Test: World of Final Fantasy

world-of-final-fantasy-post-thumbnailBis zum großen Release von Final Fantasy XV ist es gar nicht mehr so lange hin – umso passender, dass Sqaure Enix die noch ausstehende Wartezeit mit einer kleinen Überraschung verkürzt und uns World of Final Fantasy präsentiert. Hier treffen Sammelwut, kleine Monster und nostalgische Gefühle aufeinander, was nicht nur jüngere Spieler, sondern auch alte Hasen begeistern dürfte. Wir haben uns das süße Abenteuer für euch angesehen und uns durch Dungeons, Schlachtfelder und tiefe Wälder gekämpft.

Mirage-Keeper, erwacht!

In World of Final Fantasy dreht sich alles um die Zwillinge Lann und Reynn, die eines Tages in ihrer menschenleeren Heimatstadt erwachen und nach Antworten suchen. Da kommt die mysteriöse Enna Kros ganz gelegen, die mehr über die Geschwister zu wissen scheint als sie selbst – denn Lann und Reynn fehlen die Erinnerungen an große Teile ihrer Vergangenheit, die sie mit Ennas Hilfe nun zurückerlangen wollen.

Enna macht die beiden mit der Welt von Grymoire vertraut: Als Mirage-Keeper haben die Zwillinge darin früher einmal die größten, stärksten und einflussreichesten Mirages kontrolliert und mit ihnen gemeinsam Kämpfe bestritten. Nachdem Lann und Reynn jedoch aus dieser Welt verschwunden sind, blieb der Frieden nicht lange erhalten. Nun versetzt die dunkle Förderation Bahamut die Bewohner von Grymoire in Angst und Schrecken, terrorisiert kleine Städte mit gewaltigen Mirage-Armeen und spinnt Intrigen.

Lann und Reynn beschließen, der Förderation Einhalt zu gebieten. Zu diesem Zweck müssen sie jedoch ihre eigene Vergangenheit erforschen, Licht ins Dunkel ihrer Erinnerungen bringen und auf diesem Weg erneut mächtige Mirages an sich binden – nur so können sie die Welt von Grymoire retten.world-of-final-fantasy-vorschau-bild-2

Wenig Raum zum Entdecken

Grymoire ist nicht allzu groß und bietet eigentlich an keiner Stelle die Möglichkeit, mal ungeplant links oder rechts abzubiegen, um Neues zu entdecken. Dungeons und Felder sind recht linear aufgebaut und erheben damit leider nicht den Anspruch, den Entdeckerinstinkt in uns zu wecken. Das ist etwas schade, besonders weil ich auf der Suche nach neuen, seltenen Mirages mit Freude auch kleinste Winkel der Welt erkundet hätte.

Optisch ist das Spiel aber stabil, hat kleine, feine Städte zu bieten und viele unterschiedliche Gegenden – von Schnee über Wälder und weite Wiesen ist alles dabei. Das Charakterdesign von Lann und Reynn erinnert ein wenig an Kingdom Hearts, ist aber gut gelungen. Nervig hingegen die Synchronisation. Bei englischer Sprachausgabe und deutschen Untertiteln passt irgendwie gar nichts zusammen: Oftmals unterscheidet sich der übersetzte Text deutlich von dem, was englisch gesprochen wird und wirkt dadurch etwas aus dem Kontext gerissen.

Gleichzeitig stimmt die Sprachausgabe nicht mit der Mundbwegung eines Charakters überein. Natürlich passt es ohnehin nicht immer perfekt, aber wenn sich der Mund noch sekundenlang bewegt, obwohl längst nicht mehr geredet wird, hat das schon etwas skurriles an sich, was besonders bei wichtigen Dialogen auf Dauer sehr störend ist. Darüber hinaus ist Lann in World of Final Fantasy leider „nur“ der jüngere, dümmliche Bruder geworden. Oft lockert er Situationen mit seiner Naivität auf, aber spätestens nach vier Stunden gehen einem die platten Sprüche und sein schlichtes Gemüt ziemlich auf den Keks.

