Test: Adellos


Lebe deinen Traum! Dieses Motto hat sich auch Till Engel zu Herzen genommen. Der Strategiespielfan hat auf der SPIEL in Essen sein erstes Brettspiel veröffentlicht. Ohne großen Verlag im Rücken wurden 1.000 Exemplare seines Erstlingswerks Adellos produziert und auf der Messe verkauft. Als Inspiration dienten dem jungen Spieleautor dabei unter anderem auch Titel aus der Videospielszene wie zum Beispiel Battle of Wesnoth. Herausgekommen ist dabei ein schlankes Strategiespiel mit einem guten Mix aus hoher Zugänglichkeit und taktischer Herausforderung.

In Adellos übernehmt ihr die Kontrolle über eine von vier unterschiedlichen Fraktionen. Euer Ziel? Ganz einfach, die Weltherrschaft an euch zu reißen. Dazu eliminiert ihr die Adligen, die Anführer der feindlichen Fraktion. Ihr habt das Spiel gewonnen, wenn euer Adlige der letzte Überlebende ist. Für den Spielsieg besteht aber noch eine alternative Siegmöglichkeit. In der Mitte des Spielfelds befindet sich ein Turm, den ihr mit euren Armeen einnehmen könnt. Gelingt es euch, das Turmfeld über eine bestimmte Rundenzahl zu behaupten, habt ihr die Partie ebenfalls für euch entschieden. Dieses Element fügt dem Spiel einen ziemlich klassischen King-of-the-Hill-Modus hinzu.

Vier Fraktionen – ein Ziel

Zu jeder Fraktion gehören drei Adlige, jeder von ihnen verfügt über eine individuelle Sonderfähigkeit. Bei Spielbeginn wählt ihr einen dieser Anführer aus und platziert in auf einer der Burgen auf dem Spielfeld. Der gewählte Adlige stellt praktisch euer Alter Ego im Spiel dar, scheidet er aus dem Spiel aus, dann ist auch eure Partie sofort beendet.

Als kleine Starthilfe erhaltet ihr nun ein paar Goldstücke, die ihr sogleich in eure ersten militärischen Einheiten investieren dürft. Die Armeen der Fraktionen unterscheiden sich dabei grundlegend. Jeder Adlige greift auf einen eigenen militärischen Fundus zurück. Die rivalisierenden Parteien spielen sich auch tatsächlich sehr verschieden. Die Wahl der Armee hat somit einen gewissen Einfluss auf die gewählte Taktik. Ihr könnt euch in Adellos zwischen der Armee des Königs, den Rebellen, den Untoten und dem klerikalen Orden entscheiden.

Einfache Basisregeln

Auch die Einheiten, die ihr fortwährend ins Spiel bringt, verfügen über bestimmte Eigenschaften. Ein paar Basisangaben findet ihr auf jedem Einheitenplättchen. Dazu zählen Kaufpreis, Bewegungsreichweite sowie Angriffs- und Verteidigungswert. Zudem verfügen viele Einheiten auch noch über eine Sonderfertigkeit.

Für die Weiterentwicklung sind vor allem die Fähigkeiten „Ancient Wisdom“ und „Income“ von Bedeutung. Armeeplättchen mit altem Wissen spendieren euch jede Runde neue Ereigniskarten, die euch weitere Vorteile einbringen. Die Einkommen-Fähigkeit ist ebenfalls sehr wichtig. Mit ihr erhaltet ihr frische Goldreserven, mit denen ihr eure Armee weiter aufrüsten könnt.

Armee mit Superkräften

Doch auch außerhalb der Basisversorgung besitzen viele Einheiten ganz spezielle Kräfte. Damit ihr nicht den Überblick verliert, bekommt jeder eine Übersichtskarte. Auf dieser findet ihr alle Sonderfertigkeiten wieder. Es gibt vier allgemeine Fähigkeiten, die auf den Armeeplättchen aller Fraktionen auftauchen. Dazu verfügt jede Fraktion noch über drei ganz besondere Gimmicks, auf die nur sie Zugriff haben. Für genügend Diversität ist somit auf jeden Fall gesorgt.

Die meisten Aktionen sollen euch im direkten Kampf unterstützen. Die Gefechte stehen im Mittelpunkt von Adellos. Eine lange Aufbauphase oder ähnliches ist nicht vorgesehen. Die Kämpfe selbst gestalten sich dabei, zumindest regeltechnisch, ziemlich einfach. Der Angriffswert der attackierenden Einheit muss größer sein als der Verteidigungswert der angegriffenen Einheit. Fertig! Es werden keine Schadenspunkte mit in die nächste Runde genommen. Ebenso schlägt auch der Verteidiger nicht zurück. Besiegte Einheiten werden vom Spielfeld genommen.

