Test: Sebastien Loeb Rally Evo

Review Loeb Rally 1

Dem Sonnenuntergang entgegen – ob die Stoßdämpfer des Clios halten?

Ein neues Jahr eine neue Rally Saison – unter dieser Voraussetzung begann letzte Woche die Rally Weltmeisterschaft 2016 in Monte Carlo. Ob der Franzose Sebastien Ogier auch dieses Jahr wieder triumphieren kann, wird sich Ende des Jahres in Australien zeigen. Ein anderer Franzose, Sebastien Loeb, hat seine Sternstunden in der Rally Weltmeisterschaft bereits hinter sich gelassen, und widmet sich lieber anderen Dingen. Beispielsweise steht er Pate für Milestones neuestes Werk aus der Motorsport Welt. Ob sich das Spiel mit dem Namen des neunfachen Weltmeisters lohnt, oder ob es nur im Schatten von Dirt Rally stehen wird, werden wir im folgenden Test zu Sebastien Loeb Rally Evo genauer unter die Lupe nehmen.

Lasst die Karriere beginnen!

Nachdem das Spiel gestartet wurde geht es bereits ans Eingemachte: Es gilt Namen, Outfit, Logo und Teamfarben für den künftigen Stern am Rallyhimmel zu erstellen. Habt ihr diese Hürde überwunden, und die Runden auf dem Trainingsgelände, auf dem ihr übrigens jedes neu erstandene Fahrzeug ausgiebig auf Herz und Nieren und auf unterschiedlichen Untergründen testen könnt, abgeschlossen, finden wir uns im Menü wieder. Wie jeder aufstrebende Pilot eines Rennautos stürzen wir uns schnurstracks in den Karriere Modus.

Dort angekommen müssen wir uns erstmal durch die Debutklasse fahren, bevor wir überhaupt auch nur daran denken können unser Fahrgeschick in einer der höheren Klassen unter Beweis zu stellen. Doch haben wir unsere ersten Credits verdient, und sind im Ansehen aufgestiegen, dürfen wir uns natürlich beim örtlichen Händer für Rally Fahrzeuge von Sebastien Loeb Rally umsehen, um uns ein schnelleres Gefährt zu besorgen. Der Karriere Modus ist sehr geradlinig, so mangelt es nicht an Übersicht.

Sind die ersten Rennen erfolgreich abgeschlossen, kann die Karriere angegangen werden wie immer man möchte. Kein enges Korsett, welches einem vorschreibt welche Veranstaltung als nächstes zum Pflichtevent wird. So steht es einem selbst offen, ob als nächstes eine Rallymeisterschaft, ein Elimination Rennen oder sogar Hillclimb auf dem Plan steht – es gibt eine Fülle an unterschiedlichen Modi über die ihr euch verdingen könnt. Besonders positiv gefällt uns der enorme Umfang an Fahrzeugklassen, der wie eine komplette Fahrt durch die gesamte Rallygeschichte wirkt. Egal ob der legendäre Lancia Stratos, Auto Quattro R, Citreon Saxo oder der aktuelle Champion VW Polo R – ihr könnt sie alle fahren.

Einmal Walter Röhrl sein: Mit dem Audi Quattro der 80er über die Piste heizen.

Einmal Walter Röhrl sein: Mit dem Audi Quattro der 80er über die Piste heizen.

Vom Fahrgefühl und der Loeb Erfahrung

Das Kernstück eines jeden Motorsport Titels sind natürlich die Vehikel, die es zu fahren gilt. In Sebastien Loeb Rally Evo fühlen diese sich – Loeb sei Dank – alle unterschiedlichen an. Ob es nun das markante Schaltgetriebe des Subaru Impreza ’95 ist, oder ob ihr im neuen VW Polo R über den Asphalt, Schotterpiste oder die vereisten Einöden Schwedens brettert, jedes Auto bietet ein eigenes Fahrerlebnis, welches es zu meistern gilt. Steigt man ohne vorher eine paar Trainingsrunden gedreht zu haben hinter das Steuer eines neu erstandenen Wagens, kommt es nicht selten vor, dass man sich am nächsten Baum oder Abhang wiederfindet. Besonders wenn man, der Rallyklasse geschuldet, wieder vom Allrad- auf Zweiradantrieb umsteigt.