Welche Geheimnisse sich in der Vergangenheit von Reynn und Lann vebergen könnt ihr bald herausfinden

Kämpfen, stapeln, wachsen

Das Kampfsystem von World of Final Fantasy basiert auf Schnelligkeit. Im Active Time Battle läuft am linken Bildschirm eine Leiste auf und ab, bei der euch angezeigt wird, wann eure Charaktere am Zug sind, bzw. die Gegner einen Angriff wagen können. Je nachdem, wie schnell eine Figur ist, kann sie deutlich langsamere Charaktere auf dieser Leiste auch schon einmal überholen – oder im umkehrschluss weit hinter ihnen zurückbleiben.

Im Gegensatz zu Pokémon, Yo-Kai Watch und vielen anderen von Sammelwut angetriebenen Mini-Monster-Spielen, nehmen Lann und Reynn neben ihren Mirages am aktiven Kampfgeschehen teil und unterstützen sie tatkräftig. Zur Auswahl stehen dabei jeder Figur physische Angriffe, Blocks, unterschiedliche Zauber und natürlich immer auch das Nutzen von Items. Auch Mirages können auf das Inventar zugreifen und beispielsweise die Zwillinge mit Heiltränken wieder aufleben lassen. Besonders bei vielen Gegnern, die schneller sind als wir und dadurch öfter angreifen dürfen, erleichtert es das Vorgehen und erlaubt es uns, Lanns Schlagkraft voll auszunutzen, anstatt uns mit dem Aufpäppeln der Teammitglieder herumzuärgern.

Das wichtigste Element im Kampf und das Aushängeschild für World of Final Fantasy ist jedoch das Stapeln. Habt ihr mithilfe eines Prismariums ausreichend Mirages gefangen, könnt ihr diese im Kampf nicht nur losgelöst neben euch kämpfen lassen, sondern euch auch mit ihnen verbinden. Zu diesem Zweck stapelt ihr sie wortwörtlich auf eurem Kopf und kombiniert auf diese Weise eure Stärken, aber auch eure Schwächen. AP, die zum Zaubern benötigt werden, und Lebenspunkte der einzelnen Charaktere werden beim Stapeln zusammengefügt, sodass ihr in diesem Modus über deutlich höhere Werte verfügt. Und das ist bei einigen Gegnern auch bitter nötig. world-of-final-fantasy-vorschau-bild-4Kämpft ihr alleine und losgelöst von euren Mirages, hat jeder von euch einen Move, eine eigene Geschwindigkeit und kann unterschiedliche Angriffe tätigen. Befindet ihr euch im gestapelten Modus, verschmelzt ihr mit euren Mirages sozusagen zu einer Person und verfügt dementsprechend auch nur noch über eine Aktion. Im Gegenzug könnt ihr manchmal besonders mächtige Angriffe oder Zauber wirken, je nachdem, ob sich die Elemente eurer Mirages verbinden konnten oder nicht.

Beim Stapeln spielt die Größe der Mirages, aber auch eure eigene eine Rolle. Denn während die kleinen Monster in S, M, L und mehr in Erscheinung treten, können auch die Zwillinge ihre Größe ändern und entweder als Chibi oder Hüne am Kampf teilnehmen. Das ist beim Stapeln von Wichtigkeit, weil ihr grundsätzlich nur kleinere Mirages auf euch stapeln könnt. Als Chibi („Murkel“) seid ihr Größe M und könnt nur S-Mirages auf euch stapeln; dafür könnt ihr in diesem Zustand auf einem L-Mirage reiten und befindet euch damit in der Mitte des Stapels. Seid ihr ein L-Hüne, könnt ihr ein M-Mirage auf dem Kopf tragen, das wiederum ein S-Mirage auf seinem Kopf stapelt. In dieser Konstellation befindet ihr euch also ganz unten im Stapel.

