Team Sonic Racing im Test: Aus dem Windschatten an Mario Kart vorbei?

 

Team-Sonic-Racing-Teamplay

Team Sonic Racing: Konkurrenz für Mario Kart?

Während derzeit die halbe Welt aufgrund seiner filmischen Eskapaden darüber zu streiten scheint, wie ein richtiger Sonic auszusehen hat (um auch als guter Sonic durchzugehen), dürfte Segas neuester Fun-Racer Team Sonic Racing die Gemüter kurzzeitig beruhigen. Hier gibt’s das alte Design auf die Augen, Sonics Beine sind hinter dem Steuer nicht einmal zu sehen – Welch ein Glück! Ob das Rennspiel dabei aber nur als Erste-Hilfe-Valium für designverletzte Fans funktioniert oder auch die Kurve (weil Rennspiel hihi, fuchsige Leser werden noch weitere Anspielungen wie diese ausfindig machen) als ernstzunehmender Fun-Racer kriegt, verraten wir euch in unserem Test zu Team Sonic Racing.

Der Tanz Die Fahrt ums Kalb

Schaffen wir es direkt aus dem Weg: Team Sonic Racing steht natürlich in direkter Konkurrenz zum vermeintlich goldenen Kalb des Genres. Jeder denkt, er könnte die falsche Gottheit vom Throne stürzen, aber letztendlich ist es dann meist so: Mario Kart ist Mario Kart ist Mario Kart und das seit knapp 25 Jahren. Viele kamen, viele gingen, aber nie schmeckte der Wein so süß wie aus dem heiligen Mario Kart Gral. Erfrischend ist es da, dass Team Sonic Racing das “Team“ in seinem Titel auch wirklich ernst nimmt und erstmal eine Stellschraube grundlegend anders einstellt als die Mechaniker von Nintendo. Sumo Digital, welche sich für die Entwicklung von Sonic Team Racing verantwortlich zeichnen, lassen nicht jeden gegen jeden auf der Rennstrecke antreten, sondern Dreierteams um die Wette fahren. Man gießt sich also auf den ersten Blick keinen Wein, sondern etwas anderes, etwas möglicherweise erfrischenderes, in den Krug. 

Der Teamverbund bietet euch dabei diverse taktische Vorteile: Zum einen lässt der führende Fahrer eine Art sichtbaren Windschatten hinter sich fallen. Fährt nun ein anderes Teammitglied lange genug hinter seinem Kollegen her, baut sich langsam ein Boost auf. Niemand aus der Gruppe wird also zurück gelassen. Der führende Fahrer sollte bestenfalls so ruhig in der Spur bleiben wie möglich, um es seinen Kompagnons wiederum leichter zu machen, mit den durch den Windschatten gewonnenen Boosts aufzuschließen.

Team-Sonic-Racing-Charaktere

15 Charaktere aus dem Sonic-Universum stehen zur Auswahl

Zum anderen wurde eine Mechanik implementiert, die es ermöglicht, Teammitglieder quasi mitzuziehen. Fährt man sehr nah und schnell an einem langsameren Kollegen vorbei, dann bekommt dieser einen eben so saftigen Boost spendiert wie durch die Windschattenmechanik. Gerade in der Hektik eines unübersichtlichen Rennens kann das Zusammenspiel dieser beiden Techniken über Sieg und Niederlage entscheiden. Das Schöne daran ist, dass echtes Teamwork wirklich gefördert wird, denn nicht nur eure Position in der Rangliste zählt am Ende des Tages, sondern auch die der zwei Mitfahrer. Man sollte sich also gut um sein Team kümmern. Nur weil ihr als erstes die Ziellinie überquert, steht ihr am Schluss nicht automatisch als Sieger da.

Schnell geteilt ist dreifach gewonnen

Um den langsameren Mitfahrern das Leben ein wenig zu erleichtern (das ist nämlich hart genug), könnt ihr eingesammelte Items mit ihnen teilen. Der Clou daran: Bietet ihr eurem Team beispielsweise einen den Weg versperrenden Steinblock an, erhält euer Kamerad gleich 3 Blöcke. Die angebotenen Items verdreifachen sich nämlich stets, was es eindeutig zur lohnenden Investition macht, einmal den barmherzigen Samariter raushängen zu lassen und keinen Egotrip zu fahren. Was die Items angeht, hat man sich allerdings nahezu 1:1 an Nintendos Mario Kart Repertoire bedient.

Seien es Grüne und Rote Panzer, der den Bildschirm verschmierende Blooper oder ein Kugelwilli, welcher euch von den hinteren Plätzen aufschließen lässt – Nahezu alle Items lassen sich auch in einem leicht abgewandelten Erscheinungsbild in Team Sonic Racing finden. Das ist nicht sonderlich schlimm, aber ein wenig kreative Eigenleistung hätte man schon erwarten dürfen. Neue Kreationen, deren Profil noch nicht so arg abgefahren (na gut ich höre auf damit) ist, wären definitiv ein wünschenswertes Alleinstellungsmerkmal gewesen.

