Test: Murasaki Baby

Test: Murasaki Baby

Wenn ein ehemaliger Entwickler aus dem Hause Grasshopper Manufacture an einem Spiel arbeitet, kann man sich zweierlei Dinge sicher sein: Es wird durchgeknallt und verstörend. Und genau das liefert uns Massimo Guarini mit Murasaki Baby. Nach seinem vielversprechenden Director-Debut in Shadow of the Damned, hat sich der gebürtige Italiener in seinem Heimatland niedergelassen, um sich neuen vielversprechenden Projekten zu widmen. Guarini und sein Team haben sich Kreativität auf die Fahne geschrieben, die sich nicht nur durch innovative Gameplay-Ideen äußert, denn auch in puncto Grusel bekommen PlayStation Vita-Besitzer einiges in Murasaki Baby geboten.

Als ich noch ein Kind war kam mir die Welt wie ein riesengroßer Spielplatz vor. Es galt unentdeckte Orte zu besichtigen, Bestien zu bändigen und kulinarische Neuheiten zu entdecken. Dass hinter dem geheimnisvollen Ort meist nur die andere Seite des Spielplatzes auf mich wartete, die zu bändigende Bestie mein Chihuahua und die kulinarische Besonderheit ein Kuchen aus Sand war, war mir damals schnuppe. Wenn man ein Kind ist, wirkt alles größer und spannender, als es Erwachsene jemals nachvollziehen könnten. Das trifft jedoch nicht nur auf die schönen Dinge des Lebens zu. Als Kind fürchtet man die Dunkelheit, das düstere Ungewisse, das Nachts im Schrank lauert. Man fürchtet die Einsamkeit und den Verlust seiner Bezugsperson. Urängste, die wir Erwachsenen glauben, längst besiegt zu haben. Massimo Guarini macht sich diese Gefühle in seinem neuen Projekt zunutze.

Du bist nicht allein

In Murasaki Baby begleiten wir ein kleines Mädchen, das sich auf eine Reise ins Unbekannte begibt, um ihre verschwundene Mutter zu finden. Per Berührung auf dem Touchscreen halten wir mit der kleinen Dame Händchen und führen sie durch alle möglichen Gefahren. Ein Ballon ist ihr ständiger Begleiter, gleichzeitig stellt das heliumgefüllte Herz aber auch ihr Leben dar. Während wir sie also zum Bewegen motivieren, in dem wir sie an ihrer Hand durch das Areal ziehen, gilt es den Ballon permanent im Auge zu behalten.

Kein leichtes Unterfangen, denn auf der Suche nach der Mutter des Mädchens stellen sich uns allerlei Hürden auf. Objekte fallen vom Himmel, Sicherheitsnadel-Moskitos treiben ihr Unwesen und dass unser Sprössling äußerst schreckhaft ist, erleichtert unseren beschwerlichen Trip auch nicht gerade. Erschreckt sich unsere Begleitung, lässt sie ihren Ballon los und fliegt dieser aus unserem Sichtfeld oder zerplatzt, werden wir zum letzten Speicherpunkt zurückgeworfen.

Test: Murasaki Baby

Murasaki Baby besteht aus mehreren Parallelwelten, von denen jede ihre eigene tragische Geschichte zu erzählen hat. Auf unserer Suche nach der Mutter des Mädchens treffen wir auf weitere Kinder, die ohne unsere Hilfe aufgeschmissen sind und aus ihrer misslichen Lage befreit werden wollen.

Um den kleinen Plagegeistern Hilfe zu leisten und die Tür zur nächsten Welt zu finden, müsst ihr die im Spiel verteilten Ballons finden. Bringt ihr diese zum Platzen, schalten sich neue Hintergrundlandschaften frei, zwischen denen ihr mit dem hinteren Touchscreen wechseln könnt. Bestimmte Hürden lassen sich nur überwinden, wenn ihr euch die Änderungen der Umwelt zunutze macht, die mit jedem gewechselten Hintergrund einhergehen. So kann zum Beispiel die Welt auf den Kopf gestellt und Blitze oder Stürme herbeigerufen werden, falls es die Situation gerade bedarf.

Test: Murasaki Baby

Ein wahrgewordener Albtraum

Wie Anfangs erwähnt lässt Murasaki Baby nichts vom bekannten Grasshopper-Charme vermissen. Trotzdem setzen die Entwickler von Ovosonico ihrem neuesten Werk den eigenen Stempel auf. Zwischen bizarr aussehenden Charakteren und verrückten Kreaturen findet sich doch tatsächlich eine rührende Geschichte wider. Fühlten wir uns in den ersten Minuten vom Aussehen der Zentralfigur verstört, konnten wir schnell so etwas wie Mitgefühl empfinden. Aus dem unangenehmen Babysitter-Job entwickelte sich eine enge Freundschaft und das Mädchen, dessen breites Grinsen uns vor wenigen Stunden noch Angst einjagte, wurde zum niedlichsten Geschöpf seit es Monster gibt.

Obwohl Murasaki Baby kein Survival Horror-Spiel im klassischen Sinne ist, macht sich beim Spaziergang durch die höllisch anmutenden Welten ein unwohles Gefühl breit. Denn wie man es eigentlich von einem guten Schocker der Marke Resident Evil oder Silent Hill erwarten würde, ist die Nervosität ein ständiger Begleiter. Praktisch wirkt sich hierbei die Tatsache aus, dass es sich bei Murasaki Baby um einen Sidescroller handelt, sprich wir wissen nicht, was uns am Ende des Bildschirms erwartet. Zudem gesellen sich neben der schaurigen Stimmung unerwartete Jumpscares hinzu, die tatsächlich für kleine Schreckmomente sorgen. Unterstrichen wird die düstere Atmosphäre durch die melancholischen Klänge von Studio-Komponist Gianni Ricciardi, die uns durch die Zusammenarbeit mit Akira Yamoka direkt an Silent Hill 2 erinnern.

Test: Murasaki Baby

 

 

Stimmungsvoller Soundtrack
Angehauchte Grusel-Atmosphäre
Innovatives Gameplay
Sehr kurze Spieldauer
Steuerung kann manchmal frickelig sein

Cliff A.

Selten standen sich Niedlichkeit und Grusel so nah wie in Murasaki Baby. Wer sich schon immer gefragt hat, wie sich die unschuldigen Wesen aus Tearaway in der Welt von Silent Hill schlagen würden, bekommt hier die Antwort auf diese Frage. Und wer sich mit der Tatsache abfinden kann, dass Murasaki Baby in weniger als vier Stunden durchgespielt werden kann, bekommt eine rührende Geschichte geboten, die euch noch einmal in eure Kindheit zurückversetzt und Ängste wachruft, die ihr tief in eurer Erinnerung vergraben habt.
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