Test: Alles an Bord?!

Alles an Bord! Auf hoher See ist wieder einmal der Teufel los.  Das Leben als Seefahrer ist manchmal ganz schön stressig. Vor allem beim Beladen der Ausrüstung geht es heiß her. Als Kapitän eines Schiffes müsst ihr in Windeseile eure sieben Sachen zusammenpacken, bevor es dann auf See geht. Während der Reise erlebt ihr eine Menge Abenteuer. Hoffentlich habt ihr die richtige Ausrüstung an Bord, denn mit dieser könnt ihr Waren und Goldstücke einkassieren. Am Ende der Fahrt dürft ihr noch einige Aufträge erfüllen und so überschüssige Waren in Gold verwandeln. Als guter Kapitän müsst ihr in „Alles an Bord“ somit nicht nur schnell, sondern auch vorausschauend agieren. Arrrgh!

Schon der Aufbau von „Alles an Bord“ ist ein wenig ungewöhnlich. Jeder Spieler bekommt ein eigenes Schiff, das in der ersten Phase des Spiels mit Ausrüstungsgegenständen und Waren beladen werden kann. Jedes Schiff verfügt über Ladeplätze auf Deck sowie unter Deck. Die Lagerräume unter Deck sind durch einen kleinen Sichtschirm abgetrennt, sodass eure Gegenspieler keinen Einblick auf eure dort eingelagerten Gegenstände haben. Wie ihr eure Lagerräume am besten nutzt, hängt von den ausliegenden Abenteuerkarten ab, die ihr kreisförmig in der Tischmitte anordnet. In jeder Runde werden dort dreizehn Karten verdeckt ausgelegt.

Den Goldschatz im Blick

In den Kreis aus den dreizehn Abenteuerkarten werft ihr jetzt einfach sämtliche 84 Ausrüstungsplättchen. Es ist dabei völlig egal, ob sie auf der verdeckten oder auf der offenen Seite landen. Dann kann das Spiel auch schon beginnen, indem ihr gemeinsam mit dem Schlachtruf „Alles an Bord!“ loslegt. Gemeinsam deckt ihr zunächst die dreizehn Abenteuerkarten auf. Erst jetzt bekommt ihr einen Einblick, welche Ausrüstungsgegenstände euch auf der Reise von Nutzen sein können.

Auf den Abenteuerkarten findet ihr eine Angabe dazu, welche Ausrüstungsgegenstände ihr in bestimmte Waren oder Goldstücke umwandeln könnt. Am Ende des Spiels wollt ihr als reichster Kapitän von Bord gehen, ihr wollt also möglichst viele Goldmünzen einsammeln. Die Waren, die ihr euch durch den Tausch von Ausrüstungsgegenständen erhandelt, sind also nur Mittel zum Zweck.

Chaos an der Ladestelle

Für euch als Kapitän gilt es jetzt, wenigstens einen groben Überblick über die Optionen zu behalten, um an möglichst viel Gold zu gelangen. Welche Ausrüstung kann ich in Waren umwandeln? Welche Waren benötige ich, um an Gold zu kommen? Bei all diesen Überlegungen wird zudem schnell auch mal vergessen, dass euer Schiff nur begrenzte Ladekapazitäten hat. Habt ihr euch hier verkalkuliert, müsst ihr möglicherweise Ausrüstung oder Waren über Bord kippen, die ihr dann später nicht mehr für den Zugewinn von Gold verwenden könnt.