Im Kampfgeschehen könnt ihr bewusst zwischen einem schnellen und einem klassischen System wählen. Mit den Buttons auf dem Controller führen Lenn, Reynn und Co. ganz unkompliziert eine einfache Attacke aus, nutzen Gegenstände oder blocken fleißig. Leider greifen sie im schnellen Modus auch ein automatisch gewähltes Ziel an, sodass ihr keinen Einfluss darauf habt, wem genau ihr auf die Glocke haut. Wollt ihr dies selbst entscheiden, muss per Knopfdruck ins klassische Menü gesprungen werden, wo dann einzelne Ziele und andere Zauber ausgewählt werden können. Man könnte glauben, dass das nervig sei – streng genommen ist die Handhabung aber so einfach gestaltet, dass der „Zeitaufwand“ derselbe ist und je nach Wichtigkeit und Schweregrad eines Kampfes spontan entschieden werden kann, wie viel Kontrolle ich als Spieler ausüben muss oder will.World of Final Fantasy Erscheinungstermin und erster Story-Trailer

Sammelnwut und Entwicklungstrieb

Die Mirages in World of Final Fantasy sind nicht nur im Kampf hilfreich, sondern fast durchgehend wahnsinnig einfallsreich designed und wirklich hübsch anzusehen. Neben klassischen Monster wie Mogry und dem Chocobo findet ihr in diesem Spiel auch viele neue Kreaturen, die manchmal sogar in unterschiedlichen Elementen und leicht angepasstem Aussehen auftreten. Nicht jedes Mirage kann darüber hinaus einfach so gefangen werden; manchmal müssen erst bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit ihr zuschnappen könnt.

Bei einigen genügt es, die Lebenspunkte etwas runterzuprügeln, bei anderen müssen zuerst bestimmte Zustandsveränderungen verursacht oder eine spezielle Attacke angewendet werden, ehe wir das Prismarium werfen und das Mirage einfangen können. Das sorgt für Abwechslung und erfordert ein bisschen taktisches Vorgehen – und hört sich deutlich leichter an als es im Endeffekt ist.

Seid ihr in den leider weniger einfallsreichen Dungeons unterwegs, in denen ihr manchmal auch mithilfe der Mirages Rätsel lösen, Aktionen auslösen oder Knöpfe betätigen müsst, finden Zufallskämpfe statt, ähnlich wie im hohen Gras bei Pokémon. Wer Pech hat – so wie ich – stolpert dabei gerne Mal mit dem falschen Stapel in einen Kampf gegen fiese Gegner und muss den Weg anschließend ein weiteres Mal zurücklegen.

An sich ist das Balancing aber in Ordnung. Hin und wieder trefft ihr auf besonders starke Gegner, die aber von Anfang an als solche gekennzeichnet sind und nur eine Art Extra-Leistung darstellen. Diese mächtigen Mirages solltet ihr erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufsuchen und dann gepflegt auseinandernehmen. Oder einfangen!

Über das sogenannte Mirabord könnt ihr eure Mirages skillen, neue Attacken ausbilden oder ihre Werte erhöhen. Habt ihr genug Punkte gesammelt, könnt ihr auch ihre Metamorphose freischalten und sie entwickeln. Anschließend darf zwischen den Formen eines Monsters nach Belieben gewechselt und sich ihre individuellen Fähigkeiten zueigen gemacht werden. Allerdings – und das ist ein großes Manko – lässt sich die Form ausschließlich an Speicherständen auswählen. Habt ihr also unterwegs die falsche Form eines Mirages dabei und könnt beispielsweise einen im Weg liegenden Felsen nicht zerstören, hilft alles nichts: Der Weg zum letzten Speicherpunkt muss wieder angetreten werden.world-of-final-fantasy-vorschau-bild-7

Schönes Charakterdesign
Unterhaltsame Story
Rätsel in Dungeons...
Große Vielfalt an Mirages und Entwicklungen
schräges Stapel-Kampfsystem funktioniert bestens
jede Menge bekannte Gesichter aus alten FF-Teilen
einfallslose Dungeons
Schlechte Synchronisierung
... die aber viel zu einfach sind
Metamorphose nur am Tresor auslösbar

Sandra

Ich hatte an World of Final Fantasy deutlich mehr Spaß als ich zu Beginn gedacht hätte. Das Sammeln der Mirages, ihre Entwicklungen, die Kämpfe – all das macht Freude und kann auch auf der PS4 unterhalten, obwohl das Konzept wohl eher auf die PS Vita spezialisiert ist. Lann und Reynn sind interessante Charaktere, denen ich gerne bei der Erkundung ihrer Geschichte geholfen habe. Fans der Reihe dürfen beherzt zugreifen, vorausgesetzt sie können sich mit dem verniedlichten Flair des Spiels anfreunden.
Test: Call of Duty: Infinite Warfare Test: Lethal VR
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