Test: Stronghold Crusader 2

Aufbruch zu neuen Ufern oder stranden die Kreuzfahrer in Stronghold Crusader 2 eher auf dem Weg in den Orient? Firefly Studios wollte sich beim neuesten Stronghold auf die Dinge zurückbesinnen, welche den ersten Teil zum Klassiker werden ließen. Ob Ihnen das geglückt ist, erfahrt Ihr im Test.

Test: Stronghold Crusader 2

Auf in die Schlacht oder besser schneller Rückzug nach Europa? Stronghold Crusader 2 auf dem Prüfstand.

Anno 2001 kam mit Stronghold eines der damals innovativsten Spiele auf den Markt, der gelungene, mittelalterliche Genremix aus Aufbau- und Echtzeitstrategie vermochte zu begeistern und fuhr hohe Wertungen ein.

Seitdem ging über ein Jahrzehnt ins Land und zahlreiche Nachfolger wurden veröffentlicht. Ins Herz der Spieler-Community wurde aber vor allem der erste Titel geschlossen. Keiner der Nachfolger kam von den Wertungen her an den ersten Stronghold-Teil heran. Deshalb wollten die Jungs von Firefly Studios sich auf die Wurzeln der Spielreihe zurückbesinnen.

Back to the Roots?

Wer schon einmal irgendeinen Teil von Stronghold gespielt hat, der findet sich in Stronghold Crusader 2 automatisch zurecht. Die Gebäude sehen teilweise genauso aus wie zuvor, der Wiedererkennungswert ist demnach hoch und die Wirtschaftsmechanik ist auch noch genau die gleiche. Der Stronghold-Veteran fühlt sich also sofort heimisch – aber auch wer noch keinen Teil der Reihe gespielt hat kommt schnell in das Spielprinzip hinein. Auch die Steuerung ist recht intuitiv designt.

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Stronghold wie wir es lieben: Große eigene Burgen bauen und wieder einreißen. Aber zum Bauen kommt man nur noch in der Sandbox.

Dass sich das Spiel nach über einem Jahrzehnt aber noch immer genau gleich spielt lässt es aber auch gleichzeitig etwas angestaubt wirken. Vor allem, dass die gegnerischen K.I.-Anführer diverse alte Bekannte bereithält, wie den Wolf, der schon im ersten Stronghold dem Spieler ans Leder wollte. Auch vom Design selbst hat sich wenig verändert, im Gegensatz zur Grafik.

Was ist denn nun eigentlich neu am neuen Stronghold?

Die Antwort darauf ist nicht einfach, schließlich weist die neueste nahöstliche Burgenbauorgie durchaus einige neue Features auf. Zum einen sieht Stronghold Crusader 2 natürlich weit schöner aus als die Vorgänger. Die Grafik hat ein deutliches Upgrade bekommen, auch wenn viele Standardgebäude noch immer genauso aussehen wie früher.

Dazu präsentiert sich Stronghold Crusader 2 mit einigen neuen Einheiten wie dem neuen Katapult “Kriegswolf”, das in gegnerische Mauern schnell Brüche schießt, oder einem mittelalterlichen Truppentransporter. Zudem haben viele bekannte Einheiten neue Fähigkeiten bekommen. So können sich die Pikeniere beispielsweise nun gegen angreifende Reiter in Verteidigungshaltung gehen und den Ansturm in den Spießen enden lassen.

Auch der Multiplayer-Modus kann sich sehen lassen. Zwar ist der Coop-Bau zu zweit an derselben Burg wenig mehr als ein Gimmick, aber die Scharmützel gegen Freunde können sich durchaus sehen lassen. Wenn es also um die größte Stärke von Stronghold Crusader 2 geht, dann ist das definitiv das Spiel gegen Freunde.

Wer diese nicht hat, der kann auf eine Vielzahl neuer und alter K.I.-Burgherren zurückgreifen, welche den Spieler mit unterschiedlichen Spielweisen herausfordern sollen.

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Multiplayer-Maps mit 6 Spielern, cooles Konzept, aber leider sind die Karten zu klein. Sobald die erste Einheit aus dem Burgtor tritt, steht sie direkt vor der feindlichen Mauer.

Leider kommen die Besonderheiten der gegnerischen Anführer kaum richtig in Fahrt: In den Scharmützeln liegen die gegnerischen Festungen keine gefühlte fünf Meter auseinander. Dadurch wird aus dem, was eine Auseinandersetzung auf Schlachtfeldern und langen wechselseitigen Belagerungen hätte werden können mehr ein Nachbarschaftsstreit um Grenzstein und Maschendrahtzaun. Selbst um eine beeindruckende Burg zu bauen fehlt der Platz – und die Zeit.

So richtig große Burgen bauen kann man eigentlich nur noch im Sandbox Modus. Die können dann auch durchaus beeindruckend werden – aber dann fehlt die Action halt völlig.