Als wäre das alles nicht schon schwierig genug, kommt auch noch ein gewisser Zeitdruck hinzu. Die Verteilung der Ausrüstung geschieht ganz im Piraten-Stil. Jeder greift einfach in die Mitte und nimmt sich die Ausrüstungsgegenstände, die er kriegen kann. Ok, ein paar wenige Regeln müsst ihr dabei dann doch befolgen. Zunächst dürft ihr nur mit einer Hand in den Plättchenhaufen in der Tischmitte hineingreifen. Nehmt ein Plättchen in die Hand und prüft, ob ihr es für die anstehende Fahrt gebrauchen könnt. Falls nicht, werft ihr es einfach wieder in die Mitte zurück und setzt eure Suche nach einem passenderen Ausrüstungsplättchen fort. Wollt ihr den Ausrüstungsgegenstand an Bord einlagern, legt ihr es an ein freies Feld auf eurem Schiffstableau. Wenn ihr ein bestimmtes Plättchen vor den neugierigen Blicken der Mitspieler schützen wollt, legt ihr es einfach unter Deck, wo es hinter dem Sichtschirm verschwindet. Unter Deck befinden sich auch noch zwei spezielle Lagerräume. Dort dürft ihr in dieser Phase des Spiels schon zwei beliebige Waren platzieren und mit auf die Reise nehmen.

Abenteuer auf Reisen

In den Plättchenhaufen haben sich auch noch zwei ganz besondere Formen der Ausrüstung gemischt. Da wären zunächst drei Äffchen, die lediglich die Funktion haben, euch noch weiter zu verwirren. Die Äffchen dienen keinem Zweck. Habt ihr ein solches Plättchen gezogen, werft es einfach wieder zu den anderen auf den Haufen. Deutlich hilfreicher sind da schon die zusätzlichen Lageplätze. Im Verlauf der Reise könnt ihr auf ein solches Plättchen später zwei Waren statt nur einer lagern. Ihr verzichtet also zunächst auf die Mitnahme eines Ausrüstungsgegenstands, habt dafür aber später etwas mehr Platz zum Lagern von Waren.

Während der Lade-Phase seid ihr schon etwas unter Druck, da ihr natürlich bestrebt seid, eure Lagerflächen möglichst optimal zu nutzen. Sobald der erste Spieler sein Schiff vollständig beladen hat, ruft dieser laut „Leinen los!“ und sammelt die dreizehn ausliegenden Abenteuerkarten ein und legt sich verdeckt vor sich ab. Anschließend dürft ihr euer eigenes Schiff noch weiter beladen, habt nun aber keinen Einblick mehr, welche Ausrüstungsgegenstände während der Reise hilfreich sind. Ihr müsst euch also auf euer Gedächtnis verlassen oder aber notfalls einfach mal gucken, was eure Mitspieler so eingelagert haben.

Über Handelsschiffe und Piraten

Erst wenn alle Spieler ihre Schiffe vollständig bepackt haben, kann die Seereise beginnen. Nacheinander werden nun die eingesammelten Abenteuerkarten wieder aufgedeckt. Die Karten sind dabei in vier Kategorien unterteilt. Bei einer Entdeckungskarte könnt ihr Ausrüstungsgegenstände einsetzen, um die auf der Karte angegebene Belohnung zu bekommen. Die Aktion auf der Karte kann von jedem Spieler durchgeführt werden. Handelskarten erlauben euch hingegen bestimmte Waren abzugeben und dafür etwas anderes zu erhalten.

Spannend wird es bei den Piratenschiffen. Bevor die Karte herumgedreht wird, müsst ihr euch entscheiden, ob ihr dem Schiff entgegentreten oder lieben fliehen möchtet. Bei einer Flucht passiert nichts weiter, ihr segelt den Piraten davon. Es wird keine Beute gemacht, aber es entsteht euch auch kein Schaden. Wollt ihr mutig dem Piratenschiff entgegensegeln, dreht ihr die Karte jetzt herum und müsst den angegebenen Deal jetzt erfüllen. Das Tauschangebot der Piraten kann sehr lukrativ sein. Könnt ihr den Handel aber nicht erfüllen, weil ihr die benötigten Ressourcen gar nicht besitzt, müsst ihr Strafe an die Piraten zahlen. Zwei Goldstücke sowie eine Ware eurer Wahl müssen nun abgelegt werden.