Natürlich bietet Sebastien Loeb Rally Evo auch unterschiedliche Fahrperspektiven: Ob nun direkt hinter dem Fahrzeug, aus dem Cockpit oder von der Motorhaube aus, jeder sollte hier seinen bevorzugten Blickwinkel finden. Leider spinnt die Physik an manchen Ecken, so schleudert ihr oftmals grundlos in der Luft rum, obwohl nur eine kleine Bodenwelle falsch genommen wurde. Oder ihr rast gegen einen kleinen Busch, der sich zum Betonpfeiler berufen fühlt. Es können zudem ganz kuriose Dinge auftauchen, wie etwa magnetische Steine, in unseren Fall widerfuhr uns dieses Malheur zwei Mal während der Testphase. So rammten wir beim driften die Abgrenzung und klebten an Ort und stelle fest. Erst ein Rewind verschaffte Abhilfe. Ein Feature welches spätestens seit dem Dirt-Franchise unter Rallyfans bekannt sein dürfte.

Aber was wäre ein Rallyspiel welches mit dem Namen eines der größten Motorsportler aller Zeiten prahlt, wenn ihm kein eigener Modus gewidmet wurde? So darf gerne zwischendurch die Karriere verlassen werden und ein Blick in die sogenannte Loeb Experience geworfen werden. Freunde des Rallysports kommen hier besonders auf ihre Kosten. Vor jedem Abschnitt der Geschichte erzählt Loeb in einem Video wie er die Zeit damals erlebte, welche Besonderheiten es gab, oder einfach einen Schwank aus dem Rallyleben. Anschließend dürfen wir mit dem Wagen den er damals fuhr selbst auf die Strecke – sind wir erfolgreich gibt es jenes Auto geschenkt.

Natürlich könnt ihr auch bei Nacht beispielsweise durch den Elsass düsen.

Natürlich könnt ihr auch bei Nacht beispielsweise durch den Elsass düsen.

Monotonie am Straßenrand und Virtuell

Natürlich ist bei Sebastien Loeb Rally Evo auch nicht alles grün, besonders wenn man in Australien oder Mexiko unterwegs ist, so ist abseits der Strecke nicht viel los. Wer sich Bilder von Aufzeichnungen aus dem Fernsehen ansieht, wird schnell feststellen, wie viele Menschen sich doch zu den Veranstaltungen begeben. Hier finden sich leider immer wieder nur eine kleine Zahl von Polygonen wieder, die dann auch nur synchron die Arme und heben und senken. Das drückt gewaltig auf die Atmosphäre! Dann lieber ganz weglassen, bevor es derart lieblos umgesetzt wird.

Ebenso fallen die langen Ladezeiten zwischen den einzelnen Rennen auf. Je nach länge der Strecke können diese, wir haben mit Stopuhr nachgemessen, gerne die 40 Sekunden überschreiten. Da ein Rennen im Schnitt nach fünf Minuten wieder rum ist, fühlt man sich schnell wie zu den anfänglichen Zeiten bei Bloodborne. Abgesehen von den netten Motorensounds ist sonst allerdings nicht viel zu hören. In Sachen Soundtrack hätte hier mehr getan werden können, um den Spieler bei Laune und die Atmosphäre aufrecht zu halten.

Auch drückt die visuelle Präsentation ein wenig aufs Spaßbremspedal. So stellten wir uns oft die Frage, ob einige Landschaften nicht hübscher, und die Modelle der Wagen nicht detailreicher hätten sein können. Der Multiplayer ist außerdem auch eher spärlich gehalten. Zum aktuellen Zeitpunkt fanden sich zwar keine Kontrahenten um mit bis 16 Spielern um die Bestzeit auf einer Einzeletappe oder einer Rallycross Strecke zu heizen, doch lässt sich jetzt schon sagen, dass hier deutlich am Potenzial gespart wurde. Es besteht keine Möglichkeit eine Rallymeisterschaft, oder einen der anderen viele Modi online auszutragen.

Die Replay-Funktion erlaubt schicke Screenshots.

Die Replay-Funktion erlaubt schicke Screenshots.

Enormer Umfang
Reise durch die Geschichte
Rally pur
Loeb Experience
Immense Ladezeiten
Audiovisuelle Präsentation
Schmächtiger Multiplayer

Ole S.

Was ein Ritt! Trotz aller angebrachter Kritik unterhält Sebastien Loeb Rally Evo von vorn bis hinten. Schnell fällt auf, dass Milestone den Fokus auf das Singleplayer Erlebnis gelegt hat, und dafür Minuspunkte im Multiplayer in Kauf nimmt. Wer das berücksichtigt, bekommt eine großartige Rallysimulation geboten, die auch Neueinsteigern dank unzähliger Hilfen beim Fahren den Einstieg erleichtert. Wer auch nur ein wenig Interesse am Rallysport hat, wird von der Loeb Experience begeistert sein, bekommt man so doch einen Blick hinter den Vorhang, der über allem Professionellen hängt. Der enorme Umfang an Rennen und Autoklassen innerhalb der Karriere wird euch lange beschäftigen, sofern ihr ganz an die Spitze der Weltelite möchtet.
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