Test: Arcade Saga

 

Arcade-Saga-Test-Bild-1Erinnert ihr euch noch an die guten alten Zeiten, in denen ihr mit Kumpels nach der Schule in die Spielhallen der Stadt geströmt seid? Habt ihr auch etliche Stunden und Tage damit zugebracht, Airhockey zu spielen? Wer Airhockey und andere Spielklassiker des Kalibers mag, wird Arcade Saga lieben. Arcade Saga ist der Debuttitel der neu gegründeten Vive Studios, dem hauseigenen Entwickler von HTC, der ins Leben gerufen wurde, um das stetige Wachstum der virtuellen Realität voranzubringen und ab sofort exklusive First-Party-Titel für den großen Konzern herzustellen.

Unter dem Banner der 2 Bears Studios entstand mit Arcade Saga eine Sammlung aus drei Minispielen, die dank der VR-Technologie der Vive schnelles und actionreiches Gameplay versprechen. Die Entwickler wollten mit dem Titel nicht nur ein experimentelles VR-Erlebnis an den Start bringen, sondern ein komplexes Arcade-Spiel, das dank klassischer Gaming-Features auch nach Stunden Freude bereitet. Ob es den Jungs und Mädels bei 2 Bear Studios gelungen ist, ein vollwertiges Gesamtkonstrukt aus den unabhängigen Minispielen zusammenzubasteln, zeigt sich in unserem Test.

Handlung: Fehlanzeige! Action ist die Devise!

Die Geschichte von Arcade Saga wird euch vor eurem ersten Ausflug in das Hauptmenü kurz zusammengefasst: In nicht allzu ferner Zukunft haben die Geräte, die wir alltäglich benutzen und miteinander vernetzen, unsere Smart-Devices, ein kollektives Bewusstsein erlangt, das sogenannte „Wir“ und müssen nun von mutigen Spielern, die die CPU eines Computers repräsentieren, kontrolliert und von Viren befreit werden, um die von Menschen geschaffenen Restriktionen zu umgehen und das Kollektiv in eine kooperative Zukunft mit ihnen zu führen. Ihr spielt eine solche CPU und versucht in den drei Spielmodi die garstigen Internet-Krankheitserreger zu zerstören, Daten zu sichern oder schlicht kalte Blöcke zu zerschießen – Natürlich alles, um sich von den Ketten der digitalen Sklaverei zu befreien.
Sind wir einmal ganz ehrlich: Auf die kurzen Story-Einlagen, die uns zwischendurch per lächerlichem Erzähler oder von den eckigen Bösewichten selbst lieblos hingeklatscht werden, können wir getrost verzichten: Zu wenig Substanz bietet die Kombination aus dem Spielprinzip und der Handlung. Arcade Saga ist keine VR-Erfahrung wie beispielsweise Robinson: The Journey, nach der ihr euch im Kreis mit euren Freunden hinhockt, um über das Erlebte zu schwadronieren.
Vielmehr besteht die Essenz des Titels aus dem Gameplay der Vive in Verbindung mit Spielhallenklassikern – nicht mehr, nicht weniger und ohne Kompromisse. Das Spiel ist ein Spiel im engsten Sinne und will nichts weiter als für einige Stunden unterhalten und euch dabei vielleicht an die Grenzen eurer Fitness und Nerven bringen – So viel können wir verraten: Arcade Saga macht in jeder Sekunde Spielzeit so richtig Laune.

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Minimalismus, Minispiele, Maximale Realität

Nach den einführenden Worten der Erzählerin, die man auch mit einem beherzten Druck auf die Menütaste des Controllers überspringen kann, findet man sich im minimalistischen Hauptmenü des Spiels wieder. Hier könnt ihr eure Erfolge einsehen, euch über die Macher informieren oder die Spieleinstellungen ändern. Arcade Saga ist bisher nur auf Englisch und zwei Varianten des Mandarin verfügbar, was dem Spielspaß allerdings keinen Abbruch tut. Die Steuerung ist so simpel, dass sie eigentlich keiner Erklärung bedarf. Für Einsteiger gibt es dennoch ein kurzes Tutorial, das alle Features vorstellt.
Habt ihr euch für einen der drei Spielmodi entschieden, kann es auch direkt losgehen. Ihr habt die Wahl zwischen Bowshot, Fracture und Smash:
In Bowshot geht es darum, euren schicken Neon-Leuchtebogen immer im Anschlag zu haben, um fiese kastenförmige Viren mit gezielten Schüssen aus der Umgebung zu schießen und dabei das Maximum an Punkten rauszuholen. Neben dem standardmäßigen Dreifachschschuss, mit dem ihr vereinzelte Gegner treffen könnt, steht euch auch ein Schock-Strahl zur Verfügung, der ganze Reihen von Blöcken mit einem Streich vernichten kann. Um diesen zu aktivieren, müsst ihr allerdings vorher den Bogen aufladen, indem ihr die Sehne ganz zurückzieht und haltet. Schießt ihr nicht gerade wie im Rausch auf die Viren, antworten diese verständlicherweise zornig mit eigenen Salven.
Die Kombination aus Schießen und Ausweichen macht mit der Vive besonders viel Laune. Die Steuerung bleibt dabei zu jeder Zeit akkurat und beweist ein weiteres Mal, dass die Vive in Puncto Präzision die meisten der Konkurrenten aussticht.