Die Auftragskarten werden erst ganz zum Schluss abgehandelt. Erst wenn alle Entdeckungs-, Handels- und Piratenkarten abgewickelt wurden, werden die Aufträge nacheinander aufgedeckt. Hier könnt ihr nochmals Waren abgeben und sie gegen klingende Münze eintauschen. Habt ihr gut geplant, springt jetzt noch so einiges an Gold für euch raus.

Zweite Runde unter erschwerten Bedingungen

Wenn ihr alle dreizehn Abenteuerkarten abgehandelt habt, geht es in die zweite und gleichzeitig auch letzte Runde. Zuvor bekommt ihr aber noch ein Goldstück für jede Ware, die sich jetzt noch auf eurem Schiffstableau befindet. Ihr dürft die Waren nicht mit in die zweite Runde nehmen. Weiterhin müsst ihr nun Goldmünzen im Wert von zehn Goldmünzen in eine Schatztruhe mit dem gleichen Wert umtauschen. Schatzkisten müsst ihr aber leider auf einen freien Lagerplatz stellen, der euch dann im restlichen Spiel nicht mehr zur Verfügung steht.

Seefahrer, die in der ersten Runde nicht so effizient gearbeitet haben, gehen somit nun möglicherweise mit einem kleinen Startvorteil in Runde zwei. Goldstücke mit einem Wert von bis zu neun Münzen belasten eure Lagerfläche hingegen nicht. Der Spieler, der nach der ersten Runde am wenigsten Gold gesammelt hat, bekommt zusätzlich noch einen weiteren Vorteil. Auf seinen Reisen begleitet ihn ein Papagei, der einmalig als ein beliebiger Ausrüstungsgegenstand eingesetzt werden kann.

Nach zwei Runden endet „Alles von Bord“. Der Spieler mit dem meisten Gold, gewinnt das Spiel. Für eine Partie müsst ihr nicht mehr als eine halbe Stunde einplanen. „Alles an Bord“ ist für zwei bis vier Spieler ab sieben Jahren geeignet und kostet zwischen 25€ und 30€.

die zwei Spielphasen spielen sich sehr unterschiedlich
schöne Kombi aus schnellen und ruhigen Anteilen
schnell erklärt, schnell gespielt
spricht Kinder und Erwachsene gleichermaßen an
Sichtschirme lassen sich nicht immer zuverlässig befestigen

Sebastian Hamers

„Alles an Bord“ spielt sich durch seine Unterteilung in zwei Phasen ziemlich abwechslungsreich. In der ersten Phase kann es durchaus hektisch werden, wenn jeder Spieler im Haufen der Ausrüstungsplättchen herumwühlt. Kommt das Signal „Leinen los!“ ist zudem ein gutes Gedächtnis gefragt. Wenn ihr jetzt einen guten Überblick behaltet, könnt ihr euch auch so noch ganz gut in den anstehenden Abenteuern schlagen. Ein gutes Erinnerungsvermögen kann euch den Zeitdruck so zumindest ein bisschen nehmen. Etwas taktischer wird es dann in der zweiten Phase. Ihr müsst euch gut überlegen, wann ihr welche Ressource einsetzen wollt. Gute Planung ist auf jeden Fall hilfreich. Noch hilfreicher ist aber auch hier ein gutes Gedächtnis, denn schließlich dreht es sich am Ende nur ums Gold. Wer gut im Blick behält, mit welchen Waren sich die meisten Goldstücke erzielen lassen, geht am Ende als Sieger von Bord. Kinder kommen mit „Alles an Bord“ gut zurecht, da sie sich meist im hektischen Teil des Spiels recht gut schlagen, aber auch über ein gutes Erinnerungsvermögen verfügen. Wer schon einmal gegen ein Kind gnadenlos beim Memory-Spiel verloren hat, weiß Bescheid. Trotzdem ist „Alles an Bord“ kein Kinderspiel, sondern ein Familienspiel im besten Sinne. Das Spiel funktioniert im Familienkreis ebenso gut wie in reinen Erwachsenenrunden.
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