Test: Agentenjagd

Die Brettspiel-Szene hat sich gerade in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Frische Mechaniken, das stärkere Einbinden von erzählerischen Momenten und immer häufiger auch der Einsatz von technischen Hilfsmitteln haben den analogen Spielen gehörig Schub verschafft. Auf der technischen Seite setzen die Brettspiel-Entwickler mittlerweile auch regelmäßig Software ein, um das Spiel aufzupeppen. So geschehen auch in Agentenjagd von Schmidt Spiele. Die dazugehörige App müsst ihr vor dem Spielen auf euer Smartphone oder Tablet herunterladen. Bei Agentenjagd erwartet euch so ein Hybrid aus Brett- und Videospiel.

Der Name des Spiels lässt es schon vermuten, in Agentenjagd müsst ihr einem geheimnisvollen Spion auf die Schliche kommen und seinen Standort ausfindig machen. Dazu bereist ihr die Weltkarte mit vier unterschiedlichen Transportmitteln: Motorrad, Sportwagen, Helikopter und Jet. Auf den ersten Blick erinnert das Ganze ein wenig an den Brettspiel-Klassiker Scotland Yard. Bei genauerem Hinsehen lassen sich zwar durchaus einige Parallelen feststellen, es finden sich aber auch genügend Punkte, die Agentenjagd zu einer ganz eigenen Erfahrung machen.

Die Jagd mit dem Smartphone

Als Agentenjäger legt die App zunächst eure Position auf der Weltkarte fest, jeder Spieler startet dabei von einem anderen Ort seine Jagd nach dem Spion. Weiterhin legt die App auch die Position des Spions fest. Im Gegensatz zu Mr. X aus Scotland Yard bewegt sich der Spion im Spielverlauf nicht mehr, er verbleibt das gesamte Spiel über an einem Ort. In jedem Kontinent befindet sich zudem noch ein Informant, der euch einige Aktionskarten mit auf den Weg gibt, sobald ihr ihn entdeckt habt. In Agentenjagd muss dank der App also niemand die Rolle des Gejagten übernehmen. Alle Spieler können sich ganz auf ihre Suche konzentrieren und der Software die ganze Verwaltungsarbeit überlassen.

In jedem Zug dürft ihr maximal zwei Aktionen ausführen. Eure Optionen sind überschaubar, entweder ihr führt eine Reise zu einem anderen Ort durch oder aber ihr setzt eine Aktionskarte ein. Reisen könnt ihr immer nur über festgelegte Routen. Je nachdem in welcher Stadt ihr euch befindet, stehen euch unterschiedliche Reisewege zur Verfügung. Von einigen Städten aus könnt ihr gleich vier andere Städte erreichen, andere Ortschaften bieten euch aber auch mal nur zwei oder gar nur eine Reisemöglichkeit an.

Hinweise sammeln

Die Reisewege sind auf dem Spielplan farbig gestaltet, jede Farbe steht für ein anderes Transportmittel. Befindet ihr euch etwa in Berlin, so könnt ihr mit dem Helikopter nach London fliegen, einen Jet nach Paris buchen, mit dem Sportwagen nach Stockholm brettern oder aber per Motorrad nach Prag fahren. In der App tippt ihr jetzt einfach auf das gewünschte Transportmittel und bewegt eure Spielfigur auf das entsprechende Feld auf dem Spielplan.

Am Ende eures Zuges erhaltet ihr von der App noch einen geheimen Hinweis. Ihr erfahrt nun, wie viele Felder der Informant des Kontinents, in dem ihr euch gerade befindet, von euch entfernt steht. Durch weiteres Reisen und den Einsatz von etwas Hirnschmalz könnt ihr nun sicher bald herausfinden, in welcher Stadt sich der Informant aufhält. Die App wird euch sofort darüber informieren, wenn ihr in einer Stadt auf den Informanten gestoßen seid. Zur Belohnung bekommt ihr nun ein paar Aktionskarten, die euch im weiteren Spielverlauf bei der Suche nach dem mysteriösen Spion weiterhelfen sollen.

Der Weg zum Spion führt über die Informanten

Damit eure Mitspieler nicht direkt mitbekommen, in welcher Stadt ihr einen Informanten entdeckt habt, zieht ihr eure Belohnungskarten erst, wenn ihr den aktuellen Kontinent wieder verlassen habt. Die Aktionskarten, die euch der Informant an die Hand gibt, sind eure wertvollsten Waffen im Spiel. Nur über sie erfahrt ihr etwas über den Aufenthaltsort des Spions. Die Aktionskarte „Suche nach dem Spion“ etwa gibt euch eine Information darüber, wie viele Felder der Spion von eurem aktuellen Standort entfernt ist. Bei der Erfassung der Felder wird immer der kürzeste Weg als Grundlage herangezogen. Die Aktionskarte „Hinweis auf den Spion“ zeigt euch die Richtung an, in der sich der Spion von euch aus gesehen befindet.

