One Piece World Seeker – Open World Action mit den Strohhut-Piraten – Test

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One Piece World Seeker: Der Open-World-Anime im Test

Es gibt kaum etwas größeres für einen Mangaka, wenn die eigenen Werke eine Anime-Adaption erhalten. Während dies für viele der große Durchbruch ist, so gibt es auch noch jene Serien, die nicht bei ein oder zwei Staffeln Schluss machen. Diese fangen hier erst an, ihren Weg des Erfolgs zu beschreiten. Doch von diesen Endlos-Animes gibt es nur wenige, die es wirklich schaffen, langfristig zu begeistern. In den Sinn kommen hier natürlich schnell die Klassiker Dragon Ball Z, Naruto und nicht zuletzt One Piece. Doch im Gegensatz zu den ersten beiden Werken läuft die Story von One Piece unbeirrt weiter und kann sowohl durch den eigensinnigen Slapstick-Humor als auch große Kämpfe jung und alt begeistern. Mit dem Spiel One Piece World Seeker geht das Franchise nun in die Open World-Offensive und das mit einer ordentlichen Dosis Teufelsfrucht-Power.

Eine geteilte Insel und ein düsteres Geheimnis

In der Vergangenheit gab es schon zahlreiche Videospiele zum One Piece-Franchise. Einige mit offenen Welten, in denen es Abenteuer zu erleben galt, doch meist fanden sich Fans bei den klassischen Beat’em ups wieder. Mit One Piece World Seeker geht es nun ins nächste Open-World-Abenteuer. Untermalt wird diese neue Reise durch wunderschöne Optik, ein solides Kampfsystem und eine brandneue Geschichte – und das natürlich alles im „vierten Gang“!

Die Piratenbande rund um Luffy, Nami, Zoro und unter anderem Robin findet sich in One Piece World Seeker auf einer karibischen Insel wieder, die fast ein Paradies sein könnte. Zumindest war sie das einst – doch dann kam die Marine und baute hier mehrere Gefängnisse. Auf der einen Seite florierte dadurch das Eiland, denn so wurden Arbeitsplätze geschaffen und der Konsum hielt verstärkt ein. Doch nicht alle profitierten von diesen Ereignissen, sodass die friedliche Insel plötzlich gespalten war. Auf der einen Seite die Pro-Marine- und auf der anderen die Anti-Marine- Fraktion.

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Im Fokus der Geschichte steht die junge Jeanne, die den Einwohnern und ihrer Heimat helfen möchte. Dass ihr eigener Bruder für die Marine über die Insel herrscht, macht die Sache nur umso schwieriger und es dauert auch nicht lange, bis die Situation eskaliert. Und natürlich ist die Marine nicht aus Spaß auf der Insel, denn hier verbirgt sich etwas, hinter dem auch zahlreiche andere Fraktionen her sind. Ähnlich wie im Anime müssen wir nun in der Rolle des Luffy ran und mit geballter Action für Frieden sorgen.

Mit Gum-Gum-Power über die Insel

One Piece World Seeker richtet sich in allererster Linie an Fans der Serie. Wer sich mit der Strohhutbande nicht auskennt, wird zwar auch seinen Spaß haben, doch viele Anspielungen gehen dabei leider verloren. Dabei erinnert das Spiel sehr stark an die Assassin’s Creed-Reihe, denn hier gilt es viele repetitive Missionen und Sammelobjekte abzufarmen. Die zahllosen Nebenmissionen kommen nie sonderlich tiefgreifend daher, sodass ihr meist von A nach B lauft, um einige fiese Piraten oder Marine-Anhänger zu vermöbeln.

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Etwas schade ist, dass nur der Piraten Captain Luffy spielbar ist. Die eigenen Crew-Mitglieder bleiben leider als stumme Nebendarsteller außen vor. Stumm ist dabei auch das Wort der Stunde, denn abgesehen von einigen wenigen Zwischensequenzen ist das Spiel fast durchgehend ohne Synchronisation. Dies ist besonders unglücklich, denn so verlieren die ohnehin wenig spannenden Missionsdialoge ihr letztes Potential, Aufmerksamkeit zu generieren. Gerade in der heutigen Zeit ist dies eigentlich ein No-Go, welches nur wenige Franchises erfolgreich ignorieren können – One Piece ist keines davon.

Was an Synchro fehlt, das machen Gameplay und Optik wieder wett. Die Teufelsfrucht-Kräfte Luffys wurden hier wunderbar umgesetzt und bieten zahlreiche und effektreiche Features. Sei es mit dem Gum-Gum-UFO kurzfristig über Abhänge zu gleiten, mit der Gum-Gum-Bazooka Feinden einen ordentlichen Wumms zu verpassen oder mit der Gum-Gum-Rocket über die Insel zu heizen – es macht tierisch Laune. Gerade die letztgenannte Fähigkeit gehört zu den wichtigsten. Schnell auf eine Gebäudekante oder einen Baumwipfel fokussieren und schon geht es per Tastendruck im Steilflug durch die Luft. Auf diese Weise könnt ihr euch zudem von Baum zu Baum und Gebäude zu Gebäude schießen und zwar minutenlang ohne den Boden zu berühren – vorausgesetzt ihr schießt euch nicht ins Nirgendwo.