Keine Zeit zum Burgenbau?

Die Zahl der Missionen ist leider recht gering und ähnelt eher einer Miniserie, als einer wirklich ausschweifenden Geschichte. Die einzelnen Missionen selber wirken eher lieblos zusammengestellt: Meist besteht das Ziel daraus, innerhalb eines Zeitlimits zu überleben oder etwas zu sammeln.

Die Story zwischen den einzelnen Missionen wird dabei nicht einmal mehr mit Zwischensequenzen erzählt – man klickt schlicht auf die Nächste. Und dass in den Missionen die Tage vergehen merkt man auch leider vorrangig nur am Zählerstand.

Aber auch die berühmt-berüchtigten Belagerungsmissionen wirken etwas willkürlich zusammengewürfelt. Mancher nimmt ein Messer zur Schießerei mit, bei Stronghold Crusader 2 werden Belagerungsmissionen auch gerne mal ohne Leiterträger konzipiert. Stattdessen bekommt man vier Katapulte, die auch gleich von allen Bogenschützen des Gegners – dank gottgleicher Reichweite in Verbindung mit hohen Türmen – aufs Korn genommen werden.

test stronghold crusader 2 skirmish

Klick me Baby! In den hektischen Schlachten wird das Kämpfen zum unübersichtlichen Micromanagement.

Im Scharmützel muss man sich noch mehr beeilen, denn die kurze Reichweite sorgt dafür, dass sich die Spieler von Anfang an konstant stören. Zu den hochtechnisierten Schlachten voller Einheiten, dicker Mauern und Belagerungsmaschinen von den Screenshots kommt es eher selten.

K.I. = keine Intelligenz?

Ein weiterer Punkt, der in vielen Stronghold-Teilen bemängelt wurde ist die K.I. der Einheiten. Leider bildet auch Stronghold Crusader 2 da keine Ausnahme: Die Soldaten rennen immer stur und todesmutig aufs Ziel zu und laufen dabei brav im Entenmarsch auch in offensichtlich bereits ausgelöste Fallen.

Manchmal zeichnen sie sich auch durch schlichte Befehlsverweigerung aus – wenn sie nicht plötzlich durch einen Clipping-Fehler mit einem Gebäudestück verschmelzen und dadurch unbeweglich werden. Zudem bleiben die Einheiten auch im heißesten Feuer oder der gefährlichsten Giftwolke gerne einfach seelenruhig stehen.

Join the Gewusel - Der Ausgang von Schlachten kann selbst für den geskilltesten Klickorgiasten zur Glückssache werden.

Join the Gewusel – Der Ausgang von Schlachten kann selbst für den geskilltesten Klickorgiasten zur Glückssache werden.

Besonders nervig: Auch wenn man einer Einheitengruppe den Marschbefehl an einen anderen Ort gibt (vor allem, wenn man sie zurückziehen will), rennen trotzdem einzelne Einheiten wie tollwütig auf den Gegner los. Ebenso nervig ist, wenn man vor den Toren Kampfhund-Zwinger platziert und dann seine Kriegshunde loslässt, stürzen diese sich auch auf eigene Einheiten – und werden auch direkt von den eigenen Bogenschützen unter Feuer genommen.

Da sich die unterschiedlichen Reichweiten der Fernkämpfer auch nicht einblenden lassen, muss der Spieler schätzen. Und ist man erst einmal einen Millimeter zu nach dran, ist es meist schon zu spät und man darf die Belagerung neu laden.

Es ist schade, denn Stronghold Crusader 2 und das einzigartige Spielprinzip der Reihe hätten so viel Potenzial nach oben: Größere Karten, schönere Missionen, epische Belagerungen. Stattdessen wirkt alles völlig hektisch und wuselig.

Gewohnte Stronghold-Atmosphäre
Neue Gegner
Spaßiger Multiplayer Modus
Schwache K.I.
Viel zu kleine Karten
Zu kurzes Zeitfenster in Missionen
Noch immer dieselben Fehler wie in früheren Teilen
Sehr schwache Solokampagne

Grischa B.

Stronghold Crusader 2 ist ein Spiel für all jede, die von der Stronghold-Reihe und dem Burgenbauen nicht genug bekommen können. Leider wurden die Fehler der Vorgänger nicht wirklich beseitigt und so hat auch Stronghold Crusader 2 mit den alten Problemen zu kämpfen: Epische Schlachten werden zu Einzelklickorgien. Statt aus Stronghold ein Spiel mit epischen Missionen und Schlachten werden zu lassen, kommen einem die Maps auch für den Multispieler kleiner vor als in so manchem reinen Echtzeit-Titel. Auch der Aufbaustrategie-Teil kommt wegen Zeitdruck und wenig Platz zu kurz. Somit wird Stronghold langsam zum Synonym für "verschenktes Potenzial". Fans der Reihe werden die Mulitplayer-Scharmützel dennoch genießen.
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