Es kommt Schwung ins Spiel

Ganz so einfach wie es sich hier liest, sind die Kampfabläufe in Adellos aber natürlich nicht. Der finale Kampfwert einer Einheit kann durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden. So verfügt die Königsarmee etwa über die Leadership-Fähigkeit, die allen benachbarten Angreifern einen Bonus geben. Assassinen erhalten hingegen einen besonders hohen Aufschlag, wenn sie es auf einen adligen Gegner abgesehen haben.

All diese genannten Faktoren lassen sich vor dem Kampf ermitteln und so den Sieger theoretisch direkt festlegen. Allerdings dürfen sowohl Angreifer als auch Verteidiger beliebig viele Ereigniskarten spielen. Über das Ausspielen von Ereigniskarten können weitere Boni addiert werden. So lässt sich im Voraus selten definitiv ermitteln, wer das Gefecht für sich entscheiden wird.

Aktionsradius limitiert

Viele Strategiespiele, bei denen die militärische Auseinandersetzung im Mittelpunkt steht, dauern eine halbe Ewigkeit. Das liegt vor allem daran, dass sich auf dem Spielfeld immer mehr Armeen befinden und somit die Züge der Spieler bald epische Ausmaße annehmen. Dieses Problem hat Adellos ganz gut umschifft. Die meisten Handlungen im Spiel müssen durch Aktionspunkte bezahlt werden.

Wollt ihr eine Armee bewegen, müsst ihr einen Aktionspunkt investieren. Gleiches gilt für die Durchführung eines Angriffs. Selbst viele Ereigniskarten sowie einige Charaktereigenschaften können nicht ohne Aktionspunkte ausgeführt werden. Da euch bei Spielbeginn pro Runde lediglich drei Punkte zur Verfügung stehen, sind eure Möglichkeiten ziemlich beschränkt. Im Verlauf der Partie wird sich die Situation zwar ein wenig entspannen, doch häufig werdet ihr nicht alle Aktionen ausführen können, die ihr eigentlich vornehmen möchtet. Um euren Aktionsradius etwas zu erweitern, könnt ihr beispielsweise Armee mit dem Vorteil „Tactical Advantage“ anheuern. Für jede Einheit mit dieser Eigenschaft erhaltet ihr bei Rundenbeginn einen Aktionspunkt.

Kurz und knackig

Wenn sich die Spieler ein wenig auf ihre eigentliche Aufgabe fokussieren, ist eine Partie Adellos auch im Rutsch vorbei. Mit zwei Spielern sitzt ihr oft nur gerade mal zwanzig Minuten am Tisch. Bei vier Spielern erhöht sich die Spieldauer auf eine Dreiviertelstunde. Im stationären Handel werdet ihr das Spiel vermutlich nicht aufstöbern können. Deshalb empfehle ich euch die Bestellung über den Online-Shop des Verlags. Dort könnt ihr das Spiel zum Preis von 30€ erwerben.

kompaktes und knackiges Strategiespiel
vier verschiedene Fraktionen spielbar
gutes Balancing
einfaches Grundregelwerk
Spieler scheiden komplett aus dem Spiel aus

Sebastian Hamers

Brettspiele im Eigenverlag sind nicht selten ein zweischneidiges Schwert. Während Spiele von großen Verlagen vor der Veröffentlichung durch einen erfahrenen Redakteur geprüft und überarbeitet werden, lastet die Verantwortung bei kleinen Verlagen oft allein auf den Schultern des Spieleautors. Till Engel hat seinem Spiel zum Glück einen langen Testlauf von mehreren Monaten spendiert. Diese Vorlaufphase kommt dem fertigen Produkt zugute. Die vier Fraktionen sind in der Stärke gut ausbalanciert, obwohl sie sich alle doch recht deutlich voneinander unterscheiden. Etwas weniger abwechslungsreich fallen dafür die Ereigniskarten aus, von denen es lediglich 17 unterschiedliche Varianten gibt. Dafür habt ihr die Optionen, die euch diese Karten bieten, jedoch auch immer recht gut im Blick. Dadurch wird das Spiel taktischer, beinhaltet aber auch weniger Überraschungsmomente. Gut gefallen hat mir das unterschiedliche Spielgefühl, das die vier Fraktionen vermitteln. Dazu kommt natürlich noch, dass ihr euch nach der Fraktionswahl zusätzlich für einen von drei adligen Anführern entscheiden müsst. Das erhöht die Varianz im Spiel nochmal ein Stück. Adellos hat einen starken Fokus auf die militärische Auseinandersetzung. Große Aufbauphasen solltet ihr von diesem Spiel nicht erwarten. Es geht von Beginn an darum, die Gegenspieler auszuschalten. Damit einher geht auch, dass im Spielverlauf auch immer wieder Spieler ausscheiden und bis Spielende zum Zusehen verdammt sind. Bei einer recht kurzen Spielzeit von bis zu 45 Minuten ist das aber noch zu verschmerzen.
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