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Ikonische Charaktere, harte Kämpfe und mehr

Im Laufe von One Piece World Seeker werdet ihr nicht nur auf neue, sondern auch altbekannte Gesichter stoßen. Sei es Kuzan, Law, Crocodile oder Buggy – viel gibt es zu entdecken. Leider jedoch hält sich die Anzahl dieser Charaktere stark in Grenzen, sodass ihr im Laufe des Spiel nur gegen eine Handvoll davon auch antreten dürft. Die Kämpfe fallen dabei allerdings sehr ordentlich und komplex aus. Gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden müsst ihr hier entsprechend große Vorsicht walten lassen. Leider kommen diese wenigen tollen Charaktere auch mit einer Schattenseite daher: Sie werden wie auch die Bürger der Insel inflationär verwendet, was auf deren geringe Anzahl zurückzuführen ist. Auch hier hat man offenbar durch simples Recycling versucht, Kosten zu senken und das zu Lasten der Gesamtinszenierung.

Zum Beginn von One Piece World Seeker werden euch die Kämpfe wenig Freude bereiten. Erst wenn ihr die nötigen Skillpunkte gesammelt habt, was durch das Absolvieren von Missionen und Besiegen von Gegner geschieht, könnt ihr eure ersten wirklichen Fähigkeiten freischalten. Dafür steht euch ein großer Skilltree zur Verfügung. Hier könnt ihr normale und Superfähigkeiten freischalten und upgraden, aber auch universelle Skills erlernen. Dazu zählen Boni für Angriff und Verteidigung, aber auch neutrale Eigenschaften, die bspw. das Sammeln von Loot vereinfachen.

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Im Kampf stehen euch zwei unterschiedliche Modi zur Verfügung: Das Observation Haki und das Armament Haki. Erstere Kampfhaltung ist mehr auf Agilität ausgelegt, letztere mehr auf Verteidigung und Durchschlagskraft. Beide kommen mit Vor- und Nachteilen daher und zwischen diesen kann je nach Situation schnell gewechselt werden. Eine Powerleiste füllt im Laufe von Kämpfen zudem bis zu drei Balken auf, die je nach Fertigkeit verbraucht werden können. Im späteren Spielverlauf gesellt sich hier auch der berüchtigte „Gear Fourth“ hinzu, mit dem ihr massiv austeilen könnt. Wer überflüssige Kämpfe vermeiden möchte, der kann Gegner auch unbemerkt von hinten aus dem Stealth ausschalten.

Technische Probleme und verschenktes Potential

Während One Piece World Seeker über viele Aspekte verfügt, die einfach sehr viel Unterhaltung bieten, so verschenkt der Entwickler gleichzeitig auch immens viel Potential. Nicht nur betrübt dabei, dass nur Luffy gespielt werden kann, auch hätte man in dem Stil eine ganze Welt erbauen können. Stattdessen spielt das Spiel, ungeachtet des eigenen Titels, nur auf einer einzelnen Insel, und bietet dabei viel zu wenig Abwechslung. Das Missionsdesign ist genauso repetitiv wie die gegnerische Piratenbanden, die im Spielverlauf mit nur geringfügigen Änderungen im Skin daherkommen und sonst identisch aussehen.

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Aber auch andere technische Mängel lassen die Qualitätskontrolle des Entwicklers in einem sehr schlechten Licht dastehen. Bereits im Tutorial kommt es mehrfach vor, dass die Textboxen automatisch in einer zu hohen Geschwindigkeit durchscrollen, und das sowohl in horizontaler als auch vertikaler Weise. Augenscheinlich ein Problem, das bei der Lokalisation aus dem Japanischen heraus seinen Ursprung hat. Aber auch anderweitig gibt es Probleme. So haben wir rund drei Quests entdeckt, die aktuell scheinbar nicht abschließbar sind. Dies kann frustrierend sein, wenn man allerlei Gebiete wieder und wieder absucht, der Ziel-NPC aber nicht vor Ort ist. Da hiervon allerdings keine Story-Missionen betroffen sind, ist dies glücklicherweise weniger dramatisch für den Spielfortschritt.

Schnelle und präzise Action
Umfangreicher Talentbaum
Wunderschöne Optik
Anspruchsvolle Bosskämpfe
Nur Luffy spielbar
Wenig Abwechslung (Kämpfe, Missionen, NPCs)
Stellenweise noch verbuggt
Balancing teils arg daneben
Nur wenige Inhalte wurden synchronisiert

Daniel Meyer

One Piece World Seeker ist ein solider Titel, der einen guten Ansatz auf eine große umfassende Welt voll mit Abenteuern bietet. Leider wird dieses Potential nicht annähernd verwirklicht, sodass selbst von den bekannten Charakteren aus Manga und Anime nur eine Handvoll im Spiel auftaucht und noch weniger davon auch bekämpft werden können. Doch auch abseits so mancher Probleme gestaltet sich das Gameplay rund und vor allem unterhaltsam. Was gibt es schöneres als mit der Gum-Gum-Rakete quer über die Insel zu zischen, die zahlreichen Collectables zu sammeln und noch weitere Geheimnisse aufzudecken. Leider geht das Spiel, abseits der Bosskämpfe, die besonders gelungen sind, nie die Extra-Meile, um wirklich herauszustechen. Entsprechend kommt One Piece World Seeker als guter Zeitvertreib daher, doch keinesfalls als sonderlich mehr.
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