Space Gate Odyssee im Test: Das Brettspiel für Weltraum-Logistiker

Space-Gate-Odyssee-Packshot

Space Gate Odyssey lässt euch zum interstellaren Transport-Mogul aufsteigen.

In einer Science-Fiction-Welt ist die Menschheit auf der Suche nach neuem Lebensraum. Das Szenario von Space Gate Odyssee klingt vertraut. Egal ob im Film, Video- oder Brettspiel, die Vorstellung einer Alternative zu Mutter Erde im Weltraum fasziniert nach wie vor. In Space Gate Odyssee, dem neuen Brettspiel von Ludonaute, ist die Suche nach einer neuen Welt für die Menschen jedoch bereits abgeschlossen. Ein fernes Sternensystem mit insgesamt sechs Planeten soll als neue Heimat dienen. Vor der endgültigen Besiedlung gibt es allerdings noch einige logistische Probleme zu beseitigen. Genau mit diesen müsst ihr euch in Space Gate Odyssee herumschlagen.

Jeder von euch übernimmt die Funktion des Anführers einer einflussreichen Konföderation. Ihr konkurriert um den Einfluss auf der Odyssee-Kommandozentrale, einer riesigen Raumstation, von der aus die Besiedlung der neuen Welten organisiert wird. Durch drei große Raumtore werden die Kolonisten auf die verschiedenen Planeten verteilt. Mit logistischem Geschick sichert ihr euch das größte Stück vom Kuchen und werdet so zur einflussreichsten Konföderation der neuen Welt.

Dem Ingenieur ist nichts zu schwör

Im Inneren der Raumstation arbeiten die besten Ingenieure der Konföderationen an der Lösung der letzten technischen Probleme. Die Odyssee-Kommandozentrale besteht aus fünf Kontrollräumen. Bereits zu Spielbeginn darf jeder Spieler einige Ingenieure in den Kammern platzieren. Als aktiver Spieler verschiebt ihr einen ausgewählten Ingenieur von einem Raum in einen anderen. Der Raum, in den euer Ingenieur verschoben wurde, ist jetzt aktiviert und es werden dort Aktionen ausgeführt.

Alle Ingenieure im aktivierten Kontrollraum dürfen nun eine Aktion ausführen. Dies gilt nicht nur für eure eigenen Figuren, sondern auch für die Ingenieure der anderen Spieler. Aktionspunkte sind letztlich auch die harte Währung, die euch den Spielsieg einbringen. Im Kern besteht eure Aufgabe also darin, an möglichst vielen Zügen der Mitspieler zu partizipieren. Wer gut vorausahnt, was der Mitspieler im Schilde führt, hat natürlich gute Karten.

Kolonisten warten auf den Abtransport

Die Kolonisten der eigenen Konföderation warten unterdessen auf ihren Transport zu den neuen Planeten. Dabei sind sie voll und ganz auf das Handeln der Ingenieure angewiesen. Jede Konföderation verfügt über einen eigenen Stamm an Kolonisten. Im Spielverlauf versucht ihr, möglichst viele eigene Kolonisten auf die Planeten zu verteilen.

Zunächst sind die Siedler jedoch zum Warten verdammt. Die ersten fünf Kolonisten werden bei Spielbeginn auf ein einzelnes Raummodul gestellt. Im weiteren Verlauf werden weitere Siedler hinzukommen, aber auch neue Raummodule. Auf diesen werden die Kolonisten zunächst zwischengeparkt, bevor sie sich endlich auf den Planeten ansiedeln können.

Bauarbeiten am Raumschiff

Neue Raummodule könnt ihr ins Spiel bringen, wenn ein Ingenieur in der Odyssey-Kommandozentrale auf den Modul-Kontrollraum gezogen wird. Alle Ingenieure, die sich in dieser Kammer befinden, erhalten nun einen Aktionspunkt. Mit einem Aktionspunkt dürft ihr ein neues Raummodul ziehen und es an euer Raumschiff anlegen. So bastelt jede Konföderation an ihrem eigenen Raumschiff, auf dem sich die Kolonisten befinden. Die Ingenieure hingegen bewegen sich gemeinsam durch die Odyssey-Kommandozentrale und profitieren mitunter auch von den Aktionen der anderen Ingenieure.

Auf zu neuen Planeten: In Space Gate Odyssey gehört das zum spielerischen Alltag.