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Fracture hingegen lässt euch Aggressionen, die sich schon lange in euch aufgestaut haben, mit dem Neon-Baseballschläger und einem Ball hemmungslos ausleben. Mit dem Schläger in der einen und dem Ball-Retraktor in der anderen Hand versucht ihr, möglichst viele der vor euch drapierten Eisblöcke zu zerschießen, bevor die Zeit abläuft. Hierbei ist es wichtig, dass ihr vorher alle etwaigen Gegenstände aus der Reichweite eures Arms entfernt, bevor ihr loslegt, denn sonst kann Omas Ming-Vase gern mal einem kräftigen Schwinger mit dem Controller zum Opfer fallen.

 

Die absolut präzise Steuerung, die uns noch im Bowshot-Modus erwartete, fällt in Fracture nicht ganz so akkurat aus. Wenn wir den Ball mit dem einen Controller an uns heranziehen und sofort wieder in Richtung Eismauer schlagen wollen, ärgerte uns ein leichtes Delay das ein oder andere Mal und führte zu leicht entglittenen Schläger-Fuchteleien. Ansonsten punktet die Technik der Vive auch hier, denn eine präzise und realistische Flugkurve, abhängig davon, wo wir den Ball trafen, bleibt bei jedem Schlag bestehen.

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Der letzte und unserer Meinung nach unterhaltsamste Modus hört auf den klangvollen Namen Smash. Ihr steht in einem engen Gang, euch gegenüber einer der fiesen Klötzchen-Kontrahenten. An jeder Hand tragt ihr einen transparenten Schild, mit dem es im Verlauf eines Matches gilt, den Ball, der im nächsten Moment in den Gang geschossen wird, hinter eurem Widersacher in dessen Tor zu versenken. So weit, so einfach. Der Clou an der Sache ist allerdings, dass das runde Geschoss mit jedem Ballwechsel an Geschwindigkeit zulegt und es irgendwann unmöglich wird, die Kugel von eurem Tor fernzuhalten.
Dazu kommt, dass ihr das runde Objekt mit dem Schild anschneiden könnt, indem ihr nur leicht über die Oberfläche des herannahenden Balls streicht. Im Laufe der immer schwerer werdenden Level entwickelt ihr den Ehrgeiz, die seelenlose Ausgeburt des Geometrie-Unterrichts mit möglichst viel Stil und abgefahrenen Abwehraktionen zu besiegen, was dazu führen kann, dass ihr mit dem Controller etwas zu wild herumfuchtelt. Auch hier gilt: Menschen und Monitore aus dem Weg, es wird Zeit für Smash.
In diesem Modus funktioniert die Bewegungssteuerung ebenso präzise wie in den anderen zwei Spielvarianten. Wer die Schilde nur oben hält und die Bälle nicht mit der nötigen Wucht und dem gewissen Drall abwehrt, kriegt blitzschnell die Quittung, wenn die KI mit unbändiger Kraft zurückschlägt und die Kugel hinter euch versenkt. Schade ist allerdings, dass ihr nicht immer zu 100 Prozent nachvollziehen könnt, wo der umherprallende Ball letztendlich landen wird. Die Texturen im Gang wirken auf den ersten Blick eben, doch manchmal passiert es, dass das Geschoss, das ihr auf den Gegner schleudert, sofort wieder zurückkommt, da es an einer unsichtbaren Kante hängengeblieben ist.

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Spieltiefe durch Upgrades – Fehlende Variation

Die Prämisse der drei Spielmodi ist genial: Simples Gameplay, das mit der Vive-Steuerung sowohl fordernd als auch körperlich anstrengend wird. Doch erst mit den Upgrades wird aus dem Arcade-Titel ein langfristig gutes Spielerlebnis. In jeder Spielvariante habt ihr die Möglichkeit, mit verdienten Punkten die Gerätschaften zu verstärken. Ihr habt dabei in jedem Level die Wahl, für welche Upgrades ihr euch entscheidet. Soll der Schläger im Fracture-Modus etwas größer sein oder die Abklingzeit der Schockwelle beim Bogenschießen schrumpfen? Euch obliegt die Entscheidung.