Viele Aktionskarten dienen nicht dem Aufspüren des Spions, sondern boykottieren die Aktionen eurer Mitspieler. Ihr könnt zum Beispiel für eine Runde sämtliche Straßen sperren, sodass die Transportmittel Sportwagen und Motorrad nicht verwendet werden dürfen. Ebenso lassen sich die Flughäfen vorübergehend schließen. Zum Glück gibt es aber auch die passende Konterkarte, die euch sowohl Flughäfen als auch die Straßen wieder öffnen lässt.

Die Mitspieler ausstechen

Die Karte „Sabotage“ sabotiert hingegen ein zufälliges Transportmittel. Der Clou: nur der aktive Spieler erfährt, um welches Transportmittel es sich dabei handelt. Alle anderen Spieler können ins offene Messer laufen und setzen sich der Gefahr aus, zwei Aktionskarten an den Saboteur zu verlieren, sofern er das boykottierte Transportmittel verwendet. Ebenso ist eine Abhör-Aktion möglich. Damit erfahrt ihr, wie viele Felder sich ein anderer Spieler vom Spion entfernt befindet.

Die Aktionskarte „Fallschirmsprung“ hilft euch dabei, größere Distanzen zu überwinden, ihr reist damit an einen zufälligen Ort, der sich auf der anderen Seite des Spielplans befindet. Etwas zielsicherer kommt ihr mit der Karte „Weiterer Zug“ voran. Mit ihr dürft ihr gleich zwei Züge in Folge tätigen.

Gezielte Suche nach dem Spion

Bei der Suche nach dem Spion reicht es, im Gegensatz zu den Informanten, nicht aus, einfach nur zufällig in der gleichen Stadt zu stehen. Nach dem Spion muss aktiv gesucht werden. Dazu gibt es in der App ein eigenes Feld, das ihr betätigen müsst, wenn ihr glaubt, in der gleichen Stadt wie der Spion zu stehen. Liegt ihr mit eurer Vermutung richtig, habt ihr das Spiel gewonnen. Falls nicht, wird die vergebliche Suche mit einer Zeitstrafe belegt und ihr müsst eine Runde aussetzen.

Agentenjagd von Schmidt Spiele sollte mittlerweile im Handel flächendeckend eingetroffen sein. Das Spiel kostet etwa 20€. Die begleitende App ist für iOS und Android verfügbar und kann ohne weitere Kosten aus den entsprechenden Stores heruntergeladen werden. Ohne Smartphone oder Tablet ist Agentenjagd nicht spielbar. Agentenjagd ist für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren geeignet. Eine Partie dauert ungefähr zwanzig Minuten.

mit vier bemalten Miniaturen
fordert Kombinationsgabe
erfordert keine große Einarbeitung
App übernimmt lästige Verwaltungsaufgaben
nicht ohne Smartphone oder Tablet spielbar

Sebastian Hamers

Optisch macht Agentenjagd einiges her. Dazu tragen vor allem die vier bemalten Miniaturen bei, die ihr im Spielverlauf über das Spielbrett bewegt. Letzteres ist hingegen eher zweckmäßig gestaltet, bietet aber dank der farbigen Linien einen guten Überblick über eure Reiseoptionen. Das Spiel selbst ist eine kleine Herausforderung für eure Gehirnzellen. Aus den Hinweisen der App, in Kombination mit eurem eigenen Aufenthaltsort, müsst ihr die Positionen der Informanten und des Spions enttarnen. Diese Aufgabe ist zwar nicht riesig komplex, aber ganz ohne gedankliche Anstrengung geht es nicht. Richtig Spaß machen die Aktionskarten, mit denen ihr nicht nur Hinweise auf den Spion erhaltet, sondern auch eure Mitspieler schön boykottieren könnt. Gerade gegen Ende des Spiels, wenn sich der Zielort deutlich herauskristallisiert, kann es richtig Spaß machen, den Gegnern die Reisewege abzuschneiden oder mit einem Extra-Zug, den Spion doch noch als erster Spieler auffliegen zu lassen. Angenehm kurz fällt auch das Regelwerk aus. Auf vier reichlich bebilderte Seiten findet ihr alles, was ihr zum Spiel braucht. Den Rest erledigt die App. Mir hat die Jagd nach dem Spion viel Freude bereitet und dank des nicht zu komplexen Rätselniveaus lässt es sich zudem auch prima mit Kindern spielen.
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