Neue Kolonisten werden ins Spiel gebracht, wenn sich ein Ingenieur in den Luftschleusen-Kontrollraum bewegt. Jeder Ingenieur, egal welcher Konföderation er angehört, erhält nun wieder einen Aktionspunkt. Dieser kann nun in neue Kolonisten für das eigene Raumschiff investiert werden. Für jeden Aktionspunkt dürft ihr ein Luftschleusen-Modul vollständig mit Kolonisten ausstatten. Je nach Modul können das zwischen zwei und fünf Siedler sein.

Ressourcen für die neuen Welten

Das eigene Raumschiff könnt ihr mit Modulen dreierlei Art ergänzen. Bereits erwähnt wurde das Luftschleusen-Modul. Die Luftschleuse ist der einzige Weg, um neue Kolonisten ins Raumschiff zu bringen. Weiterhin gibt es noch die Odyssey-Module. Sobald ein Kolonist ein solches Modul betritt, erhaltet ihr einen bestimmten Bonus. Die Boni bringen euch Vorteile in der Odyssey-Kommandozentrale ein.

Module spielen für den Erfolg auf fremden Planeten eine entscheidende Rolle.

So könnt ihr etwa einen neuen Ingenieur erhalten oder aber eine bereits eingesetzte Figur zum Chef-Ingenieur befördern, der euch bei Aktivierung gleich zwei Aktionspunkte einbringt. Sehr hilfreich können auch Roboter sein. Sie verbleiben immer am gleichen Ort, können also in der Kommandozentrale nicht bewegt werden. Bei Aktivierung verrichten sie ihre Arbeit aber genauso zuverlässig wie ein Ingenieur aus Fleisch und Blut.

Auf zu neuen Ufern

Als dritte große Gruppe kommen noch die Raumtor-Module ins Spiel. Wenn ihr ein solches Raumtor-Modul komplett mit Kolonisten ausgestattet habt, bekommt ihr die Chance, diese Kolonisten zu einem neuen Planeten übersiedeln zu lassen. Die Raumtor-Module stellen so eine Transportmöglichkeit zur neuen Welt dar. Die Übersiedlung erfolgt allerdings nicht automatisch, sondern muss zuvor von den Ingenieuren in der Odyssey-Kommandozentrale vorgenommen werden.

Natur, Wasser und Energie: Die drei großen Elemente in Space Gate Odyssey

Die Übersiedlung schubst ihr an, indem ihr einen Ingenieur in den Wasser-, Energie- oder den Natur-Kontrollraum zieht. Diese drei wichtigen Ressourcen findet ihr auch bei den Raumschiff-Modulen wieder. Sowohl Raumtor-, als auch Odyssey- und Luftschleusen-Module liegen in den drei Varianten Natur, Wasser und Energie vor.

Über die Kontrollräume können die Ingenieure nun Aktionspunkte sammeln, um Kolonisten im Raumschiff zu bewegen. Wenn ihr beispielsweise vier Aktionspunkte im Wasser-Kontrollraum erhaltet, dürft ihr vier Bewegungspunkte für die Kolonisten im eigenen Raumschiff aufwenden. Die Bewegung eines Kolonisten muss dabei aber in jedem Fall auf einem Wassermodul enden.

Die großen Raumtore

Über diese Mechanik versucht ihr eure Raumtor-Module im Schiff vollständig mit Kolonisten zu belegen. Nur dann habt ihr auch die Möglichkeit, sie zu den neuen Planeten zu bringen. Wenn jemand in einer Runde den Wasser-, Natur- oder Energie-Kontrollraum aktiviert, dürfen nun alle vollständig besetzten Raummodule endlich übersiedeln. Wie gehabt gilt dies für alle Spieler gleichermaßen, nicht nur für den aktiven Spieler.

Space Gate Odyssey: Ab sofort für rund 50€ im Handel

Zu welchem Planeten die Reise geht, steht in der Regel bereits vorher fest. Auf den Raumtor-Modulen befinden sich kleine Symbole. Ihr findet sie auch auf den drei Raumtoren wieder. Sie zeigen an, zu welchem Planeten ein Raumtor-Modul verschifft wird. Alle Kolonisten auf dem Raumtor-Modul dürfen sich jetzt auf dem zugeteilten Planeten ansiedeln. Erst wenn der Planet mit ausreichend Kolonisten bestückt wurde, wird das Raumtor zum nächsten Planeten weiterverschoben.