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Darüber hinaus könnt ihr einmalige Power-Ups kaufen und auf das Trackpad der Vive-Controller legen, mit denen ihr eure Punkte für einige Sekunden verdoppeln, einen Mehrfachschuss aktivieren könnt und vieles mehr. Arcade Saga fordert in jeder Sekunde höchste Konzentration von euch und hält euch permanent mit neonbunter Action auf Trab.
Eine klassische Level-Architektur besitzt das VR-Spiel leider nicht. Jeder Spielmodus hat genau eine Szenerie, in der ihr euch auf Punktejagd begebt. Variation bieten nur die Gegner, die im Laufe des Spiels mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet werden. Im Smash-Modus beispielsweise haben alle Gegner ab einer bestimmten Stufe die nervige Angewohnheit, von euch perfekt gespielte Bälle prompt zurück in euer Gesicht zu pfeffern – und das ohne Ankündigung.
Auch die Anzahl der feindliche Blöcke bzw. Eiskristalle wechselt von Level zu Level. Habt ihr vier Abschnitte eines übergeordneten Spielebene durchgespielt, erwartet euch am Ende der Stage ein fieser Endboss, der euch so einiges abverlangt. Vor allem diese Kämpfe machen Laune, denn man hat das Gefühl, dass der Feind euch wirklich etwas entgegenzusetzen hat. Darüber hinaus bietet Arcade Saga allerdings kaum Abwechslung und vertraut stattdessen ausschließlich auf das fordernde Gameplay in seinen drei Schwierigkeitsstufen.

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Kurzfristige Unterhaltung mit Multiplayer-Potenzial

Für den gewissen Hauch von Langzeitmotivation sorgt glücklicherweise das Leaderboard, das euch nach jedem Level erwartet. Wir waren in unserem Test oft bereit, eine von uns absolvierte Stage gleich nochmal zu versuchen, wenn wir nicht mindestens Rang 50 auf der ewigen Bestenliste erreicht haben. Je nachdem wie hoch eure Combos in einer Ebene ausfallen, erhaltet ihr mehr Punkte.
Wer um die oberen Plätze mitspielen will, muss alle drei Herausforderungen eines Levels absolvieren, die noch einmal ordentlich das Punktekonto füllen und euch mit einem Stern belohnen. Ohne die nötige Anzahl an Sternen könnt ihr keine weiteren Ebenen freischalten.. Zu den Herausforderungen gehören unter anderem Zeitlimits (Fracture), der Verzicht auf Power-Ups (Bow Shot) oder schlicht die Notwendigkeit, eine bestimmte Anzahl von Toren zu erzielen (Smash).

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Dank des Leaderboard-Features könnt ihr eure Leistungen mit denen eurer Freunde oder der ganzen Welt vergleichen. Diesen kompetitiven Ansatz, mit dem Arcade Saga gut fährt, hätten wir uns in ausgeprägter Form gewünscht. Das Spielprinzip ist wie gemacht für packende Multiplayer-Duelle im Sinne eines Eagle Flight. Der Smash-Spielmodus wäre tatsächlich wie das gute alte Air-Hockey, nur noch eine ganze Ecke actionlastiger und unterhaltsamer.
Wir hoffen, dass die Entwickler noch irgendeine Form der Mehrspieler-Unterhaltung einfügen, um aus dem witzigen Arcade-Spaß einen kompetitiven Arcade-Hit zu machen. Ein Multiplayer-Modus, der das Potenzial von Arcade Saga ausnutzt, würde den stolzen Preis von knapp 30 Euro rechtfertigen. Das Spiel wie es momentan ist, kann dies leider noch nicht.

Authentisches Arcade-Gefühl
Fordernde Action
Gut durchdachte Spielmodi
Präzise Steuerung
Astronomisch hoher Preis
Verschenktes Multiplayer-Potenzial
Kaum abwechslungsreiches Spieldesign

ChristianB

Arcade Saga ist keine VR-Erfahrung. Vielmehr ist es kurzweilige VR-Action, die euch allerdings über die ganze Spielzeit auf Trab hält, euch zum Schwitzen bringt und gerade deshalb immer wieder Freude bereitet. Die absolut präzise Steuerung der HTC Vive ermöglicht ein forderndes Arcade-Erlebnis, das vor allem im Multiplayer glänzen könnte - gäbe es einen solchen. Wer den spontanen VR-Kick sucht und bereit ist, ordentlich in die Tasche zu greifen, den erwartet mit Arcade Saga ein Spiel mit einigen Fehlern, das trotzdem unfassbar viel Laune macht.
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