall nicht verursacht hat, gibt sie sich die Schuld an dem zu Tode gekommenen Kind, das im anderen Fahrzeug verunglückt ist und leidet seither an einem schweren Fall von Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). In der Hoffnung auf eine Zustandsverbesserung und auf Drängen ihres Mannes David (Anson Mount) zieht Eveleigh rund ein Jahr später auf ein altes, verlassenes Weingut und will dort die Monate der ersten Schwangerschaft genießen. Doch die Idylle hält nicht lange: Bei einem Willkommens-Barbecue erfährt Eveleigh reichlich seltsame Geschichten über die vorherigen Besitzer ihres neuen Anwesens und deren überstürzten Auszug. Kurz darauf nimmt sie in den heimischen vier Wänden merkwürdige Geräusche und Stimmen wahr, begleitet von verstörenden Halluzinationen, die sie fast in den Wahnsinn treiben und auch ihre Beziehung zu David belasten.

Nach und nach wird klar, wie sehr Eveleigh unter diesen mysteriösen Erscheinungen leidet, denn außer ihr scheint niemand sonst diese Dinge zu spüren oder zu sehen. Während ihr Arzt (Jim Parsons) die vermeintlichen Wahnvorstellungen als ein weiteres PTBS-Symptom abstempelt, weiß Eveleigh ganz sicher: Irgendetwas stimmt nicht. Zwischen Mutterinstinkten und Selbstzweifeln, Wahnsinn und Realität begibt sich die junge Frau auf die Suche nach Antworten – und entdeckt in der Geschichte des Hauses die höllische Wahrheit.

© 2016 Warner Bros. Entertainment

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Starker Anfang, schwaches Ende

Visions arbeitet erfolgreich mit Gefühlen unterschiedlichster Art und baut auf die schauspielerische Leistung seiner Protagonisten. Dabei verleiht Isla Fisher ihrer Figur fraglos Glaubwürdigkeit: Nur diese erlaubt es Regisseur Kevin Greutert (SAW VII – Die Vollendung, Jessabelle – Die Vorhersehung) und Produzent Jason Blum (Paranormal Activity, Insidious) überhaupt erst, mit mütterlichen Ängsten um das ungeborene Kind zu spielen. Neben dem durchgehend großartigen Score sorgen Schockeffekte leider nur in der ersten Hälfte des Films für Gänsehaut und lassen zum Ende spürbar nach.

Abgesehen von Fisher und Mount hat Visions noch mehr Stars zu bieten: Eva Longoria als besorgte Schwester und Gillian Jacobs als gute Freundin spielen ihre Rollen überzeugend. Selbst Jim Parsons, der für viele Zuschauer fraglos immer Sheldon Cooper bleiben wird, macht im Grunde genommen einen soliden Job und ist in seiner Rolle als Arzt zumindest nicht allzu weit von seinem Alter Ego entfernt. Trotz allem: So richtig springt der Funke nicht über. Das meiner Meinung nach schwache Ende ist für jemanden, der den absoluten Horror erwartet, keinen Kinobesuch wert – unterhält aber auf jeden Fall auf dem Sofa. Zudem nimmt Eveleighs Schwangerschaft einen enormen Teil des Films ein und schmälert die Möglichkeiten des Storyverlaufs so massiv, dass die Geschichte an sich sehr vorhersehbar wird.

Ein guter Film, aber in schwankender Qualität. Die Story ist an vielen Punkten originell, hat mich aber nicht unbedingt aus dem Kinositz gefegt und ist – alles in allem – dann doch eher Mittel zum Zweck. Die vollen Kapazitäten und Möglichkeiten des Genres schöpft dieser Film nicht aus, ist dafür aber für diejenigen gut geeignet, die Horror in Maßen genießen möchten. Als eingefleischter Gruselfan hat mich Visions nicht wirklich an meine Grenzen stoßen lassen und mir mit dem mittelmäßigen bis schlechten Ende fast das ganze Interesse genommen. Da wäre deutlich mehr Spielraum gewesen – Schade!

Test: Ratchet & Clank (2016) Test: Disney Infinity 3.0 - Play without Limits *UPDATE* Marvel Battlegrounds
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