Test: A Rose in the Twilight

Gerade Fans japanischer Spiele dürften mittlerweile bei Nippon Ichi Software einen gewaltigen Stein im Brett haben. Denn betrachtet man die letzten Jahre nüchtern, dann ist es erstaunlich, wie viele Games das Studio in den Westen gebracht hat. Darunter lassen sich nicht nur hochkarätige Serien wie Disgaea oder The Legend of Heroes finden, auch zählen hier zahlreiche Nischen-Titel dazu, die auf ihre Art ausgesprochen interessant sind, dabei aber nur ein minimales Publikum ansprechen. Allerdings scheint sich mittlerweile auch ein Trend abzuzeichnen, denn gerade nachdem wir nun das neue Spiel A Rose in the Twilight getestet haben, fragen wir uns, ob der Entwickler etwas gegen kleine Mädchen hat.

Ein süßes und blutiges Märchen

A Rose in the Twilight erinnert in mehr als nur einer Hinsicht an das im vergangenen Jahr veröffentlichte Spiel Yomawari, in welchem wir ebenfalls in die Rolle eines kleinen Mädchens schlüpfen mussten. Während sich das Spielprinzip dieser beiden Titel doch stark unterscheidet, so verfügen beide Spiele noch über eine weitere Gemeinsamkeit: Die süße Protagonistin erleidet des Öfteren einen qualvollen und blutigen Tod. Abgesehen von dieser skurrilen Parallele spielen sich jedoch beide Ableger gänzlich unterschiedlich, sodass man sich hier auf eine völlig neue Spielerfahrung freuen kann.

In A Rose in the Twilight schlüpfen wir in die Rolle des kleinen Mädchens „Rose“, die in einem verfallenen und trostlosen Schloss umherwandert. Dieses Schloss ist, ähnlich wie im Märchen Dornröschen, mit zahllosen riesigen Dornenranken umwuchert, welche die Lebenskraft aller Dinge entziehen, mit denen sie in Kontakt kommen. Entsprechend gilt es hier möglichst Abstand zu halten, während man das Schloss erkundet und dessen Geheimnisse ergründet, denn die kleinste Berührung führt zum unweigerlichen Tod der kleinen Rose.

Eines der hervorstechendsten Merkmale in A Rose in the Twilight ist insbesondere die Farbpalette, in die das Spiel getaucht wurde. So wird durch ein fast gänzliches Schwarz-Weiß-Schema eine bedrückende Stimmung erzeugt. Lediglich eine Farbe lässt sich im Verlauf des Spiels immer wieder entdecken: Die Farbe Rot. Diese bringt hier nicht nur einen besonderen Kontrast ins Design, auch hebt sie bestimmte Objekte hervor, mit denen wir interagieren können. Entsprechend ist es zudem nicht verwunderlich, dass insbesondere „Blut“ eine sehr wichtige Rolle in der Handlung spielt, was sich ebenfalls als spielerisches Element wiederfinden lässt.

Ein blutiger Puzzler

Kurz nach dem Beginn des Spiels treffen wir auf einen steinernen Golem, welcher uns auf unserer Erkundungstour durch das Spiel begleiten wird. In typischer Sidescrolling-Manier bewegen wir uns so durch unterschiedliche Räumlichkeiten des Schlosses und müssen hier den Geschehnissen auf den Grund gehen, die dazu geführt haben, dass die lebensaussaugenden Dornenranken das Schloss verschlangen. Dies geschieht durch das Finden von Blutlachen, die uns einige kurze Einblicke in die Ereignisse, in Form von Zwischensequenzen, geben.

A Rose in the Twilight ist zudem nicht nur ein Adventure, sondern in allererster Linie ein Puzzle-Game, in dem wir uns nach und nach durch die Räume des Schlosses bewegen und Herausforderungen meistern müssen. Dies geschieht insbesondere durch zwei spielerische Elemente. Zum einen durch die Fähigkeit, Blut zu manipulieren. Rose kann stets eine Ladung Blut von Objekten entziehen und mit sich umhertragen. Diese Eigenschaft führt dazu, dass Objekte weiß werden und bewegungslos verharren. Fällt beispielsweise ein roter Felsen vor uns von der Decke in den Abgrund herunter, können wir durch entsprechendes Timing diesem seine rote Farbe entziehen und mitten in der Luft stoppen lassen, sodass er beispielsweise als Brücke fungieren kann. Derartige Einsatzmöglichkeiten kommen im Spiel in zahlreichen Alternativen vor und oftmals spielt hier das richtige Timing eine wichtige Rolle, wenn man die Rätsel meistern möchte.

Die zweite wichtige Funktion in A Rose in the Twilight stellt die Interaktion zwischen Rose und dem Golem dar. So können wir durch einen Knopfdruck zwischen diesen beiden hin und her wechseln, um so beispielsweise an unterschiedlichen Orten diverse Aufgaben zu erfüllen. Während Rose Blut manipulieren kann, so ist der Golem dazu in der Lage, durch Dornenranken zu marschieren, Rose sogar in seinen Armen zu transportieren oder Objekte durch die Luft zu werfen. Durch die Verwendung dieser zwei simplen Mechaniken wird eine Vielzahl komplexer Rätsel ermöglicht, bei denen insbesondere Timing und Voraussicht eine wichtige Rolle spielen.

An die Art wie die Rätsel aufgebaut sind, gilt es sich allerdings auch erst einmal zu gewöhnen. Denn im Vergleich zu diversen Genrevertretern liegt der Fokus in A Rose in the Twilight weniger auf Logik als auf gutem Timing und der Durchführung der richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge. Dies kann dabei durchaus ungewohnt sein, insbesondere wenn man das Timing verpasst oder aber versehentlich ein wichtiges Objekt in einen Abgrund fallen lässt. Geschieht so etwas, ist es in der Regel notwendig, den aktuellen Raum neuzustarten, da das Rätsel sonst nicht mehr lösbar ist. Dies kann dabei besonders frustrierend sein, wenn man ein längeres Rätsel aufgrund von technischen Unsauberkeiten wieder und wieder von vorne beginnen muss.

 

Abwechslungsreiche Rätsel ...
Intuitives Gameplay
Erfrischendes Artdesign
Düstere Geschichte
... die zu sehr vom Timing abhängen
Welt wirkt teils etwas steril

Daniel M.

Nippon Ichi Software zeigt mit A Rose in Twilight abermals, dass man sich nicht immer nur auf früheren Erfolgen ausruhen muss, und wie wichtig und vor allem interessant kreative Neuentwicklungen sein können. Dabei wartet der Puzzler mit einem einzigartigen Artdesign auf, welches die Gefühle und die Stimmung des Spielers in mehr als nur einer Weise berührt. Gerade wenn das kleine süße Mädchen Rose ihren Kopf in einer Guillotine platziert und das Fallbeil nach unten saust, nur damit eine verschlossene Tür geöffnet werden kann, wandern die Augenbrauen verwundert nach oben. Etwas schade ist allerdings, dass das Gameplay nicht annähernd so abwechslungsreich und logisch konstruiert wurde wie man es von anderen Genrevertretern kennt und gewohnt ist. A Rose in the Twilight ist entsprechend kein Meisterwerk, kann sich aber gerade bei Fans des Genres durchaus lohnen, was zudem auch auf die recht ungewöhnlichen Machart des Titels zurückzuführen ist.
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