Kolonisation auf dem Zentralplaneten

Letztlich wandern alle Raumtore auf den Planeten Hawking, dem zentralen Planeten des Sternensystems. Sobald dies geschehen ist, wird auch das Ende des Spiels eingeläutet. Es werden nochmals alle voll bemannten Raummodule verschickt. Die letzten Kolonisten siedeln sich auf Hawking an. Anschließend geht es direkt in die Endwertung, in der es nochmals einige Sonderpunkte zu holen gibt.

Space Gate Odyssey baut auf hochwertiges Spielmaterial

Viele Siegpunkte gibt es jedoch bereits vorab. Sie werden ausgeschüttet, sobald die Kolonisation eines Planeten abgeschlossen wurde. Je nach Planeten gelten hier andere Bedingungen. Meist spielt auch die Anordnung der Kolonisten eine Rolle. Wenn ihr es ganz geschickt anstellt, landen eure Kolonisten also zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt in ihrer neuen Heimat. Dann können sie die besten Plätze auf dem Planeten für sich beanspruchen, was sich für euch in einer höheren Siegpunktzahl niederschlägt.

Eine Frage der Priorität

Auf den einzelnen Planeten findet ihr auch einige sogenannten Prioritätsfelder wieder. Besiedelt ihr mit einem Kolonisten ein solches Feld, dürft ihr zwei Prioritätsmarker auf Hawking miteinander vertauschen. Die Prioritäten treffen eine Aussage darüber, welche Ressource im Sternensystem besonders gefragt ist. Hier kommen wieder die drei Ressourcen Wasser, Energie und Natur ins Spiel.

Über diese werden bei Spielende zusätzliche Siegpunkte ausgeschüttet. Diese erhält der Spieler mit den meisten Wasser-, Energie- oder Naturmodulen in seinem eigenen Raumschiff. Wie viele Sonderpunkte das sind, hängt von der Priorität der Ressource ab. Gelingt es euch, die eigenen Kolonisten an den wichtigen Stellschrauben zu platzieren, könnt ihr die Prioritäten zu euren Gunsten verändern.

Um die mächtigste Konföderation im neuen Sternensystem zu werden, müsst ihr also wohl so einige Faktoren in eure Überlegungen mit einfließen lassen. Das wirkt sich auch auf die Spieldauer aus. Rund 90 Minuten solltet ihr für eine Partie veranschlagen. Space Gate Odyssey ist für zwei bis vier Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Das Spiel findet ihr ab sofort und Handel. Kostenpunkt: etwa 45€ bis 50€.

geringe Wartezeiten
hohe Variabilität
taktisch anspruchsvoll
fordert logistisches Geschick
hochwertiges Material
grafisch eher schlicht

Sebastian Hamers

Auf das Timing kommt es an. Selten hat diese Floskel so sehr zugetroffen wie bei Space Gate Odyssey. Das Spiel verlangt eurem logistischen Planungsvermögen einiges ab. Taktisch gibt es allerhand zu bedenken. Eine Kernaufgabe besteht sicherlich in der Platzierung eurer Mitarbeiter in der Odyssey-Kommandozentrale. Wenn ihr an möglichst vielen Zügen der anderen Spieler partizipieren könnt, ist das schon einmal die halbe Miete. Es muss euch gelingen, die Aktionen der Mitspieler vorauszuahnen und eure Ingenieure und Roboter im Einsatz halten. Doch auch die Planung des eigenen Raumschiffs dürft ihr nicht außer Acht lassen. Mit den Odyssey-Modulen erhaltet ihr zwar wertvolle Boni, doch wird durch sie der Weg zu den Raumtor-Modulen immer weiter. Eine effiziente Bauweise des Raumschiffs ist also unumgänglich. Letztlich ist auch bei der Besiedlung der Planeten gutes Timing gefragt. Wenn ihr eure Kolonisten zur rechten Zeit zum Ziel bringt, könnt ihr so manchen Extrapunkt einheimsen. Spielerisch wartet mit Space Gate Odyssey also ein taktisch anspruchsvolles Spiel auf euch. Pluspunkte kann es aber auch mit seiner Aufmachung sammeln. Die Raumschiff-Module lassen sich optisch ansprechend auf einer schicken Modul-Halterung lagern, sehr komfortabel. Rein optisch wirkt Space Gate Odyssey hingegen etwas bieder, was aber sicherlich auch etwas am Weltraum-Thema liegt. Gut gefallen hat mir hingegen die Variabilität des Spiels. Obwohl für eine Partie nur fünf Planeten benötigt werden, liegen dem Spiel gleich acht verschiedene Planeten bei. Jeder davon spielt sich ein wenig anders. Für genügend Abwechslung und Langzeitmotivation ist also gesorgt.
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