Team-Sonic-Racing-Vielfalt

Nicht viel Neues bei der Waffenauswahl

Sonico Kart

Neben Fahrgefühl und Items lebt gerade ein Fun-Racer selbstverständlich von seinen ausufernden und kreativen Rennpisten. Unter den 21 Strecken finden sich tatsächlich einige Rohdiamanten, bei denen Design und Streckenführung nahtlos ineinander greifen. Leider befinden diese sich aber in der absoluten Minderheit. Grundlegend sind die Strecken thematisch ausschließlich an das Sonic Universum angelehnt, wirken dabei allerdings sehr oft furchtbar belanglos. Wirklichen Wiedererkennungswert ließen die Kurse schmerzlich vermissen und eine klare Vision blieb häufig aus.

Versteht mich nicht falsch, es macht aufgrund der soliden Streckenführung durchaus Spaß auf ihnen zu fahren, allerdings versteht man diese Strecken leider nicht in einen thematisch runden Kontext zu setzen. Das findet seine Krönung darin, dass einfach bekannte Mario Kart Strecken wie die Wolkenstraße oder der ikonische Pinball-Kurs aus Mario Kart DS kopiert werden. Die Ideenlosigkeit der Strecken mag möglicherweise auch zu einem Teil am neu ausgerichtetem Fahrerfeld liegen. Anders als in den Sega All Stars Spielen fahren in Team Sonic Racing nämlich wirklich nur Sonic und seine Freunde um die Wette. Andere Sega-Maskotchen und Welten, wie beispielsweise Samba de Amigo, Space Channel 5 oder Shenmue dürfen gar nicht erst antreten.

Team-Sonic-Racing-Track

Wir hätten uns mehr kreative Ideen bei den Strecken gewünscht

Spaßige Schotterpiste

Leider reiht sich auch die musikalische Untermalung in die holprige Inszenierung ein. Der Score dudelt nur so vor sich hin. Keine Melodie bleibt so recht im Ohr kleben und ein Geschwindigkeits- oder besonderes Fahrgefühl kommt durch die Musik auch nicht so recht rüber. Zudem nerven spätestens bei eurem zweiten Rennen (vermutlich schon beim ersten) die wirklich peinlichen Kommentare, die Sonic und seine Freunde im Sekundentakt von sich geben. „Do the Math: You Can’t Beat us!“

Das Mag alles etwas düster klingen, Team Sonic muss sich allerdings wirklich nicht verstecken. Anders als der Genreprimus Mario Kart, besitzt der Funracer nämlich sogar einen ordentlichen Story Modus. Die marginale Story ist dabei zu vernachlässigen, das Spannende daran sind eher die diversen und abwechslungsreichen Aufgaben, welche euch gestellt werden. Mal heißt es driftenderweise so viele Ringe wie möglich zu sammeln, das andere Mal durch kleine Zielscheiben zu fahren oder dem Gegenverkehr auszuweichen. Das macht nicht nur eine Menge Spaß, sondern aktiviert auch enorm die Zockerehre, da bei jeder Aufgabe eine Platinmedaille zu holen ist.

Team-Sonic-Racing-Customization

Teile tauschen, um das Optimum herauszuholen

Zudem lassen sich eure Rennwagen, die jeweils nochmals in drei Klassen unterteilt werden, von euch nach Lust und Laune in der Garage aufmotzen. Das bringt zusätzlich ein wenig Taktik und Knobelei ins Spiel. Der richtige Wagen auf der richtigen Piste kann tatsächlich einen Unterschied machen. Die wenigen Online-Rennen, die wir bereits fahren konnten, fühlten sich zudem flüssig an und wer möchte kann alle Strecken auch ganz normal jeder gegen jeden ohne den namensgebenden Team-Modus fahren. 

Innovativer Teamfokus
Tolles Fahrgefühl
Taktisch tiefer als die meisten Fun-Racer
Spaßiger Storymodus
Abwechslungsreiche Modi
Schöne Tuningmöglichkeiten
Unmotivierte Präsentation
Lahmer Dudelscore
Altbackene Items und Streckendesigns
Anstrengende Sprachausgabe

Jonas Dirkes

Team Sonic Racing ist ein wahnsinnig rundes Spiel geworden, das sich dabei sehr unrund gibt. Spielerisch kann man auf PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC derzeit zu keinem besseren Vertreter des Fun-Racer Genres greifen. Der Teammodus bringt zudem einen taktisch gewitzten Kniff in das bekannte Konzept, der sich durchaus sehen lassen kann. Was aber die Inszenierung und das Gesamtgefühl angeht, muss sich Team Sonic Racing wie schon so viele vor ihm dem heiligen Mario Kart geschlagen geben. Aus Ideenmangel bedient sich Segas Racer wie an einem Buffet an den bekannten Mario Kart Standards und selbst Rennstrecken aus dem Hause Nintendo werden dreist kopiert. So hinterlässt mich Team Sonic Racing zwiegespalten: Wer auf der Suche nach einem kurzweiligen und manchmal auch fordernden Racer für die gängigen Plattformen ist, der greift bedenkenlos zu. Auf der Switch hingegen bleibt ihr besser beim Genreprimus.
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